#Titel Lifestyle / Studium / Studienort: Marburg #Logo gadget25:Pinsel/AG.Lifestyle #Font Losse 16 #C31 Studienort: Marburg #Font topaz 8 #C21 Es gibt keinen Bericht über den Studienort Marburg, der nicht mit Erwähnung eines ganz bestimmten Satzes beginnt. Da zu befürchten ist, daß es bei einer Abweichung zu einer Vernichtung des Universums, so wie wir es kennen, kommt, soll auch in diesem kleinen Text keine Ausnahme gemacht werden: "Andere Städte haben eine Universität, Marburg ist eine Universität." Damit wären auch bereits der Hauptvorteil und der Hauptnachteil der Universitätsstadt Marburg angesprochen. Marburg ist klein, von den etwa 75.000 Einwohnern sind fast 20.000 Studenten, allein 7.000 Menschen sind Beschäftigte der Philipps-Universität. Das bedeutet, daß Marburg letzten Endes sehr provinziell ist. Alles ist in eher kleinen Dimensionen vorhanden, die Verkehrsanbindung an den Rest der Republik eher bescheiden (allerdings ist Frankfurt am Main nur eine Stunde Auto-/ Zugfahrt entfernt). Wer den Flair und das pulsierende Leben der Großstadt liebt, wird mit Marburg nicht glücklich werden. Die andere Seite der Medaille ist jedoch ein reizvoller Gegensatz zwischen idyllischer Altstadt und morderner Universität. Zentrum der Stadt ist der Schloßberg, auf dem - welch' Überraschung - tatsächlich ein Schloß steht. Unter ihm erstrecken sich zahlreiche verwinkelte Gassen und Gäßchen bis hinab zum in den Wiesen der Lahn, eines kleinen Flüßchens, liegenden Rest der Innenstadt. Unter fremdenführungstechnischen Gesichtspunkte sollte auch die altehrwürdige Elisabeth-Kirche (genannt: "E-Kirche") nicht vergessen werden, die zusammen mit anderen antiken Gebäuden das Stadtbild Marburgs entscheidend mitprägt. An den Außenbezirken der Stadt stehen dann die Paläste der Moderne, zwischen Schnellstraße, Einkaufszentrum und Industriegelände wirkt Marburg wie jede andere Kleinstadt auch - etwas dreckig, oftmals vom Autoverkehr verstopft und dem grauen Alltag verhaftet. Doch das interessiert den gemeinen Studenten im allgemeinen nicht. Die Zeit außerhalb der Universität läßt sich nämlich ganz hervorragend in der Altstadt und in anderen Innenstadtbezirken verbringen. Zum einen wären da die unzähligen Kneipen und Kneipchens, die Cafés und auch die Discos. Hier gibt es für praktisch jeden Geschmack etwas: modern und mondän das "Café News", urig und eng der sich in einem Kellergewölbe versteckende "Hinkelstein", den 60ern und 70ern verhaftet das "Café Barfuß", französisches Ambiente verbreitend die "Brasserie", das gemütliche und im Sommer einen Biergarten bietende "Quod libet" - um nur ein paar wenige zu nennen. Lediglich bei den Discos ist die Auswahl beschränkter: das "Slot", angeblich die älteste Disco Hessens, ist mitten in der Altstadt, das "PAF" liegt in Cölbe, einer der ländlichen kleinen Gemeinden um Marburg. Aber wer wirklich zumeist schlechte Musik bei zuckenden Lichtern haben will, kann ja immer noch auf Frankfurt zurückgreifen... Eine Alternative zu den "kommerziellen" Kneipen bieten sicherlich zahlreiche Feten auf den Häusern der unzähligen in Marburg ansässigen Studentenverbindungen. Einige dieser doch "eher" konservativen Zirkel (der Bundesinnenminister Manfred Kanther ist Mitglied in einer Marburger Burschenschaft) besitzen recht prunkvolle Häuser und bieten neben Besäufnissen auch Vorträge, Filmvorführungen und ähnliches an. Kulturell bietet Marburg selbst ebenfalls einiges. Das Theater hat in den letzten Jahren seinen Ruf - trotz Stasi-Affäre des Intendanten - verbessern können und die Kleinkunstszene ist ohnehin groß: von unregelmäßigen Folkmusik-Konzerten im "Molly Malone's" bis zu unterschiedlichsten Aktionen im "KFZ" wird alles geboten, was das Herz so begehren kann. Den Duft der großen Hollywood-Welt kann man dann in drei Kinos mit insgesamt neun Sälen schnuppern. Im Sommer wird zusätzlich ein Freiluft-Kino auf dem Schloßplatz angeboten. Darüber hinaus soll angeblich demnächst ein weiteres Kinocenter in Marburg entstehen. Aber auch zum völligen Abschalten bietet Marburg reichlich Gelegenheit. Am Lahnufer lassen sich gemütliche und ruhige Nachmittage und Abende verbringen und im Stadtpark hat man fast immer seine Ruhe. Ansonsten gibt es neben Frankfurt mit Gießen (30 km) und Kassel (100 km) zwei weitere Städte mit akzeptablen Angeboten in praktisch unmittelbarer Nähe... Die Wohnsituation in Marburg ist erträglich. Es gibt immer mal wieder Zimmer in der Stadt zu mieten, wobei die Quadratmeterpreise weit unter denen etwa Heidelbergs liegen. Zur Zeit soll die durchschnittliche Miete etwa um die 260 DM betragen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, in