Trotz seiner Höhenlage in einem Seitental muss Grächen schon recht früh besiedelt gewesen sein. 1948 entdeckte man beim Aushub für den Bau eines Wohnhauses im Weiler "Bina" zwei Steinkistengräber. Weil jegliche Grabeingaben fehlten, konnte ihr Alter nur sehr vorsichtig auf 1500-2000 Jahre geschätzt werden. Ausserdem fand man zu Beginn dieses Jahrhunderts auf 2150 m.ü.M. beim Brechen von Dachplatten eine Bronzespeerspitze und zwei bronzene beilartige Schlagwerkzeuge, die mit grosser Wahrscheinlichkeit aus der Bronzezeit stammen (1800-800 v.Chr.).
Bereits 1295 wird Grächen als "de Grangis" urkundlich erwähnt. Im Jahre 1307 schrieb man schon "Grenkun", was dem heutigen mundartlichen "Greechu" ähnlich ist. Der Ortsname dürfte vom lateinischen "granica" stammen, was Kornspeicher bedeutet. Früher waren viele Kornäcker zu finden und jetzt noch stehen viele Stadel. Die ersten Satzungen der Gemeinde stammen aus dem Jahre 1553 und enthalten Bestimmungen über das Bewässern der Wiesen an Sonntagen, die Kirchen, die Polizei, das Friedensgericht, den Einkauf ins Burgerrecht und die Benutzung der Allmend.
In einem der Pfarreibücher kann man nachlesen, dass der Boden von Grächen nicht mehr als 300 Menschen zu ernähren vermag. 1850 waren es 388 und die Berglandwirtschaft vermochte nun nicht mehr alle zu ernähren. So kam es, dass Familien das Bergdorf verliessen und zum Teil sogar nach Amerika auswanderten. Um die Jahrhundertwende zählte die Gemeinde rund 400 Personen. Viele Familienväter suchten damals auswärts Arbeit und Verdienst. Heute zählt Grächen rund 1300 Einwohner, die dank der touristischen Entwicklung alle hier zu Hause oder in der näheren Umgebung ihren Verdienst finden.
Die bescheidenen Anfänge des Tourismus in Grächen führen ins Ende des letzten Jahrhunderts zurück. Als ersten Gast verzeichnet man eine Frau Boll aus Sitten, die im Jahr 1874 zu einem Kuraufenthalt hier in Grächen weilte. 1896 kam der Basler Botanik- und Musiklehrer Nordmann nach Grächen, um den Geburtsort des Humanisten Thomas Platter zu besuchen. Grächen gefiel ihm so gut, dass er in den darauffolgenden Jahren seine Sommerferien hier verbrachte. Von da an kamen immer mehr Gäste aus der Deutschschweiz nach Grächen, um Erholung zu suchen. So konnte dann 1909 das erste Hotel "Hannigalp" erbaut werden.
Am 1. August 1929, am Höhepunkt der Saison, die damals kaum mehr als 10 Tage dauerte, stellte der Gemeindepräsident mit Erstaunen fest, dass an diesem Tag in Grächen nicht weniger als 120 Feriengäste gezählt wurden. Er fragte sich zu Recht, wo denn all diese Unterschlupf gefunden hätten. Grächen zählt heute über 6000 Gästebetten und ist mit seiner modernen Infrastruktur ein Sommer- und Winterkurort mit Herz.