#Titel Tests / Software / Typeface 1.1 #Logo gadget22:pinsel/AG.Tests #Font Losse 16 #C31 Der Herr der Fonts - Typeface 1.1 #Font topaz 8 #C21 Name : Version : Vertriebsform : Genre : Fundort : Programmierer : #Y-30 #C10 Typeface 1.1 freely distributable Fonteditor Aminet - /text/misc/ David Kinder #C21 Mit Kickstart 2.0 ist er von uns gegangen - der "FEd". Wer Besitzer einer älteren Betriebssystemversion ist, kann sich vielleicht noch an dieses Tool erinnern. Der "FEd" war ein 1986 geschriebener Editor für Zeichensätze, der mit einem minimalen Funktionsumfang und dem den ersten Amigaprogrammen so eigenen ausgefallenen Design aufwarten konnte. Offensichtlich sah man mit dem Betriebssystem-Sprung von 1.x nach 2.x bei Commodore keine Notwendigkeit mehr für einen Fonteditor, so daß bedürftige User ihre Nachfrage bei kommerziellen oder FD-Editoren stillen mußten. Für diejenigen, die immer noch auf der Suche sind, gibt es nun einen neuen Bitmap-Fonteditor, der für alle Amigauser, die mindestens über Kickstart 2.0 verfügen, den großen Vorteil hat, daß er vom Programmierer David Kinder als FD veröffentlicht wurde. Bei der Installation von "Typeface" kann man die mitgelieferten Hilfsdateien "bgui.library" und "textfield.gadget" in die entsprechenden Systemverzeichnisse verschieben, wenn man Platz auf Festplatte oder Diskette sparen möchte. Man kann aber auch alles so lassen, wie es ist - "Typeface" sucht automatisch auch im aktuellen Verzeichnis nach den Dateien. Überhaupt gestaltet sich die Installation völlig problemlos, die geforderten Dateien ("asl.library", "diskfont.library" und - so man die Online-Hilfe in Anspruch nehmen will - "amigaguide.library") befinden sich ja zumeist bereits im "LIBS:"-Verzeichnis. Nachdem sich nun auch wirklich alles dort befindet, wo man es haben möchte, steht dem Starten des Fonteditors nichts mehr im Wege. "Typeface" öffnet einen eigenen Bildschirm, auf dem sich zu Beginn nur ein einziges kleines Fenster, das Auswahlfenster, befindet. Ein Druck auf die rechte Maustaste gibt den Blick auf zwei Menüs frei : "Project" und "Font". Ediert man später einzelne Zeichen, kommen noch ein weiteres Fenster, das Edierfenster, und ein drittes Menü ("Character") hinzu. #Seitenende #C31 Das Auswahlfenster #C21 Hier werden im voreingestellten Zeichensatz die 256 ASCII-Zeichen in Achterreihen dargestellt. Das Fenster kann frei am Bildschirm verschoben und in der Höhe beliebig geändert werden. Gesteuert wird es über ein Proportional-Gadget. Klickt man ein Zeichen an, so öffnet sich ein neues Edierfenster, in dem das angeklickte Zeichen im gerade edierten Zeichensatz erscheint. Dabei bleibt das Auswahlfenster stets aktiv, so daß man ein weiteres Zeichen anwählen kann - woraufhin sich ein neues Edierfenster öffnet. Will man jedoch statt des gerade bearbeiteten Zeichens ein anderes edieren, also nicht zwei unabhängige Edierfenster öffnen, so braucht man beim Mausklick im Auswahlfenster nur die Shift-Taste gedrückt zu halten. #Seitenende #C31 Das Edierfenster #C21 In diesem Fenster werden die einzelnen Zeichen ediert. Dabei kann man das Fenster selbst am Bildschirm frei verschieben und in der Größe ändern. Den Hauptteil des Fensters nimmt die Darstellung des Zeichens ein. Sie erfolgt wie bei einer Lupenfunktion, indem die einzelnen Bildpunkte des Zeichens als Quadrate dargestellt werden. Klickt man auf ein ausgefülltes Quadrat, also einen gesetzen Bildpunkt, wird dieses gelöscht. Klickt man auf ein leeres, wird es gefüllt. Mit gedrückt gehaltener linker Maustaste (und etwas Geschick) kann man so quasi Freihand zeichnen. Paßt das Zeichen in der gewählten Vergrößerung nicht komplett in das Edierfenster, so kann man den sichtbaren Bereich mittels eines vertikalen und eines horizontalen Schiebereglers nach Belieben verändern. Das gilt jedoch nicht für den oberen Teil des Fensterinhaltes. Dieser wird nämlich von einer Schalterleiste in Anspruch genommen. Dabei bedeuten die einzelnen Gadgets folgendes : - Pfeil nach links / Pfeil