#Titel Lifestyle / Reise / 5000 Meilen und die USA...
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#C10
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der folgende artikel erschien in der 5. ausgabe unseres
jugendmagazins spunk. weitergehende verbreitung/verwendung
nur mit einverständnis der autoren, andreas heyer
(heyer@zfn.uni-bremen.de) und stefan keinitz
(stefank@informatik.uni-bremen.de).

ciao,
        - holgi -
#Seitenende
#C31
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#Font Losse 16
     5000 Meilen und die USA erfahren
#Font topaz 8
                // Eine Reise von Miami nach San Francisco
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#C10
von Andreas Heyer und Stefan Keinitz

#C21
14. Juli: Abflug in Bremen. Es ist windig. Das Haar sitzt perfekt. Das
Gepäck ist bereits aufgegeben, Stefan muß nur noch die Grenzbeamten
überzeugen, daß er kein Terrorist ist, indem er seinen Rucksack auspackt. Der
bei der Durchleuchtung verdächtigte Gegenstand entpuppte sich jedoch als
Besteck und Taschenmesser. Auch das wär geschafft. Also hinein ins Flugzeug
und auch wieder ausgestiegen.

Zwischenstop in Frankfurt. Es ist kühl. Das Haar sitzt perfekt. Auch hier
wieder rein ins Flugzeug und danach (diesmal 10 Stunden später) wieder
ausgestiegen.

Ankunft Miami. Die Sonne brennt. Das Haar sitzt nicht mehr ganz so perfekt.
Nächstes Problem: Die Immigration. Der Immigration-Officer glaubt Andreas
nicht, daß sein Geld für einen Monat reicht, Stefan hat auch wieder
Probleme... Nach dem ersten Hitzeschlag und einigem ratlosen Herumirren auf
dem Flughafen entschließen wir uns, mit dem Supershuttle (Sammeltaxi für nur
10$ pro Person) unser Hotel im Art-Deco-Viertel (Surfcomber) zu erreichen.

Frisch akklimatisiert und nach einem genüßlichen Frühstück beim Chinesen
widerlegen sich zunächst zwei Vorurteile: Amerikaner hören keine Euro-
Dancefloor-Music und an amerikanischen Stränden laufen Frauen nicht oben-ohne
rum.

Am Abend, den Tip einer Strandschönheit, die Andreas kennengelernt hat,
befolgend, begehen wir dann einen schweren Fehler: Wir fahren zum
Vergnügungsviertel Coconut Grove und benutzen dabei öffentliche
Verkehrsmittel. Um es vorweg zu nehmen: Wir kamen nie an. Stattdessen warteten
wir im Dunkeln im menschenleeren Bankenviertel vergeblich auf einen
Anschlußbus und verfahren uns auf der Rückfahrt diverse Male mit der
Magnetschwebebahn. Uns wird bewußt, daß wir anscheinend genau das machen,
wovor Touristen in Miami sonst immer gewarnt werden. Dabei geben wir uns
gegenüber Einheimischen bewußt wortkarg, um unsere touristische Herkunft nicht
preiszugeben, werden aber gerade deswegen als Touristen entlarvt.

Ein neuer Abend, ein neues Glück. Nochmal dem Tip eines Einheimischen folgend,
begeben wir uns diesmal zum Ocean Drive, der nur einige Blocks entfernt ist.
Nachdem wir bereits von einigen der rumflanierenden und rollerbladenden (oft
auch schönen) Menschen angelächelt worden sind, kommt uns die Erkenntnis, daß
die Ernsthaftigkeit der Deutschen doch eigentlich recht unnötig ist.

Danach erleben wir noch ein gutes Konzert der "For Squirrels" in Rosie's Bar,
bevor wir das Chili Pepper mangels langer Hosen nicht betreten dürfen. Nach
vier Tagen Miami soll's dann endlich losgehen, wir holen unseren Mietwagen
ab...

