Bären wurden seit altersher in Bern gehalten. Die Sage erzählt, dass Herzog Berchtold V. von Zähringen, der Gründer unserer Stadt, diese nach dem ersten Tier habe benennen wollen, das er auf der Jagd am Standort der zu bauenden Stadt erlegen werde. Das war ein Bär - und so sei die Stadt zu ihrem Namen gekommen. Mannigfaltig sind die Vergleiche und Anspielungen, die sich der Berner im Hinblick auf sein Wappentier gefallen lassen muss, so etwa: Bernerart Bärenart, das war immer eine naheliegende Verbindung.
Im Jahre 1513 berichtet der bernische Chronist Valerius Anshelm, wie die siegreich aus der Schlacht von Novara heimkehrenden Berner mit den eroberten Fahnen einen lebenden Bären als Kriegsbeute in ihrem Triumphzug mitführten. Ihm wurde im Stadtgraben vor dem mittleren Stadttor, auf dem noch heute so benannten Bärenplatz, ein Häuschen errichtet, und seit jener Zeit hat man in Bern Bären gehalten.
Der alte Bärengraben wurde mehrfach verlegt, bis er im Jahre 1857 bei der grossen Nydeggbrücke seinen wohl endgültigen Platz gefunden hat. Ein burgähnlicher Zwinger von 12 Metern Durchmesser und 3,5 Metern Tiefe beherbergte zeitweise bis zu 12 und mehr Tiere. 1994 -1996 wurde der Bärengraben einer Gesamtrenovation unterzogen. Ziel der Arbeiten war, die Bären in einer ihrer natürlichen Lebensform angepassten Umgebung zu halten. Ein natürlicher Bodenbelag, ein Wasserlauf und die Möglichkeit auf das Niveau der Besucherinnen und Besucher zu steigen sind einige der Massnahmen. Zudem werden nur noch 5 Bären gehalten.

Jeder Bär im Bärengraben erhält pro Tag in der Regel 4 kg Futter (Winter: 2 kg). Davon sind 2/3 pflanzliche Elemente (Äpfel, Rüebli, Beeren, Zwiebeln usw.) und 1/3 tierische Elemente (Fisch, Mäuse, Insekten usw.). Inbegriffen sind die Leckerbissen (Futterverkauf beim Bärengraben), die ihnen die Zuschauer in den Graben hinunterwerfen und wofür sich die Tiere durch possierlichstes Bitten und allerhand akrobatische Kunststückchen höchst dankbar erweisen.
Ein Bär, der bei seiner Geburt nur etwa 250 bis 300 Gramm wiegt, erreicht ausgewachsen ein Gewicht bis zu 270 kg und wird 30 und mehr Jahre alt. Mit 3 bis 5 Jahren werfen die Bärinnen ihr erstes Junge, in der Regel eines oder zwei; die Wurfzeit ist gewöhnlich Ende Dezember. Die Jungen bleiben ca. 30 Tage blind und lernen erst im Alter von 8 - 9 Wochen gehen.
Ein ganz besonderes Schauspiel bietet sich dem Besucher, wenn, gewöhnlich zu Ostern, die jungen Tiere erstmals ins Freie gelassen werden. Mit ihren drolligen Sprüngen und matschigen Zweikämpfen erfreuen sie täglich Hunderte von Besuchern aus nah und fern.
Bärenzwinger gibt es viele - keiner aber kann es mit der Berühmtheit und der reich bewegten Geschichte unseres Berner Bärengrabens aufnehmen, und nirgends gemessen die Bären so sehr die zärtliche Liebe und Verehrung, wie sie in Bern dem von altersher angestammten Wappentier dargebracht werden.