#Titel Jokes & Stories / Der gute Geist #Logo gadget24:Pinsel/AG.J&S #Font Losse 16 #C31 Der gute Geist #Font topaz 8 #C21 "Du bist aber ein liebes Hündchen!" sagte eine liebevolle Stimme zu einer kleinen, drolligen Promenadenmischung, die mit ihren paar Lebensmonaten noch unsicher durch die Welt tapste. Das Hündchen fuehlte sich von der freundlichen Stimme angezogen und es fühlte sich in ihrer Nähe pudelwohl, obwohl es natürlich kein Pudel war. "Komm' mit!" sagte die nette Stimme und das Hündchen folgte ihr. Es würde ihr überallhin folgen. "Nimmt man nun warmes Wasser oder kaltes Wasser?" fragte sich Robert und blickte nachdenklich seine Badewanne an. "Ich denke, kaltes!" Er öffnete den Hahn für kaltes Wasser, nachdem er den Stöpsel in den Abfluß gedrückt hatte. Er hatte ihn diesmal besonders fest hineingedrückt, das Wasser sollte doch nicht wieder ablaufen. Nicht dieses Mal! Er verließ das Badezimmer und ging in sein Schlafzimmer. Dort lag auf seinem Bett ein Tabletten-Röllchen. Er nahm es nachdenklich in die Hand und fragte sich, wieviele er wohl nehmen mußte. Er setzte sich auf den Rand des Bettes und dachte darüber nach, als sein Blick auf das Bild auf seinem Nachttisch fiel. Eine bezaubernd schöne, junge Frau lächelte ihn an. "Jessica!" sagte Robert und ihr Anblick schmerzte ihn. "Geliebte Jessica!" Tränen traten ihm in die Augen, er konnte ihr Bild nur noch verschwommen wahrnehmen. "Flugzeugabstürze sind so selten!" bemerkte er dann, mit den Tränen kämpfend. "Warum mußte es dann ausgerechnet dir passieren? Warum nur? Warum?" Er versuchte, seine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen. Er starrte nun auf das Tablettenröllchen. "Mein Leben hat keinen Sinn mehr..." Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und sagte dann: "Ich werde alle nehmen!" Er schüttete sich gerade eine Hand mit Tabletten voll, als er ein leises Wimmern vernahm. Er legte die Tabletten zur Seite und erhob sich. Er lauschte. Langsam ging er zu seiner Wohnungstür. War da nicht ein leises, kratzendes Geräusch? Wieder hörte er ein zaghaftes Wimmern. Er öffnete die Tür und schaute in die Dunkelheit des Hausflures. Bis auf ein paar leuchtende Lichtschalter war alles in tiefe Finsternis gehüllt. Wieder hörte er das Wimmern. Er schaute nach unten und dann sah er das Hündchen. "Bist du süß!" platzte es aus ihm heraus. Der Anblick des Hündchens erwärmte sofort sein Herz. Er hob den kleinen Hund hoch und lächelte ihn an. Das schien dem Hündchen zu gefallen. Es freute sich und gab ein glückliches "Wuff!" von sich. Robert drückte das kleine Wesen an sich und streichelte es. "Du bist aber wirklich ein liebes Kerlchen!" sagte er und streichelte es weiter. Dann nahm er es zu sich in die Wohnung. "Du hast bestimmt Hunger, Kleiner?" Er hatte den kleinen Hund auf dem Boden abgesetzt und schaute ihn nun fragend an. Er antwortete mit einem Blick, der zu sagen schien: "Was stellst du nur für dämliche Fragen? Klar hab' ich Hunger!" "Okay!" antwortete Robert auf diesen Blick. "Mal sehen, was wir noch finden!" Robert ging dann zunächst ins Badezimmer, um das Wasser abzustellen. Nachdenklich blickte er auf die gefüllte Badewanne. Dann traf er einen Entschluß. Er ging schnellen Schrittes ins Schlafzimmer und nahm die Tabletten und das Röllchen in seine Hand. "Wuff!" machte das Hündchen, das ihm bei jedem Schritt unbemerkt gefolgt war. Es schaute ihn mit einem traurigen Hundeblick an, der jedem kleinen Mädchen in einer Tierhandlung das Herz zerrissen hätte. Robert schaute es ebenso traurig an, sagte dann aber: "Okay, das verschieben wir mal..." Er öffnete eine Schublade und warf die Tabletten hinein. Dann schloß er die Schublade wieder. "So", sagte er dann und lächelte, "dann wollen wir dir mal was zu essen besorgen!" Robert hatte noch etwas Dosenfleisch gefunden, über das sich das Hündchen überglücklich hergemacht hatte. Jetzt lag es faul auf dem Boden und beobachtete Robert mit traurigen Augen. "Komm' her!" sagte Robert und es gehorchte sofort. Freudig hüpfte es ihm auf den Schoß und genoß es dann, von ihm gestreichelt zu werden. "Wie nenn' ich dich denn jetzt nur?" fragte sich Robert laut. Das kleine Wollknäuel hüpfte unterdessen wieder auf den Boden und fing an, an Roberts Hosenbein zu ziehen. "Wuff! Wuff!" "Du willst bestimmt Gassi gehen, Kleiner?" fragte Robert und mußte lächeln, als ihm das Hündchen wieder mit diesem bestimmten