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W Window installieren

Die Installation von X Window aus den beigelegten Archiven verlangt genügend Platz in /usr/local. Sollte dort kein Platz mehr sein, müssen Sie einen kleinen Trick anwenden um Ihre Partition /local benutzen zu können:

cd /local
mkdir X11R6
cd /usr/local
ln -s /local/X11R6 X11R6 (ln funktioniert wie cp: Angabe von Quelle und dann Ziel)

Gehen Sie nun mal nach /usr/local/X11R6 und prüfen mit dem Befehl 'pwd' wo Sie sich befinden - hoffentlich in /local/X11R6.

Gehen Sie nun in das Root-Verzeichnis: cd / und packen nun die Archive aus:

X11R6.04Jan95-bin.tar.gz
X Window clients, also die eigentlichen Programme, sowie ein X Server.
X11R6.04Jan95-fonts.tar.gz
Fonts, zum Teil Postscriptfonts
X11R6.04Jan95-include.tar.gz
Includefiles, wichtig für viele Programme, sowie dann wenn Sie selber compilieren wollen.
X11R6.04Jan95-lib.tar.gz
Shared libraries, sehr wichtig, ohne diese geht gar nichts.
X11R6.04Jan95-man.tar.gz
Hilfsseiten, sicher sinnvoll zu installieren.

Das Auspacken geht so:

tar zxvf /mnt/cdrom/NetBSD/contrib/X11R6.04Jan95-bin.tar.gz

Wiederholen Sie den Vorgang für alle Archive. Sie brauchen alle Archive, mit Ausnahme vielleicht der Hilfsseiten!

Danach sollte Ihre Festplatte ordentlich gefüllt sein. Sollte tar melden das Ihre Festplatte voll ist ('no space') dann kann es passiert sein, das Sie versehentlich in einer falschen Partition ausgepackt haben, oder aber tatsächlich kein Platz mehr in /usr/local ist. Sie können die Shared-libararies auch physikalisch in der /usr Partition in /usr/lib halten falls dort noch Platz ist.

Hat alles geklappt, dann sieht Ihr /usr/local Verzeichnis nun wie folgt aus:

/usr/local/X11R6/
bin/
X11 Clients und X Server
lib/
Shared- und Linklibraries
lib/X11
Diverse Konfigurationsdateien
man/
Online Hilfsseiten
include/
Compiler Includes

Beigelegt ist ein X Server für ECS (kein AGA), der monochrom arbeitet. Diesen installieren wir jetzt:

cd /usr/local/X11R6/bin
rm X
ln -s XamigaMono X
Legt Softlink von XamigaMono auf X an.
Als nächstes müssen wir dem online-Linker 'ld' noch mitteilen wo er die X11R6 shared-libaries suchen soll:

ldconfig /usr/local/X11R6/lib
Diese Zeile können Sie auch in die Startup-Datei /etc/rc.local einbauen, damit dies automatisch gemacht wird.

Aus verschiedenen Gründen müssen wir leider noch zwei kleine Hacks durchführen, da NetBSD-Amiga bzgl. der Konsole noch einen kleinen Bug hat.

cd /dev
chmod +rw kbd
chmod +rw mouse0

Als letztes erweitern wir noch den Suchpfad der Shell auf /usr/local/X11R6/bin.

Dazu brauchen wir keinen Superuser mehr, verlassen wir also die Shell mit 'exit' und loggen uns als normaler User wieder ein. Edieren Sie die Datei .profile und ändern die PATH-Zeile wie folgt:

PATH=/sbin:/usr/sbin:/bin:/usr/bin:/usr/local/X11R6/bin:.

X Window sollte jetzt startbar sein! Wir tun dies mit dem Script 'startx' - einfach starten.