nach rechts : erhöht, bzw. verringert die Breite des Zeichens um einen Pixel - ausgefüllter Pfeil nach links / rechts / oben / unten : verschiebt die Zeichen-Grafik um ein Pixel in diese Richtung, aus dem Gesamtbereich hinausgeschobene Pixel gehen dabei verloren - Dreiecke : hier öffnet sich ein gesondertes Fenster, in dem man das sogenannte "Kerning" und das "Spacing" einstellen kann. Darunter versteht man den Abstand, der zwischen Cursorpositionierung und Darstellung des Zeichens (=Kerning), und zwischen Darstellung des Zeichens und nächster Cursorpositionierung (=Spacing), liegen soll. Zu beachten ist jedoch, daß bei den üblicherweise verwendeten FixedWidth-Zeichensätzen diese Werte nicht von Bedeutung sind. Hat man die Eingabe (per Tastatur) im "Kerning"-Fenster fertiggestellt, kann man weiterarbeiten. Dies geht jedoch auch unabhängig von einem Schließen des Fensters - alle Funktionen anderer Fenster können auch bei geöffnetem "Kerning"-Fenster weiter genutzt werden. - weiß gefüllter Pfeil nach links : öffnet das "Change Width"-Fenster. Hier kann man per Tastatur eine neue Zeichenbreite eingeben und darüber hinaus per Schieberegler bestimmen, wie das bisherige Zeichen im neuen Zeichenbereich einzuordnen ist. - Plus / Minus : mit diesen Gadgets kann die Größe der dargestellten Pixel-Quadrate verdoppelt, bzw. halbiert werden. Es handelt sich somit um eine Zoomfunktion. In der Titelzeile des Edierfensters wird das Aussehen des Zeichens im voreingestellten Zeichensatz, sowie sein ASCII-Code in Dezimal- und Hexadezimalschreibweise dargestellt. #Seitenende #C31 Das "Project"-Menü #C21 Hier können die üblichen Systemfunktionen ausgeführt werden. "Open Font" lädt einen neuen Zeichensatz - mittels ASL-Requester. "Save Font" speichert den gerade edierten ab - in ein bereits existierendes oder in ein von "Typeface" nach Abfrage neu anzulegendes Font-Verzeichnis. Hier kann man auch angeben, die Zeichen welcher ASCII-Codes überhaupt nur gespeichert werden sollen und ob die "Kerning"-Informationen weggelassen oder mit abgespeichert werden sollen. Eine sehr mächtige Funktion verbirgt sich hinter "Change Dir" - hier kann man die Diskzugriffe von "Typeface" über das normale "FONTS:"-Verzeichnis hinaus ausdehnen. Dabei ist sowohl ein kompletter "Assign"-Wechsel oder ein "Assign Add" möglich. Bei letzterem werden die Zeichensätze des neu angegebenen Verzeichnisses zusätzlich zu denen im "FONTS:"-Verzeichnis angezeigt, was gerade auch für das Einlesen von Zeichensätzen, die sich etwa auf Font-CD-ROMs befinden, sehr nützlich sein kann. Ebenfalls gut gelungen ist die "Preview"-Funktion. Mit ihr kann man den momentan edierten Zeichensatz in Aktion betrachten. Dazu öffnet "Typeface" ein eigenes Fenster (mit dem "textfield.gadget"), in das man von Hand beliebig viele Zeichen und Zeilen Text eingeben und so das Zusammenspiel der einzelnen neu geschaffen Zeichen betrachten kann. Für faulere Usernaturen gibt es auch die Möglichkeit, sich einfach sämtliche Zeichen der ASCII-Tabelle anzeigen zu lassen. Wohl wichtigste Funktion des "Project"-Menüs dürften jedoch die "Preferences" sein. Wählt man den entsprechenden Menüpunkt an, öffnet sich ein eigenes kleines "Preferences"-Fenster. Hier kann man verschiedene Aspekte des Programmes nach eigenen Wünsche vorkonfigurieren. Zunächst gilt es, die richtige Einstellungsseite zu öffnen, was mittels eines menüähnlichen Gadgets im oberen Fensterbereich geschieht. Unter "Screen" kann man per ASL-Requester den gewünschten Screenmodus einstellen. Auch den voreingestellten Zeichensatz sowie den Namen des "Typeface"-Public- Screens kann man hier ändern. Natürlich kann man "Typeface" aber auch auf der Workbench betreiben. In den "Tool Bar"-Preferences kann man die Schalterreihe des Edierfensters konfigurieren. Dies geschieht einfach durch Selektierung und Deselektierung derjenigen Bedienelemente, die in der Leiste angezeigt werden sollen. Auch kann man hier die Höhe der Schalterreihe in Pixel angeben, bzw. "Typeface" mit