Graz - Altstadt Rundgang



Der um 1164 angelegte Hauptplatz ist Herz und Mittelpunkt der Stadt. Vor 1000 Jahren gab es hier Auland und Überschemmungsgebiet, im Laufe der Zeit machten ihn die fahrenden Kaufleute zum Markt- und Handelsplatz.

Im Jahre 1550 bekam Graz das erste Rathaus, damals im Renaissancestil. Weil der letzte Umbau im Jahre 1894 die architektonische Einheit des alten Platzes zerstört hatte, entschloß man sich im Jahre 1966 zu einer Renovierung der Fassade. Eine Befragung unter der Bevölkerung ergab aber, daß sie das Rathaus mit seinen vielen Türmchen beibehalten wollten. In der Mitte des Hauptplatzes steht das 1878 errichtete Erzherzog-Johann-Denkmal.

Laut einer Testamentsverfügung sollte auf dem Hauptplatz ein Brunnen errichtet werden. Nun wollte man aber auch dem "Steirischen Prinzen" Erzherzog Johann die Ehre erweisen. So wurde das Denkmal kurzerhand als Brunnen erbaut. Die vier Frauenfiguren zu Füßen des Prinzen stellen die vier Hauptflüsse der alten Steiermark (Mur, Enns, Drau und Sann) dar.

Aus den prächtigen Fassaden rund um den Hauptplatz sticht an der Ecke zur Sporgasse das Luegghaus mit seiner reichen Stuckfassade und den Laubengängen besonders heraus.


Durch die enge, fast italienisch anmutende Franziskanergasse mit ihren im Kern mittelalterlichen Häusern gelangt man auf den Franziskanerplatz, den tiefstgelegenen Teil der Grazer Altstadt.

Bereits um 1240 errichteten hier die Minoriten die heutige Franziskanerkirche und das dazugehörige Kloster unmittelbar an der Stadtmauer. 1515 übergaben die Minoriten Kloster und Kirche den Franziskanern, welche dann das Langhaus der Kirche vollendeten. Der Turm kam erst nach 1636 als Teil der Stadtbefestigung dazu. Im Chorschluß finden sich Glasfenster (1960-1962) von Franz Felfer. Die Nord- und Südwand des Chores zieren Glasfenster der Benediktiner Äbtissin Basilia vom Schloßkloster Pertlstein.

Der Franziskanerplatz und seine Umgebung werden auch "Das Kälberne Viertel" genannt. Diese Bezeichnung hat ihren Ursprung in der jahrhundertelangen Tradition der Fleischer und Würstelverkäufer, die hier ihre Waren feilbieten.

Vom Franziskanerviertel geht es durch die Neue-Welt-Gasse und die Neue Welt in die Schmiedgasse, flankiert von einer Reihe historischer Bürgerhäuser. Im Mittelalter hatten hier Schmiede, Wagner und Spengler ihre Werkstätten.

Der Grazer Congress an der Ecke Schmiedgasse/Albrechtgasse ist zentraler Veranstaltungsort für internationale Kongresse und Tagungen und beherbergt mit dem Stephaniensaal den schönsten Konzertsaal der Stadt. Im Gebäude des Grazer Congress befindet sich auch das Casino (Eingang Landhausgasse)



Die Landhausgasse (rechts an der Fassade des Landhauses befinden sich die Wappen der Städte der alten Steiermark und Reichswappen) mündet in die Herrengasse, die Hauptgeschäftsstraße der Grazer Altstadt.

Links auf der gegenüberliegenden Straßenseite erblickt man das Gemalte Haus, den ehemaligen Herzogshof. Der Besitzer dieses Hauses war von allen Steuern befreit, dafür mußte er dem Landesherrn, wenn dieser in Graz weilte, den "Thronsessel aufstellen". Das bedeutete, er mußte ihn standesgemäß unterbringen und bewirten. Das Rokoko-Eckhaus zur Stempfergasse beherbergt die Bären-Apotheke, eine der ältesten bürgerlichen Apotheken der Stadt.

Gegenüber erhebt sich der mächtige Bau des Landhauses, das Mitte des 16. Jahrhunderts von dem aus Lugano stammenden Baumeister Domenico dell'Allio in seine heutige Form gebracht wurde. Bemerkenswert sind die gekuppelten Rundbogenfenster, deren Mittelsäulen im unteren Drittel eingekerbt sind. Der Innenhof mit seinen prachtvollen Arkadengängen offenbart, was der Renaissance-Künstler hier schuf: ein Meisterwerk im Stile eines lombardischen Palazzos.

