#Titel Forum / Messenachlese / WoC '93 #Logo Gadget2-13:pinsel/ag.forum #Font topaz 8 #C21 Der ultimative, subjektive, von falschen Daten durchsetzte, sinnlose, einzigartige, nicht ernstgemeinte, chronologisch verwirrte und exklusive #C32 #Font Frankfurter 16 MESSEBERICHT #Font topaz 8 Köln 05.- 07.11.1993 #C21 Es war Anfang November, die Computer'93, DIE Messe für Amiga und andere Computer, fand in Köln statt. Ein glücklicher Zufall wollte es - insofern ein lebloses Gedankengebilde wie ein Zufall etwas wollen kann - daß der APC&TCP, der mein kommerzielles Spiel "1990 - die '93er Edition" vertreibt, einen kleinen Stand gemietet hatte. Praktischerweise suchte der APC&TCP-Guru Andreas Magerl (schöner Vorname) noch Sklaven, Untergebene, Leibeigene, kurz : Mitarbeiter zur Erledigung niederer Arbeiten wie Disks verkaufen, Produkte anpreisen, Kontakte aufknüpfen (würg). Die Gunst der Sekunde nutzend schnappten Nils (Kassube) und ich (nicht-Kassube) uns je einen Mitarbeiterausweis für ein paar Mark-zwanzig, die uns für alle drei Messetage freien Ein-, Aus- und Abtritt ermöglichten und uns die Halle morgens und abends gut eine Stunde früher/länger aufmachte als dem normalen User (igitt). Darüberhinaus wurde man a) besser bedient und konnte b) noch zum Ausstellerempfang. Dafür war es mir sogar wert, zwei Tage meines Erholungsurlaubes zu opfern, da ich an dem betreffenden Wochende eigentlich Dienst im Alten- und Pflegeheim Meersburg gehabt hätte. Doch genug der lang(weilig)en Vorrede, kommen wir zur schicksalhaften Chronologie der Ereignisse. #C31 Freitag, 05.11.1993 #C21 04.30 Uhr - Der Radiowecker beginnt einen "Queen"-Hit zu dudeln, die Nacht hat ein frühes Ende gefunden. Müde quäle ich mich aus dem Bett. Duschen, trocken Brot zum Frühstück mampfen, Demosammlung in eine Tasche packen, noch ein paar Disks zum Mitnehmen kopieren und auf geht's. Um 6.01 Uhr soll ein Bus fahren, den schaffe ich locker. 06.01 Uhr - Kein Bus zu sehen. Nun ja, ich habe zehn Minuten Toleranz zwischen Busankunft und Zugabfahrt am Friedrichshafener Stadtbahnhof. Von da heißt das Ziel dann Ravensburg, wo ich mich für 7.00 Uhr mit Eaglehawk verabredet habe. Sein Vater hat sich DANKENSWERTERWEISE dazu bereiterklärt, uns auf seiner Dienstreise nach Belgien in Köln abzusetzen. Jetzt heißt es, auf den Bus zu warten. 06.05 Uhr - Immer noch kein Bus in Sicht. 06.10 Uhr - Der furchtbare Verdacht, daß irgendetwas nicht stimmt, beginnt sich langsam in mein Kleinhirn hinaufzuklimmen. Der Bus war doch eindeutig für "Werktage" deklariert. Hmm. 06.15 Uhr - In einem Vorstadium der Panik studiere ich noch einmal den Busfahrplan. Hm, keine Einschränkungen. Was ist denn das eigentlich für ein komischer Fliegendreck auf dem Fahrplan ? Mehrere Wischversuche bleiben erfolglos. Eine genaue Untersuchung des Fahrplans - ich hebe ihn mir direkt vor die Nase - ergibt, daß es sich um ein extrem kleines, eingekreistes "S" handelt, laut Legende mit der Bedeutung "an Schultagen" behaftet. Und wir haben den letzten Tag der Baden-Württembergischen Herbstferien. VER"!§"" 06.24 Uhr - Der nächste Bus kommt. Ich steige am Ende meiner Nerven ein. Er wird um 06.40 Uhr in Friedrichshafen ankommen. Ich habe keine Chance mehr, um 07.00 Uhr in Ravensburg zu sein. Meine einzige Hoffnung ist, daß Eaglehawk und sein Vater noch nicht zum Bahnhof aufgebrochen sind. 06.42 Uhr - Ankunft am Friedrichshafener Stadtbahnhof. Ich hetze zum Zugfahrplan. Um 06.50 Uhr fährt einer (natürlich ein Zug und nicht etwa ein Fahrplan !). Ich hetze zum Telefon. Telefonkarte (Geschenk der Sparkasse zum bestandenen Abi) eingeschoben, Eaglehawks Nummer gewählt. Tuut, tuut. Sie DÜRFEN noch nicht weg sein ! "Hallo." Aufatmen (obwohl damit die Spannung aus der Story raus ist). Ich schildere kurz die Lage und bitte Eaglehawk, erst um 07.15 Uhr zum Ravensburger Bahnhof zu kommen. In Ordnung. Raus aus der Telefonzelle. Blick auf die Uhr geworfen. 