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(C) Sven Drieling
Am 20.12.1996 gab Apple bekannt die vom Apple Mitbegründer Steven Jobs 1985 ins Leben gerufene Firma NeXT für 400 Mio. US$ zu kaufen. Damit kehrt auch Steven Jobs als Berater zu Apple zurück.
"Ein großer Teil der PC-Industrie lebt seit über zehn Jahren vom Macintosh und kopiert langsam seine revolutionäre Bedienoberfläche. Jetzt ist es Zeit für neue Innovationen, und wo anders als bei Apple sollten sie entspringen?" (Steve Jobs, http://www.heise.de/newsticker/data/cp-21.12.96-000)
Apple war im letzten Jahr nicht gerade vom Erfolg verwöhnt. Die völlige Fehleinschätzung des Weihnachtsgeschäfts 1995 brachte bei einen Umsatz von 3,15 Mrd. US$ einen Verlust von 69 Mio. US$ Dollar. Grund dafür war, daß Apple im Weihnachtsgeschäft auf den Low-End Bereich(Performas) setzte während die Kundschaft vorallem an Apples High-End Rechner interessiert war. Dies brachte Apple in Lieferschwierigkeiten und führte dazu, daß zum einen Bestellungen über 1 Mrd. US$ nicht erfüllt werden konnten und zum anderen - aufgrund der vollen Lager - die Preise bei den Einsteigeräten um 25% gesenkt werden mußten.
Darauf erfolgten im Laufe des Jahres die Entlassung von 1 300 der weltweit 17 600 bei Apple Beschäftigten wozu im Februar 1996 auch Michael Spindler, der erst 1993 John Sculley("Newton Flop") als Apple Geschäftsführer abgelöst hatte, gehörte. An seiner Stelle trat Gilbert Amelio der zuvor schon National Semiconductor aus einer Finanzkrise navigierte. Seine einsetzenden Sparmaßnahmen bescherten Apple im April jedoch erst einmal einen Verlust von 740 Mio. US$ der hauptsächlich auf die Abschreibung der Lagerbestände beruhte. Im Laufe des Jahres griffen die Sparmaßnahmen jedoch und bescherten Apple im Quartal Juli-September einen Gewinn vo 25 Mio. US$.
Begleitet wurden diese Verluste von Übernahmegerüchten in denen so ziemlich jede große Computerfirma von IBM über Hewlett-Packard, Motorola, Oracle und Sun als Aufkäufer von Apple genannt wurde, wobei die mangelden Vorschritte bei Copland - dem neuen Apple OS - an dem seit 1993 entwickelt und in dem laut Wall Street Journal vom 23.12.1996 inzwischen ca. 500 Mio. US$ investiert wurde die Stimmung bei Apple auch nicht unbedingt verbesserte; denn eigentlich sollte Copland endlich das grundsätzlich von 1984 stammende Mac OS gründlich aufpolieren und u.a. preemptives Multitasking, Memory Protection, einen symmetrischen Multiprozessorbetrieb, eine verbesserte Oberfläche soviel endlich ein vollständig in PPC-Code vorliegendes OS bescheren. So machte sich Apple daran ein anderes Betriebssystem, das als Grundlage des neuen Mac OS dienen sollte, zu suchen. In der Öffentlichkeit galt vor allem das moderne Be-OS der Firma Be, die vom ehemaligen Apple Mitarbeiter Jean Louis Gassée 1990 gegründet wurde, als Favorit. Doch der Kauf scheiterte an den hohen Forderungen Gassée's der wohl 300 Mio. US$ fürs Be-OS wollte, während in die Firma Be bisher nur 20 Mio. US$ investiert worden sein sollen. So kam es am 20. Dezember 1996 recht überraschend zum Kauf von NeXT für 400 Mio. US$. Wovon laut New York Times vom 21. Dezember 350 Mio. US$ in Bar und Aktien bezahlt werden und die weiteren 50 Mio. durch Übernahme von Schulden der Firma NeXT. Damit erwirbt Apple mit dem auf dem Mach Mikrokernel basierenden NextStep ein modernes OS.
Auf der MacWorld-Expo wurde dann am 7. Januar 1997 die neue Strategie
für die Weiterentwicklung des MacOS auf Basis der Next-Software verkündet.
Für Mitte bis Ende 1997 ist die 1. Entwickler-Version von Rapsody angekündigt.