Unmittelbar an das Landhaus fügt sich das Landeszeughaus, einst die wichtigste Waffenkammer Innerösterreichs, heute die größte historische Waffensammlung der Welt (über 30.000 Ausstellungsstücke; vorwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert).

Dem Zeughaus gegenüber steht das Haus Herrengasse Nr. 13, in dem einmal Kaiser Napoleon Bonaparte übernachtet hat.


Auf der gleichen Straßenseite spaziert man weiter zur spätgotischen Stadtpfarrkirche. Sie wurde Anfang des 16. Jahrhunderts erbaut und diente ursprünglich den Dominikanern als Klosterkirche. Beim Betreten der Kirche durch den rechten Seiteneingang findet man im Johannesschiff das Bild "Mariä Himmelfahrt" von Jacopo Tintoretto, das wertvollste Gemälde der Kirche. Es wurde 1594 nach Graz gebracht. Die im zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Glasfenster wurden 1953 vom Salzburger Kirchenmaler Albert Birkle erneuert, der dabei auch Hitler und Mussolini abbildete. Er stellte die beiden dunklen Gestalten der Weltgeschichte als hämische Zuschauer bei der Geißelung Christi dar (linkes Seitenfenster des Hauptaltarraumes, rechts viertes Feld von unten in der rechten Reihe). Die Berichte über diese Besonderheit gingen damals durch die Weltpresse.

Am Ende der Herrengasse biegt man links in die Hans-Sachs-Gasse ein, dann rechts in die Hamerlinggasse, überquert den Opernring und gelangt zur Thalia. Der mittlerweile denkmalgeschützte Bau des Wiener Architekten Rudolf Vorderegger ist ein charakteristisches Beispiel für die Architektur der Fünfziger Jahre.


Das Grazer Opernhaus wurde von den beiden großen Opern-Architekten der Monarchie geplant: Helmer und Fellner. Der Stil wurde Fischer von Erlach - übrigens ein gebürtiger Grazer - nachempfunden. Unmittelbar vor dem Opernhaus wurde im Rahmen des "steirischen herbstes" 1992 "America nowhere" die Stahlskulptur "Lichtschwert" (der Freiheitsstatue nachempfunden) des steirischen Künstlers Hartmut Skerbisch errichtet.

Nach Überqueren des Opernringes gelangt man durch die Burggasse zum langgestreckten Tummelplatz. Sein Name leitet sich von der ursprünglichen Bedeutung des Wortes "Tummeln" ab, womit man früher das Zähmen und Zureiten von Pferden bezeichnete. Im 16. Jahrhundert ließ Erzherzog Karl II. von Innerösterreich hier Stallungen und eine Hofreitschule errichten, in der Lipizzaner und andere edle Pferde von den "Tummelknechten" dressiert wurden.

Durch die Schlossergasse kommt man auf den Bischofplatz mit zwei Palästen. Links das Bischöfliche Ordinariat, Stadtsitz des Bischofs der Diözese Graz-Seckau, in dem durch Bombenschäden im 2. Weltkrieg romanische Fresken aufgedeckt wurden. Schräg gegenüber rechts das ehemalige Palais des Grafen Inzaghi.


Die Enge Gasse führt zum Glockenspielplatz. Jeden Tag pünktlich um 11, um 15 und um 18 Uhr öffnen sich im Giebel des Eckhauses zur Abraham-a-Santa-Clara-Gasse zwei Fensterflügel und ein holzgeschnitztes Trachtenpaar dreht sich zum Klang des Glockenspiels. Die Riesen-Spieluhr wurde 1903 vom damaligen Hausbesitzer Gottfried Simon Maurer eingebaut.

Als "Bermudadreieck" bezeichnen Nachtschwärmer die Gasthäuser, Cafes und Bars um den Mehlplatz und den Färberplatz. Im Sommer ist hier eine Vielzahl von Schanigärten aufgebaut. Hier pulsiert das Grazer Nachtleben. Im Haus Mehlplatz Nr. 1 verbrachte der berühmte Grazer Operettenkomponist Robert Stolz seine Jugendjahre.


Am Färberplatz treffen Tradition und Moderne aufeinander. Zwischen den roten Ziegeldächern ragt das blaue M1-Haus (Architekt Richard Ellmer und ein Erweiterungsbau des Cafes von Architekt Günther Domenig) empor. Vom verglasten Dachgeschoß aus bietet sich ein reizvoller Rundblick über die Altstadt. Nach dem kleinen Rundgang über den Färberplatz geht es durch die Abraham-a-Santa-Clara-Gasse, benannt nach dem wortgewaltigen Prediger der Barockzeit, hinauf zur sogenannten "Stadtkrone'. Sie umfaßt Dom, Mausoleum, Burg, Schauspielhaus und die "Alte Universität'.


