#Titel Lifestyle / TV / Cheers #Logo gadget20:pinsel/AG.Lifestyle #Font Losse 16 #C31 Cheers - zum Wohle ! #Font topaz 8 #C21 Man ist es ja aus dem Land der unendlichen TV-Sender gewohnt, daß sich die Fernsehsender gerne selbst mit Preisen überhäufen, um so ihre Ware aufzuwerten. So erreicht die Zahl der verliehenen Emmys jährlich neue Rekordhöhen und man darf dann durchaus auch den damit "preisgekrönten" Filmmachwerken ein gesundes Maß an Skepsis gegenüber aufbringen. Hat eine Serie jedoch insgesamt 28 Emmys anhäufen können, über 10 Jahre - von 1982 bis 1993 - dem harten Konkurrenzkampf in der Gunst der Zuschauergunst standgehalten und dabei teilweise über 30 Prozent Marktanteil in den USA erreicht, dann hegt man schon den Verdacht, daß hinter dieser Serie etwas durchaus vielversprechendes stecken könnte. Der deutsche TV-Zuschauer hat nun, so er denn eher nachtaktiv ist, dank des Privatsenders RTL die Möglichkeit, sich selbst von der Erfolgscomedy-Serie "Cheers" ein Bild zu machen - die Kölner senden zur Zeit alle 273 Folgen werktags um 0.30 Uhr. #Seitenende Ex-Baseball-Profi Sam Malone (Ted Danson) hat sich nach dem Ende seiner - bei kleineren Erfolgen im großen und ganzen doch eher mittelmäßigen - Karriere eine neue Existenz als Besitzer und Betreiber einer kleinen Bostoner Kellerbar, dem "Cheers", aufgebaut, was angesichts der Tatsache, daß er entwöhnter Ex-Alkoholiker ist, doch schon für sich etwas erstaunlich ist. Hinter der Theke hilft ihm ein alter Bekannter aus Sams aktiver Zeit, der ehemalige Baseballtrainer Ernie Pantusso (Nicholas Colasanto), genannt "Coach", der in seinem Leben derartig viele Bälle gegen den Kopf bekommen hat, daß er nur noch bedingt in der Lage ist, etwas kompliziertere Sachverhalte zu erfassen. Dies kompensiert er jedoch mit steter Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Gutmütigkeit. Letztere fehlt völlig der dienstältesten Kellnerin, der schwarzhaarigen Carla Tortelli (Rhea Perlman). Nicht nur, daß sie ständig Zoff mit ihrem Ex-Ehemann und ihrer Unzahl von Kindern ("Mich muß nur ein Mann einmal anlächeln und schon bin ich schwanger.") hat, gern und viel deftige Schimpfwörter von sich gibt und auch zu Handgreiflichkeiten neigt, sie hat darüberhinaus eine wohl gehütete Feindschaft zur anderen Kellnerin des "Cheers", der intellektuellen Vielfach-Studentin Diane Chambers (Shelley Long). Diese liebt Kultur, Psychologie und der Selbstfindung dienende Diskussion, ist dabei aber durchaus eitel ("Ich bin von Natur aus blond.") und überaus aufdringlich, wenn es darum geht, sich in das Leben anderer Menschen einzumischen. Auf der anderen Seiten des Tresen sitzen der mit einer Unmenge Halbwissen ausgestattete und auf seine Uniform stolze Briefträger Cliff Clavin (John Ratzenberger) und der dicke Buchhalter Norm Peterson (George Wendt), der die versammelte Mannschaft des "Cheers" stets mit neuen Horrorgeschichten aus seiner Ehe mit seiner Frau Vera versorgt. Diese sechs Stammcharaktere bilden den Kern der Handlung - und dabei ganz besonders der Barbesitzer Sam und die Kellnerin Diane. Ersterer ist nicht besonders helle, sieht dafür jedoch sehr gut aus (wenngleich der Rezensent annimmt, daß die Haare gefärbt sind ;-)) und hat eine Sucht aus seiner aktiven Zeit im Gegensatz zur Alkoholsucht noch nicht abgelegt - er rennt hinter jedem Rock her, zumindest bis ins nächste Hotel. Seine Fähigkeiten, Erfolg bei Frauen zu haben, sind stadtbekannt und