Die danach erscheinende Premier Release wird mit der "Blue-Box" eine
Emulation für das MacOS bieten, die jedoch nicht vollständig kompatibel
zum derzeitigen MacOS sein wird. Next-Software wird man dabei in der
"Yellow-Box" laufen lassen können.
Die Unified Release mit dem vollständig portierten MacOS(ohne Emulation) soll dann Mitte 1998 folgen und zu möglichs allen derzeitigen Mac Programmen kompatibel sein und auch das bei Copland geplante symmetrische Multiprocessing unterstützen, welches NextStep selbst im Moment noch nicht beherrscht(1993 soll allerdings bei NeXT schon einmal intensiv an einer PPC-Multiprozessor Version gearbeitet worden sein, wobei Mach von seiner Struktur her für den Multiprozessorbetrieb prädestiniert ist).
Von der NeXT-Software wird das zukünftige Mac OS auch eine Reihe von Eigenschaften erben. Dazu gehört insbesondere Display-Postscript, das die Bildschirmausgabe über die Adobe's Layout Sprache Postscript steuert und wohl insbesondere DTP-Anwendungen zugute kommen dürfte. Erweitert wird dies um Funktionen aus QuickDraw und Apple's Farbmanagementsystem.
Neben dem neuen Rapsody wird auch das derzeitgen Mac OS 7.x parallel zu Rapsody weiterentwickelt und auch zusammen mit Rapsody ausgeliefert, um dann nach 1998 so langsam eingestellt zu werden.
Der am 24. Februar 1955 in San Francisco geborene Steven Jobs (der gleich nach seiner Geburt von seiner Mutter zur Adoption freigegeben wurde und seinen derzeitigen Namen von Paul und Clara Jobs erhielt, bei denen er aufwuchs) gilt als Visionär in der Computerindustrie. 1975 baute der fünf Jahre ältere Steve Wozniak zusammen mit Steve in der Garage den ersten Apple I Computer, von denen sie einige hundert für 700 US$ das Stück verkauften. 1976 folgte dann der Apple II, der den Grundstock für Apples Erfolgstory bildete.
Im November 1979 besuchte er das Xerox Entwicklungszentrum und "entdeckte" dort den Alto. Den von Xerox entwickelten Prototypen eines Computers mit Bitmapgrafik, überlappende Windows, Pop-Up-Menüs, Icons und Maus, der dort seit 1974 von jeden Besucher betrachtet werden konnte ohne das irgend jemand davon - inklusive Xerox - die Möglichkeiten dieses neuen Rechnertyps wirklich erkannte und in bare Münze umsetzte.
In der Minute, als ich dann den Alto[...] mit seiner Maus und den verschiedenen Schrifttypen sah, wußte ich, daß wir den haben mußten.(Steven Jobs)Apple arbeitete damals an einen neuen Rechner namens Lisa auf drängen Steven Jobs wurde nun das Konzept von Lisa umgekrempelt und die Eigenschaften von Xerox's Alto eingebaut.
[...]Wieder und wieder sagte er(Steven): "Warum macht ihr denn nichts mit diesem Ding?" ([4], S. 213 und 215)
Eine interessante Geschichte am Rande ist, daß Canon mit 20% an NeXT beteiligt ist(auch dieser Anteil wurde an Apple verkauft) und eben genau Canon 1982 mit den eigenen persönlichen Kopiergeräten Xerox einen Markt wegnahm, von den Xerox annahm, das er nicht existieren würde.
Am Freitag den 13. September 1985 verläßt Steven Jobs nach einen verlorenen Machtkampf mit John Sculley - den Jobs zwei Jahre zuvor von Pesi als Manager zu Apple gehört hatte - die Firma und gründet zusammen mit fünf weiteren nun ehemaligen Apple Mitarbeitern die Firma NeXT.
1986 gründet er als Ableger von Lucasfilm die davon unabhängige Firma PIXAR die mit John Lasseter's Luxor Junior, Red's Dream, Tin Toy, KnickKnack Computeranimationen und 1995 mit den ersten abendfüllenden Computer animierten Film "Toy Story"([16], [17]) in Zusammenarbeit mit Disney eine weitere Computer-Geschichte schreiben.