In der Bürgergasse erblickt man rechts zunächst das mächtige Portal des Domherrenhofs. Schräg gegenüber verbirgt sich hinter einer imposanten Fassade der reizvoll strenge Renaissancehof des Jesuitenkollegs, an welches sich die 1585 gegründete "Alte Universität" anschließt. Rechter Hand führt eine Freitreppe empor zu Mausoleum und Dom. Das Mäusoleum Kaiser Ferdinands II. wurde von dem aus der Lombardei stammenden Hofmaler und Architekten Pietro de Pomis erbaut und nach dessen Tod von Pietro Valnegro vollendet.

1687 ließ Kaiser Leopold I. den Innenausbau durch Johann Bernhard Fischer von Erlach gestalten. Das Gebäude besteht aus der Katharinenkapelle (Grundriß ist ein lateinisches Kreuz, Tonnengewölbe) und der Gruftkapelle (elliptischer Grundriß).

Links an der Südseite des Doms befindet sich unter einem kleinen Vordach das Landplagenbild (1485), das jene drei Plagen darstellte, welche die Steiermark im Schreckensjahr 1480 heimsuchten: die Türken (kriegerische Einfälle über mehrere Jahrhunderte), Pest und Heuschrecken. Dieses spätgotische Fresko, an dem die Zeit leider nicht spurlos vorübergegangen ist, zeigt die älteste - bis heute erhaltene - Ansicht von Graz.

Den Dom selbst ließ Kaiser Friedrich III. zwischen 1438 und 1462 als Hofkirche gegenüber seiner Burg, die ungefähr zur gleichen Zeit entstand, erbauen. Der Innenraum dieser mächtigen, spätgotischen Hallenkirche birgt zahlreiche Kunstschätze: zwei prachtvolle Renaissancetruhen (Entwurf Andrea Mantegna) links und rechts vom Triumphbogen sowie Altarbilder von Pietro de Pomis. Gegenüber dem Dom liegt die Burg, die Kaiser Friedrich III. über Jahrzehnte als Herrschaftssitz diente. Leider wurden im vorigen Jahrhundert wesentliche Teile dieser Habsburger-Residenz abgerissen. Ein originelles bauliches Kleinod blieb jedoch erhalten: die gotische Doppelwendeltreppe (1499) neben dem rechten Durchgang zum hinteren Burghof. Die Burg ist heute Sitz der Steirischen Landesregierung.

Hinweis: Durch das Burgtor gelangt man über die Erzherzog-Johann-Allee in den Stadtpark. Die Hofgasse entlang kommt man zum Freiheitsplatz mit dem Schauspielhaus, einem klassizistischen Bau. Früher stand hier das "Ständische Theater", welches in der Christnacht des Jahres 1823 vollständig niederbrannte. Danach errichtete man nicht nur ein neues Theater, sondern schuf auch den harmonischen Platz davor (1840). In der Mitte des Platzes befindet sich das Denkmal von Kaiser Franz I.

Durch die Ballhausgasse geht es hinüber in die Sporgasse, die ihren Namen den Sporenmachern verdankt. Im 14. und 15. Jahrhundert wohnten und arbeiteten hier die Sporenmacher, Waffenschmiede, Plattner (sie erzeugten Rüstungen) und Bogenmacher.

Links gegenüber am Giebel des Palais Saurau befindet sich die legendenumwobene Figur eines türkischen Kriegers, ein Hauszeichen oder ein militärisches Übungsgerät. Die Grazer, die in den folgenden Jahrhunderten mit dieser Figur lnterpretationsprobleme hatten, dichteten die Grazer Stadtgeschichte legendenhaft um:
Der Feldherr Ibrahim Pascha hatte damals mit seinem Gefolge das Palals Saurau okkupiert und saß gerade beim Essen, als vom Schloßberg her eine Kanonenkugel mitten in seine Schüssel flog. Der zornige Pascha soll daraufhin ausgerufen haben: "Wenn ich diesen heißen Ofen (die Festung) nicht haben kann, dann will ich auch die kalte Stube (die Stadt) nicht!" Sprach's hob die Belagerung von Graz auf und zog ab.

Eines der romantischsten Häuser ist sicher der Renaissancebau "Zur goldenen Pastete", Haus Nr. 28. mit seinem dreistöckigen Runderker.