06.48 Uhr - Ich rase zum Fahrkartenautomaten. Natürlich braucht der wieder Kleingeld. Such, wühl, drück, Geld rauswirf, Geld wieder reinstopf, drück, schlag - da ist sie : meine Fahrkarte. Die Uhr zeigt 06.50 Uhr - Ich rase die Unterführung zum richtigen Bahnsteig, kann gerade noch in den Zug springen, da schließen sich ob dieser Dramatik auch schon die automatischen Türen. 07.12 Uhr - Geschafft. Ich begrüße Eaglehawk und seinen Vater. Zum Glück haben die beiden einen geräumigen VW. Meine Beine danken es ihnen. Die Fahrt kann beginnen. 10.50 Uhr - Wir sind kurz vor Frankfurt (am Main). Eaglehawks Vater will dort einen Bekannten abholen. 11.30 Uhr - Seit 40 Minuten gondeln wir durch Frankfurt (am Main) - ganz offensichtlich kennen sich meine Fahrtgenossen nicht ganz so gut in der Stadt aus. Ich erlebe ein paar interesssante Kapitel der ewigen Geschichte des Generationenstreits zwischen Vater und Sohn. 12.05 Uhr - Heureka. Der Bekannte ist gefunden. Es kann weitergehen. Dachten wir. Eaglehawks Vater und sein Bekannter springen noch "mal schnell" in einen Supermarkt, in dem sie sich offensichtlich äußerst gerne aufhalten. 12.35 Uhr - Weiter geht's - Richtung Köln. 14.10 Uhr - Ein Riesenstau erwartet uns 20 km vor dem Ziel. Wir begrüßen ihn freundlich und verlängern ihn um etwa 8.50m. 15.10 Uhr - Wir sind da - endlich. Eaglehawk und ich steigen bei der Wohnung eines Bekannten von ihm aus. Dort wird er übernachten. Ich habe mich mit Nils (Kassube) in der Jugendherberge verabredet. Während Eaglehawk erstmal was futtern geht, schleppe ich meinen knurrenden Magen zur nächsten U-Bahn-Station. Als hoffnungsloser Hinterwäldler steige ich einfach auf gut Glück in eine U-Bahn ein, die Richtung Kölner Dom fährt (natürlich mit gültigem Fahrschein !). Ich weiß nämlich, daß die Jugendherberge nicht weit vom Dom entfernt ist - einfach über den Rhein rüber, ein bißchen nach Süden. Ganz in der Nähe eben. Ein Blick auf den U-Bahn-Fahrplan zeigt "Deutz" als eine der nächsten Stationen. Und zufällig heißt die JuHe ja auch "Jugendherberge Köln-Deutz". Also warte ich geduldig. Seltsame Stationsnamen erscheinen. Sollte ich mich geirrt haben ? Zu allem Überfluß tuckert das Teil auch ausschließlich südwärts. Irgendwann müßten wir doch über den Rhein rüber. Nach minutenlanger Fahrt tauchen wir endlich aus dem Kölner Untergrund auf und fahren das andere Rheinufer an. Nichts wie raus, bevor das Ding seine Odyssee noch weiter treibt. Ein Blick auf einen Stadtplan enthüllt, daß ich fast einen Kilometer zu weit südlich bin. Also heißt es : weiter latschen, Hunger im Bauch, zwei mit Disks gefüllte Taschen in den Händen. Doch schließlich stehe ich vor der JuHe. 15.41 Uhr - Schnell die Aufnahmeformalitäten erledigt, eine der beiden Taschen abgestellt und in Richtung Messegelände losgewankt. Dank der wirklich hervorragende Beschilderung, die aus dem Hirn eines Escher entsprungen sein könnte, erreiche ich nach unzähligen Treppen, Unterführungen und Abzweigungen den Eingang. 16.00 Uhr - Ich betrete die heilige Halle Nr. 11, in der die Computer'93 stattfindet. Menschenmassen strömen umher. Und ich habe natürlich wieder keinen Hallenplan, d.h. die gute alte Blind-Drauf-Los-Methode findet ihre Anwendung. Wie durch Zufall (ein Wunder, ein Wunder !) laufe ich direkt auf den APC&TCP-Stand zu. Eigenartige Typen stehen da rum. Auf ihren Ausstellerausweisen stehen so komische Namen wie Bernd Künnen, Jürgen Träger oder gar Nils (Kassube). Zweifelsohne fremdartige Wesen - Amigafreaks. Nachdem das große Hallo abgeklungen ist und ich neben Nils (Kassube) noch einen