
Die meisten Feste sind - wie überall auf der Welt - überwiegend jahreszeitlich fixiert oder sie beziehen sich auf kirchliche Feiertage. Ob es sich um Praktiken handelt, die an die Abwehr böser Geister gemahnen, um Aussaat- und Erntebräuche, um die Jahreswende oder ein historisches Ereignis - alle diese Feste sind tief in der ländlichen Bevölkerung verwurzelt und bieten Gelegenheit, den Gemeinschaftssinn zu stärken.
Bräuche der kalten Jahreshälfte
Im Winter sind die Feste etwas zahlreicher als im übrigen Jahr - aus gutem Grund: Die Feldarbeit ruht, und man findet mehr Zeit für sich selbst und infolgedessen mehr Zeit, Feste zu feiern.
Der Nikolaustag z. B. wird um den 6. Dezember mit großem Gepränge in Küssnacht und Arth gefeiert («Klausjagen»); bei Einbruch der Dämmerung ziehen die «Iffelträger» durch den Ort, mit riesigem, an Bischofsmützen erinnerndem, von innen beleuchtetem Kopfaufsatz. Im Januar sind es am «Silvesterklausen» die «Schönen Kläuse», die Urnäsch mit ihrem lärmenden Umzug heimsuchen; ihre Maskenaufsätze zeigen Szenen des ländlichen Lebens. Am Donnerstag vor Aschermittwoch lärmen die «Roitschäggättä» («Rauchgescheckten») durch die Dörfer des Lötschentals; mit ihren dämonischen Holzmasken, in Ziegen- und Schaffelle gehüllt, sollen sie angeblich die bösen Geister erschrecken.
Nicht zuletzt sind es die Fasnachtsbräuche, die in der kalten Jahreshälfte dominieren. Sie sind besonders häufig in den deutschschweizerischen Kantonen, wo sie unter den verschiedensten Formen auftreten: in Luzern als «Fritschi-Umzug», in Herisau als «Gidio Hosenstoß», in Zug als «Greth-Schell».
Der berühmteste Fasnachtsbrauch jedoch findet in Basel statt, und zwar von Montag bis Mittwoch nach Aschermittwoch. Während dieser drei Tage ziehen die «Cliquen» (Fasnachtsvereinigungen) kostümiert und maskiert durch die Stadt, begleitet von Trommel- und Pfeifenklang.
Der Frühlingsbeginn ist Anlaß zu nicht weniger berühmten Festen: Beim Sechseläuten in Zürich wird der «Böögg» verbrannt, eine riesige, mit Stroh gefüllte Puppe, die den scheidenden Winter verkörpert; in Graubünden wird am 1. März «Chalanda Marz» begangen, wobei die Schuljugend mit Schellen läutet und mit Peitschen knallt, um den Winter zu vertreiben.
In der warmen Jahreshälfte
Im Greyerzerland und den beiden Appenzell, aber auch sonst im Alpenland begleiten die Sennen in alten Trachten den Alpaufzug der Herde; die Leitkuh an ihrer Spitze ist mit Blumen geschmückt.
Im Unterwallis wird die Alpfahrt zum Anlaß genommen, um Kuhkämpfe auszutragen. Die Siegerin ist anschließend Führerin der Herde. Volkstänze, Fahnenschwingen, Alphornblasen und Schwingen begleiten diese Festlichkeiten. Der «Marché-Concours» schließlich ist ein wichtiger Pferdemarkt in Saignelégier.
Der Herbst bringt die beliebten Winzerfeste, die üblicherweise in einem Blumenkorso ihren Höhepunkt finden. Am berühmtesten sind diejenigen von Neuchatel, Morges und Lugano. Nicht zu vergessen natürlich die Feste, die sich an historische Ereignisse knüpfen - so der Nationalfeiertag am 1. August (Gründung der Eidgenossenschaft).