#Titel Jokes & Stories / Tagebuch eines Trinkers
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#Font Losse 16
#C31
Tagebuch eines Trinkers...
#Font topaz 8
#C21

28.1.  Schlafstoerungen, Kopfkissen in Wodka getraenkt. Lautes
       naechtliches Pfeifen laesst sich nicht lokalisieren. Gegen
       Morgen Heizkoerper abgeschraubt, keine Aenderung. In der Nacht
       wieder Angst, vor dem Fenster koennten Aborigines auf
       Traumtroeten blasen.

30.1.  Unveraendert Schlafstoerungen. Glaeschen zaehlen erfolglos.
       Flaeschchen Baldriantiktur (68%) ex. Haette sicher Schlaf
       gefunden, wenn sich die Nachbarskatze nicht schreiend auf
       meinem Gesicht gewaelzt haette. Haende gerungen.
       Schwedenbitter, Harndrang.

12.2.  Frueh zu Bett, um Mitternacht wegen Schlaflosigkeit wieder
       aufgestanden. Unter Zuhilfenahme aller Finger mindestens bis
       fuenfzehn gezaehlt, dabei manches Mal die Augen verdreht und
       den Mund verzogen. Nachbarkeller aufgebrochen, getrunken.
14.2.  Teures Mittel gegen Magnesiummangel gekauft. Viel von
       Paralleluniversen gelesen, versucht hinzugelangen, haesslicher
       Sturz. Noch am Boden liegend Wunder erlebt! Verstorbener
       Grossvater erschien, um mir Scharlachbergflasche hinzustellen.
       Grosse Hilfe.

20.2.  Ich warf alles nach jedem. Ruhe erlangt durch Insel-Samos.

27.2.  Wegen Henriette in der "Schimpansenbar". Verbruederungsszenen
       im Keller, Whisky aus Schuhen, zuletzt wieder so eine dreiste
       Person rittlings auf mir. Nach heimischer Badewanne gesehnt
       (Eierlikoer-Oberkoerpereinreibung), spaeter des Nachts
       urethrale Schikanen.

1.3.   Perfekter Tag. Spaet abends habe ich mir dann noch ein
       Kaesebrot geschmiert und mich draufgesetzt. Viel Wein.

10.3.  Obsession beschlossen: ins Treppenhaus schleichen und das
       entbloesste Gesaess an die Wohnungstuer gegenueber druecken.
       Der vergilbte Lack muss angenehm kuehl sein. Wann werde ich es
       zum erstenmal tun?

11.3.  Obsession ist Scheisse. Anlaesslich eiliger Flucht vor
       Nachbarin vom eigenen Schlafrock zu Fall gebracht.
       Liegengeblieben, totgestellt.
       Tiefe Scham, spaeter massives Trinken.

19.3.  Nachgedacht ueber Worte eines Freundes: "Die Sonne muesste
       Nachts scheinen, am Tage ist es doch sowieso hell.".
       Wieder geweint. Rum.

4.4.   Allein im Haus. Vorsichtig Baellchen in alle Zimmer geworfen.
       Keine Reaktion. - Hastig getrunken, uebergeben (5x).

9.4.   Zwecks Betrachtung des Sonnenunterganges Rangierbahnhof
       aufgesucht.
       Allergroesstes Mitleid fuer zwei alte D-Zugwagen auf dem
       Abstellgleis empfunden. Ihr Anblick liess mich aufschluchzen
       und unter konvulsivischen Zuckungen Liter von Traenen
       vergiessen. Erst lange nachdem man mich in eine Nachtbar
       fortgeschafft hatte und mir unter stetigem Einschenken gut
       zuredete, konnte ich nach und nach zur Ruhe kommen.

15.4.  Wieder "Schimpansenbar". Auf der Heimfahrt vom Taxifahrer
       Nottaufe erhalten. Lange gemeinsam Mond betrachtet und Geld
       gezaehlt.

27.4.  Haydn gehoert, Flaschen leergetrunken.

2.5.   Gestern im Aerztehaus. Drei Stunden in der falschen Arztpraxis
       gewartet, dann versehentlich Termine bei Heilgymnastin
       besorgt.
       Panik im Treppenhaus verursacht, Hausverbot in der Apotheke.
       Schaendlich besoffen, beidseitiges Trommelfellflattern.

8.5.   Letzten Abend mit zwei Flaschen Chianti im Opernhaus, "Orpheus
       und Eurydike", sehr geschimpft. Nichts ist so ekelhaft wie
       Knabensopran, darueber hinaus vehement bemaengelt, dass Orpheus
       von einer Frau (Zarah Leander?) gesungen wird. Jede Kontrolle
       verloren, hinausgetragen worden. Ueberfallkommando, sehr
       verstimmt, Gaderobenfrau wollte mich mit ihrer missratenen
       Tochter verkuppeln.