weiteren Nils (Kassube) kennengelernt habe - der Messeveranstalter hatte aus Versehen zwei Ausweise mit dem Namen Nils (Kassube) verschickt - gehe ich zusammen mit Nils (Kassube) erst einmal die Stände ab. CD32 wohin man schaut und vor allem - Geld ausgebende Menschen, Kaufrausch pur. Nils (Kassube) und ich können darüber nur schmunzeln und wir würden uns sicherlich ob dieses primitiven Konsumverhaltens mit dem Zeigerfinger an den Kopf tippen, wären unsere Hände nicht mit dem Tragen des Guru-Buches, bzw. der AGA-Version von "Anstoß" beschäftigt. Endlich komme ich auch dazu, mir etwas von der wirklich nicht preiswerten und dafür nicht gut schmeckenden Limonade einzuflößen. Immerhin ist sie teilweise flüssig. Nils (Kassube) greift sich unterdessen den Stapel "CD32"-Aufkleber am Commodore-Stand, wobei er jedoch großzügigerweise 3 oder 4 für den Rest der Messebesucher zurückläßt. Den Höhepunkt unseres Rundganges erreichen wir am Stand eines PC-PD-Händlers. "Amiga-Emulator mit gedruckter Anleitung 10.- DM" Hehe. Als wir ihm die selbstbootende APC&TCP-Infodisk in die Hände drücken, um uns mal dieses revolutionäre Programm demonstrieren zu lassen, ist er noch selbstsicher. Ja, gleich würde der PC hochfahren. Hoho. Nichts tut sich, nur die Workbench-Hand ist immer noch zu sehen. Schweißperlen treten dem Händler auf die Stirn. Nichts. Schluchzend bricht er zusammen. Wir verlassen das Häufchen Elend, nachdem wir ihm die Zusage abgerungen haben, diesen "Emulator" aus seinem Angebot zu nehmen. Zurück am Stand lerne ich jetzt auch noch Eric Hambuch, den Programmierer des zweiten komerziellen Produktes des APC&TCP, der Databench, kennen. Er versucht verzweifelt, sein unscheinbares Produkt zu verkaufen - drei oder vier Einfältige sind bereits darauf hereingefallen. "1990 - die '93er Edition" hingegen ist ein wahrer Renner. Schon zwei Exemplare konnten an den Mann gebracht werden. Inzwischen ist auch Eaglehawk eingetroffen. Er strahlt über ein paar Schnäppchen, die er machen konnte. Nach der Arbeit des Herumschlenderns kommt nun das Vergnügen des Verkaufens. Ich verscherble PD-Disks, Schwartz-Animationen und andere Leckerbissen für den APC&TCP und - Gott verzeihe mir armem Sünder - ich preise sogar die Databench an. Erics Grinsen wird unverschämt. 18.00 Uhr - Die normalen User werden freundlich aus der Halle herausgeschmissen. Wir Aussteller werden per Durchsage zum Ausstellerempfang um 19.00 Uhr eingeladen. Dummerweise müssen Nils (Kassube) und ich noch zur JuHe, um ihn dort anzumelden. Also nichts wie los - zwei sportliche Menschen, wie wir, sollten das problemlos schaffen. 19.40 Uhr - Außer Atem (und in meinem Falle unglaublich hungrig) kommen wir wieder an der Messehalle an. Überall schleichen seltsame Gestalten herum, die nach der groß angekündigten "Szene-Party" suchen. Hämisch grinsend teilen wir ihnen mit, daß die leider, leider ausfällt. Ungläubige, erschreckte Gesichter starren uns entgegen, so daß wir, um nicht vollends in schadenfrohes Gelächter auszubrechen, die Treppen hinauf zum Ausstellerempfang stapfen. Der ist schon in vollem Gange und nur mühsam können wir zwei freie Stühle ergattern, um uns am APC&TCP-Tisch niederzulassen. Nun endlich dürfen wir offen der Leidenschaft fröhnen, die einem die Gesellschaft gebildeter, wortgewandter, technisch interessierter Menschen ermöglicht - wir futtern uns an kostenlosen Buffetbrötchen satt und lassen uns ein Freikölsch nach dem anderen kommen. Da der APC&TCP-Tisch in einer Ecke des Raumes steht, haben wir es vergleichsweise ruhig, nur die lautstark grölenden Grobiane am Nebentisch stören das Bild. Als dann auch noch ein Animateur sich diesen Personen nähert und verschiedene Zaubertricks vorführt, scheinen bei ihnen alle Dämme zu