1988 stellt NeXT im Oktober in der Davis Symphony Hall(San Francisco) ihren NeXT-Cube vor. Einen Rechner mit 68030(25 MHz) Prozessor, dem DSP 56001(25 MHz) von Motorola, einen eigenen Customchip für den schnellen Datenaustauch innerhalb des Rechners per DMA, einen zweiten Customchip OSP(Optical Storage Processor) der das eingebaute magnetooptische wiederbeschreibbare Laufwerk(256MB) ansteuert und auch automatisch ohne Prozessorhilfe eine Fehlerkorrektur der Daten vornimmt und einen 17 Zoll Monitor mit einen gestochen scharfen 4-Graustufenbild in einer Auflösung von 1120*832 Punkten.
Für Aufsehen sorgte aber nicht nur diese Hardware und das edle schwarze Design des Cubes(von Frog-Design), sondern vorallem auch sein OS - NextStep, das auf Mach basiert.
Mach wurde 1985 an der Carnegie-Mellon Universität Pittsburgh, Pennsilvania
von Richard Rachid entwickelt. Die Idee dabei war ein OS zu bauen, das
nicht wie bisher bei Unix üblich aus einen großen monolithischen
Block bestand, sondern dessen Grundlage ein kleiner abstrakter Kernel
von vielleicht 512KByte bildet(weniger ist mehr Prinzip) um den herum
die weiteren Aufgaben eines Betriebssystems auf einzelne Prozesse verteilt
werden, die unabhängig vom Kernel laufen und sich noch nichtmal auf
den gleichen Rechner befinden müssen, sondern auch irgendwo verteilt
im Netzwerk laufen können wie z.B. der Window-Server, der die
Bildschirmausgabe steuert.
Um den Kernel(bzw. bis zu Mach 3.0 im Jahr 1990 noch direkt im Kernel enthalten)
befindet sich ein zu BSD 4.3 kompatibles Unix und auf diesen wiederum setzte
NeXT sein objekorientiertes NextStep auf, von dem neben Display-Postscript
insbesondere der Interface-Builder(der das einfache konstruieren von
Oberflächen und auch vollständigen Programmen aus fertigen Objekten über
eine GUI ermöglicht) die Leute beeindruckte.
Als Entwicklungssprache für ihr System wählte NeXT Objective-C. Diese Sprache wurde von Brad J. Cox entwickelt. Er überlegte sich welche Erweiterungen nötig sind, um aus einer bestehenden prozeduralen Programmiersprache eine objektorientierte Programmiersprache zu machen und kam zu den Schluß, daß es nur vier Erweiterungen bedarf.[10]
Neben Ansi-C wurden auf diese Weise z.B. auch Objective-Pascal, -Fortran und -Cobol implementiert.
Mit C++ hat Objective-C übrigens nicht viel gemeinsam so besitzt es keine Mehrfachvererbung und das Laufzeitsystem orientiert sich mehr an Smalltalk. Während bei C++ die Methodenaufrufe schon vom Compiler einer Code-Sequenz zugeordnet werden geschieht dies bei Objective-C erst zur Laufzeit, so lassen sich Methodenaufrufe und selbst ihre Parameter in Variablen legen. Allerdings wird für diese Verteilung während des Programmablaufs Zeit benötigt, die mittels eines Cache, der sich während es Programmlaufs aufbaut, jedoch gemindert wird.
Als Grundlage für ihren Objective-C Compiler wählte NeXT damals den GNU-C, so daß über die GNU Lizenz(Erweiterungen müssen mit der Öffentlichkeit geteilt werden) man mit den GNU-C auch auf den Amiga in Objective-C programmieren kann und mit den Aufkauf NeXT's dürfte diese Programmiersprache nun auch wieder aus dem C++ Schatten heraustreten. So hat Metroworks, die für Apple und Be C-Compiler entwickelt, schon eine Erweiterung für Objective-C angekündigt.
Gut, zurück zu NeXT. Am 18. September 1990 stellten sie - wiederum in San Francisco - drei neue Rechner vor. Dies waren die NeXTStation und NeXTStation color sowie der NeXTCube mit Farbgrafikkarte(NeXTDimension). Als CPU gabs nun den 68040(25 MHz) Prozessor, das magnetooptische Laufwerk war nur noch optional zu haben dafür gabs nun aber ein Disk-Laufwerk(720Kbyte bis 2,88MByte) und eine Festplatte ab Werk(man hatte auch schon kurz nach Auslieferung des ersten NeXTCubes begonnen den Rechner zusätzlich mit einer 40MB Quantum auszustatten, da sich das optische Laufwerk fürs Swapping als zu langsam erwies - an bisherige KäuferInnen wurde die Festplatte kostenlos nachgeliefert).
