Salzburg - Salzburgs Salz - Quelle des Lebens und des Wohlstands


Seit 4000 Jahren wurde in der unmittelbaren Umgebung der Stadt Salzburg Salz gewonnen, jenes Mineral, das Stadt, Land und Fluß den Namen gab; und die "Salzach", die in anmutigem Bogen die Stadt durchließt, galt über die Jahrhunderte hinweg als einer der wichtigsten Transportwege im lukrativen Handel mit dem "weißen Gold der Berge", der sich vom Donauraum bis an die Adria erstreckte.

Schon Kelten und Römer wußten um das Vorhandensein reicher Salzlager südlich der Stadt auf dem Dürrnberg bei Hallein und verstanden es, diese Kostbarkeit im Handel zu nützen. So führte bereits in der Römerzeit eine "Salzstraße" über den heutigen Salzburger Stadtteil Maxglan weiter ins benachbarte Reichenhall, wo sich ebenfalls reiche Salzlager befanden, und der geistliche Gründer Salzburgs, der hl. Rupert, Bischof von Worms, wird in der bildlichen Darstellung mit einem Salzfaß und dem Beinamen "Salzheiliger " geschmückt, da er um das Jahr 700 als erster einen umfangreichen Anteil an den Solequellen bei Reichenhall - im damaligen Besitz des bayerischen Herzogs Theodor II. - von diesem zur Gründung seines Bistums erhielt.

In den nächsten 500 Jahren wird das Salz aus Hallein zum marktbeherrschenden Produkt und bildet das Kernstück des Wohlstandes des aufstrebenden Erzstiftes. Und es ist gewiß kein Zufall, daß die großartige Tätigkeit Erzbischofs Eberhard II. (1200-1246) auf kirchlichem und politischem Gebiet durch Gründung neuer Suffraganbistümer und Ausdehnung der salzburgischen Besitzungen mit dieser Hochblüte des Salzwesens zusammenfällt.

Die Erträgnisse aus dem Salzhandel wurden auch zum Schutze der Stadt und des Landes eingesetzt: so erkaufte der Salzburger Erzbischof Leonhard von Keutschach (1495-1519) durch Kontributionszahlungen an Maximilian I. (den "letzten Ritter") für Salzburg die Neutralität in des Kaisers Auseinandersetzung mit Bayern. Und nicht zuletzt diente dieses Geld auch dem streitbaren Leonhard von Keutschach zum massiven Ausbau der Festung Hohensalzburg als uneinnehmbares Bollwerk für die Feinde des Erzstiftes.

Während der Regierungszeit Wolf Dietrichs von Raitenau (1587-1612), jenes Kirchenfürsten, der seine Vision vom "deutschen Rom" nördlich der Alpen mit Erfolg zu verwirklichen begann, erreichten die Einnahmen aus dem Salzhandel ihren Höhepunkt. So steht der Erlös aus dem Salzgeschäft auch hinter den Prunkbauten dieses Fürsten der beginnenden Barockzeit. Salzburgs Kirchen und Schlösser, seine prunkvollen Brunnen und weiten Plätze wären ohne diese finanziellen Mittel nicht in jenem Glanz errichtet worden, wie wir ihn heute noch bewundern können.

Aber gerade diesem so selbstherrlichen Landesfürsten wurde das Salz zum Schicksal: während des 1611 ausbrechenden Streits mit Bayernherzog Maximilian um die Salzmaut unterband Wolf Dietrich den Bayern jegliche Salzausfuhr; der darauf ausbrechende Salzkrieg endete mit der Flucht des Salzburger Fürsterzbischofs, der Gefangennahme durch die bayerischen Truppen und seiner Gefangenschaft auf der Festung Hohensalzburg, wo er im Jahre 1617 verstarb.

Daß Stadt und Land Salzburg von den Greueln des 30jährigen Krieges verschont blieben und zu einem sicheren Hort im Jahrzentelangen kriegerischen Ringen wurden, verdanken sie einem diplomatisch äußerst versierten Kirchenfürsten, Paris Graf Lodron, der das Erzstift mit starker Hand und kluger Verhandlungstaktik durch die Wirren jener Zeit führte. Doch auch hier spielte das Geld aus dem Salzhandel eine -wichtige Rolle, erlaubte es Paris Lodron doch, die Befestigungsanlagen in der Stadt und um die Stadt herum in einem Maße zu erweitern und auszubauen, daß sich die Residenzstadt sozusagen "bis an die Zähne befestigt" jedem eventuellen Angreifer darbot. Was wir heute als historisch-interessante Mauern, Türme und Festungswälle bewundern, war damals bittere Notwendigkeit !


Über die Jahrhunderte hinweg war das Salz wichtigstes Ausfuhrprodukt für die Wirtschaft Salzburgs. Zwei Drittel der gesamten Produktion wurden auf der Salzach befördert. Zum Schutze der kostbaren Fracht gegen räuberische Übergriffe etablierten sich in Laufen/Oberndorf die Schifferschützen, deren vielfältiges Brauchtum, wie z.B. die "Piratenschlacht auf der Salzach" heute noch tausende von Zuschauern in seinen Bann zieht. Und auch in der Stadt Salzburg erinnert das Zinnen und Mauern-bewehrte Franziski-Schlössl auf der Höhe des Kapuzinerbergs daran, daß von hier oben aus wache Augen und scharfe Waffen jene Straße am Fuße des Berges bewachten, auf der die wichtigen Salztransporte vorüberzogen.



Von Anbeginn an war die Stadt Salzburg eine Handelsstadt; begünstigt durch die geographische Lage am Nordrand der Alpen und im Schnittpunkt internationaler Handelswege, entwickelte sich bald ein reges kaufmännisches Leben; so weiß die Chronik anrichten, daß bereits um das Jahr 1000 Salzburg als beliebter Umschlagplatz für Waren aller Art galt, u.a. auch bedingt durch den damals bereits blühenden Handel mit Salz.

Der heutige "Alte Markt" im Herzen der historischen Altstadt war über die Jahrhunderte hinweg Marktplatz und Zentrum des Warenhandels; neben dem Eier- und Milchmarkt, dem Blumen- und Geflügelmarkt, dem Fischmarkt am Salzachufer, war es besonders der "Salzmarkt" zwischen der heutigen Sigmund-Haffner-Gasse und dem Alten Markt gelegen, der von der Bevölkerung und ausländischen Handelsherren stark frequentiert wurde.

Neben der Salzach als wichtiger Transportstraße für das "weiße Gold" war es vor allem auch die uralte Steingasse am Fuße des Kapuzinerberges, die als Haupteinfallstraße von Süden her galt und auf der tagaus, tagein die schweren Salzfuhrwerke von Hallein kommend durch das enge Steintor rumpelten. Schlendert man heute durch die Steingasse - nur einen Steinwurf weit vom brausenden Verkehr des 20. Jahrhunderts entfernt - so stellt man beglückt fest, daß diese alte Gasse über die Jahrhunderte hinweg nichts von ihrem mittelalterlichen Zauber eingebüßt hat.


Auf dem Halleiner Dürrnberg befindet sich das älteste Salzbergwerk Europas, eben jenes Bergwerk, das den Reichtum von Stadt und Land Salzburg begründete. Eine Reise durch den Berg - von der Prähistorik bis zur Gegenwart - mit einer romantischen Floßfahrt über den geheimnisvollen unterirdischen Salzsee - gehört mit zu den Höhepunkten einer "phantastischen Reise auf den Spuren des Salzes".