brechen. Das ganze endet damit, daß einer von ihnen sich vom Animateur aus Luftballons gebastelte Hörner aufsetzen läßt und zwei andere über eine ähnliche Konstruktion verbunden werden. Einfach lächerlich. Wie sich später herausstellt, sind das die Jungs von Commodore und der Behörnte war der Gadget-Lesern wohlbekannte Dr. Peter Kittel..... Das intensive Tischgespräch am APC&TCP-Tisch (Diesel zieht über PCs her, Alain Declercq pafft eine Zigarette und Eric Hambuchs Bruder hat sich im Vollrausch unsterblich in eine Kölsch-Kellnerin verliebt) wird immer wieder von Durchsagen des Veranstalters unterbrochen. So erfahren wir z.B. die offizielle Zuschauerzahl des ersten Tages. 11300 sind zwar kein Überhammer, aber immerhin. Als erste verabschieden sich nun Alain, Diesel und Invisible Power. Nachdem diese finsteren Gesellen verschwunden waren, traute sich nun der Animateur (bzw. ein Kollege von ihm) an unseren Tisch. Die vorgeführten Kunststücke (Zerkrümmeln von Butterkeksen (ausgerechnet auf mich), Erstellen von Luftballonhunden, -kronen, -hörnern, etc., Sparwitze en masse) reißen uns zu spontanen Beifallskundgebungen hin ("Pfui !",Gähnen, "Ihr Kollege war aber besser !"), so daß sich dieser begabte Künstler schon bald von dannen trollt, um eine Karriere als Unterhaltungschef beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu beginnen. Da der Zustand von Eric Hambuchs Bruder nun doch etwas bedenklich wird - er hat kaum noch Blut in seinem Alkohol - verabschieden sich auch Andreas Magerl, seine Freundin, Eric Hambuch (immer noch mit Databench-Verkaufs-Grinsen) und eben sein volltrunkener Bruder (der "seiner" Bedienung noch einen letzten liebevollen Blick zuwirft). Zurück bleiben nur Nils (Kassube), Eaglehawk und ich. Nach ein bißchen Informationsaustausch entdeckt Eaglehawk seine Bewunderung für Dr. Peter Kittel, der inzwischen auch einige Mengen des Kölner Brauereiprodukts konsumiert hat, und versucht, ihn an unseren Tisch zu winken. Obwohl Nils (Kassube) und ich alles versuchen, ihn daran zu hindern, ist uns Eaglehawk (langjähriger Taek-Won-Do-Kämpfer und Spitzenleichtathlet) über. Die mit 150 kg durchaus zierliche Gestalt des Doktoren schiebt sich an unseren Tisch. Durch gekonnte Argumentation und ungetrübten Optimismus gelingt es ihm, unsere kritische Einstellung gegenüber Commodore vollständig zu zerstreuen. Endlich sehen wir ein, daß der ständige Standardwechsel von Commodore (z.B. ECS-Chips -> AA-Chips -> AAA-Chips) gar nichts schlimmes für den Konsumenten, der jedesmal neu zur Kasse gebeten wird,ist, denn bei den Videorekordern hat ja auch niemand bei der Einführung von S-VHS geschrieen - und wie wir ja alle wissen, werden aktuelle Videofilme ausschließlich auf S-VHS veröffentlicht.... Und die Tatsache, daß Commodores Zukunft in guten Händen ist, beruhigt uns sehr - "Commodore geht's nicht gut. Wenn das CD32 sich nicht verkauft, dann gibt's uns nächstes Jahr nicht mehr." Na also - alles in bester Ordnung. Doch auch die schönsten Abende enden - Dr. Kittel muß zu seinem Kittel greifen, die Commodore-Crew verlässt den Empfang. Wenige Minuten später gehen wir auch. 22.00 Uhr - In der JuHe laufen so viele eigenartig gekleidete Personen herum. Natürlich kommen zwei so glänzende Analytiker wie Nils (Kassube) und ich schnell zu dem Schluß, daß es sich offensichtlich um eine Versammlung von Anhängern der Kult-Serie um Käptn Kirk und Mr. Spock handeln muß. Ein Indiz sind ja auch die riesigen "StarTrek-Convention Cologne"-Aufkleber, die überall rumhängen. Wir werfen noch ein paar Blicke in die neue InfoX und rüsten uns dann schlafenderweise für die Härten des zweiten Messetages. #C31 Samstag, 06.11.1993 #C21 07.00 Uhr - Was ? Wie ? Wo bin ich ? Nachdem ich polternd vom Doppelstockbett