18. Juli: Insgesamt 33 Mückenstiche später und die Everglades hinter uns
versuchen wir am späten Abend auf einem Rastplatz bei Tampa im Auto zu
übernachten. Nach nur 10 Minuten wird das Auto allerdings zur Sauna, so daß
wir kurzerhand weiterfahren und im Morgengrauen Atlanta erreichen. Das
erwähnenswerteste dort war das CNN-Headquarter, durch das wir uns schleusen
ließen. Nachmittags fuhren wir dann auch gleich weiter durch die weiten Wälder
Tennessees, lauschten der unumgänglichen Country-Musik aus dem Autoradio und
übernachteten dort das erste Mal seit Miami wieder. Am nächsten Tag ging es
über Nashville weiter Richtung Chicago, das wir am darauffolgenden Morgen
erreichen.

21. Juli: Chicago, mutig irren wir mit dem Auto durch Dowtown Chicago auf der
erfolglosen Suche nach einem Hotel, einem Parkplatz, einer Pinkelstelle oder
einfach nur einer Telefonzelle, so die Reihenfolge steigender Resignation und
geringer werdender Ansprüche. Die letztendlich doch noch gefundene
Telefonzelle verschaffte uns einen Platz in der Jugendherberge, besser gesagt
einem Studentenwohnheim mit Einzelzimmern, Bibliothek und altehrwürdigem
Salon. Allerdings flößte uns die notwendige Durchquerung eines Afro-
Amerikanischen Viertels, das genau zwischen Downtown und Herberge lag,
zugegebenerweiser regelmäßig Furcht ein. Nach ausgiebigem Erkunden Chicagos
stürzen wir uns am nächsten Abend gleich wieder ins Nachtleben. Durch die
zweistündige Parkplatzsuche leicht frustriert, waren wir überglücklich, das
heimatlich klingende "Berlin" zu finden, wo die Indie-Techno-Hell-Party
stattfinden sollte. Der Türsteher am gegenüberliegenden "Avalon" riet uns
anschließend aber vom "Berlin" ab und bemerkte, daß er mit einer Band auch
schon mal in Itzehoe war. Dafür ließ er uns dann auch umsonst hinein. Wir
wurden positiv überrascht von einer Industrial-Band, einer alternativen
Disko, einer Sofa-Ecke und einer guten Musikbox.

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    | Die besten Jugendherbergen:           |
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#Y-100
#C10
      1. Venice Beach Cotel - Unterbringung
      in 4-Bett Zimmer direkt am Strand für
      17$
      2. San Diego - Doppelzimmer für 13$
      direkt Downtown, 500 W Broadway
      3. International House of Cicago -
      Einzelzimmer 19$, 1414 East 59th St.
      4. San Francisco International -
      Mehrbettzimmer 15$, sehr schön
      gelegen, Fort Mason, Building 240
#C21
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Die nächsten 3 Tage benutzen wir dafür, schmutzige Wäsche zu waschen,
Essensvorräte ins Auto einzulagern und durch Maisfelder zu fahren. Wundern tun
wir uns lediglich über einen ALDI-Markt mitten in den Great Plains, den wohl
ein merkwürdiger Zufall über den Atlantik getragen hat.

25. Juli: Die Rocky Mountains! Hohe Berge, saftige Wiesen, schneebedeckte
Gipfel - also fast wie die Alpen. Vorbei an Denver, entlang des Colorado
Rivers dringen wir bis zum Arches Nationalpark vor. Das wüstenbefruchtende
Bewässern des kargen Bodens seitens Andreas, die fotografische Jagd Stefans
nach einem Streifenhörnchen sowie die mächtigen Steinbögen lassen uns diesen
Nationalpark gutgelaunt verlassen.

