Sankt Anton - Ein Tag in der Kinder-Skischule



Einem Ameisenhaufen gleicht jeden Morgen um Viertel vor zehn der Sammelplatz der Arlberger Skischulen. Fröhliches Stimmengewirr mischt sich mit Heulen und Plärren. Mehr als 300 Kinder wuseln über den Platz vor dem Hotel Arlberg. Über allem wacht mit strengen Augen Siggi Jochum, Chef von 30 Brettlpädagogen der Lecher Kinder-Skischule. Sie ist eine der größten in Österreich und Teil der weltberühmten Arlberg-Skischule, die 1937 gegründet wurde.


"Mein Kind ist dänisch und versteht Deutsch nicht...", sagt ein junger Vater. "Sie muß ja nur gucken, was die Lehrerin vormacht", meint Siggi, nimmt das kleine Mädchen mit dem blonden Pferdeschwanz an die Hand und führt sie zum Sammelpunkt der Fünfer-Klasse. Sabines Mutter hat andere Sorgen:

"Vorgestern war meine Tochter in der Vierer-Klasse, da war es ihr zu langweilig. Gestern kam sie in die bessere Klasse, die war ihr zu schnell - und was jetzt ?" Erwartungsvoll schaut Sabine Siggi an. Er steckt sie schließlich in die 3b zu Skilehrerin Uli. Die gebürtige Lecherin Ulrike Strolz (24) ist Anwärterskilehrerin, d.h. sie darf Kindern Unterricht geben. Siggi hängt Sabine eine Marke um. Das Logo »Skibär« steht für Klasse drei und bedeutet: des Parallelschwungs mächtig - wie Alexandra, Katharina, Caroline, Laurent, Isabelle, Christoph, Philip, Klaus und Alex.

Erste Station ist der Schlegelkopf. Die Skischüler im Alter von 8 bis 14 haben weniger Respek tvor der Bergwelt als die Arlberg-Pioniere vor 100 Jahren. Sie toben die präparierten Pisten hinunter. Uli dirigiert auf deutsch und englisch. Lech ist international. "Wer will springen ? Who wants to jump ?" Alle Stöcke schnellen zustimmend in die Höhe. Dann sausen die elf »Skihaserln« über die kleine Buckelschanze.

Um 12 Uhr mittags gibt's den wohlverdienten Einkehrschwung im »Schlößle« in Oberlech. Serviert werden Pommes mit viel Ketchup oder Wiener Schnitzel, dazu ein himbeerrosafarbenes »Skiwasser«. Nachmittags geht's dann rüber auf den Schwarzwandlift zum Üben. Auch hier ist in erster Linie Spaß angesagt - auf einem Parcours mit Kippstangen, einer Schanze, einer Wellenbahn, Parallelpisten, Sprunghügel und einem Märchenslalom.

Auch auf der anderen Seite des Arlberg-Passes, in St. Anton, sind die »Zwergerl«-Skifahrer gut aufgehoben. Dort wacht Richard Walter als Chef der Schule über den Nachwuchs. Im Skikindergarten werden bereits Schützlinge ab 2 ½ Jahre von geschulten Lehrern betreut; ab dem 5. Lebensjahr toben die Kleinen über den Geländegarten am Gampen und die Märchenwiese in St. Christoph. Höhepunkt für alle Kinder in den Arlberger Skischulen ist dann natürlich das lustige Abschlußrennen über den Parcours. Den besten Skihasen winkt eine Goldmedaille, dem Mittelfeld eine silberne und allen anderen eine Bronzemedaille. Am Arlberg geht kein Kind leer aus.