

Kommen wir also zu NetBSD. Diese BSD-Implementierung ist ein von der Regents Universität in Berkeley (Californien) entwickeltes BSD-Unix, das frei erhältlich ist. Es wird von einer Gruppe von Leuten entwickelt, die sich teilweise nicht persönlich kennen, sondern nur über Netzwerke - sei es direkt per Internet, oder per News und Mail - daher der Name 'Net'.
Mittlerweile in der Version 1.0 verfügbar, läuft es auf der HP300 Serie von Hewlett Packard, auf Intel 386-PC (ntürlich auch auf 486 und Pentium), Amiga, Sun3, Sparc, DEC, MAC (aus dem Alice-Projekt heraus entstanden) und einigen anderen mehr. Versionen für Atari ST werden vorbereitet.
NetBSD 1.0 ist eine Zusammenfassung von der Berkeley Netzwerk Release 2 (Net/2) und 4.4BSD-Lite Ausgabe. NetBSD hat mit FreeBSD oder 386BSD nur wenig gemeinsam - FreeBSD ist ein kommerzialisiertes Produkt und ist ausschließlich für Intel-Plattformen ausgelegt, genau wie sein Vorgänger 386BSD. Da aber alle drei viel gemeinsam haben, ist z.B. Literatur für diese auch mit NetBSD verträglich.
NetBSD 1.0 ist eine Meilenstein-Ausgabe. Der härteste Teil der 4.4BSD-Lite Integrierung, das Kernel, wurde endlich vollendet und läuft seit einiger Zeit in vielen Umgebungen. Als wichtigstes Novum sind Unterstützung für 64Bit Plattformen, und neue Implementierung von Filesystemen zu nennen. Desweiteren ist NetBSD 1.0 die erste echte Ausgabe von NetBSD, die auf vielen Architekturen läuft. Bei Herausgabe von NetBSD 0.9 wurde nur der 'i386' Port als 'voll lauffähig' angegeben, wohingegen der HP300 Port als 'gerade mal lauffähig' eingestuft wurde. Die NetBSD 1.0 Ausgabe unterstützt neun verschiedene Architekturen und komplette Binary-Distributionen für diese Architekturen werden zur Verfügung gestellt.
Die Philosophie von NetBSD 1.0 ist es, daß ein einziger großer Source für sämtliche Plattformen gleichsam gültig ist und nur bestimmte Low-Level Routinen die verwendeten Prozessoren angepasst werden. Bisher ist dieses Konzept hervorragend aufgegangen, es bietet teilweise sogar die einmalige Möglichkeit Binärkompatibilität zu geben. NetBSD-Sun3 (Sun3 basiert auf Motorola m68k Prozessoren) und sogar Sun-OS Programme laufen somit unter NetBSD-Amiga, eine einmalige Gelegenheit kommerzielle Produkte von Sun auch auf dem Amiga laufen zu lassen - man denke an Produkte wie Maple oder Motif. Natürlich brauchen Sie im letzten Fall eine Lizenz für SunOS und Motif.
Erstmals portiert wurde NetBSD für den Amiga im Mai 1993. Aus dem groben Entwicklerstatus kam es im Juni 1993. Wichtige Etappen waren August 1993, als Ethernet-Karten erstmalig unterstützt wurden, und Dezember 1993, als 'Shared Libraries' und X Windows eingeführt wurden. Seit Mitte 1994 ist NetBSD-Amiga voll im NetBSD-1.0 integriert.
Hauptentwickler und Administrator des NetBSD-Amiga ist Chris Hopps aus den USA, wohingegen Markus Wild, bekannt durch seine Portierung des GCC - ein freier C-Compiler - auf den Amiga, die erste Portierung durchführte. Per Netzwerk organisiert - NetBSD alle Ehre machend - ist eine lockere Gruppe von teilweise namhaften und technisch versierten, Amiga-Programmieren, die weltweit versucht NetBSD-Amiga weiterzuentwickeln.
Derzeit wird an der Weiterentwicklung von NetBSD 1.0 gearbeitet, um Versions-Chaos zu vermeiden wird dieses einfach NetBSD-current (-aktuell) genannt. In unserem Kurs beziehen wir uns ausschließlich auf NetBSD 1.0. Die Portierung und Anpassung von NetBSD auf viele Architekturen hat große Vorteile. Einmal gehen Änderungen im Kernel sofort an alle Plattformen über, zum anderen können so neue Gerätetreiber z.B. vom PC (man denke an SCSI-Adapter) leicht auf z.B. Amiga angepasst werden. Auch gibt es somit ein AmigaDOS-Filesystem für den PC - wenn auch der Nutzen hier fraglich ist. Aber auch die Macintosh-Freaks profitieren von der Vielfalt des Amiga, denn die Anpassung an den MC68040 Prozessor ging beim Amiga schneller von statten und konnte fast 1:1 übernommen werden.
NetBSD-Amiga Was kann NetBSD-Amiga eigentlich so alles?