10.5.  Im Kino wieder zwei Finger abgestorben. Im Foyer Hans und Rose
       getroffen, die sich als Junge und Maedchen verkleidet hatten.
       Unguter Auftritt in der Bar, Notarztwagen.

14.5.  Mit Henriette weissen Rheinwein probiert. In Karohemden
       stundenlang an der Decke gekniet. Immer gesagt: "Aufpassen,
       dass sich nichts verschiebt."(Ebenen!). Gegen Morgen heftige
       Oenomanie. In der Notaufnahme Akten vernichtet.

29.5.  Gedicht geschrieben: "Managerschulung - ritsch ratsch reisele,
       geht die Welt im Kreisele"; Rotwein, in der Badewanne
       eingeschlafen, Prostataentzuendung.

2.6.   Viel Gin auf Anraten Hansens, Wasserlassen klappt besser.

9.6.   Der Arzt macht mir Hoffnung; ich hoere, wie die Urologen
       lachen.
       Heute zum ersten Mal versehentlich Wein in die Pfeife
       geschuettet.

12.6.  Es wird behauptet, ich haette letzte Nacht versucht, im
       Schlafanzug den Strassenverkehr auf der Kreuzung zu regeln.
       Misstrauen, unsicher und verkrampft getrunken.

18.6.  Nervengeschichten ... fremde Bohnen (sic!) sahen mich aus dem
       Spiegel an - unbedingt Abstinenz ueben!

21.6.  Fuer diesen Satz haette ich Karl May geliebt: " Winnetou starb,
       liess  sich jedoch nichts anmerken." Etwas geweint, Brandy
       durch Strohhalm.

30.6.  Reimepos erwogen. Anfangs Lob der Frau, dann muesste
       Schilderung der Begegnung mit einem Nilpferd folgen oder
       Himmelfahrtswitz.
       Schlussformel koennte sein:"Und ein nackter Mann stand tumb
       dabei."
       In der Kueche vergeblich nach Cherry-Rest gesucht, daher
       "Schimpansenbar". Halmasteinchen gekotzt, Personalausweis
       verkauft.

2.7.   Stimme aus der Steckdose gehoert.
       Werde ich wahnsinnig? Wein, Wein.

11.7.  Seit heute zwei Stimmen. Eine sagt "Puppenhuhn", die andere
       "Paradieswurst". Trotziges Trinken, aber doch Furcht.

12.7.  Wenn ich J.S. Bach waere, wuerde ich folgenden Satz vertonen
       (Kantate): "Ich bleibe oft lange auf, trinke viel und schaeme
       mich fuer alle"; elterliche Hausbar vorgeknoepft, wieder
       Notarzt.

17.7.  Nachmittags weinender Mann vor der Haustuer. Wehe, wehe, ich
       war es selbst. Strenger Cocktail, schliesslich wieder Mut. Ab
       20 Uhr wieder gewissenhaft getrunken. Wohin sind die Tage, wo
       Wasserlassen eine Selbstverstaendlichkeit war?

18.7.  Gegen Abend in voellig fremden Kleidern aufgewacht. Starker
       Wunsch, etwas ueber Hamster zu schreiben. Persiko-Trinkkur
       begonnen.

29.7.  Unleserliche Flammenschrift am Himmel; schon wieder diese
       Bolzen im Teppich. Eierlikoer.

31.7.  Das Geraeusch aneinanderklirrender Weinflaschen lockte mich
       gestern Abend in den Nachbargarten. Zunaechst geduldet, trank
       ich allen suessen Wein. So wie ich aber anfing, den Nachbarn
       von Schroedingers Katze und den Wundern der Quantenwelt zu
       berichten (wobei ich bedauerlicherweise bis zum Ellenbogen im
       Dekolltee der Tochter des Hauses stecken blieb), warfen sie
       mich ueber die Hecke.
       Mildtaetige Zwerge fanden mich und pflegten mich in ihrer
       Hoehle gesund.

1.8.   Getraeumt: nach 37 Jahren erstmals wieder aus dem Fenster
       geschaut.
       Die Landschaft hatte sich stark veraendert, der Fluss trug
       sogar Koteletten.

5.8.   Mit Person, an die ich mich nicht erinnern kann (Henriette?,
       Hans?) irgendwie ueber Land gegangen. Wir liefen bergab durch
       Gaerten hindurch. Oder dran vorbei. Wir legten uns nach
       reiflichen Ueberlegungen an den Strassenrand und versuchten zu
       sterben. Auf den Tod wartend schauten wir in die Luft. Die
       Fliegen flogen verkehrt herum und sahen aus wie grosse Damen.
       Auf dem Heimweg Glossolalie:
       indogermanische Trinklieder mit leicht schluepfrigen
       Kehrreimen.
       Champagner!

