

Was brauchen wir eigentlich so alles?
Sie sollten der englischen Sprache mächtig sei. Da dies nicht selbstverständich ist, sei hier nochmal extra darauf hingewiesen. Fast sämtliche zusätzliche Dokumentation ist nur in Englisch verfügbar, auch dieser Kursus kann nur einen kleinen Ausschnitt behandeln, irgendwann müssen Sie auf englischsprachige Dokumentation zurückgreifen. Unix ist zwar ein international verbreitetes Betriebssystem, aber eine Lokalisierung wurde bisher immer abgelehnt da sie das Leben oft sogar erschwert und die Aufgabe bei weitem umfangreicher wäre als etwa bei AmigaDOS.
Hardware - Zusammenfassung der benötigten Hardware.
Das wichtigste ist erst einmal ein geeigneter Amiga. Von vornherein sei hier gesagt, das immer eine MMU und eine FPU vorhanden sein müssen! Kein anständiges Unix kommt ohne MMU aus, denn hiermit wird der reale und der virtuelle Speicher verwaltet und geschützt. Eine FPU ist ebenfalls ein Muß, will man die vorhandenen Distributionen verwenden. Schon der erste wichtige Befehl nach dem Start, fsck, (filesystem-check) verlangt nach der FPU um Divisionen auszuführen. Es wäre umständlich ein NetBSD ohne FPU-Benutzung zu generieren. Durch diese wichtige Einschränkung fallen z.B. sowohl der A1200 als auch der A4000/30 vorerst als Plattform aus.
Wir brauchen einen Amiga mit mindestens MC68020 und geeigneter MMU MC68581 und FPU MC68881 oder MC68882. Das wären z.B. Amiga 2000 mit einer A2620 Beschleunigerkarte, oder A500 mit geeigneter Beschleunigerkarte. Oder wir benutzen einen MC68030 mit eingebauter MMU und einer FPU MC68882 wie sie auf dem A3000 zu finden sind, und natürlich auf einer ganzen Reihe von Beschleunigerkarten für den A2000 (z.B. A2630 oder GForce) und auch A1000, A500, A1200. Auch der A4000/30 kann mit einer geeigneten Beschleunigerkarte eingesetzt werden. Zu guter letzt kann auch ein mit einem MC68040 ausgestatteter Amiga genutzt werden, das gibt Spielraum für den A4000/40 oder dem A3000/40 (mit A3640 etwa). Ein mit einem MC68040 ausgerüsteter A2000 ist nur bedingt einsatzfähig, hier ist leider noch Probieren angesagt. Der MC68060 wird bisher allgemein von NetBSD (und dem C-Compiler) nicht unterstützt.
Zur Zeit ist es mindestens ebenso wichtig, daß Ihr Amiga mindestens 1MB Chip-RAM besitzt! Soviel wird benötigt, um das NetBSD-Kernel am Anfang zu laden. Da die gängigen Kernel selbst in den sogenannten Lite-Versionen kaum kleiner als 700KB sind, wird 1MB Chip-RAM benötigt. Wenn mal ein Entwickler Zeit und Musse hat, kann sich dies vielleicht ändern. Es gilt also seinen Amiga auf 1MB oder besser gleich 2MB Chip-RAM aufzurüsten, dazu braucht nur ein geeigneter Agnus-Baustein, sowie genügend RAM an der richtigen Stelle eingebaut zu werden. Eine neue Denise ist nicht nötig. Das ChipRAM liegt allerdings nach Start von NetBSD brach und wird ausschliesslich als reiner Framebuffer für die Konsole bzw. Grafik benutzt, nicht jedoch als RAM.
Auf jeden Fall ist aber ausreichend FastRAM nötig. Da, wie schon angesprochen, das Kernel alleine schon knapp 1MB Speicher braucht - wir kommen später darauf zurück warum es so groß ist, das Amiga-Exec und Intuition kommt als ROM und ist auch schon 512KB gross - und dann einiges an Software geladen werden muß, gehen wir von einer Minimalkonfiguration von 4MB FastRAM aus. Diese 4MB müssen in einem Stück verfügbar sein, genauso gilt dies für alles weitere verfügbare FastRAM. Dies ist eine momentane Schwäche von NetBSD-Amiga, es ist derzeit auch nicht möglich z.B. 32Bit-RAM und 16Bit-RAM zu mischen. Das führt z.B. dazu, daß ein A2000 mit einer A2630 und 4MB FastRAM, sowie einem A2091 SCSI-Hostadapter mit 2MB 16Bit-RAM (also total 6MB FastRAM) nur 4MB benutzen kann. Ähnliches gilt derzeit auch im High-End Bereich, wenn z.B. in einem A4000 mit 12MB RAM und eine Fastlane mit 8MB RAM genutzt wird, dann werden nur die 12MB der Mutterplatine verwendet. 4MB RAM ist unter Unix unerträglich, spätestens wenn Sie X Window einsetzen möchten, wird Ihre Festplatte, auf der Sie das virtuelle RAM schreiben, nicht mehr zur Ruhe kommen. Sie sollten daher bei ernsthafter Installation mindestens 8MB oder besser mehr in Erwägung ziehen.
