
Alte Stadt mit alten Namen. In vielen Sprachen. Klingenden Namen: Vienna, Vienne, Wenen, Becs, Viden Dunaj, Bec. Alte Stadt inmitten des Kontinents, seit Menschengedenken an bedeutenden Verkehrswegen gelegen. Im Brennpunkt unterschiedlichster mitteleuropäischer Kulturen. Junge Stadt. Lebendig und kreativ im Umgang mit ihrer Geschichte: Wien im Rückblick.
Vom Römerlager zur Habsburger-Residenz
Schon die Römer finden den Platz am Rand der lieblichen Au- und Hügellandschaft an der Donau ideal: Im ersten Jahrhundert n. Chr. errichten sie hier das Militärlager "Vindobona", bleiben mehr als dreihundert Jahre, ziehen wieder ab. Der Platz bleibt besiedelt, "Wenia" heißt er 881, als Wien das erste Mal urkundlich erwähnt wird, 1278 übernehmen die Habsburger die Herrschaft in Österreich. Sie schätzen Wien, machen es zur Hauptstadt ihres Reiches. Die Türken lockt der Reichtum und die strategische Lage der Stadt: 1529 und 1683 belagern sie Wien erfolglos.

Vienna gloriosa
Als der legendäre Prinz Eugen von Savoyen die osmanische Gefahr gebannt hat, erfaßt barocker Bauboom die Stadt: Vienna gloriosa entsteht mit Palästen und Prunkbauten wie den Schlössern Schönbrunn und Belvedere. Kaiserin Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II. führen soziale Reformen durch, das tolerante Geistesklima der Epoche beeinflußt auch das gesellschaftliche Leben Wiens.
1805 und 1809 besetzt Napoleon mit seinem Heer die Stadt. Beim Wiener Kongreß 1814/15 wird Europa nach Napoleon neu geordnet. Zwischen den Verhandlungen finden rauschende Feste statt. Dieser erfolgreiche Kongreß inspiriert die Veranstalter bis heute. Hausmusik, kunstvolle Möbel, Modebewußtsein und Häuslichkeit dominieren die folgende Epoche des Biedermeier. Aber auch politische Unterdrückung, gegen die das Wiener Bürgertum 1848 revoltiert. Ein Kaiser muß gehen - ein anderer tritt das Amt an: Franz Joseph.

Unter ihm verändert sich das Antlitz der Stadt grundlegend. Die Stadtmauern fallen, die Ringstraße, ein Prachtboulevard, entsteht. Die Melodien des Walzerkönigs Johann Strauß tragen den Wiener Walzer um die Welt. Und um die Jahrhundertwende floriert der Jugendstil, Otto Wagner baut, Gustav Klimt malt.

Im Zentrum Europas
Der Erste Weltkrieg setzt der Donaumonarchie und der Regierung der Habsburger ein Ende. In der Zwischenkriegszeit entstehen unter der sozialdemokratischen Stadtregierung des "roten Wien" aufsehenerregende Kommunalbauten. Nach dem Zweiten Weltkrieg steht Wien zehn Jahre lang unter alliierter Verwaltung - die "Vier im Jeep" (USA, Großbritannien, Frankreich, UdSSR) prägen das Straßenbild. In den letzten Jahrzehnten wurde Wien Sitz zahlreicher internationaler Organisationen und drittes Zentrum der Vereinten Nationen. Heute schätzen Millionen Besucher Wien als Musikmetropole und als Ausgangspunkt für Reisen durch Mitteleuropa.