23.8.  Heute den vierten Tag bei herabgelassenen Jalousien und
       Kunstlicht in der Wohnung, meist im Bett. Hatte mir grosse
       Inspiration von solcher Lebensweise versprochen (etwa wie H.P.
       Lovecraft), bis jetzt aber nur mit Voodoo-Puppen herumgefudelt.
       Rechter Hausschuh ins Klo gefallen.
       Danziger Goldwasser bis zum Erbrechen.

4.9.   Seit Wochen nur ueber moderne Physik und das Bermudadreieck
       gelesen.
       Spuere, wie mein Leben wieder einen Halt bekommt. Im Kaufhof
       haben sie neue Rolltreppen. Leberwerte verheerend. Am leicht
       geoeffneten Fenster verbrachte ich im Clubsessel sitzend eine
       der gluecklichsten Zeitspannen meines Lebens.

6.9.   Brief vom Wiener Verleger.
       Muss echt sein, Henriette sieht ihn auch.
       Einladung zur Lesung. Grosse Angst vor weiter Reise, "Mut
       angetrunken", Rasierapparat und einzig gute Hose ruiniert.

12.9.  Eine Woche lang mit Henriette verreist gewesen.
       Nach der Rueckkehr erfahren, dass wir in der Bretagne waren und
       nicht, wie ich irrtuemlich annahm, in der Toskana. Wieso aber
       bekomme ich heute eine Ansichtskarte von uns aus Florenz? In
       Jeans Weindepot alle Reste ausgetrunken, nachdenklich.

14.9.  Sitze im Zug nach Wien.
       Henriette hat Affaere mit VHS-Kursleiter.
       Soll ich lieber in Wien bleiben?
       Habe mir elegantes Halstuch im Hemdkragen installiert.
       Markenwodka aus der Thermoskanne.
       Sehr weltmaennisch, jedoch Fahrkarte verloren.

15.9.  Wieder zu Hause.
       Anzeigen wegen Schwarzfahrens, Beleidigung und
       Sachbeschaedigung. Desolater Zustand. Versucht, von
       Streifenpolizisten erschossen zu werden. Nur Ohrfeige
       erhalten.
       Immerzu geschrien:" Ich sterbe, ich sterbe!" Zur naechsten
       Lottoannahmestelle geschleppt, Magenbitter auf Kredit.

19.11. Durch jenseitige Beeinflussung Schlager geschrieben:
       "Ball-a-Ball-a-Ball-Ball-a-Ball ... (etc.), der Blumenhund
       anbei, so find ich euch, dem treff ich euermassen an (quella) -
       Kwu Kwaeck-Ball-a-Ball-a-Ball-a-Ball ... (etc.)
       Und die Hirtenmaedchen lesen:
       So bist du du du mit deinem Blarr Blamm Blumenhund
       (wiederholen)"
       Mit abnehmenden Flascheninhalt kristalliert sich die Melodie
       heraus. Erregt, Zierleisten abgebrochen.

28.11  Religioeser Exzess, Hausrat auf die Strasse gestellt.
       Schlaflos, bruenstige Abstinenz.

29.11  Zwangsvorstellungen bezueglich Nachfolge Christi sind
       abgeklungen.
       Viehisch besoffen.

1.12.  Unbekannte Frau in der Fussgaengerzone verbot mir, in ihren
       Armen zu sterben. Wenig schoene Szene.
       Danach Gluehwein und ruecksichtslose Kirchenkritik auf dem
       Weihnachtsmarkt.
       Schuerfwunden.

3.12.  Im Keller sitzen seit ein paar Tagen zwei alte Maenner unter
       einer Abdeckplane und essen schreckliche Butterbrote.
       Zwischendurch gehen sie hinaus (in Unterhemden) und schlagen
       mit grossen Haemmern auf die Treppe.
       Betroffenheit meinerseits, nicht laenger vor marokkanischem
       Wein zurueckgeschreckt. Wadenkrampf.

6.12.  Die Flaschen hat 2 Monat und 15 Tagen nicht so leer gewesel#+*

28.12. Alkohol wirkt nicht mehr bei mir. Vor einer Stunde Gift
       genommen.
       Enttaeuschung: es wirkt auch nicht, Scheisse !!



#C10
ciao,

        Helmut

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Helmut Fromberger           Fon:++49-8532 office:1560 home:8178
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