gefallen bin, schleppe ich mich mühsam zum Frühstücksbuffet herunter. Nils (Kassube) ist natürlich fit. 07.30 Uhr - Während ich auf einem Käse-Brötchen herumkaue, betrachte ich nachdenklich die Figur am Nebentisch. Irgendetwas stört mich an ihr. Ist es die eigentümliche Kleidung - schwarze Hose und blaues Oberteil mit silbernen Rändern ? Nein. Sind es die schwarzen Haare, die verdammt nach Perücke aussehen ? Nein. Sind es die nach oben vulkanisch spitz zulaufenden Ohren ? Nein. Ich finde auch immer an harmlosen Mitvulkaniern etwas zu nörgeln, vielleicht sollte ich mal zu einem Psychotherapeuten - Woody Allen hat ja auch mehrere. 08.30 Uhr - Wir erreichen das Messegelände. Überlegen grinsend flanieren wir an den wartenden Menschenmassen vorbei, den Ausstellereingang hinein. Hier herrscht noch gemütliche Leere, Zeit, mit Eric Hambuch zusammen ein paar Händler abzugehen und ihnen unsere Programme anzubieten. Die Reaktion beim ersten sind geteilt ("Vergiß es !"), beim zweiten dagegen schon freundlicher ("Haben wir schon im Angebot und es verkauft sich ganz ordentlich."). Tjau, das sind meine Freunde von JOYSOFT ! (Ich weiß, daß Ihr alle commercial breaks HAßT ! Hehe.) Leider bleibt ob dem SmallTalk nicht viel Zeit. 09.00 Uhr - "Die Halle ist jetzt geöffnet." Gierige Computerfreaks strömen in die Halle. Geschäftige Betriebsamkeit macht sich breit. Jetzt heißt es, mal wieder was für den armen Andi Magerl zu tun und Disks zu verkaufen. Nils (Kassube) unterhält sich unterdessen angeregt mit dem anderen Nils (Kassube), der in Wirklichkeit Herausgeber des "AmigaEnergy" ist. Eric Hambuch grinst wieder verdächtig. Er hat ein Databench verkauft. Knurr. 10.30 Uhr - Das Leben ist wunderschön. Zwei "1990"s sind schon über den Ladentisch gegangen. Eric Hambuchs Grinsen flackert, ich kann mir ein befriedigtes Hüsteln nicht verkneifen. Eaglehawk ist inzwischen auch wieder eingetroffen. Er hat schon wieder ein Schnäppchen gemacht und ist mit sich zufrieden. Jetzt will er eine größere Aufgabe in Angriff nehmen und für einen Freund einen 1200er mit Festpladde erstehen. Nachdem er die Kriegsbemalung aufgelegt hat, zieht er von dannen. Seltsame Gestalten tauchen auf. Ich lerne z.B. H.W. Schmitt (Macher der Nameless) kennen. Trotz seines reiferen Alters läßt er sich zu primitiven Werbeaktionen herab und wirft Freiexemplare seines Diskmags in die tobende Menge. Nils (Kassube) und ich beschließen, für den APC&TCP auch ein paar Gadgets - natürlich nur aus Interesse über das Konsumverhalten der Amigafreaks - zu verkaufen. Der völlige verwilderte HannsHolger-Rutz (AntiRaBB), der gerade zu uns gestoßen ist, wird sofort zum Plakatmalen verpflichtet. Die ankommenden Kontakte häufen sich (dank geschickter Stapeltechnik haben wir jedoch alle in den APC&TCP-Stand quetschen können). André Voget (Look) schaut genauso vorbei wie Gerd Frank (Bernds PD). Zum Glück habe ich so viel Zeit, daß ich mit jedem ganze 5 Minuten ungestört reden kann. 12.00 Uhr - Highnoon. Eric Hambuch und ich sind am Diskverkaufen. Noch immer sind mehr "1990"s verkauft als "Databench"s. Da taucht ein Kunde auf. Er interessiert sich für "Databench". Erics Gesichtmuskeln spannen sich, ich halte den Atem an und drehe mich - immer den Kunden fixierend - zu ihm um. Wir beiden wissen : jetzt fällt die Entscheidung. Nur mühsam tropfen die Worte aus Erics Mund : "Was möchten Sie wissen ?" "Kann das Programm auch Zeitangaben als Datenfelder verwenden ?" Die Sonne erreicht den höchsten Punkt ihres täglichen Umlaufes und bescheint den besiegten Körper von Eric Hambuch, der zuckend die Spur des Geschlagenen in den Staub des APC&TCP-Standes zieht. 