Der Stadtkern von Klagenfurt hat einen interessanten aus dem 16. Jh. stammenden Renaissancegrundriß. Die historische Altstadt, de rbeachtliche Erhaltungs- und Sanierungsbemühungen gewidmet werden, ist eine der immer wieder gelobten Qualitäten dieser Stadt. Daß aber außer der historischen Bausubstanz das Stadtbild auch zunehmend durch zeitgenössische Architektur geprägt wird, findet noch zuwenig Beachtung.
Seit der Jahrhundertwende haben hier so bedeutende Architekten gewirkt, wie die Theaterbauer Fellner und Helmer oder die romantischen Jugendstilarchitekten Franz Baumgartner und Karl Hayböck. In der Zwischenkriegszeit arbeiteten die Architekten F. L. Freyer, Rudolf Truksa und vor allem der geniale Sigmund Schiffler.
In stadtplanerischer Hinsicht wird heute angestrebt, bedeutsame Projekte, insbesondere öffentliche Bauvorhaben über Wettbewerbsverfahren abzuwickeln. Als Beispiel seien die innovative Platzgestaltung und der Busbahnhof Heiligengeistplatz von Sonja Gasparin und Beny Meier genannt. Eine weitere urbanistische Zielsetzung ist es, die Stadtgrenzen durch "Tore", also durch Landmarks, zu signalisieren. In diesem Sinne entstand an der westlichen Stadteinfahrt die "Scala" von Minimundus des Architekten Klaus Mayr, an der nördlichen Stadteinfahrt der St. Veiter Straße die Bauten von Ernst Giselbrecht (Haus der Kärntner Ärzte) und von Wilhelm Holzbauer (Bank für Kärnten und Steiermark).
Die östliche Stadteinfahrt wird durch das schiffsbugähnliche Kaufhaus KIKA von Boris Podreacci geprägt. Um die Namen überregional anerkannter Architekten fortzusetzen, sei darauf hingewiesen, daß in Klagenfurt Projekte folgender Persönlichkeiten zu sehen sind: Günther Domenig, Volker Giencke, Clemens Holzmeister, Nehrer und Medek, Gert Mayr-Keber, Laurids Ortner, Roland Rainer, Margarete Schütte-Lihotzky.
Schließlich muß auf die wichtige Rolle hingewiesen werden, die der "Napoleonstadel - Kärntens Haus der Architektur" in der Architekturszene von Könnten und Klagenfurt spielt. Dieses von der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs errichtete Haus versteht sich als Plattform für die Architekturdiskussion im Interesse der Förderung zeitgenössischer Baukunst. Die hier laufend veranstalteten Vorträge, Diskussionen und Ausstellungen sind eine wesentliche Kulturfacette dieser Stadt, wobei das Gebäude selbst, ein ideenreicher Umbau (Marto und Wolfgang Gärtner, 1992) eines historischen Magazingebäudes, ebenfalls sehenswert ist.
Autor: Kraigher
Herausgeber und Konzeption:
Magistrat Klagenfurt - Stadtplanung, und Klagenfurt-Tourismus, 1996.
Bearbeiter Stuller