#Titel Lifestyle / TV / Guter Rat ist teuer #Logo gadget20:pinsel/AG.Lifestyle #Font Losse 16 #C31 Guter Rat ist teuer #Font topaz 8 #C10 Neue Comedy-Serie auf RTL 2 - jeden Sonntag kurz nach 16.00 Uhr #C21 Geschichten und Geschichtchen aus der Welt der Arzt- und Anwaltpraxen und über zwischenmenschliche Probleme und Problemchen sind auf den TV-Bildschirmen der Republik schon gewissermaßen omnipräsent, überbieten sich teilweise - dank der Produktionslust der "Bergdoktor"- und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"-Haussender SAT1 und RTL - in mit Realitätsferne gepaartem hochnotpeinlichen Bierernst und verfügen zum Teil über den Charme billig und schnell abgedrehter 08/15-Massenware aus drittklassigen US-Studios. Der Privatsender RTL 2 hat nun eine neue Serie aus den Staaten in sein Programm aufgenommen, die ein eigentümliches Konglomerat aus den bekannten Serienzutaten zu bieten scheint. Außerdem basiert sie auf einer Idee von Shelley Long, die bei "Cheers" durchaus spritziges Komödientalent bewies, so daß durchaus die Hoffnung auf ein kurzweiliges TV-Vergnügen für verregnete Sonntagnachmittage berechtigt schien. #Seitenende Ort der Handlung ist eine Gemeinschaftspraxis in einem Bürohaus im sonnigen Los Angeles. Dort haben die auf Eheprobleme spezialisierte Psychologin Susan DeRuzza (Shelley Long), der Scheidungsanwalt Jack Harold (Treat Williams) und der Chiropraktiker Artie (Georg Wyner) - der zudem Eigentümer der Immobilie ist - ihre Sprechzimmer. In diese gelangt man (bzw. die Kundschaft) über ein gemeinsames Vorzimmer, wo Ronnie (Brandis Kemp), die Mutter Arties, als Empfangsdame ihr Unwesen treibt und welches auch den Mittelpunkt der Handlung darstellt. Inhaltlich geht es primär um die Psychologin DeRuzza, die bei einer verfrühten Heimkehr ihren Mann Joey (Christopher McDonald) mit einer anderen Frau im Bett erwischte. Obwohl renommierte Expertin (mit einer Bestseller-Veröffentlichung) auf dem Gebiet ehelicher Probleme, bricht für DeRuzza eine Welt zusammen - und sie verläßt zusammen mit ihrem kleinen Sohn den Ehebrecher Joey. Der Schock wirkt sich natürlich auch auf ihre Arbeit aus, was von eigentümlichen Patienten - bei denen beispielsweise die Therapie zum Wunsch nach einer Geschlechtsumwandlung führt - und dem Playboy und Lebemann Jack Harold zusätzlich forciert wird. Letzterer spottet - berufsbedingt - über die Institution der Ehe und wechselt seine Liebschaften wie andere Leute die Tageszeitung. Auf der anderen Seite flirtet er immer wieder mit DeRuzza, die wiederrum ihm keineswegs abgeneigt ist. Der Dritte im Bunde, der biedere und etwas schusselige Chiropraktiker Artie, sorgt dafür, das der Laden trotz aller Probleme irgendwie weiterläuft. Um diese Kernhandlung herum enthalten die einzelnen 30minütigen Episoden jeweils eine eigene Geschichte - etwa den Besuch ungeliebter Verwandter DeRuzzas, die Bhar-Mizwah von Arties Tochter oder eine Gerichtsverhandlung Jack Herolds. Bei diesen Gelegenheiten kommen auch regelmäßig die (nicht nur) in amerikanischen Serien beliebten "Gaststars" zum Zuge. Leider handelt es sich bei ihnen zumeist um völlig unbekannte, zumeist keineswegs erstklassige TV-Schauspieler. Etwas anders sieht das schon bei den Stammcharakteren aus. Neben der ebenfalls eher in der zweiten oder dritten Reihe Hollywoods zu findenden Brandis Kemp, der das Kunststück gelingt, in ihrer Rolle als schräge Alte noch aufdringlicher zu wirken als die unerträglichen "Golden Girls" und dem wackeren aber wenig erfolgreichen Film- und TV-Arbeiter Georg Wyner ("Spaceballs", "Polizeirevier Hill Street") finden sich nämlich auch Shelley Long und Treat Williams in der Stammbesetzung der Serie. Letzterer ist besonders in jüngerer Zeit sehr (dreh)aktiv, kann aber auch auf Rollen in älteren Filmen wie "Hair" oder "Es war einmal in Amerika" verweisen. Erstere hat sich als Vollblutkomödiantin in Slapstick-Filmen wie "Outrageous Fortune" (hieß zu deutsch "Nichts als Ärger mit dem Typ") und der gerade angelaufenen "Brady Family" und auch als intelligent-arrogante Kellnerin in der Dauerbrenner-Comedy-Serie "Cheers" bereits einen Namen gemacht. Doch trotz geistiger Urheberschaft an der Story von "Guter Rat ist teuer" und im Gegensatz zu Treat Williams, dem es dank des Drehbuchs gelingt, ab und an einen wunderbar gehässigen Spruch gegen Gott, die Welt, die Ehe und L.A. zu plazieren, ist sie in dieser Serie eine krasse Fehlbesetzung. Nicht nur, daß sie daherkommt wie eine Aldi-Ausgabe von Diane Keaton, sie paßt auch schauspielerisch keinen Augenblick auch nur halbwegs glaubwürdig in die Rolle einer erfolgreichen Psychologin - was umso schädlicher ist, da diese ja die Hauptrolle darstellt. Das darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch eine Shelley Long in Höchstform die Serie nicht gerettet hätte. Dazu sind die Gags zu uninspiriert, die Story zu nah an der klassisch- langweiligen Soap-Opera und das Bühnenbild zu sehr an Pop Art denn an Stimmigkeit orientiert. Zu praktisch keinem Zeitpunkt - von ausnahmsweise gelungenen Dia- und Monologen von Long und besonders von Williams einmal abgesehen - überkommt einem auch nur das geringste Lachbedürfnis. Und letztlich bleibt die Erkenntnis, daß der Sonntagnachmittag schon sehr verregnet sein muß, wenn man ihn mit dem Betrachten von "Guter Rat ist teuer" verbringen soll. Denn nicht nur guter Rat ist teuer - auch eine gute Comedyserie ist im Dschungel der Fließbandproduktionen selten. #Pinsel gadget20:pinsel/an rechts #C10 "Schwarze Teller. Weißt Du, wer immer von schwarzen Tellern ißt ? Die Geiseln in iranischen Gefängnissen." -- Jack Harold (Treat Williams) bei der Einweihung der neuen Kantine