sein schwarzes Notizbüchlein mit den Adressen der Bekanntschaften eine Art Heiligkeit für die "Cheers"-Besucher Norm und Cliff. Das völlige Gegenteil ist Diane, die für "animalische" Verhaltensweisen nicht viel übrig hat, Treue und Ehrlichkeit dem Partner gegenüber für elementar hält und dennoch bis über beide Ohren in Sam Malone verliebt ist. In der ersten Staffel von "Cheers" "beschnupperten" die beiden sich primär, überschütteten den anderen mit hämischen und sarkastischen Kommentaren und taten alles Menschenmögliche, sich ihre Zuneigung nicht zu zeigen. Doch natürlich (das Drehbuch ist bekanntermaßen unerbittlich) fanden sie sich dann doch und verbrachten die folgenden Staffeln als Paar, bzw. damit, den Beziehungskarren in den Straßengraben zu fahren. So weit, so langweilig. Doch hinter der trockenen Fassade, die jeder Seifenoper gut zu Gesicht stünde, steht eine spritzige Comedy-Serie aus der Feder von James Burrows mit scharfzüngigen Dialogen, kurzweiligen Episoden und komödiantisch begabten Schauspielern. Die beiden Protagonisten der ersten Staffeln, Ted Danson und Shelley Long, sind wunderbar gegensätzlich und verstehen es hervorragend, sich die Dialoge mit einer entwaffnenden Überzeugungskraft an den Kopf zu werfen. Daß dabei Shelley Long als intellektuelle Diane Chambers die bösartigeren und sarkastischeren Texte - besonders zum Thema Sam Mallones Intelligenz - hat, versteht sich von selbst. Doch auch Ted Danson darf als Ex-Baseballer, der zwar ein wenig schwer von Begriff ist, aber dennoch über eine nicht unbeachtliche Schläue verfügt, den einen oder anderen verbalen Hieb über und unter die Gürtellinie setzen. Ansonsten geht Danson (u.a. "Drei Männer und ein Baby / eine kleine Lady", "She's having a baby") auch überzeugend in seiner Rolle auf - man nimmt ihm den schürzenjagenden, auf eine Baseballkarriere voller Höhen und Tiefen zurückblickenden Kneipenbesitzer recht gut ab. Da hat es Shelley Long ("Die Brady Family", "Outrageous Fortune") etwas schwerer, enthält der Charakter der Diane Chambers doch teilweise widersprüchliche Aspekte (allein die Tatsache, daß eine Intellektuelle Wert darauf legt, von Geburt aus blond zu sein...). Auch sie macht ihre Arbeit jedoch hervorragend und verkörpert die Kellnerin, die eigentlich an jeden anderen Ort als an eine Bar gehört, mit großer Spiellaune und viel Witz - besonders die herrlich überdrehte Mimik ist immer für eine gelungene Szene gut. In der zweiten Reihe stehen jedoch die heimlichen Stars der Serie. Der praktisch nur durch TV-Produktionen bekannte Nicholas Colasanto spielt einen derart wunderbar verschusselten "Coach", daß es eine Freude ist und sich der Verdacht aufdrängt, das Regisseurs-Trio Zucker/Abrahams/Zucker könnte sich seine Figur zum Vorbild für den ebenso vertrottelten Frank Drebbin in der "Nackten Kanone"-Trilogie genommen haben. Wie Colasanto mit unschuldiger Engelsmiene die dämlichsten Dialoge vom Stapel läßt, ist eine wahre Freude und macht "Cheers" schon zum Leckerbissen. Doch auch Rhea Perlman, die ebenfalls fast ausschließlich in Produktionen für TV-Studios mitwirkte, verschafft ihrer Figur der Carla Tortelli große komödiantische Ausstrahlung. Stets alle Klischees ausschöpfend, springt, hopst und wuselt Perlman wie ein weiblicher Derwisch durch die 30 Minuten einer Episode, als gelte es, das Publikum alleine zu unterhalten - was ihr auch zweifellos gelingen würde. Eher undankbare Rollen haben John