Nachdem bis 1993 NeXT von der recht teuren Hardware(je nach Rechner/Ausstattung mehr als 10 000 DM) nur 50 000 Geräte verkauft hat. Wurde im Februar 1993 mit der Ankündigung der NextStep-Version für Intel-Rechner der Bau der Hardware eingestellt.
"Eigentlich ist der NeXT eine Softwaremaschine. Was ihm auf den nächsten Blick gegenüber anderen Computern auszeichnet, ist die sehr gut durchgedachte und hervorragend gestylte Benutzeroberfläche. (Oliver Unter Ecker, CT 11/91, S.66)
1995 führte NeXT WebObjects als Grundlage zur Entwicklung von Server basierten WWW-Anwendungen ein(von dem sich sicher auch Apple einiges erhoffen wird) und änderte den Firmennamen in NeXT Software, Inc. um.
Neben der Intel-Version und dem kommenden Mac OS gibts es NextStep noch fürs Suns SPARC und HPs PA-RISC Architektur.
"Seinen ersten Käufer, der kein Student ist, hat Jobs bereits. Er sprach mit König Juan Carlos von Spanien bei dessen USA-Besuch im letzten Jahr. Beide standen bei einem Empfang zusammen und Jobs redete fast 20 Minuten lang wild gestikulierend auf den Monarchen ein. Zum Schluß zückte Juan Carlos seine Visitenkarte, schrieb etwas auf die Rückseite und gab sie Steve Jobs. Seine Freunde wollten hinterher wissen, was passiert war. Jobs: "Ich hab' ihm einen Rechner verkauft". (Gregor Neumann, Happy Computer 1/1989)
| 24-Feb-1955 | Steven Jobs wird in San Francisco geboren und gleich nach seiner Geburt von Clara und Paul Jobs adoptiert |
| 1975 | Steve Wozniak und Steven Jobs bauen in einer Garage den ersten Apple I und verkaufen einige hundert für 700 US$ das Stück |
| 1976 | Dem Apple I folgt der Apple II |
| November 1979 | Steven Jobs besucht Xerox und "entdeckt" dort den Alto |
| 1983 | Apple bringt mit Lisa den "ersten" Personal Computer mit GUI heraus. Aufgrund des hohen Preises von 10 000 US$ flopt er |
| 1984 | Der Macintosh erscheint |
| 13-Sep-1985 | Steven Jobs verläßt nach verlorenen Machtkampf mit Sculley Apple und gründet mit fünf weiteren Apple Mitarbeitern NeXT |
| 18-Sep-1988 | Vorstellung des NeXT Cubes in der San Francisco Symphony Hall vor 3000 geladenen Gästen |
| 1993 | Beginn der Entwicklung an Copland |
| Februar 1993 | NeXT stellt den Bau der NeXT Hardware ein(-> NextStep für Intel-Rechner) |
| Dezember 1995 | NeXT ändert den Firmennamen in NeXT Software, Inc. |
| Januar 1996 | Apple konzentrierte sich im Weihnachtsgeschäft auf den Low-End Bereich. Gefragt ist aber der High-End Bereich. Das Ergebnis ist ein Verlust von 69 Mio. US$ |
| 02-Feb-1996 | Gilbert F. Amelio ersetzt Micheal Spindler als Apple Chef |
| April 1996 | Hauptsächlich durch die Abschreibungen der Lagerbestände sowie den Initialkosten der einsetzenden Sparmaßnahmen macht Apple einen Verlust von 740 Mio. US$ |
| September 1996 | Amelios Sparmaßnahmen greifen und Apple machte im letzten Quartal einen Gewinn von 25 Mio. US$ |
| Ende 1996 | Nachdem man Copland wohl als gescheitert ansieht sucht Apple ein anderes OS als Grundlage. Als heißester Kandidat gilt das Be-OS der Firma Be |
| 20-Dec-1996 | Apple kauft NeXT für 400 Mio. US$ |
| 07-Jan-1996 | Apple stellt auf der MacWorld-Expo das neue Betriebssystem-Konzept "Rapsody" auf Basis der NeXT-Software vor |
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