einer automatischen Justierung (je nach Bildschirmhöhe) beauftragen. Das eigentliche Aussehen der Edierwindows wird dann in der "Edit Windows"-Sektion verändert. Dabei kann die Höhe und Breite der Pixel-Quadrate sowie die Art ihrer Umrandung (Gitter, Rand oder keine Umrandung) eingestellt werden. Darüber hinaus gibt es hier noch die Einstellungsmöglichkeiten "Maximize Window" (das Edierfenster wird bei Bedarf - im Gegensatz zum normalen Programmverhalten - über das Auswahlfenster gelegt) und "Baseline" (die Grundlinie des Zeichensatzes wird angezeigt (darauf "stehen" die Buchstaben, lediglich die Bogen von Buchstaben wie "g" oder "j" reichen unter diese Linie)). In "Selection Window" werden die Voreinstellungen für das Auswahlfenster vorgenommen. Dabei kann man zunächst sowohl seine Höhe in Reihen als auch seine Breite in Spalten angeben - letztere jedoch nur in den Abstufungen 4, 8, 16 und 32. Auch läßt sich hier ein gesonderter Zeichensatz für die Darstellung der ASCII-Zeichen einstellen. Zu guter letzt kann man noch per Checkbox "Typeface" dazu bringen, das Auswahlfenster höhenveränderbar zu machen (oder nicht) und das Verhalten bei Anwahl eines Zeichens derart zu ändern, daß im Gegensatz zum Normalbetrieb nur bei gedrückter Shift-Taste ein eigenes Edierfenster geöffnet wird. Die letzte Voreinstellungsseite trägt den Titel "Miscellaneous", also "Verschiedenes". Das hat nichts mit Toten zu tun sondern vielmehr mit Einstellungen, die sonst nirgendwo unterzubringen waren. Bei "Typeface" sind dies der Ort, an dem die Voreinstellungen gespeichert werden sollen (entweder als ENV-Variable oder in das "Typeface"-Verzeichnis) und die Möglichkeit, sich vor dem Verlassen des Programmes durch einen "Confirm Quit"-Requester warnen zu lassen. Hat man nun alles nach Wunsch konfiguriert, kann man die Preferences abspeichern, sie lediglich während des aktuellen Ediervorganges verwenden oder die Änderungen ganz verwerfen. Ein "About"-Requester, aus dem man auch den noch vorhandenen freien Speicherplatz ablesen kann, und die obligatorische "Quit"-Funktion runden das "Project"-Menü ab. #Seitenende #C31 Das "Font"-Menü #C21 Hier können Operationen vorgenommen werden, die den Zeichensatz als ganzes betreffen. Wichtigster Menüpunkt dürfte dabei "Edit Parameteres" sein. Hier öffnet sich ein eigenes Fenster, in dem man die wichtigsten Charakteristika des Zeichensatzes festlegen kann. Ob es sich um einen "Fixed Width"-Font, also einen mit für jedes Zeichen gleichbleibender Breite, oder um einen "Proportional"-Font, bei dem schmale Zeichen wie das "i" auch tatsächlich weniger Pixel als breitere wie das "w" benötigen, handeln soll, kann mittels eines Cycle-Gadgets festgelegt werden. Die Felder "Height" und "Width" ermöglichen die Änderung von Höhe und Breite (bei "Proportional"-Fonts ein Richtwert, der in der Nähe des Durchschnitts liegen sollte) der Zeichen. Die "Baseline" (s.o.) kann ebenfalls verändert werden, ebenso wie die Zahl der Pixel, um die ein Zeichen bei Verwendung des "Bold"-SoftStyles zusätzlich verschoben dargestellt werden soll. Mittels Checkbox kann der User desweiteren festlegen, wie der Zeichensatz verwendet werden soll : "Normal", "Bold" (fett), "Italic" (kursiv), "Underline" (unterstrichen), "Extended" (breiter als hoch) und "Reversed" (von rechts nach links anzuzeigen). Informationen zur gewünschten Art der Darstellung kann man dem Zeichensatz (und damit ihn verwendender Software) über das Feld "Aspect" mitgeben. Hier gibt es drei Auswahlmöglichkeiten : "Normal", "Thin" (dünn) und "Wide" (breit). Normalerweise wird man - nomen est omen - "normal" wählen, was deutlich macht, daß die Pixel des Zeichensatzes so hoch wie breit sein sollen. "Thin" würde eine im Verhältnis größere Pixelhöhe, "Wide" eine größere Pixelbreite bedeuten. Das letzte Gadget in diesem Parameter-Fenster ist mit "Blank" betitelt. Klickt man diesen Schalter an, öffnet sich ein Edierfenster, in dem man das Zeichen des Zeichensatzes edieren kann, das dann