Ratzenberger ("Gandhi", "Outland") und George Wendt ("House", "Forever young") als ewige Saufbrüder Cliff und Norman (genannt "Norm"), die zwar stets das Bier die Kehlen hinunterlaufen lassen können, zur Handlung selbst jedoch zumeist nur nebensächlich beitragen können. Doch wenn es jemals zwei glaubwürdige TV-Bar-Stammgäste gab, dann sind es diese beiden Freunde und Schicksalsgenossen beim Blick in das Glas. Und ohne den dicken Norm gäbe es auch das einzige, stets wiederkehrende Ritual des "Cheers" nicht - seine Begrüßung durch die versammelte Mannschaft, die Frage von Coach, ob er ein Bier wolle und eine stets neue und zumeist gelungene - natürlich die Frage bejahende - Antwort Norms. Ingesamt gesehen passen die beiden genau in das "Cheers" zugrundliegende Konzept - womit sowohl die Stärke als auch möglicherweise die Schwäche dieser Serie angesprochen sein dürfte. Denn einerseits spielen alle Elemente wunderbar zusammen, andererseits wird es ab der 4.Staffel ganz erhebliche Änderungen geben, deren Auswirkungen auf die Qualität von "Cheers" nicht abzusehen sind. Die wohl tragischste Veränderung resultierte aus dem Tod von Nicholas Colasanto im Jahre 1985. Sein Nachfolger wurde damals Woody Harrelson ("Doc Hollywood", "Natural Born Killers") als Woody Boyd. Inwieweit er den brillianten Nicholas Colasanto ersetzen konnte, wird sich noch zeigen müssen - die Ausstrahlung dieser Folgen steht bei RTL erst in der Zukunft an. Ein weiterer wichtiger Stammcharakter der Serie stieg dann 1987 freiwillig aus - Shelley Long wurde durch Kirstie Alley ("Guck' mal wer da spricht", "Star Trek II") ersetzt. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Veränderungen, wie etwa das zweijährige Gastspiel von Tom Skerritt ("M.A.S.H.", "Picket Fences") als Evan Drake. Es ist somit keineswegs gesagt, daß "Cheers" auch in Zukunft so spritzig sein wird, wie es die ersten Staffeln versprachen, zumal mit Colasanto und Long zwei der überzeugendsten "Cheers"-Mitglieder nicht mehr vertreten sein werden. Auch besteht natürlich das Problem der Drehbuchautoren, aus einer prinzipiell immer gleichartigen Grundsituation über 200 originelle Skripts zu basteln. Prinzipiell ist "Cheers" jedoch eine herrlich kurzweilige Comedy-Serie - mit hervorragenden Akteuren, trockenen (und auch bierseligen) Witzen ohne großen Anspruch und eben dadurch gut bekömmlich. Die Atmosphäre der Episoden ist ansprechend und schon fast zu gemütlich, unterstrichen durch einen gezeichneten Vorspann und eine ruhige Titelmelodie. Sehenswert sind auch die (durch den Bekanntheitsgrad der Serie begehrten) Gastauftritte Prominenter - von "Hunter"-Darsteller Fred Dryer bis zum Sprecher des Kongresses. Bitter stoßen einzig die Trailer von RTL auf, die sich zumeist auf längst ausgestrahlte Episoden beziehen und zudem ziemlich schlecht gemacht sind. Aufgewertet wird "Cheers" vom Kölner Privatsender jedoch durch die nachfolgende Serie "Eine schrecklich nette Familie", die deutlich vor Augen führt, daß Comedy keineswegs immer lustig und interessant sein muß sondern auch platt und peinlich daher kommen kann. Für Nachtschwärmer und die Zeitgenossen unter uns, die sich den abendlichen Besuch in einer realen Bar (aus finanziellen oder Entzugsgründen) nicht leisten können, ist "Cheers" somit der perfekte Abschluß eines Tages, der mit Sicherheit nicht zu einem Kater am nächsten Morgen (oder Mittag) führt. Prosit ! #Pinsel gadget20:pinsel/An rechts