Ihre Festplatte wird wahrscheinlich fürchterlich an zu klappern anfangen, u.U. wird es vorkommen das zum ersten Mal der Swap-Bereich ausgenutzt wird. Nach einiger Zeit wird der Bildschirm schwarz und dann mit einem Graumuster gerastert. Danach sollte dann ein kreuzförmiger Mauszeiger zu sehen sein, bald darauf ein erster Client, wahrscheinlich eine Uhr. Dann sollte ein xterm - eine virtuelle Konsole unter X Window - erscheinen.

Hat alles geklappt kommt am Ende noch der Window-Manager hoch, der den Windows noch eine Titelzeile verpasst und Menüs anbietet.

Hat es nicht geklappt - Sie befinden Sich wieder in der Konsole - dann haben wir ein kleines Problem. Die Fehlersuche ist nicht trivial, aber wir versuchen es. Prüfen Sie ob Sie alle obig angegeben Dateien geändert oder installiert haben. Gibt es ein Verzeichnis /usr/local/X11R6/bin? Sind die Libaries mittels ldconfig eingebunden? Hat der XServer 'XamigaMono' das Protectionbit 's' am Anfang (wenn nein, dann mit 'chmod 4755 XamigaMono' setzen)? Haben Sie als normaler Benutzer Zugang zu den Gerätetreibern /dev/mouse0 und /dev/kbd? Sind die Fonts alle instaliert?

Finden Sie den Fehler immer noch nicht raus, dann müssen wir noch ein abstrakteres Mittel verwenden, den Kernel-Tracer:

ktrace startx
Dieser schneidet - ähnlich wie Snoopdos - alle Dateizugriffe von startx und den dort gestarteten Programmen und mehr mit, und protokolliert diese in der Datei 'ktrace.out', die wir uns mit Hilfe von

kdump | more

nach Beendigung von ktrace ansehen. Irgendwo am Ende werden Sie wohl die Fehlermeldung finden die Sie suchen, etwa 'file not found'.

Zum weiteren Verständnis sei noch gesagt, das startx den Daemon 'xinit' startet, der seinerseits bei Bedarf den X Server /usr/local/X11R6/bin/X (deswegen der Softlink auf XamigaMono) startet. xinit geht dann nach dem Script /usr/local/X11R6/lib/X11/xinit/xinitrc vor und startet dann die dort angegebenen Programme. Wird das letzte dieser dort gestarteten Programme (im Normalfall der Windowmanager twm) beendet, dann beendet sich xinit und sagt auch dem X Server Bescheid - X wird beendet.

Haben wir nun alle Fehler beseitigt und befinden uns in der Oberfläche, dann schauen wir uns dort mal um. Sie werden ein paar geöffnete Fenster sehen, in der Regel eine Uhr, ein paar xterms, ein xbiff (Ihr Mailbox-Anzeiger), xeyes (die magischen Augen, die Ihrer Maus folgen) und anderes mehr.

Fahren Sie mit der Maus umher, sind Sie auf einem der Windows, sollte es automatisch aktiviert sein (andere Farbe), u.U. geschieht dies durch Druck auf linke Maustaste. Verschieben und vergrößern können Sie jedes dieser Fenster. Schauen Sie sich die Menüs an, die Ihnen der twm - Windowmanager - anbietet, dazu klicken sie die Maustasten auf dem gerasterten Hintergrund an.

Sie können alle Einstellungen des Managers und auch die Anzahl der Programme die gestartet werden sollen frei ändern. Kopieren Sie dazu die Dateien /usr/local/X11R6/lib/X11/xinitrc mit dem Namen .xinitrc in Ihr Homedirectory, sowie die Datei /usr/local/X11R6/lib/X11/twm/system.twmrc mit dem Namen .twmrc.

Die Datei .xinitrc hat eine wichtige Sache: Das letzte Programm welches nicht mit einem & am Ende gestartet wird, verhindert das xinit sich beendet und somit die X Session beendet. Im Regelfall ist dies der Windowmanager.

Beachten Sie noch das X Clients sowohl von '.xinitrx', als auch von 'startx' gestratet werden können.

Verlassen können Sie X Window also indem Sie im Menü vom twm 'Exit' auswählen.

