

Die Installation von X Window aus den beigelegten Archiven verlangt genügend Platz in /usr/local. Sollte dort kein Platz mehr sein, müssen Sie einen kleinen Trick anwenden um Ihre Partition /local benutzen zu können:
Gehen Sie nun mal nach /usr/local/X11R6 und prüfen mit dem Befehl 'pwd' wo Sie sich befinden - hoffentlich in /local/X11R6.
Gehen Sie nun in das Root-Verzeichnis: cd / und packen nun die Archive aus:
Das Auspacken geht so:
Wiederholen Sie den Vorgang für alle Archive. Sie brauchen alle Archive, mit Ausnahme vielleicht der Hilfsseiten!
Danach sollte Ihre Festplatte ordentlich gefüllt sein. Sollte tar melden das Ihre Festplatte voll ist ('no space') dann kann es passiert sein, das Sie versehentlich in einer falschen Partition ausgepackt haben, oder aber tatsächlich kein Platz mehr in /usr/local ist. Sie können die Shared-libararies auch physikalisch in der /usr Partition in /usr/lib halten falls dort noch Platz ist.
Hat alles geklappt, dann sieht Ihr /usr/local Verzeichnis nun wie folgt aus:
Beigelegt ist ein X Server für ECS (kein AGA), der monochrom arbeitet. Diesen installieren wir jetzt:
Aus verschiedenen Gründen müssen wir leider noch zwei kleine Hacks durchführen, da NetBSD-Amiga bzgl. der Konsole noch einen kleinen Bug hat.
Als letztes erweitern wir noch den Suchpfad der Shell auf /usr/local/X11R6/bin.
Dazu brauchen wir keinen Superuser mehr, verlassen wir also die Shell mit 'exit' und loggen uns als normaler User wieder ein. Edieren Sie die Datei .profile und ändern die PATH-Zeile wie folgt:
PATH=/sbin:/usr/sbin:/bin:/usr/bin:/usr/local/X11R6/bin:.
X Window sollte jetzt startbar sein! Wir tun dies mit dem Script 'startx' - einfach starten.
Ihre Festplatte wird wahrscheinlich fürchterlich an zu klappern anfangen, u.U. wird es vorkommen das zum ersten Mal der Swap-Bereich ausgenutzt wird. Nach einiger Zeit wird der Bildschirm schwarz und dann mit einem Graumuster gerastert. Danach sollte dann ein kreuzförmiger Mauszeiger zu sehen sein, bald darauf ein erster Client, wahrscheinlich eine Uhr. Dann sollte ein xterm - eine virtuelle Konsole unter X Window - erscheinen.
Hat alles geklappt kommt am Ende noch der Window-Manager hoch, der den Windows noch eine Titelzeile verpasst und Menüs anbietet.
Hat es nicht geklappt - Sie befinden Sich wieder in der Konsole - dann haben wir ein kleines Problem. Die Fehlersuche ist nicht trivial, aber wir versuchen es. Prüfen Sie ob Sie alle obig angegeben Dateien geändert oder installiert haben. Gibt es ein Verzeichnis /usr/local/X11R6/bin? Sind die Libaries mittels ldconfig eingebunden? Hat der XServer 'XamigaMono' das Protectionbit 's' am Anfang (wenn nein, dann mit 'chmod 4755 XamigaMono' setzen)? Haben Sie als normaler Benutzer Zugang zu den Gerätetreibern /dev/mouse0 und /dev/kbd? Sind die Fonts alle instaliert?
Finden Sie den Fehler immer noch nicht raus, dann müssen wir noch ein abstrakteres Mittel verwenden, den Kernel-Tracer:
nach Beendigung von ktrace ansehen. Irgendwo am Ende werden Sie wohl die Fehlermeldung finden die Sie suchen, etwa 'file not found'.
Zum weiteren Verständnis sei noch gesagt, das startx den Daemon 'xinit' startet, der seinerseits bei Bedarf den X Server /usr/local/X11R6/bin/X (deswegen der Softlink auf XamigaMono) startet. xinit geht dann nach dem Script /usr/local/X11R6/lib/X11/xinit/xinitrc vor und startet dann die dort angegebenen Programme. Wird das letzte dieser dort gestarteten Programme (im Normalfall der Windowmanager twm) beendet, dann beendet sich xinit und sagt auch dem X Server Bescheid - X wird beendet.
Haben wir nun alle Fehler beseitigt und befinden uns in der Oberfläche, dann schauen wir uns dort mal um. Sie werden ein paar geöffnete Fenster sehen, in der Regel eine Uhr, ein paar xterms, ein xbiff (Ihr Mailbox-Anzeiger), xeyes (die magischen Augen, die Ihrer Maus folgen) und anderes mehr.
