Zug und Zuger Land - Der wichtigste Turm der Stadt Zug



Der Zytturm wurde Mitte des 13. Jh. als einfacher Durchlass im ältesten Mauerring des Kyburgerstädtchens erbaut. Hans Felder, der Baumeister der St.-Oswalds-Kirche, erhöhte den mit seitlichen Strebepfeilern versehenen Schalenturm von 1478 bis 1480 zum wichtigsten Stadtturm und schloss ihn mit einem gegen die Stadt geneigten Pultdach mit Mitteltürmchen sowie mit seitlichen Zinnen ab. 1557 erhielt der Zytturm seine heutige Form mit der Wachtstube, den türmchenförmigen Erkern und dem steilen Walmdach. 1574 wurde die grosse Uhr eingesetzt.

Der Zytturm ist immer wieder restauriert und mit Schmuckstücken ergänzt worden. Nach einem Blitzeinschlag erhielt er 1863 einen neuen Helm mit einer vergoldeten Kugel. Im Zusammenhang mit der Zentenarleier des Standes Zug (1952) erfolgte die letzte grosse Restaurierung.


Ein Turm hat viele Funktionen

Der Zytturm erfüllte während Jahrhunderten mehrere Funktionen. In erster Linie bildete er den befestigten Zugang zur alten Stadt. Bis zum Bau der äusseren Ringmauer, Ende des 15. und Anfang des 16. Jh., verschloss der Nachtwächter jeden Abend die hölzernen Torflügel, deren Führungslöcher im Balken innerhalb des oberen Torbogens noch sichtbar sind.

Wie sein Name ausdrückt, zeigt der Turm die Zeit an, nicht nur die Stunden und Minuten, sondern auf der astronomischen Uhr auch die Wochentage und Monate.

Früher diente er als Wachtturm. Oben im Föhnwächterstübchen spähte Tag und Nacht ein Wächter in die nahe und ferne Umgebung, um Feuer erkennen und die Bevölkerung sofort mit dem Feuerhorn alarmieren zu können.

Drei Gefängniszellen, sog. Timpis, machten den Turm auch zum ungemütlichen Aufenthaltsort. Wer sich nicht an die strengen Vorschriften hielt, sass hier seine Strafe ab. Wirkliche Verbrecher wurden jedoch in den «Chaibenturm» unten am See gesteckt.

Und schliesslich ist der Zytturm das Wahrzeichen der Stadt Zug. Als solches wird er auch als beliebtes Souvenir angeboten: von der Schokolade bis zur Kirschflasche in Zytturmform.


Der Turm von aussen und von innen

Mit seinen rund 52 Metern Höhe überragt der Zytturm alle andern alten Türme der Stadt. Bis zum Beginn der Dachschräge weisen die Fassaden nur Scharten und kleine Fenster auf. Das steile Walmdach ist heute in den Zugerfarben mit blauen und weissen Ziegeln bedeckt. Über dem Dachfirst hängt im offenen Dachreiter das mit 1399 datierte Glöckchen - eines der ältesten in der Schweiz -, welches die ganzen und halben Stunden schlägt. Den Abschluss bildet eine achteckige, hochgezogene Pyramide mit dem höchststehenden von fünf Wetterfähnchen.

Die fast quadratische Grundfläche misst 5,8 auf 6,3 Meter. Der Durchgang wird von zwei spitzbogenförmigen Toren eingefasst. Das untere ist in der Form von 1480 erhalten und wird von zwei Streben frankiert.

Vom Durchgang aus gelangt man über eine steile, schmale Treppe ins Innere des Turms. Vorbei an zwei der ehemals drei aus dicken Holzbalken gezimmerten, engen Gefängnissen führt die Stiege hoch hinauf zum Föhnwächterstübchen. Von hier aus geniesst man einen herrlichen Rundblick.


Schmückende Details

Im Laufe der Zeit erhielt der Zytturm verschiedene kleine Schmuckstücke. Im einen Pfeiler des unteren Torbogens befinden sich in einer vergitterten Nische zwei steinerne, farbig bemalte Reliefs: eine Pietä aus dem 16. Jh. und eine Kreuzigung von ca. 1700.

Über dem gleichen Torbogen ist ein um 1860 aus der St.-Oswalds-Kirche entferntes, spätgotisches Wappenrelief angebracht: Aus dem rechteckigen Rahmen neigt sich die Halbfigur eines Engels mit lockigem Haar, der mit ausgebreiteten Armen im weiten, faltenreichen Gewand zwei Zugerschilde hält. Darunter, im Schlussstein des Torbogens, ist die Jahreszahl 1480 eingemeisselt.