Sehen Sie sich im Verzeichnis /usr/local/X11R6/bin um - es enthält eine Reihe interessanter Programme. Für jedes existiert eine Hilfsseite, die Sie wie gewohnt mit 'man' oder mit 'xman' erhalten.

Im Verzeichnis NetBSD/contrib/X11/ finden Sie noch die Datei german.xmodmaprc. Diese Datei enthält ein Tastaturlayout für eine deutsche Amiga-Tastatur. Initialisieren Sie die Tastatur mit 'xmodmap german.xmodmaprc'. Ab sofort auch Umlaute unter X Window. In einem xterm kann es allerdings passieren das sie davon nicht viel sehen. Unter NetBSD-Amiga sind xterm und andere Konsolen per default auf 7Bit eingestellt. Daher müssen wir Ihnen dies mitteilen:

'stty cs8 -pass8 -istrip'

Leider reicht dies meist nicht um Umlaute nun einzutippen - Ihre Shell muß auch 8Bit-fähig sein, nicht selbstverständlich. In einem Editor, etwa vi oder emacs sollten Sie jetzt wie gewohnt Umlaute sehen und tippen können. Sollten Sie aber nicht einmal Umlaute sehen, dann ist vielleicht Ihr xterm nicht mit einem ISO-8859-1 (Latin-1) Font ausgestattet.

Starten Sie das Programm 'xfontsel' und wählen einen Font aus, der am Ende mit 'iso-8859-1' definiert ist. Gehen Sie dann mit der Maus auf Ihr xterm, drücken und halten auf der Tastatur die Control-Taste und auf der Maus den rechten Knopf. Es sollte ein Menü aufpoppen, dort wählen Sie 'selected' aus - der Font sollte sich nun ändern.

Ein Wort zum Windowmanager: Beigelegt und vorinstalliert ist der 'twm' und der 'fvwm'. Ersterer ist der altbewährte Standard-Windowmanager, letzterer ist ein Vertreter der neueren Gattung, hochkonfigurierbar, schnell, und bei entsprechendem Komfort aber auch Resourcefressend. Der Windowmanager zeichnet sich verantwortlich für die Behandlung von Fenstern unter X Window. Er verpasst diesen eine Titelleiste die Sie benutzen können um mit der Maus die Fenster zu verschieben, schliessen oder iconifizieren. Auch bietet er Menüs an, die frei konfigurierbar sind und auf allerlei Art angesprochen werden können.

Sollten Sie die Geschwindigkeit von X Window nicht berauschend finden und Ihre Festplatte dauernd am rappeln sein - etwa wenn Sie die Maus bewegen, oder eine Taste drücken - dann haben Sie verdammt wenig Speicher frei. Schließen Sie ein paar Anwendungen. Sollte ein Fenster mal keine Titelzeile mit Closegadget haben, können Sie es mit dem Menü-Eintrag 'destroy' (der ruft das Kommando xkill auf) abbrechen. Mit Hilfe von 'pstat -T' bekommen Sie raus wie weit Ihr Swap-Bereich ausgenutzt wird. Verringern Sie die Anzahl der Programme die beim Start von X gestartet werden, indem Sie die Dateien 'startx' und 'xinitrc' verändern.

Gefällt Ihnen die Größe des Screens nicht, so müssen Sie die Größe der Konsole verändern, deren Masse übernommen werden. Verlassen Sie dazu X Window und starten dann 'iteconfig -W -H '. Hier können Sie auch Einfluß auf die Farben nehmen. Schauen Sie sich die man-page von iteconfig an, oder geben 'iteconfig -h' ein. Achtung, diese Methode gilt nur für den X Server XamigaMono, andere X Server können meist mit der Angabe -width und -height gestartet werden, etwa:

startx -- '-width -height '

Viel Spaß mit einer der konfigurierbarsten Benutzerobeflächen überhaupt! Leider können wir hier nicht weiter darauf eingehen, wir haben noch etwas anderes zu besprechen.


Markus Illenseer, 1995-03-10