Wir durchfahren das Land der Navajo-Indianer. Wenn wir aus dem Auto
aussteigen, drückt die Stille des Landes auf unseren Ohren. An einem
Verkaufsstand treffen wir auf eine schlafende alte Navajo-Indianerin, die erst
auf Geräusch von uns hin aufwacht und uns ihre Ware feilbietet. Wir erreichen
die heilige Stätte der Navajo, das Monument Valley, wo die drei größten
Monumente wie gewaltige Dome gen Himmel ragen. Bis nach Sonnenuntergang lassen
wir die Atmosphäre auf uns wirken.
Der nächste Tag, der nächste Nationalpark: Der Grand Canyon. Nach dem Monument
Valley wirkt er nicht so spektakulär wie erwartet, jedoch imposanter als alle
Naturdenkmäler, die wir bisher aus Europa kannten. Auch hier erlebten wir auf
unserem privaten Felsen zwischen hunderten von Touristen den Sonnenuntergang.

28. Juli: Um die Liste von Nationalparks zu komplettieren, durchfahren wir
schnell ("Wann sind wir endlich draußen?") noch den Zion-Nationalpark und
kommen gegen Abend in Las Vegas an. Diese Stadt mutet irgendwie nach Virtual
Reality oder schlichtweg Wahnsinn an. Nilrundfahrten in Hotelhallen,
Seeschlachten und riesige Springbrunnen in einer Wüstenstadt, Tausende
Spielautomaten mit Tausenden Menschen davor und ein komplettes Abendbuffet
inklusive Getränke und Shrimps für 3,99$ sprechen für sich.

Folgende Tips können wir zukünftigen Las Vegas-Besuchern geben:

#C10
+ Keine Prospekte mit halbnackten Frauen an Ampeln andrehen lassen - man
  wird sonst innerhalb von 5 Sekunden mit einem Berg weiterer überschüttet
  - oder gerade doch :-}
+ Nicht mittags aus dem klimatisierten Haus gehen - Austrocknungsgefahr
+ Wenn ihr in die Disco "Shark" wollt, zieht Euch vernünftig an (wir haben
  leider versagt).
+ Converse-Outlet-Store mit Chucks ab 14,99$

#C21
30. Juli: Wir verlassen mit zwiespältigen Gefühlen Las Vegas und durchqueren
die Mojave-Wüste gen San Diego. Dort beziehen wir die Jugendherberge, die
mitten in der Stadt liegt. Beim Erkunden des Gaslight Districts
(Kneipenviertel) entdecken wir ein recht seltsames Geschäft: Nicht nur, daß
hier Bücher und Bilder zu Themen wie Drogengebrauch, Bombenbau und
Sexpraktiken angeboten werden, hier zu sehen sind auch eine Guillotine, ein
Galgen, Handgranaten, Folterwerkzeuge und Gewaltvideos. Außerdem hören wir
alle paar Minuten ein Knistern elektrischen Stroms wobei das Licht für einen
Augenblick ausgeht, so als stände irgendwo im Hinterzimmer ein elektrischer
Stuhl.

Einen weiteren Tag schenken wir dem Strand und seiner belebten Promenade. Hohe
Wellen, interessante Leute und diverse Skater lassen uns Kraft für den Ausflug
des nächsten Tages tanken: Mexico.