12.10 Uhr - Eaglehawk ist wieder da. Er hat fast zwei Stunden angestanden und hat immer noch keinen 1200er. Dafür eine Reservierung für den Abend, an dem wieder welche da sein sollen. Immerhin. Natürlich wird auch er sofort zum Plakatmalen fürs Gadget verpflichtet. Eins haben wir schon verkauft. Ich werfe mal schnell einen Blick zur "InfoX"-Fraktion des Standes. Jürgen "Invisible Power" Träger steht immer noch vor seinem Riesenkarton mit InfoXs. Sobald die Leute hören, daß es ein Papermag ist, wenden sie sich mit Schrecken ab. Fast schon panisch hat Jürgen deshalb den Preis, der sowieso schon statt 5.- DM nur 4.- DM betragen hatte, bereits auf 3.- DM gesenkt und noch zwei kostenlose InfoDisks von CC-Soft (H.W. Schmitt) beigelegt. Das Interesse hat sich das ganze angesehen und sich dann abgewendet, hin zu Diesel, der seine "IntelOutside" - Aufkleber für lediglich 0.50 DM (nicht mal ganz das 10fache von dem, was ihn die Produktion kostet) feilbietet. Riesige Geldscheinstapel türmen sich vor ihm auf, er räkelt sich bequem in seinem Managersessel, der Rauch seiner Havanna verdunkelt das Geschehen und sein tragbares Telefon kündigt klingelnd ständig neue Kunden an. Die Halle ist unterdessen randvoll geworden. Gerüchten zufolge soll die Eingangstür von drängenden Fans zerquetscht worden sein. Die Messeleitung gibt Notausgänge zur normalen Benutzung frei. 13.00 Uhr - Das groß angekündigte InfoX-Treffen wird ein ähnlich durchschlagender Erfolg wie der Verkauf der gleichnamigen Zeitung. Nils (Kassube), der zuvor noch nie eine InfoX gesehen hatte, Eaglehawk, Guido Wegener (Haktar), zwei FreaX von der InputHunterCrew (der eine war Sayn Rush und den anderen habe ich auch schon vergessen) und ich drängen uns am festgelegten Treffpunkt. Dolle Show. 14.00 Uhr - Weitere Freaks kündigen sich an. Einer meiner Democontacts - Tiger of Principes - erweist sich als netter Kerl, der nur gerne länger mit mir reden würde als 3:15 min. Michael Taupitz (PDlinge) und der Ex-TSB-Mann Udo Paschke wollen mit mir über kommerzielle Produkte reden. HannsHolger Rutz streicht auch schon wieder in der Nähe herum. Ich falle in ein Koma. 14.01 Uhr - Ich installiere auf Eric Hambuchs 500er eine Sicherheitskopie von "1990 - die '93er Edition" und lasse Udo Paschke und Michael Taupitz spielend zurück. In der Zeit rede ich mit dem Demofreak. 14.20 Uhr - Plötzlich sind alle wieder weg. Äußerst eigenartig. 15.00 Uhr - Ich schlendere so über die Messe und entdecke am Stand von einem Herrn Ossowski (mir völlig unbekannt) einen gänzlich isoliert dastehenden Menschen. Wie mich sein Aussteller-Ausweis informiert, handelt es sich um einen "Fish, Fred". Wir wechseln ein paar Worte - es scheint sich um einen harmlosen Sonderling zu handeln. 15.30 Uhr - Zusammen mit Eaglehawk - der in der Zwischenzeit ein paar gute Schnäppchen gemacht hat - suche ich nach einem Stand, an dem ich mir mein Exemplar von "Goal! - Kick Off III" holen kann. Der von Eaglehawk empfohlene Stand hat den Nachteil, daß er wirklich höllisch billig ist. Zum Glück quetschen sich unzähligen Menschen davor, so daß dies Grund genug für mich ist, mir dort das Kultspiel zu kaufen. Einen ausführlichen Test gibt's dann im nächsten AmigaGadget (ich gebe Euch mein Ehrenwort !). 16.00 Uhr - Ich verkaufe eigenhändig ein "1990 - die '93er Edition" an einen kleinen Jungen mit großem Vater. Es macht mich stolz. 16.45 Uhr - Eaglehawk kommt schäumend an. Trotz Reservierung hat er keinen 1200er bekommen. Immerhin konnte er zur Abwechslung mal wieder ein nettes Schnäppchen machen. Das Verkaufen von FDs (und "1990"s (sowie in äußerst kleinen Mengen "Databench"s)) hilft mir, mein Hungergefühl zu verdrängen. 17.15 Uhr - So langsam kann man in den Gängen wieder stehen, die Menge ist von dannen gezogen. Man hört, daß es heute an die 25000 Besucher gewesen seien. Wenn jeder ein "1990" gekauft hätte.... (müßte ich jetzt nicht fürs Gadget schreiben). 