Blick antwortete. "Okay, Kleiner... Kleiner?" In Roberts Kopf leuchtete eine Glühbirne auf. "Hey, ich nenn' dich Kleiner! Wie gefällt dir das?" Das Hündchen schaute ihn traurig an, so als würde es für Roberts geringes Talent, einen Namen zu finden, Mitleid mit ihm empfinden. "Ja", sagte Robert, "ich weiß, aber mir fällt gerade kein besserer Name ein... Naja, dann laß uns mal Gassi gehen!" Es war ein lauer Sonntagmorgen und es war nur wenig Verkehr auf der Straße. Kleiner lief immer ein paar Schritte vor Robert. Er bestimmte die Richtung und Robert folgte ihm. "Wer führt hier eigentlich wen Gassi?" fragte sich Robert nachdenklich. "Wuff!" "Ja, genau!" antwortete Robert. "Das denke ich auch!" Kleiner steuerte plötzlich eine kleine Seitenstrasse an. Mit dem Schwanz wedelnd blieb er vor einem kleinen Cafe stehen. "Du möchtest in ein Cafe?" fragte Robert verwundert. "Naja, von mir aus..." Er öffnete die Glastür und las dabei erfreut: "Hunde und Katzen erlaubt". Im Cafe rannte Kleiner sofort auf einen Tisch zu, an dem eine junge Frau saß und eine Zeitung las. "Wuff!" machte Kleiner. Die Frau blickte zu ihm herunter und sagte dann erfreut: "Nummer Drei, du bist wieder da!" Sie streichelte ihn zärtlich. Robert zog sich unterdessen traurig zurück. Kleiner hatte sein Frauchen wiedergefunden, jetzt brauchte er ihn nicht mehr... Bevor Robert allerdings wieder gehen konnte, rannte Kleiner schon wieder zu ihm zurück und zog ihn am Hosenbein zu dem Tisch mit seinem Frauchen. Robert lächelte sie verlegen an. Er hatte ganz vergessen, wie schüchtern er gegenüber Frauen doch war. "Sie haben sich also um ihn gekümmert?" fragte die junge Frau freundlich und lächelte ihn an. Als sie beobachtete, wie sich Kleiner an Robert schmiegte, sagte sie: "Er mag Sie!" "Er ist aber auch ein liebes Kerlchen!" antwortete Robert. "Aber wieso nur haben Sie ihn denn Nummer Drei genannt?" Sie schmunzelte und rief dann: "Nummer Eins, Nummer Zwei! Kommt mal her!" Aus einem Hinterzimmer des Cafes jagten zwei kleine Wollknäuels, die Kleiner bis auf's Haar glichen, auf sie zu. Sie stürzten sich förmlich auf ihr Frauchen, wandten dann aber ihre Aufmerksamkeit auf Kleiner, der sofort mit ihnen zu spielen begann. "Drollig!" sagte Robert und beobachtete vergnügt, wie die drei Wollknäuels miteinander spielten, Purzelbäume schlugen und sich gegenseitig über den Haufen rannten. "Nummer Drei ist immer sehr wählerisch bei der Auswahl der Menschen, die er mag", bemerkte die junge Frau und lächelte ihn an. Robert lächelte zurück und entgegnete charmant: "Bei der Auswahl seines Frauchens war er aber auch sehr wählerisch!" Dann schauten sie sich lange Zeit an und lächelten. Dieses Lächeln, dachte Robert und ihm wurde ganz warm um's Herz. Sie ist so wunderschön... "Ich heiße übrigens Janine", sagte sie und schaute ihm dabei tief in die Augen. "Ich heiße Robert..." entgegnete Robert. "Janine ist ein schöner Name... er paßt zu Ihnen." Dann lächelten sie sich wieder eine kleine Ewigkeit an. "Wissen Sie was?" sagte Janine plötzlich. "Sie dürfen Nummer Drei behalten, wenn Sie wollen. Sie müssen mir aber versprechen, ab und zu mal bei mir mit ihm vorbeizuschauen, damit die anderen mit ihm spielen können." Robert strahlte vor Glück. Ich werde sie wiedersehen! freute er sich. Und ich darf Kleiner behalten! Sie unterhielten sich noch stundenlang. Nachdem sie ihre Adressen und Telefonnummern ausgetauscht hatten, trennten sie sich wieder, aber nicht, ohne sich für den nächsten Tag erneut zu verabreden. Wieder zu Hause öffnete Robert die Schublade mit den Tabletten. Er nahm die Tabletten und warf sie in den Papierkorb. Dann fiel sein Blick auf das Bild mit Jessica. Er sah sie an und lächelte ihr zu. "Ich werde dich immer lieben!" sagte er dann. Es war das erste Mal seit Jahren, daß er ihr Foto anlächeln konnte. "Leb wohl", hauchte ihm eine Stimme zärtlich ins Ohr. "Leb wohl", sagte Robert gedankenverloren zu dem Bild. Dann sah er sich verwirrt um. Er verspürte aber keine Angst, im Gegenteil. Er spürte nur Liebe. Er war glücklich. "Wuff!" machte Kleiner und lenkte Roberts Aufmerksamkeit auf sich. "Du hast doch nicht wieder Hunger?" fragte Robert schmunzelnd. Er schmunzelte noch mehr, als ihm Kleiner wieder mit seinem bestimmten Blick antwortete. #C31 (C) 22.4.1995 Karim Meghabber #Seitenende #Y+50 #C10 Diese Story ist CARDWARE! 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