
Die Heidi-Geschichte ein Märchen ? Wie dem auch sei, im Heidiland nimmt ein märchenhaftes Graubündenerlebnis seinen Anfang. Ab Landquart - in der unmittelbaren Umgebung der Heimat, die Johanna Spyri ihrem Heidi zugedacht hatte - beginnt eine Reise die ihresgleichen sucht.
Vom Heidiland ins norditalienische Veltlin bringt uns die Rhätische Bahn. Wir erleben nun Graubünden in seiner ganzen Vielfalt; die lieblichen Rebbaugebiete der Bündner Herrschaft, die plötzliche Talverengung Klus. Hier ein kompletter Wechsel der Szenerie: steil abfallende Wände zur Linken und zur Rechten geben dem vorderen Teil des Prättigaus ein unwirtliches Gepräge, jedoch nicht für lange. Bei Klosters öffnet sich ein lichter, ausladender Talkessel, majestätische Berge rundherum. Nach Davos und dem Landwassertal arbeitet sich die Bahn über schwindelerregende Viadukte und durch Kehrtunnels hinauf zum Albulatunnel. Rauhe Gebirgswälder, schroffe Felswände und schäumende Bergbäche bilden die imposante Kulisse.
Nach dem fast sechs Kilometer langen Albulatunnel erscheint die Landschaft im Licht des Südens. Das Val Bever ist bereits ein Seitental des Engadins. Lärchen- und Arvenwälder, Wiesen und Weiden und schmucke Dörfer prägen das sehr offene Tal. Obwohl wir bereits auf über 1800 m über Meer sind steigt die Bahn nochmals bergan. Die mächtige Eiszunge des Morteratschgletschers zieht zum greifen nahe am Fenster vorbei.
Geografischer Höhepunkt ist die Station Bernina Ospizio auf 2253 Metern über Meer. Milchig-grün kräuselt sich die Oberfläche des von Gletscherwasser gespiesenen Lago Bianco. Dahinter ragen die höchsten Berge Graubündens im ewigen Eis empor.
Südwärts wendet sich jetzt die Bahn, und spätestens bei Alp Grüm wenden sich auch unsere Blicke südwärts. Ein atemberaubendes Panorama: das Val Poschiavo liegt zu unseren Füssen, flankiert von Gipfeln und Spitzen. Tief unten der schillernde Lago di Poschiavo, fern im Hintergrund die Konturen der Bergamasker Alpen.
In der Richtung geht´s weiter - und abwärts; von über 2200 Metern über Meer lassen wir uns hinunterfahren auf rund 400 Meter. Die hochalpine Flora in den Regionen ewigen Schnees weicht Bergwäldern. Bald schon treten Kastanienbäume an die Stelle von Lärchen. Das italienische Tirano erwartet uns mit Palmen und Oleandern: absolut mediterran die Lebensart und Landschaft, italienisch die Sprache - lediglich vier kurzweilige Stunden vom behäbigen Heidiland entfernt. Nach wohlverdienter Mittagsrast wartet bereits der Bernina-Express-Bus für die Fortsetzung der Reise durch das geschichtsträchtige Veltlin nach Lugano. Eine imposante Reise durch Kulturen und durch Vegetationszonen, eine faszinierende Reise in einer ebenso faszinierenden Bahn - märchenhaft wie die Heidigeschichte, findet in Tirano ein vorläufiges Ende.
Die klassische Bernina-Express Verbindung wird natürlich beibehalten. Von Chur oder St. Moritz fahren täglich bis zu drei Züge pro Tag und Richtung die Strecke. Ein Stundentakt mit Schnell- und Regionalzügen rundet das Angebot ab.
Die Haltestellen des Bernina-Express eignen sich übrigens bestens als Wanderausgangspunkte für kleinere und mittlere Touren und Spaziergänge. Fahrtunterbrechungen sind ebenfalls möglich. So lässt sich die faszinierende Landschaft noch intensiver geniessen.