erscheinen soll, wenn ein vom User eigentlich gewünschtes Zeichen in diesem Font nicht definiert ist. Die nächsten vier Menüpunkte des "Font"-Menüs sind weitaus weniger spektakulär. "Move right/left/up/down" ermöglichen es lediglich, alle Zeichen des Zeichensatzes auf einmal um einen Pixel in die gewünschte Richtung zu verschieben. "Reset Kerning" als letzter Menüpunkt dient dem Zweck, die "Kerning"- Informationen für alle Zeichen auf den Standardwert, d.h. den Kerning-Wert auf 0 und den Spacing-Wert auf die Breite des Zeichens zu setzen. #Seitenende #C31 Das "Character"-Menü #C21 Hier sind Funktionen angesiedelt, die sich nur auf die Edierfunktionen für ein Zeichen beziehen. Dabei sind lediglich "Copy" und "Paste" als "kopieren"- und "einfügen"-Funktionen eines Clipboards von Interesse. "Move left/right/up/down", "Zoom In/Out", "Change Width" und "Kerning" sind bereits hinlänglich aus den entsprechenden Schalter-Funktionen des Edierfensters bekannt und hier nur für den Fall nochmal angesiedelt, falls sie in der speziellen Konfiguration des Anwenders nicht in der Schalterreihe des Edierfensters vertreten sind. #Seitenende "Typeface" ist ein Programm, dem man in vielen Dingen die kleine Versionsnummer (1.1) noch ansieht. David Kinder hat an manchen Stellen wohl noch nicht den gewünschten Standard an Benutzerfreundlichkeit erreicht, was aber mit kommenden Versionsnummern wohl zu erwarten sein wird. Beispielsweise fehlen in der vorliegenden Fassungr noch so wichtige und programmtechnisch doch einfach zu realisierende Funktionen wie "Undo" (zur Wiederherstellung des Zustandes vor der letzten Änderung), "Cancel Character" (um die Änderungen an einem Zeichen nicht zu übernehmen) oder "Clear Character" (um ein Zeichen zu löschen, was derzeit noch von Hand gemacht werden muß). Etwas eigenartig ist auch die Tatsache, daß man zahlreiche Zahlenwerte von Hand und nicht per Schieberegler eingeben muß. Darüber hinaus rechnet "Typeface" bis dato noch fest mit ordnungsgemäß gestalteten Zeichensätzen. Sobald etwas fehlerhaft ist oder zumindest nicht ganz der Norm entspricht (was allerdings im alltäglichen Normalfall kaum vorkommen dürfte), hängt sich "Typeface" auf - und zwar ohne Umwege mit einem Systemabsturz. Doch das bißchen Schatten muß man ob des vielen Lichtes gut suchen. Denn von den erwähnten Mängeln einer frühen und noch nicht lange in der Praxis getesteten Version abgesehen, ist "Typeface" ein Fonteditor, wie man ihn sich für ein "Extras"-Diskette wünschen würde. Das Design und die Benutzerführung (von den oben erwähnten Unstimmigkeiten mal ganz abgesehen) sind einwandfrei und zur Nachahmung empfohlen. Besonders beeindruckend ist in diesem Zusammenhang das intelligente Multi-Window-Konzept, das das gleichzeitige Öffnen und Bedienen quasi jeder Funktion (ausgenommen sind nur die Standard-ASL-Requester) ermöglicht. Obwohl eine Anleitung bei einem so gut konzeptionierten Programm eher überflüssig sein dürfte, liefert David Kinder ein gut lesbares und instruktives AmigaGuide-Dokument mit, in dem neben den Programmfunktionen auch nochmals die wichtigsten Begriffe (wie "Kerning", "Spacing", "Proportional"/"Fixed Width", etc.) im Zusammenhang anschaulich erläutert werden. Kleiner Wermutstropfen für deutschsprachige User : "Typeface" ist zwar lokalisierbar, aber zur Zeit liegt weder eine deutsche Anleitung, noch ein deutsches Catalog-File vor. Eigentlich könnte dieser Testbericht nun zu Ende sein, wäre da nicht noch ein besonderes Bonbon, das David Kinder den Amigausern beschert hat. Zu allem Überfluß hat er seinem exzellenten FD-Programm nämlich noch den kompletten Quellcode (in C) beigelegt ! Der steht zwar unter seinem Urheberrechts- und Nutzungsvorbehalt, dürfte jedoch als Anschauungsmaterial für lernwillige Programmierer ganz hervorragend geeignet sein. Ach ja : daß "Typeface" mit seinen lächerlichen 70 KByte Programmlänge in jedes C:- Verzeichnis gehört, sollte nicht mehr gesondert erwähnt werden müssen.... #Pinsel gadget22:pinsel/an rechts