#Titel Politik / Nachruf auf Jizchak Rabin #Logo gadget22:pinsel/AG.Politik #Font Losse 16 #C31 Nachruf auf Jizchak Rabin #Font topaz 8 #C21 Der Mordanschlag auf Jizchak Rabin war ein Anschlag auf den Friedensprozeß im Nahen Osten und ein Anschlag auf einen seiner Protagonisten. Vielleicht das tragischste, auf jeden Fall aber das für die Problematik dieses Friedensprozesses exemplarischte an diesem Verbrechen dürfte die Tatsache sein, daß der geständige Mörder nicht etwa ein fanatischer Moslem der Fundamentalistenorganisation Hamas sondern ein jüdischer Jurastudent war, der mit seinen 25 Jahren noch nicht einmal die traumatisch Situation einer ständigen Bedrohungen Israels durch seine Nachbarstaaten, wie sie in den Sechzigern gegeben war, miterlebt hatte. Jigal Armir gehört vielmehr der Generation an, die nur die momentane Situation kennengelernt hat - die militärische Übermacht Israels und die ständige Bedrohung Unschuldiger durch Selbstmordattentate palästinensischer Terroristen. Armir gehört zu der Generation, von der der Friedensprozeß eigentlich ausgehen müßte. Ganz anders sein Opfer - Jizchak Rabin. Am 01.03.1922 wurde Rabin als Sohn eines Einwanderehepaars, überzeugte Zionisten beide, geboren. In seiner Jugend besuchte Rabin das land- wirtschaftliche Kadouri-Seminar, einen Kibbuz. Angespornt durch das politische Engagement seiner Eltern und motiviert durch die schrecklichen Nachrichten aus Nazi-Deutschland trat der 18jährige Rabin im Jahre 1940 der "Palmach" bei - einer Eliteeinheit der illegalen zionistischen Miliz "Haganah". Diese Untergrundtätigkeit brachte ihm 1946 ein halbes Jahr Haft in einem Gefängnis der britischen Mandatstruppen ein. Nach seiner Freilassung setzte er jedoch seine Tätigkeit in der "Palmach" fort, brachte es in deren Hierarchie schließlich bis zum stellvertretenden Oberbefehls- haber. Als Israel 1948 selbständig wurde, kommandierte Rabin im 1. Israelisch-Arabischen Krieg die Har-El-Brigade im Kampf um Jerusalem. Während eines kurzen Fronturlaubs lernte Rabin Lea Schloßberg kennen, die er wenig später auch heiratete. Im Anschluß an den Krieg machte Rabin eine steile militärische Karriere. Schon bald General wurde er 1964 sogar zum Generalstabschef der israelischen Armee ernannt. Als solcher war er gemeinsam mit Moshe Dayan im sogenannten "Sechs-Tage-Krieg" für die strategische Planung zuständig - die israelische Armee eroberte das Westjordanland, den Sinai und die Golan-Höhen. Als Kriegsheld gefeiert zog sich Rabin nun aus der Armee zurück und begann eine zweite Karriere als Politiker. Von 1968 bis 1973 diente er seinem Staat als Botschafter in Washington, Ende '73 wurde er von Ministerpräsidentin Golda Meir als Arbeitsminister für die Arbeitspartei ins israelische Kabinett berufen. Nur wenige Monate nachdem er im März 1974 diesen Posten auch angetreten hatte, trat Golda Meir zurück und Rabin wurde Ministerpräsident einer Koalitionsregierung. Als solcher mußte er jedoch schon 1977 zugunsten seines Parteifreundes Shimon Peres zurücktreten, als ein Devisenvergehen seiner Frau Lea bekannt wurde. 7 Jahre später wurde aus dem einfachen Knesset-Abgeordneten Rabin jedoch wieder ein Regierungsmitglied - in einer Großen Koalition aus Arbeitspartei und rechtsgerichtetem Likudblock wurde er Verteidigungsminister. Wieder ganz zurück an die Spitze der israelischen Politik führte ihn 1992 die Wahl zum Vorsitzenden der Arbeitspartei, als welcher er auch Spitzenkandidat für die im gleichen Jahr stattfindenden Parlamentswahlen war. Diese fanden am 23.06. statt und brachten der Arbeitspartei und Jizchak Rabin den Sieg. Gestützt auf eine Koalitionsmehrheit aus Arbeitspartei, dem Linksblock "Meretz" und der "Schas"-Partei wurde Rabin erneut Ministerpräsident Israels. Nach von norwegischen Spitzenpolitikern eingefädelten Geheimgesprächen in Oslo zwischen Israel und der PLO kam es am 13. September 1993 in Washington zur Unterzeichnung eines Abkommens, das den Palästinensern eine Teilautonomie im Gazastreifen und in der Stadt Jericho gewähren sollte. Drei Tage vorher hatte Rabin offiziell die PLO als Vertreterin des palästinensischen Volkes anerkannt. Für diese historische Wende erhielt er zusammen mit Außenminister Shimon Peres und PLO-Chef Jassir Arafat 1994 den