In Ihrem CD-ROM-Laufwerk befindet sich gerade die erste Ausgabe der Meeting Pearls. Der empfohlene Verkaufspreis dieser CD beträgt nur 19,80 DM. Sicherlich fragen Sie sich, wie dieser günstige Preis zustande gekommen ist. Es ist mittlerweile über 2 Jahre her, als ich erstmals Amiga-CDs mit frei kopierbarer Software näher unter die Lupe nahm. Darunter war zum Beispiel eine Fish-CD für 170 DM, sowie einige andere CDs in dreistelliger Preislage. Mir als FD-Programmiererin hat das absolut nicht gefallen - waren da doch mal wieder Leute, die mit relativ wenig Aufwand relativ viel Geld machen, indem sie die Arbeit anderer Leute verkauften... Es folgten von mir initiierte Diskussionen auf Computer-Netzen, in denen recht gegensätzliche Meinungen aufeinandertrafen. Eine relativ kleine Gruppe war der Meinung, CDs, die nur aus FD-Software bestehen, sollten maximal 50 DM, besser max. 20 DM kosten, die Mehrheit jedoch fand auch dreistellige Preise für eine komplette Fish-Sammlung noch sehr ok, da ja die einzelnen Disketten deutlich mehr kosten. Daß dadurch eine große Zahl von Disclaimern verletzt wurden, die eine Weitergabe der Software nur gegen eine Gebühr erlauben, die den Kosten für den Datenträger entspricht, hat mich jedoch ziemlich gestört, da - wie man sehen kann - CDs in der Herstellung durchaus keine derartigen Beträge erfordern. Man forderte mich auf, eine eigene, preiswerte CD zu machen, was ich damals jedoch ablehnte. Es dauerte nicht lange, da häuften sich CDs in der Preislage von 50 bis 90 DM - immerhin ein Fortschritt, der sicherlich auch an den leicht steigenden Verkaufszahlen lag. Vergangenen Winter nun schaltete eine Firma mehrere Seiten Anzeigen in deutschsprachigen Amiga-Zeitschriften, nach denen sie Amiga-CDs zu - in meinen Augen - Traumpreisen von meist zwischen 5 und 20 DM verkaufen wollten. Der Andrang bei dieser Firma war groß - jedoch konnte diese nicht liefern und viele Kunden haben ihr vorausbezahltes Geld nie wieder gesehen! Die damaligen Diskussionen über Copyright von verschiedenen Datenbeständen führten zu der Idee, eine preiswerte Aminet-CD zu produzieren (damals gab es noch kein Compilation-Copyright auf Aminet). Mir hat das trotz allem wieder Mut gemacht. Auf der CeBIT sprach mich dann ein deutscher Amiga-Händler wegen jener Firma an. Es stellte sich dabei heraus, daß Preise von 20 DM für eine CD, bei der die Firma fast keine Arbeit mehr mit der Zusammenstellung hat, durchaus machbar seien und ich hatte die fixe Idee, dieser Händler könne die besagte Aminet-CD für 19,80 DM veröffentlichen. Die anfängliche Skepsis auf Seiten dieses Händlers konnte ich beseitigen. Leider ist aus rechtlichen Gründen länger nichts aus dem Projekt "Aminet CD für unter 20 DM" geworden, aber um doch noch eine CD für unter 20 DM auf den Amiga-Markt zu bringen, plante ich, mit Hilfe einiger anderer Freaks eine Datensammlung zu erstellen, die man dann veröffentlichen könnte. Der Händler fand diese Idee gut, und so entstand der Gedanke der Meeting Pearls. Wenig später bekam das Baby dann auch den heutigen Namen, der durch eine meiner "plötzlichen Eingebungen" entstand. :-) Wie es mit dem Projekt "Aminet" weiterging, können Sie in einem der anderen Texte lesen. Traditionell treffen sich eine große Menge Amiga-Programmierer ein- bis dreimal pro Jahr (Tendenz steigend), um Erfahrungen und Programme auszutauschen, Netzwerke zu testen, usw. Meist sind zwischen 70 und 100 Freaks auf diesen privaten Treffen anwesend, die dort zwei bis drei Tage verbringen und wenn ihnen die Augen zufallen im Schlafsack irgendwo auf dem Boden schlafen. Seit etwa einem Jahr wird auch jedes Mal ein großes Netzwerk aus vielen, vielen Amigas aufgebaut, das größtenteils auf Commodores Netzwerksoftware "Envoy" basiert. So gab es auch dieses Jahr an Pfingsten in Burlafingen nahe Ulm ein derartiges "Meeting" und auch dieses Jahr wurde wieder ein großes Netzwerk aufgebaut. Es sollte unter anderem dazu verwendet werden, die Daten für die CD zusammenzustellen. Als irgendwann das Netz dann halbwegs konfiguriert war und funktionierte, wurde auch fleißig kopiert, installiert, ... Leider hat uns die zur Verfügung stehende Zeit nicht ganz gereicht, um alles fertig zu bekommen, so daß wir uns entschlossen haben, die Gigabyteplatte noch für etwa zwei Wochen ans Internet (das ist ein weltweites Computernetz, zu dem ziemlich viele der anwesenden Programmierer Zugang haben) zu hängen, um sie dort einigen gut ausgewählten Benutzern zugänglich zu machen, damit diese ihre Software fertig installieren können. Was bei dieser ganzen Aktion herauskam, sehen Sie auf dieser CD. Wir hoffen, daß sie Ihnen gefällt und daß Sie in diesem Fall zukünftige derartige Treffen finanziell ein wenig unterstützen, denn allein der Eintritt zu dem Treffen lag bei 30 DM pro Person, da wir die Hallenmiete ja irgendwie finanzieren mußten. Hinzu kamen dann noch für die meisten Leute die Kosten für mehrere hundert Kilometer Sprit, eine längere Bahnfahrt oder gar einen Leihwagen, die häufig dreistellig waren! Ich persönlich möchte mich bei allen Leuten, die geholfen habe, die Meeting Pearls zu dem zu machen, was sie ist, ganz herzlich bedanken. Ganz, ganz besonderer Dank gilt dabei all jenen Leuten, die tatkräftig bei den Meeting Pearls mitgeholfen habe, obwohl sie während der anfänglichen Diskussionen um CD-Preise die Meinung vertraten, CDs sollten ruhig teuer sein - sie seien es wert! Angela Schmidt (Organisation des Treffens und dieser CD)