Das Haus Nr. 21, welches die Stiegenkirche beherbergt, steht an einem für die frühe Stadtgeschichte bedeutsamen Ort am Südhang des Schloßberges. Äußerst sehenwert ist der teilweise gotische Arkadenhof des Deutschen Ritterordens (Haus Nr. 22).
Geht man gegenüber der Stiegenkirche ein paar Schritte hinüber in die Hofgasse, fällt ein prächtiges Geschäftsportal aus Holz - gekrönt mit einem vergoldeten Doppeladler - auf: die ehemalige Hofbäckerei Edegger-Tax.

Die Sporgasse führt zum Hauptplatz, dem Ausgangspunkt des Rundganges.


Erweiterter Altstadtrundgang:

Vom Palais Saurau geht man die Sporgasse hinauf zum Karmeliterplatz. Auf diesem Platz befand sich an der Ecke zur Paulustorgasse zur Zeit der innerösterreichischen Regierung die päpstliche Nuntiatur. Nach den Karmelitern, die 1628 hier eine Kapelle erbauten, ist er auch heute noch benannt. Das ehemalige Kloster beherbergt heute einen Teil des Steiermärkischen Landesarchives.

Die Dreifaltigkeitssäule, errichtet zum Dank für das Ende der Pest 1680, stand ursprünglich auf dem Hauptplatz (Eingang Sackstraße) und wurde erst 1876 auf den Karmeliterpaltz übertragen.

Vom Karmeliterplatz gelangt man durch die Stiegengasse und die Dr.-Karl-Böhm-Allee auf den Schloßberg. Der mächtige Felsrücken diente im Mittelalter als natürliche Festung und gab der Stadt ihren Namen (Graz kommt von "Gradec" = kleine Burg).


Der geschwungene Weg führt durch den Wald zuerst zum Uhrturm, dem Wahrzeichen der Stadt.

Die Uhr des im 13. Jahrhundert errichteten Turms weist zwei Besonderheiten auf: Zum einen ist das Zifferblatt von monumentaler Größe, zum anderen sind die vergoldeten Zeiger vertauscht montiert. Der lange zeigt auf die Stunden, der kurze auf die Minuten. Der Grund dafür ist ein praktischer: Die Uhr hatte ursprünglich nur einen Zeiger, den größeren. So konnte man von der Stadt aus die Zeit leichter erkennen. Erst später wurde ein zweiter, kleinerer Zeiger für die Minuten angebracht.

Der hölzerne Wehrgang aus dem 16. Jahrhundert war bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts Standplatz einer Feuerwache, die von hier aus die ganze Stadt überblicken konnte und im Brandfall die Alarmglocke läutete.

Etwas höher als der Uhrturm schlägt die berühmteste Grazer Glocke, die Lisl'. Der 1588 erbaute Glockenturm ist ein Relikt der einstigen Festung auf den Schloßberg.

Für den Rückweg in die Altstadt gibt es zwei Möglichkeiten: Die bequeme mit der Schloßbergbahn (Fahrten alle 15 Minuten) hinunter zum Kaiser-Franz-Josef-Kai oder den Abstieg über den romantischen Felsensteig zum Schloßbergplatz.

Dort befand sich im Haus Nr. 22 (kaiserlicher Doppeladler über dem Eingang) im 18. Jahrhundert die Grazer Münzstätte. Gegenüber steht das älteste urkundlich erwähnte Gebäude der Stadt, der Reinerhof, einst im Besitz des Klosters Rein bei Graz. Die mächtigen Steinquader eines spätromanischen Turms sind im Hausbau noch erhalten.

In der Sackstraße trifft man auf sehr viele prächtige Palais und Innenhöfe: Zunächst das Barockjuwel Palais Attems, in dem die Festival-Büros des "steirischen herbstes" und der "styriarte" untergebracht sind. Gleich daneben das kleine Palais Attems oder "Witwenpalais", das als Domizil für die Witwen der Grafen von Attems erbaut wurde.

Gegenüber, im Palais Khuenburg, dem Geburtshaus des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand, befindet sich das Grazer Stadtmuseum, im benachbarten Palais Herberstein, dem früheren Stadtpalais der Fürsten von Eggenberg, die "Neue Galerie". Die Sackstraße führt zurück zum Hauptplatz, unserem Ausgangspunkt.

Ein Abstecher zwischen den Häusern Nr. 9 und 11 führt durch eine Passage zum Paradeishof mit schönen Arkaden. Die Stationen in der Geschichte dieses Gebäudes waren: Stiftungshaus der Eggenberger im 15. Jahrhundert, protestantische Stiftsschule (hier unterrichtete Johannes Kepler !) im 16. Jahrhundert, Klarissinnenkloster vom 17. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Wohnhaus (unter anderem des Komponisten Wilhelm Kienzl-Evangelimann), heute Großkaufhaus.