Friedensnobelpreis. Noch einen Schritt weiter ging Rabin in diesem Jahr, als er sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale warf, um in der Knesset die Zustimmung zum Abkommen von Taba, das für große Teile des Westjordanlandes weitgehende Autonomiegarantien enthielt, zu bekommen. Mit der Mehrheit von einer Stimme wurde der Vertrag schließlich gebilligt. Wenige Wochen später wurde Jizchak Rabin nach einer Rede im Rahmen einer von der Arbeitspartei mitorganisierten Demonstration für den Frieden durch die tödlichen Schüsse aus der Pistole Armirs getötet. #Seitenende Jizchak Rabin war kein Pazifist. Einen Großteil seines Lebens hat er beim Militär verbracht, als Politiker war er jahrelang Verteidigungsminister. Als Kommandeur der israelischen Armee trug er die Verantwortung für Vertreibung und auch Tötung unzähliger Palästinenser. Rabin war mit Herz und Seele Israeli - er nahm den Krieg und auch den Frieden nur zum Besten Israels auf sich. Seine Taten im Krieg hat er nicht vertuschen und auch nicht schönreden wollen - sie waren für ihn die einzige Option gewesen. Das gleiche läßt sich für die Einschlagung des Friedensweges sagen. Rabin war kein Idealist und kein Träumer. Er war - und das ist viel wichtiger und auch seltener anzutreffen - Realist. Seinem obersten Ziel, der Sicherheit Israels, konnte er mittelfristig nur durch eine Verständigung mit dem palästinensischen Volk dienen. Nachdem drakonische Militäraktionen (es sei an Rabins Reaktion auf den Ausbruch der Intifada ("Brecht ihnen die Knochen !" und an die vom UN-Sicherheitsrat scharf verurteilte Ausweisung von 415 Palästinensern in ein Niemandsland zwischen Israel und dem Libanon erinnert) nichts erreichen konnten, der palästinensische Terror sich vielmehr radikalisierte und zunehmend gegen Unschuldige richtete, war der Frieden die einzige Lösung. Und Rabin sah das ein. Doch während sein Außenminister Peres - seit jeher innerparteilicher Konkurrent Rabins - den Friedensprozeß optimistisch begann, sah Rabin die Probleme, die von radikalen Siedlern und radikalen Palästinenser ausgehend auf den Friedensprozeß zukommen würden. Und er setzte seine Prioritäten - dem Schutz Israels zuliebe verzögerte er den Abzug der israelischen Truppen aus den Autonomiegebieten und sobald ein Hamas-Attentäter wieder einmal zugeschlagen hatte, ließ Rabin kurzerhand den gesamten Gazastreifen abriegeln. Selbst die völlige Trennung von Israelis und Palästinensern durch die Errichtung einer nahöstlichen Variante der Berliner Mauer zog er in Erwägung. Daß er nun ausgerechnet von einem derjenigen, zu deren Schutz er den gesamten Friedensprozeß gefährdete, ermordert wurde, zeigt die Irrationalität und Sinnlosigkeit politischer Attentate umso deutlicher. Gleiches gilt für die Tatsache, daß die Gebiete, für deren Rückgabe an die Palästinenser sich Rabin stark machte, erst unter seiner Führung überhaupt von Israel erobert wurden - wie er auch schon 1982 den Angriff Israels auf den Libanon billigte und dann 1985 für den Rückzug der Truppen sorgte. Rabin hat - vorsichtig und behutsam - das getan, was er für richtig hielt. Das war oftmals politisch sehr angreifbar, teilweise wohl auch falsch. Doch er hat erkannt, daß man nicht so weitermachen konnte, wie in den 50 Jahren zuvor. Als Sabre, als geborener Israeli, hatte er es verinnerlicht, das richtige für Israel zu tun. Seit 1993 hielt er den Frieden für richtig - aber nur ohne zusätzliche Gefährdung der Sicherheit Israels. Daß dies von vielen rechtsgerichteten Israelis nicht honoriert wurde, sondern daß von Beginn des Friedensprozesses Rabin in ihrer Vorstellungswelt zum Verbrecher, zum Palästinenser, zum Verräter, schließlich gar mit Adolf Hitler vergleichbar wurde, zeugt von der Beschränkheit und dem blinden Fanatismus, mit dem die israelische Rechte, die teilweise sogar den Schlächter Goldstein zum Volkshelden hochstilisierte, zu Werke geht. Mit Jizchak Rabin hat sie gerade denjenigen ermordet, der immer in erster Linie um das Wohl Israels besorgt war. Den Friedensprozeß darf sie damit allerdings nicht getötet haben. #Pinsel gadget22:pinsel/an rechts #C10 "Wir sollten nicht zulassen, daß das Land, in dem Milch und Honig fließt, zu einem Land wird, in dem Blut und Tränen fließen." -- Jizchak Rabin