Die daran angschlossenen SCSI-Festplatten sollten sich auf asynchron umschalten lassen, entweder per Software oder per Hardware. Bei angeschlossenen Bandlaufwerken ist nicht immer gegeben, daß sie korrekt erkannt werden, es wird jedoch eine ganze Reihe von Laufwerken und Laufwerksarten unterstützt. Das fängt an mit normalen QIC-Bändern, geht über zu den aktuell günstigen DAT-Laufwerken und endet bei den 20GB Exabyte-Streamern. CD-ROM Geräte am SCSI-Bus bereiten in der Regel keine Probleme, auch das benutzte CD-ROM-Filesystem ist sehr stabil. Wechselmedien wie z.B. SyQuest SQ550 können benutzt werden.
In Vorbereitung und experimentell verfügbar Treiber für die SCSI-Adapter Fastlane und Cyberstorm.
Natürlich brauchen wir jetzt noch ein geeignetes Ausgabegerät um überhaupt etwas zu sehen. Wie jedes Unix bietet auch NetBSD die Möglichkeit eine Konsole an die serielle Leitung anzuschließen, aber das ist nicht unbedingt jedermanns Geschmack. Unterstützt werden natürlich die eingebaute Amiga-Grafik, sowie diverse Grafikkarten.
Tatsächlich aber wird von AGA derzeit nur die abwärtskompatibilit&t zu ECS ausgenutzt, die mehr als DblPAL ist derzeit nicht unterstützt! Beim A2024 ist es aber möglich auch X Window mit einer Auflösung bis zu 1024x1024x1 zu fahren - wahrlich interessant da kostengünstig.
In Vorbereitung und experimentell verfügbar Treiber für Cirrus-basierte Grafikkarten Picasso II, Piccolo und Spektrum. Angedacht Treiber für Cybervision, Piccolo SD64, Merlin, Domino, und andere. Hier muß allerdings noch ein neues Konzept ausgearbeitet werden, denn der Amiga ist mithin der einzige Rechner im NetBSD-Verbund, der mehrere Grafikkarten gleichzeitig ansteuern kann.
Anschluß an Netzwerke, sei es in der Firma, Zuhause mit dem PC verknüpft, oder auf einem der zahlreichen Computer-Treffen, findet man mit Ethernetkarten. Davon werden mittlerweile die in Deutschland gängigsten Modelle unterstützt.
In Vorbereitung und experimentel verfügbar ist ein Treiber für die Ariadne, sie ist auch die schnellste Karte und bietet auch Anschluß an Twisted-Pair (Telefonstecker). Noch im groben Entwicklerstadium befindet sich der Treiber für die A2060 Arcnet-Karte. Eine sehr interessante Alternative zu den teuren Ethernetkarten. Wie es sich mit PC-Arcnet verträgt bleibt noch abzuwarten, für Arcnet gibt es kaum einen echten Standard.
Damit kommen wir dann auch zu den recht stiefmütterlich behandelten Amiga Floppy Laufwerken. Es werden sowohl DD als auch HD Disketten in den entsprechenden Laufwerken erkannt. Aufgrund der Tatsache, daß nur Amiga-FFS formatierte Disketten benutzt werden können, ergeben sich einige Probleme. Es kann nicht auf AmigaDOS-Disketten geschrieben werden, da die Implementierung des AmigaDOS-Filesystems unter NetBSD dies derzeit nicht zuläßt. Wohl aber kann man direkt, unter Umgehung eines Filesystemes, Daten schreiben und lesen. Leider ist das Format der Disketten aber nach wie vor AmigaDOS, so das die Disketten nicht in einer Sparc oder in einem PC lesbar sind. Ein bekanntes Manko, dem aber bisher nicht geholfen werden konnte. Immerhin funktioniert die Floppy so gut, daß man damit eine Installation von NetBSD auf dem Amiga erheblich erleichtern konnte, indem man nun von Diskette bootet.
Die internen Schnittstellen des Amiga, der serielle und der parallele Port können problemlos benutzt werden. Die Serielle schafft dabei aus verschiedenen Gründen nur maximal 57600 Baud. In Vorbereitung ist ein Treiber für die Multiface-Karte von BSC, sowie für die A2232 von Commodore.
Zu guter letzt sei noch gesagt, das beide Mausports genutzt werden können, unter X Window auch mit 3 Knöpfen. Die Implementierung der Ports ist kompatibel zu Sun3. Eine 3-Tasten-Maus ist sicherlich eine sinnvolle Anschaffung für X Window, denn einmal benutzen sehr viele Programme alle drei Tasten, und zum Anderen simulieren weder der X Server noch der Window-Manager eine 3-Tasten-Maus wenn man nur eine 2-Tasten-Maus angeschlossen hat. Die Tastatur kann wie gewohnt lokalisiert werden, Vorgabe ist die US-Tastatur.
Soweit die technischen Begebenheiten und Vorraussetzungen. Falls Ihre Neugier geweckt ist, und Ihr Amiga geeignet zu sein scheint, so kann es dann losgehen! Um Ärger und Frust zu vermeiden weil Sie sich nicht sicher sind ob Ihr Rechner tauglich ist geben wir Hinweise wie Sie dies testen können ohne dabei Eingriffe an Ihrer Festplatte oder Ihrem System zu machen.