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    | Die besten Diskos:                |
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#Y-50
#C10
      1. Avalon - Chicago, siehe Text
      2. Trocadero - San Francisco,
      alternativ, industrial, sehr laut
      3. Coconut Teaszer - Los Angeles,
      Konzerte alternativer Bands
#C21
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Wir fahren mit der Straßenbahn direkt an die Mexikanische Grenze und befinden
uns nach Überqueren direkt in der mexikanischen Stadt Tijuana. Von einem
Moment auf den anderen befinden wir uns in einer neuen Rolle: Von der
langhaarigen Zecke zum umschwärmten Kapitalträger in nur einer Minute! Diese
Rolle nutzen wir natürlich schonungslos aus, um mit unserem Kapital neue
Kleidung zu Spottpreisen zu erwerben. Gerne erleichtern wir unser Gewissen,
indem wir herumstreunenden Kindern ein paar Cents zukommen lassen. Entgegen
den vielen Mexikanern haben wir mit unseren bundesdeutschen Pässen keine
Probleme, wieder in die USA einzureisen. Um uns von der Armut Mexikos zu
erholen, verbringen wir den nächsten Tag wieder am Strand.
3. August: Endlich wieder saubere Wäsche! Nachdem wir uns im Waschsalon genug
ausgetobt haben, machen wir uns auf den Weg nach Los Angeles. Aber L.A. ist
groß und da wir keine Ahnung haben, wo wir überhaupt hin wollen, entscheiden
wir uns planlos an jedem Hinweisschild und landen auf diese Weise am besten
Ort, den L.A. zu bieten hat: Venice Beach. Nächsttägiglich haken wir die
Sehenswürdigkeiten Hollywoods ab und durchqueren Beverly Hills. Uns wurde
dabei klar, daß L.A. nur ein riesiger stinkender Moloch ist und fuhren zurück
ins schöne Venice Beach, aus dem wir uns auch erst wieder am nächsten Abend
hinauswagten, um uns einige aufstrebende Bands im Coconut Teaszer (Disco am
Hollywood Boulevard) anzuhören. Andreas ist dabei besonders ein Mädchen namens
Susan aus Berverly Hills in Erinnerung geblieben und Stefan seine
Gesangseinlage bei den "Pushmonkeys". Interessant war auch das Publikum, das
direkt aus "Beverly Hills, 90210" entstiegen zu sein schien. Richtig erfahren
haben wir das Nachtleben aber erst am darauffolgenden Abend - im Auto.

7. August: Es ist Sonntag Morgen. Unter andauerndem Hare-Krishna-Gesang
verwandelt sich der Strand von Venice in ein südostasisches Straßenfest:
Buntgeschmückte Festwagen, religiös-kulturelle Darbietungen, kostenloses Essen
und Trinken und viele zu andauernder Musik herumspringende fröhliche Krishna-
Anhänger. Von dieser Fröhlichkeit lassen wir uns, wie viele Passanten auch,
anstecken, fast kommen wir uns vor wie in Woodstock.

8. August: Es ist Zeit, L.A. zu verlassen, um die ehemalige Gastfamilie von
Andreas in San José zu besuchen und mal wieder Wäsche zu waschen. Am nächsten
Morgen organisiert uns der Gastbruder zwei Boogie-Boards, mit denen wir in der
Brandung Santa Cruz' frierend Wellen reiten. Abends bereitet uns die Familie
Cortez ein köstliches Taco-Menü (siehe auch Rezept im SPUNK Nr.3).

10. August: Wie steuern den Endpunkt unserer Reise an: San Francisco - be sure
to have some flowers in your hair. Wir habe die Jugendherberge aber erst ab
nächstem Tag gebucht, so daß wir ein Motel jenseits der Golden Gate-Bridge
nahe dem Künstlerdorf Sausalito beziehen. In den darauffolgenden Tagen
erlaufen wir eine wunderschöne, sehr hügelige Stadt, wobei wir auch wieder am
Hare-Krishna Fest teilnehmen, das uns zufällig hierher gefolgt ist und uns das
aus der Hippie-Zeit bekannte Haight-Ashbury Viertel angucken, daß mittlerweile
aber eher an das Steintor-Viertel in Bremen erinnert.


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    | Die besten Städte:  Die schönste Natur:  |
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#Y-50
#C10
      1. San Diego        1. Monument Valley
      2. San Francisco    2. Grand Canyon
      3. Miami            3. Arches Nationalp.
      4. Las Vegas        4. Tennessees Wälder
      5. Chicago          5. Everglades
#C21
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15. August: Wir geben unseren Mietwagen am Flughafen ab und fliegen mit einem
wehmütigem Gefühl zurück nach Deutschland, dem Land des schlechten Wetters,
der mißmutigen Menschen, aber auch des sehnsuchtsvoll erwarteten
Schwarzbrotes.

Wer ähnliches vorhat und noch weitere Informationen haben will, kann uns
gerne anrufen:

Stefan:                                         Andreas:
#Y-10
#C10
        04281/ 80820                                     0421/ 24 97 84