18.00 Uhr - Die Halle wird dicht gemacht. Ich verabrede mich mit Eaglehawk, der wie alle anderen normalen User rausgeschmissen wird, für 20.00 Uhr am Kölner Dom. Während die anormalen APC&TCPler eine wilde Sektsaufparty feiern, kopiere ich noch ein paar Disks mit - igitt - SuperDuper. Parallel dazu entfremde ich Diesels mitgebrachten 1000er, um das Gadget zu vervielfältigen. Dank Nils' (Kassube) und meiner aggressiven Verkaufspolitik haben wir bestimmt schon die unglaubliche Anzahl von 2 oder 3 Exemplaren verscherbelt. Big Blue lädt unterdessen per Durchsage aller Aussteller zu einer Demonstration von OS/2 ein - natürlich bei Freikölsch und leckeren Häppchen. Dummerweise können Nils (Kassube) und ich nicht unseren Beitrag zur Forcierung des Bankrotts von IBM lieferen, da wir ja um 20.00 Uhr am Dom sein müssen. 19.40 Uhr - Zurück in der JuHe machen wir uns F(r)isch (à la Bordelaise) - und ich mir ernsthafte Gedanken um meinen Geisteszustand. 19.55 Uhr - Wir brechen zu einem Gewaltmarsch Richtung Dom auf. Unser Weg führt uns über die Deutzer Brücke, die dann doch etwas länger war, als ich sie in Erinnerung hatte - ungefähr um den Faktor 10. Auf diesem Steg der großen weiten Welt treffen wir eine der finsteren Gestalten, die sich immer um den APC&TCP-Stand herum tummelten. Es ist ein Münchner (mit gültigem Visum), der sich ganz gut in Köln auskennt und der sich uns gerne anschließt. Eine weitere Person, auf die wir bei der Überquerung der Brücke stoßen, entpuppt sich laut Augenzeuge Nils (Kassube) als Friedtjof Siebert (Oberon) inmitten einer Gruppe langhaariger, verkommener, stinkreicher Softwareentwickler. 20.15 Uhr - Endlich erreichen wir den Kölner Dom. Eaglehawk wird mich wohl umbringen. 20.16 Uhr - Leider ich mich geirrt. Er ist sogar erfreut, uns endlich zu sehen. Was muß man denn noch machen, um den Zorn der Leute auf sich zu lenken ? 20.17 Uhr - Die Ereignisse überstürzen sich. Eaglehawk und Nils (Kassube) plädieren für einen Besuch der nahgelegenen angolamerikanischen Gaststätte des Herrn McDonald, ich wehre mich kategorisch. Die Münchner Fraktion gibt sich gleichgültig. 20.18 Uhr - Kraft meiner Größe (gegenüber Nils (Kassube)) und meiner ungebrochenen Autorität (gegenüber Eaglehawk) suchen wir nach einer anderen Möglichkeit, den Energiebedarf unserer Körper zu decken. 20.20 Uhr - Nils (Kassube) klebt auf jedes größere Schaufenster, das wir passieren, CD32-Aufkleber. Wir müssen schnell etwas zu essen finden, sonst dreht er noch völlig durch ! 20.30 Uhr - Wir stehen vor einem "Pizza Hut". Na ja, allemal besser als McDonalds. Obwohl Eaglehawk (sparsam wie immer) und Nils (Kassube) zunächst zögern, beglücken wir letztendlich diese Stätte kulinarischer Extraordinitäten mit unserem Besuch. 20.40 Uhr - Während wir warten, planen Nils (Kassube) und ich den nächsten Messetag. Wir wollen auch noch ein paar Interviews fürs Gadget machen. Ungefähr ein Dutzend Prominente stehen auf unserer Liste. 20.50 Uhr - Nach einem kleinen Pils und einer großen Pizza mit vielen Extra-Toppings geht es mir schon viel besser. Eaglehawks Mitteilung, daß der Eff-Zeh Köln die Bremer mit 2:0 geputzt hat, trägt zur rekursiven Verbesserung meiner Laune nicht unwesentlich bei. 21.00 Uhr - Plötzlich (und vollkommen unerwartet) tauchen Diesel und Invi auf. 21.10 Uhr - Und noch zwei FreaX erscheinen - wären wir doch zu McDonalds gegangen..... 22.00 Uhr - Das Gespräch nimmt interessante Formen an. Nachdem Diesel ein bißchen über PCs gelästert hat, erzählt er jetzt Witze. Komisch, er hat doch gar nicht so viel getrunken. 