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Tom Holt's neuester Roman hat's in sich:
"Wenn die Zeit aber nun ein Loch hat"
(C) Andreas Kleinert
Geht es nach den, auf dem Einband abgedruckten, Beurteilungen, so ist Tom Holt's neuester Roman mindestens so vielversprechend wie ähnliche von Terry Pratchett. So wertet es die New York Times als "eine intelligente kleine Komödie" und der Daily Telegraph sieht jetzt für Terry Pratchett einen "Rivalen auf dem Gebiet der humorvollen Fantasy".
Als Leser hat man jetzt die Wahl, euphorisch mit dem Lesen des Buches zu beginnen, eher pessimistisch und skeptisch das Ganze mal abzuwarten, oder dies einfach nur zur Kenntnis zu nehmen und sich überraschen zu lassen.
Nachdem ich mich für Letzteres entschieden hatte, wurde ich dann auch entsprechend positiv überrascht.
Aber genug herumgeredet, am Besten läßt sich das Ganze wohl noch durch eine kleine Zusammenfassung des Inhaltes begründen:
Der Brite Guy Goodlet, seines Zeichens Kampfpilot im Zweiten Weltkrieg, wird auf wundersame Weise von dem Zeitreisenden Blondel vor einem Absturz bewahrt und reist fortan mit diesem durch die Zeit.
Wer jetzt denkt, es handelt sich um eine dieser typischen Zeitreisender-Führt-Anderen-Durch-Die-Komplette-Geschichte-Handlung, liegt leicht falsch, denn Blondel ist so eine Art Knappe von Richard Löwenherz, den er im Wirrwarr der Zeiten zu finden versucht.
Dieser wird vom Papst Julius II. und Gegenpapst Julius XXIII., die nicht nur in unterschiedlichen Jahrhunderten leben, sondern auch noch ein- und dieselbe Person sind, sowie dem Antichristen und einigen anderen klerikalen Persönlichkeiten gefangengehalten, weil er mit seinen Kreuzzügen die Frömmigkeit der Menschheit wieder auf ein zu hohes Niveau gebracht hat, was dazu führte, daß der Mietvertrag mit Gott noch nicht vorzeitig gekündigt werden kann. Dem Antichristen ist dies natürlich ein Dorn im Auge...
Wem das alles noch nicht verrückt genug ist, erfährt im Weiteren Verlauf dann, daß andere, geschäftstüchtige Zeitreisende - das Beaumont-Street Syndikat - Gott erst dieses ganze Projekt finanziert haben, und wie die ganzen Hintergründe diverser Investmentaktionen, wie z.B. den Kreuzzügen, eigentlich zu verstehen sind.
Es wird ein regelrechtes Feuerwerk von - absolut verrückten - Gags abgefeuert, und die eine oder andere Anspielung - ob auf Claudia Schiffer oder Musikkritiker - fehlt natürlich auch nicht. Witzigerweise taucht auch Danny Bennett - Holt's Held aus den ersten Romanen - wieder in einer Nebenepisode auf.
Aber das wichtigste blieb bis jetzt noch unerwähnt - Zeitreisen,
ja - Zeitreisen sind eigentlich nichts Neues in Science Fiction-
oder Fantasy-Romanen, aber Mr. Holt hat eben so seine ganze spezielle,
eigene Theorie dazu entwickelt.
Demnach sind alle öffentlichen Gebäude - besonders Behörden - auf
eine merkwürdige Art und Weise über Zeit und Raum miteinander
vernetzt und verfügen so dementsprechend auch über ihre eigenen
Verbindungskanäle und Gänge zwischen den Zeiten.
Das erklärt nicht nur die manchmal etwas merkwürdigen, langwierigen
Arbeitsvorgänge diverser Behörden, sondern mündet in der
Konsequenz, daß eben jede dieser Türen mit Aufschriften wie
"Zutritt nur für Personal" oder "Hier kein Zutritt" (manchmal reicht
auch schon das Durchfahren einer Einbahnstraße in der verkehrten
Richtung) einen Zugang in dieses geheime Netz darstellt, aus
dem heraus man dann in jedes beliebige Zeitalter wechseln kann.
Britischer Humor der verrücktesten Sorte pur.
Das I-Tüpfelchen der Story ist dann die schließlich die etwas unfreilige Hochzeit zwischen Blondels Schwester La Beale Isoud und Guy - nicht zuletzt auch deshalb, weil Guy von dieser zuallererst durch die aus der Zukunft kommenden Fotos erfährt ("Das bin ja ich...")
Abschließend bleibt noch anzumerken, daß das Buch nicht gerade besonders kirchen-, behörden oder bankenfreundlich gehalten ist, weshalb man es vielleicht nicht unbedingt jedem an's Herz legen kann.
Wer aber eine gehörige Portion "Ketzertum" gepaart mit intelligentem Witz und vielen versteckten Anspielungen, verpackt in eine - im wahrsten Sinne des Wortes - "wahnsinnige" Story, verkraften kann, der ist mit diesem Roman sehr gut beraten.
Prädikat: empfehlenswert !!
P.S.: Hier nochmal die erweiterte Liste aller bisher erschienenen HOLT-Romane, sowie den demnächst zu erwartenden.
| L | Roman-Titel | Jahr | Nummer | Handlungsträger, Inhalt |
|---|---|---|---|---|
| + | Wer hat Angst vor Beauwulf? | (1988) | 06/5059 | Wikinger-Band. Super! |
| + | Der fliegende Holländer | (1991) | 06/5079 | Genial!!! |
| + | Wir haben Sie irgendwie größer erwartet | (1987) | 06/5107 | Nibelungen. Originell und genial (sowieso)!! |
| + | Der Ziegenchor | ( ) | 06/5171 | Verrückt. |
| # | Der Garten hinter der Mauer | ( ) | 06/5172 | *)1 |
| # | Liebling der Götter | ( ) | 06/5193 | *)1 |
| + | Wenn die Zeit aber nun ein Loch hat | (1993) | 06/5326 | Wahnsinn. Pur. |
| # | Im Himmel ist die Hölle los | ( ) | 06/5359 | *)1 |
| # | Faust und Konsorten | ( ) | 06/5426 | *)1 |
WEITERE IN VORBEREITUNG
| Legende | ||
|---|---|---|
| # | : | noch nicht gelesen |
| + | : | selbst schon gelesen (oder gerade dabei) |
| *)1 | : | (beim Verlag in Vorbereitung) |
This text has been written and is Copyright in 1995 by Andreas R. Kleinert.
It may be published and/or reproduced by any freely redistributable
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as a result of publishing it.
Per aspera ad astra !
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