Ebenfalls am unteren Portaldurchgang erinnern uns einige Steinmetzzeichen, die zum Teil auch an andern Gebäuden der Stadt vorkommen, an die einst tätigen Bauleute.

Über dem äusseren Tordurchgang befindet sich ein mit 1519 datiertes Relief, das bis zu seinem Abbruch im Jahr 1840 das Oberwilertor zierte. Zwei aufrechtstehende, goldene Löwen halten einen doppelten Zugerschild, über dem ein bekrönter Reichsschild steht. Beide Reliefs wurden 1996 restauriert und bemalt.

Von den ehemals reichen Bemalungen auf der dem Kolinplatz zugewandten Seite sind nur wenige erhalten: die Wappen der acht Alten Orte, die legendäre Ratte rechts über dem oberen Sims und unterhalb der Turmstube zwei Windblaser.


Die astronomische Uhr

Bereits bei der Turmerhöhung von 1480 wurde eine einfache Uhr eingebaut. 1574 erstellte der Luzerner W. Müller eine neue Stadtuhr mit gewöhnlichem Gangwerk, Schlagwerk und einem astronomischen Werk mit vier Zeigern, welche die Wochentage, Monate, die Mondstellung und die Schaltjahre anzeigen. Die Mechanik wurde über die Jahrhunderte hinweg immer wieder dem neusten Stand der Technik angepasst, das letzte Mal 1955.

Die vier Zifferblätter der gewöhnlichen Uhr mit römischen Zahlen weisen einen Durchmesser zwischen 280 und 360 cm auf. Unter demjenigen gegen den Kolinplatz befindet sich das astronomische Zifferblatt, welches in eine siebenteilige Scheibe für die Wochentage, einen zwölfteiligen Kreis für die Monate und einen schwarzweissen Ring für die einzelnen Wochentage eingeteilt ist.

Die vier Zeiger wandern in unterschiedlichem Tempo über das runde Bild. Der Wochenzeiger in Form eines Pfeils braucht für eine Umdrehung 7 Tage, der Mondzeiger mit dem Halbmond am Ende 29 Tage, 12 Stunden, 44 Minuten und 2,8 Sekunden, der längste, der Monatszeiger mit goldflammender Sonne, 365,24 Tage und der kleinste und langsamste, der Schaltjahrzeiger mit einem goldenen S, 4 Jahre. Bei Beginn eines Schaltjahres steht er auf der Zifferstellung 6 Uhr.

Die Wochentage werden durch Göttinnen und Götter dargestellt, die an ihren Attributen und den astronomischen Zeichen zu erkennen sind. Am Sonntag wandert der Zeiger über das Feld des Sonnengottes Sol, der in der ausgestreckten Hand eine Sonnenscheibe hält. Der Montag wird durch die bogentragende Mondgöttin Luna symbolisiert. Im nächsten Feld steht Mars in voller Kriegsrüstung. Merkur, der Gott des Mittwochs, trägt Stab und Flügelhaube. Für den Donnerstag steht der bekrönte Jupiter mit einem Szepter in der Hand. Ein Liebespfeil und eine Kugel mit Feuerflammen sind die Attribute der Venus. Saturn mit Firmamentskugel und Sense schliesst den Wochenkreis ab.

Die Monate liest man auf den Bildern der zwölf Tierkreise ab, die - nicht ganz korrekt - jeweils für einen vollen Monat gelten. Am Neujahrsmorgen tritt der Zeiger bei 6 Uhr in das Bild des Steinbocks ein und wandert am Monatsende in das Zeichen des Wassermanns, dann weiter über Fisch, Widder, Stier, Zwilling, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage und Skorpion, bis er im Dezember beim Schützen anlangt.

Den Stand des Mondes kann man gleich zweimal ablesen. Einmal am Mondzeiger, der bei Neumond auf 12 Uhr, beim ersten Viertel auf 3 Uhr, beim letzten auf 9 Uhr steht. Dazwischen, auf 6 Uhr, zeigt er den Vollmond an.

Die andere Anzeige ist die halb goldene, halb schwarze Mondkugel unterhalb der Turmstube. Beim Drehen stellt sie die jeweils aktuelle Mondphase dar: Bei Neumond sieht man nur die schwarze Hälfte, dann erscheint eine immer breiter werdende Goldsichel. Bei Vollmond erstrahlt die goldene Seite. Danach wird die Sichel wieder schmäler, um bei Neumond erneut zu verschwinden.