23.10 Uhr - Wir verlassen die Pizzakopfbedeckung (wem fallen eigentlich so dämliche Firmennamen ein ?). Eaglehawk verabschiedet sich. Jürgen "Invi" Träger bietet sich an, uns bei der JuHe abzusetzen. Todesverachtend klettern wir in sein "Auto", wie er es scherzend nennt. Nach einer geruhsamen Fahrt (wenngleich die Verfolgungsjagd und die Schießerei mit der GSG9-Truppe nach Invis Aussagen heute etwas länger gedauert haben soll als gewöhnlich) steigen wir in der näheren Umgebung der JuHe aus und verabschieden uns für heute von Diesel und Invi. Der Münchner, der ebenfalls in einer Suite in der JuHe logiert, zeigt uns eine Abkürzung, die nur ungefähr 500m länger ist, als der Weg, den wir normalerweise gegangen wären. #C31 Sonntag, 07.11.1993 #C21 06.45 Uhr - Aaargh ! 07.50 Uhr - Wir verlassen die JuHe mit schwerem Gepäck. 08.10 Uhr - Ankunft in der Messehalle. Nils (Kassube) und ich wollen die Zeit bis zur Hallenöffnung damit nutzen, endlich die vielen Interviews zu machen. 08.45 Uhr - Irgendwie haben wir kein Glück. Aus Verlegenheit schnappen wir uns den dem geneigten Leser inzwischen bekannten völlig unbekannten "Fish, Fred" und stellen ihm ein paar Fragen. Dabei bedienen wir uns einer Fremdsprache (Englisch), um ihn hereinzulegen. Leider beherrscht er sie ganz ordentlich. 09.00 Uhr - Die Massen strömen wieder herein. Da mir nur noch ein paar Stunden bleiben, jette ich los, um noch ein bißchen die notleidende Softwareindustrie zu unterstützen. Nachdem ich mir 100 Disks zu einem Spottpreis gekauft habe, schickt mich der Magerl-Andreas mit ein paar größeren Scheinen los, um 500 Stück (oder so) zu besorgen. Vollbepackt manövriere ich die Kartons (und mich) durch die Messehalle. 09.45 Uhr - Eaglehawk erscheint. Nachdem er ein Schnäppchen gemacht hatte, hat er offensichtlich erneut versucht, seinen 1200er zu ergattern. War wohl nichts. 10.30 Uhr - Die letzten Smalltalks. Diesel dreht mir für 45.- DM die Dokumentation zu PCQ 1.2d (40.- DM) an. 11.00 Uhr - Schnell werden noch ein paar Disks ausgetauscht - Energy gegen Gadget, Infodisk gegen Gadget, Databenchdemo gegen "1990"-Demo, Gadget gegen Gadget. 11.30 Uhr - Der überaus ausführliche Bericht nähert sich seinem Ende. 12.10 Uhr - Eaglehawk und ich packen unser Zeug und verlassen den unglücklich schluchzenden APC&TCP-Haufen. Was werden die nur ohne uns machen ? Im Herausgehen gelingt es Eaglehawk, noch das eine und andere Schnäppchen zu machen. 13.05 Uhr - Mit kräftiger Verspätung erscheinen wir am Treffpunkt mit Eaglehawks aus Belgien zurückgekehrtem Vater. Die lange und überaus harte Heimreise beginnt. 15.10 Uhr - Beim Bekannten von Eaglehawks Vater (dem Onkel der Nichte der Mutter väterlicherseits oder so) nehmen wir eine kleine Mahlzeit ein - vier Portionen vietnamesische Spaghetti (mit Shrimps und Huhn) stillen den schlimmsten Hunger vorübergehend. 17.30 Uhr - Wir machen Halt an einem kleinen Rastplatz (ich hätte auch schreiben können, daß wir Rast an einer kleinen Haltestelle machen, aber das wollte ich dann doch nicht) irgendwo im inzwischen in keinster Weise mehr taghellen Niemandsland. Nach einer kurzen Weile wollen wir aufbrechen, da entdeckt Eaglehawks Vater ein kleines fehlendes Detail. Ohne Autoschlüssel zu starten ist nicht so ganz einfach. 17.50 Uhr - Eaglehawk hat ihn gefunden. Auf geht's. 19.20 Uhr - Ankunft in Ravensburg. Nach einer herzerweichenden Abschiedszeremonie verlassen mich Eaglehawks (oder wie auch immer) 15 Sekunden später. Glücklicherweise fährt der nächste Zug nach Friedrichshafen schon kurz nach Acht, so daß ich nur 45 Minuten warten darf. Glück braucht der Mensch. 20.30 Uhr - Auch in Friedrichshafen reißt meine Glückssträhne nicht. Diesmal sind es jedoch leider nur 20 Minuten bis zur Abfahrt meines Busses. 21.30 Uhr - Home, Schweiß Home. Der Messebesuch hat ein Ende. Bis zum nächsten Jahr. #C31 Andreas "Wurzelsepp" Neumann