einer der umliegenden Gemeinden eine Wohnung zu finden. Dann muß man jedoch entweder motorisiert sein oder sich mit dem derzeit noch nicht gänzlich überzeugenden Nahverkehrsangebot abfinden. Hier tut sich allerdings einiges, insbesondere ist im letzten Jahr der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gegründet worden, der relativ problemlose Verbindungen zwischen Marburg und Frankfurt ermöglicht. Ab dem Wintersemester 1996 wird übrigens ein Semesterticket eingeführt, das den Semesterbeitrag der Studierenden zwar um 80 DM erhöht, dafür aber die kostenlose Fahrt zwischen Kassel und Frankfurt ermöglicht. Nicht ganz unwichtig ist bei einer Universitätsstadt auch stets die Universität... Die Philipps-Universität wurde 1527 vom Landgrafen Philipp als erste protestantische Universität Deutschlands gegründet und erstreckt sich heute nicht nur über verschiedene Standorte in der Innenstadt (das Institut der Physiker liegt beispielsweise ganz oben auf dem Schloßberg, die juristische Fakultät an zwei Standorten am Fuße des Schloßberges, das Audimax weitere 500m entfernt - gegenüber der Stadthalle und neben einem Kino, die geisteswissenschaftlichen Institute in mehreren 70er-Jahre- Gebäudekomplexen am anderen Lahnufer, Teile der medizinischen Fakultät etwa einen Kilometer entfernt in der Nähe des Bahnhofes) sondern auch über die vor Marburg liegenden und gut mit dem Bus erreichbaren Lahnberge. Dort befindet sich nicht nur das eigentliche Uniklinikum sondern auch der Hauptteil der naturwissenschaftlichen Fakultäten (z.B. Chemie, der Rest der Medizin, etc.). Alltags- und Studienleben lassen sich mithin kaum trennen, der Supermarkt liegt neben dem Vorlesungssaal. Vom Studienangebot her bietet Marburg trotz seiner geringen Größe ein umfangreiches Programm. So gibt es einige Fachbereiche, die insgesamt nur etwas über ein Dutzend Studenten zählen - beispielsweise die Musikwissenschaften. Zur Zeit rollt jedoch die große Sparwelle und es wird diskutiert, verschiedene Angebote nur noch in Kooperation mit der Gießener Justus-Liebig-Universität beizubehalten. Die Einrichtungen der Universität leiden ebenfalls unter der Geldknappheit. Viele Gebäude bedürften dringend einer Renovierung, sowohl die Universitätsbibliothek als auch die Fachbibliotheken mußten auf den Ankauf so mancher neuer Bücher verzichten, um wenigstens die wichtigen Fachzeitschriften besorgen zu können. Herz der Informationstechnologie ist das Hochschulrechenzentrum, das auf den Lahnbergen liegt. Hier gibt es den größten Rechnersaal der Uni. Für die Studenten der Innenstadt-Fachbereich gibt es einen weiteren allgemeinen Rechnersaal im (im Sommer _herrlich_ warmen) Obergeschoß des "Savigny"- Hauses, des Hauptbereiches der juristischen Fakultät. Hier stehen etwa ein Dutzend Pentiums mit schön großen Bildschirmen sowie etwa doppelt so viele 486/DX-2er für die Studenten bereit. Die Software wird per lokalem Netz angeboten und umfaßt neben Standard-Windows-Applikationen (Word, Excel) auch (La)TeX und Harvard Graphics. Damit man seine Arbeiten zu Papier bringen kann, hängen ein Laser- sowie ein Nadeldrucker im Netz, der Druck einer Seite kostet 10 Pfennige, die über Magnetkarten abgebucht werden. Neben diesem allgemein zugänglichen, leider jedoch durch Veranstaltungen des HRZ oder einzelner Fachbereiche oftmals geschlossenen, Rechnersaal gibt es auch fachbereichspezifische Rechnersäle. Direkt gegenüber des allgemeinen Saals liegt so z.B. im Savigny-Haus der Rechnersaal der juristischen Fakultät, der zwar weniger Rechnerplätze bietet, dafür jedoch nie durch Veranstaltungen blokiert ist. Etwas ungewöhnlich - wenngleich auch nicht sonderlich tragisch - ist die Tatsache, daß in Marburg Studenten nur dann einen e-Mail-Account bekommen, wenn sie pro Semester 10 DM Internetgebühr bezahlen. Dafür erhält man dann 5 MByte Speicherkapazität auf dem zentralen Server des HRZ und kann e-Mails in alle Welt versenden. Völlig kostenfrei und anonym ist der Zugriff auf andere Netzdienste wie FTP oder das WorldWideWeb. Mit diesem Ausblick in die virtuelle Welt, die sich dem Marburger Studenten eröffnet, sei die Beschreibung der realen Welt der Universitätsstadt Marburg dann auch beendet. Abschließend vielleicht eine Art Fazit: Marburg ist Provinz. Wer sich jedoch nicht daran stört, daß er von den Metropolen der Republik zumindest 100 km (Frankfurt) entfernt ist, der sollte Marburg eine Chance geben. Es hat einen eigenen Charme - und wer mal einen schönen warmen Sommerabend an der Lahn verbracht hat, weiß diesen Charme zu schätzen. Auch wenn man dann am nächsten Morgen in die Vorlesung muß... #Pinsel gadget25:Pinsel/an rechts