Fahren Sie mit der Maus umher, sind Sie auf einem der Windows, sollte es automatisch aktiviert sein (andere Farbe), u.U. geschieht dies durch Druck auf linke Maustaste. Verschieben und vergrößern können Sie jedes dieser Fenster. Schauen Sie sich die Menüs an, die Ihnen der twm - Windowmanager - anbietet, dazu klicken sie die Maustasten auf dem gerasterten Hintergrund an.
Sie können alle Einstellungen des Managers und auch die Anzahl der Programme die gestartet werden sollen frei ändern. Kopieren Sie dazu die Dateien /usr/local/X11R6/lib/X11/xinitrc mit dem Namen .xinitrc in Ihr Homedirectory, sowie die Datei /usr/local/X11R6/lib/X11/twm/system.twmrc mit dem Namen .twmrc.
Die Datei .xinitrc hat eine wichtige Sache: Das letzte Programm welches nicht mit einem & am Ende gestartet wird, verhindert das xinit sich beendet und somit die X Session beendet. Im Regelfall ist dies der Windowmanager.
Beachten Sie noch das X Clients sowohl von '.xinitrx', als auch von 'startx' gestratet werden können.
Verlassen können Sie X Window also indem Sie im Menü vom twm 'Exit' auswählen.
Sehen Sie sich im Verzeichnis /usr/local/X11R6/bin um - es enthält eine Reihe interessanter Programme. Für jedes existiert eine Hilfsseite, die Sie wie gewohnt mit 'man' oder mit 'xman' erhalten.
Im Verzeichnis NetBSD/contrib/X11/ finden Sie noch die Datei german.xmodmaprc. Diese Datei enthält ein Tastaturlayout für eine deutsche Amiga-Tastatur. Initialisieren Sie die Tastatur mit 'xmodmap german.xmodmaprc'. Ab sofort auch Umlaute unter X Window. In einem xterm kann es allerdings passieren das sie davon nicht viel sehen. Unter NetBSD-Amiga sind xterm und andere Konsolen per default auf 7Bit eingestellt. Daher müssen wir Ihnen dies mitteilen:
Leider reicht dies meist nicht um Umlaute nun einzutippen - Ihre Shell muß auch 8Bit-fähig sein, nicht selbstverständlich. In einem Editor, etwa vi oder emacs sollten Sie jetzt wie gewohnt Umlaute sehen und tippen können. Sollten Sie aber nicht einmal Umlaute sehen, dann ist vielleicht Ihr xterm nicht mit einem ISO-8859-1 (Latin-1) Font ausgestattet.
Starten Sie das Programm 'xfontsel' und wählen einen Font aus, der am Ende mit 'iso-8859-1' definiert ist. Gehen Sie dann mit der Maus auf Ihr xterm, drücken und halten auf der Tastatur die Control-Taste und auf der Maus den rechten Knopf. Es sollte ein Menü aufpoppen, dort wählen Sie 'selected' aus - der Font sollte sich nun ändern.
Ein Wort zum Windowmanager: Beigelegt und vorinstalliert ist der 'twm' und der 'fvwm'. Ersterer ist der altbewährte Standard-Windowmanager, letzterer ist ein Vertreter der neueren Gattung, hochkonfigurierbar, schnell, und bei entsprechendem Komfort aber auch Resourcefressend. Der Windowmanager zeichnet sich verantwortlich für die Behandlung von Fenstern unter X Window. Er verpasst diesen eine Titelleiste die Sie benutzen können um mit der Maus die Fenster zu verschieben, schliessen oder iconifizieren. Auch bietet er Menüs an, die frei konfigurierbar sind und auf allerlei Art angesprochen werden können.
Sollten Sie die Geschwindigkeit von X Window nicht berauschend finden und Ihre Festplatte dauernd am rappeln sein - etwa wenn Sie die Maus bewegen, oder eine Taste drücken - dann haben Sie verdammt wenig Speicher frei. Schließen Sie ein paar Anwendungen. Sollte ein Fenster mal keine Titelzeile mit Closegadget haben, können Sie es mit dem Menü-Eintrag 'destroy' (der ruft das Kommando xkill auf) abbrechen. Mit Hilfe von 'pstat -T' bekommen Sie raus wie weit Ihr Swap-Bereich ausgenutzt wird. Verringern Sie die Anzahl der Programme die beim Start von X gestartet werden, indem Sie die Dateien 'startx' und 'xinitrc' verändern.
Gefällt Ihnen die Größe des Screens nicht, so
müssen Sie die Größe der Konsole verändern, deren
Masse übernommen werden. Verlassen Sie dazu X
Window und starten dann 'iteconfig -W
Viel Spaß mit einer der konfigurierbarsten
Benutzerobeflächen überhaupt! Leider können wir
hier nicht weiter darauf eingehen, wir haben noch
etwas anderes zu besprechen.
Markus Illenseer, 1995-03-10