
Dem auswärtigen Besucher präsentiert sich Bern in vielgestaltigem Gewand. Schon ein knapper Überblick zeigt, dass sich ein Besuch dieser interessanten und gemütlichen Stadt zweifellos lohnt.
Die Gründung der Stadt Bern war eine sich aufdrängende Notwendigkeit, die von Herzog Berchtold V. von Zähringen erkannt wurde. Er beauftragte einen Adelsherrn, dessen Burg in der nächsten Umgebung der Stadt heute noch als ehrwürdige Ruine fortlebt, auf einer engen Halbinsel, die von der tief eingeschnittenen Aare gebildet wird, einen festen Platz, also eine Stadt zu bauen. Diese Halbinsel war damals über und über mit einem Eichenwald bedeckt. Auf dem äussersten Zipfel jedoch, wo die Aare eine enge Kurve macht, stand bereits eine hochragende Burg, die wahrscheinlich im 11. Jahrhundert als freie Reichsburg gebaut wurde.
Im Laufe des 12. Jahrhunderts dürfte sich um diese Burg Nydegg eine kleine Siedlung, ein "burgum" gebildet haben. Der vom Herzog beauftragte Cuno von Bubenberg ging nun beim Stadtbau von der Festung Nydegg aus, liess den Eichenwald fällen und mit dem so gewonnenen Bauholz wurden die ersten Häuserreihen errichtet. Das war im Jahre 1191, dem geschichtlich nachweisbaren Gründungsjahr der Stadt Bern, zur Zeit des Königreiches Hochburgund, dessen von Kaiser Lothar III eingesetzte Rektoren eben die Herzöge von Zähringen waren.
Cuno von Bubenberg schloss die neue Stadt auf der Höhe des Zytgloggeturmes gegen Westen durch eine Mauer ab. Sie lief quer über die Halbinsel, der Zytgloggeturm war das wesentliche Tor und davor befand sich ein natürlicher Graben.
Erstmals - im Jahre 1224 - erscheint das uns bekannte älteste Stadtsiegel. Es zeigt einen Bären und den Namen Bern. Die Legende sagt, dass die Stadt nach dem ersten Tier benannt wurde, das der Herzog auf einer Jagd während der Erbauung der Stadt erlegt habe.
Im 13. Jahrhundert, unter dem Protektorat des Grafen Peter von Savoyen, erfolgte ein weiterer Ausbau der Stadt nach Westen; eine neue Stadtmauer mit dem Käfigturm (im 17. Jahrhundert an Stelle des ursprünglichen neu errichtet) als Haupttor entstand und im 14. Jahrhundert folgte der vorläufig dritte und letzte Ausbau bis auf die Höhe des heutigen Hauptbahnhofes. Die dritte Befestigungsmauer, die damals in der unglaublich kurzen Zeit von nur anderthalb Jahren erstellt wurde, ist erst vor hundert Jahren abgerissen worden.
Im Jahre 1405 brannte der grösste Teil der Stadt nieder. Die Häuserreihen wurden, auf den ursprünglichen Fundamenten, aus in der Nähe gelegenen Steinbrüchen neu aufgebaut. Die meisten dieser Häuser sind indessen im 16. und 17. Jahrhundert neuen Bauten gewichen, die mit ihrer einheitlichen Baulinie bei überraschender Vielfalt im Detail noch heute jeden Betrachter entzücken und in Staunen versetzen.
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Bern hatte auch verschiedentlich seine Freiheit mit der Waffe zu verteidigen. Die bedeutendste Schlacht gegen den vereinigten Adel Burgunds erfolgte 1339 bei Laupen. Die Stadt Freiburg, die 50 Jahre vor Bern vom Vater des bernischen Stadtgründers errichtet worden war, hatte sich den Feinden Berns angeschlossen. Der überragende Sieg Berns, dem auch aus den schweizerischen Urkantonen 900 Mann zu Hiffe geeilt waren, besiegelte den endgültigen Niedergang des Adels und die Zukunft der Stadt.
1353 trat Bern in den ewigen Bund der Eidgenossen, verfolgte nebenbei aber auch seine eigenen Interessen mit aller Energie und unter Aufwendung bedeutender Mittel. Die grösste Gebietsausdehnung erreichte es von 1536 bis 1798, insbesondere auf Kosten des Hauses Savoyen. Die Eroberung ausgedehnter Ländereien um den Genfersee ist ausschliesslich Berns Eigenpolitik zuzuschreiben. Bern ist es denn auch, dem die heutige Schweiz den Einschluss des grössten Teiles des französischen Landesteiles zu verdanken hat.
Mit dem Einbruch der Franzosen erlosch Berns Machtstellung im Jahre 1798. Als eine neue Schweiz 1815 aus den von Napoleon I. hinterlassenen Trümmern erstand, musste Bern nicht nur annähernd die Hälfte seines Gebietes (Aargau und die Waadt) zur Bildung von zwei neuen Kantonen freigeben, es verlor auch die unumschränkte Herrschaft über den Kanton Bern selbst.
Es wurde Kantonshauptstadt und im Jahre 1848 widerfuhr ihm die grosse Ehre, vom ersten schweizerischen Gesamtparlament zur Bundesstadt der Schweiz gewählt zu werden. Seine bisherigen Untertanengebiete waren bei diesem Beschluss ausschlaggebend, und wir erfreuen uns dieses Beweises höchster Anerkennung bis auf den heutigen Tag.
In den vergangenen 50 Jahren hat sich Bern gewaltig ausgedehnt. Mächtige Brücken führen aus der alten Stadt über die Aare in die neuen Quartiere. Aus dem historischen Stadtkern ist eine belebte Geschäftsstadt geworden, die ihr mittelalterliches Gepräge bewahrt hat und mit ihren Lauben, historischen Brunnen, Türmen und eindrucksvollen Gassen den Besucher entzückt.
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Das alte Rathaus (1406 - 1416), noch heute Sitz der bernischen Regierung, das von 1421 - 1527 vom Ulmer Münster-Erbauer Matthäus Ensinger und Erhart Küng aus Basel geschaffene Münster, sowie der bei Alt und Jung so beliebte Bärengraben sind als Sehenswürdigkeiten weltberühmt. Bern ist Sitz von über siebzig Botschaften und verschiedenen internationalen Organisationen, wie zum Beispiel des Weltpostvereins, der im Jahre 1874 hier gegründet wurde. Ein viel beachtetes Denkmal zeugt davon.
So ist aus dem alten Bern ein neues entstanden. Seine grosse Vergangenheit ist in seinen alten Gassen, in der bodenständigen Art seiner Bürger lebendig geblieben, Seine Sendung, deutsch und welsch zu glücklicher Synthese zu verbinden, ist erfüllt und damit ist auch seine Mission vorgezeichnet:
Als Bundesstadt Mittlerin und Erhalterin der erstaunlichen Vielfalt des schweizerischen Volkes zu sein und zu bleiben.