#Titel Hard- & Software / Hardware / Cyberstorm 040/40
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#Font topaz 8
#C10
Erfahrungsbericht 1.1                                         Update 5.12.94
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#C31
#Font Losse 16

  Cyberstorm-Turbokarten-System 040/40
              für A4000
#Font topaz 8

Vorwort
#C21

Man ist es ja gewohnt: Viele Hardware-Neuheiten werden lange vor der
tatsächlichen Lieferbarkeit angekündigt und beworben. Sicherlich einerseits,
um die Nachfrage zu wecken. Andererseits auch, um als Hardware-Hersteller
irgendwie an vernünftige Zahlen auf Grund von Anfragen für das beworbene
Produkt zu kommen. Denn wie man erfahren konnte, belaufen sich alleine für die
Cyberstorm-Technologie die Entwicklungskosten auf bereits sechsstellige
Summen. Das Warten hat aber seit etwa Mitte September ein Ende. Die ersten der
schon erstaunlich bekannten Cyberstorm-Turbokarten wurden ausgeliefert.
Die Fa. Advanced Systems & Software bot eine Art Subskription an, mit der man
sich schon frühzeitig "anmelden" konnte, um dann auch schnell beliefert zu
werden. Wie weit die angekündigte "große Nachfrage" und damit schnelle Knapp-
heit des Produktes auch den Tatsachen entspricht, ist natürlich schwer nach-
prüfbar. Aber dennoch: Ich ging das Risiko eines, trotz geleisteter Vorkasse,
längeren Wartens auf die ersehnte Super-Performance ein, und bestellte das
Ding. Man gönnt sich ja sonst nichts. Zumindest in der Richtung...
#Seitenende
#C31
Prozessor-Entwicklung
#C21

Cyberstorm kam denn auch unerwartet rasch in der 040er-Ausführung ins Haus.
Die eigentlich sensationelle Hardware in Gestalt einer 060er-Platine läßt
noch auf sich warten, da die Fa. Motorala als Prozessorhersteller noch keine
Stückzahlen des neuen Turbo-Prozessors liefern kann. Zudem müssen zunächst
erst die sogenannten Software-Libraries für den neuen Prozessor erstellt
werden, damit später auch wirklich der Betrieb unter Betriebssystem und
Anwendersoftware stattfinden kann. Sicherlich ist der konstante Weg von
68000 über 68030 und 68040 nun hin zum 68060 für den Anwender von Vorteil,
da die Software größtenteils, sofern sie "sauber" geschrieben ist, auf
allen diesen Prozessoren lauffähig ist. Eine Portierung, wie sie beispiels-
weise bei PowerPCs oder RISC-Prozessoren wie dem Alpha nötig wäre, kann
entfallen. Dies senkt die Kosten für die Software und erlaubt auch ein
weitaus größeres Potential an sofort lauffähiger Software nutzen zu können.
Lediglich die Besonderheiten von 040 oder 060 gilt es auszunutzen, wie
als einfachstes Beispiel die im Prozessor integrierte FPU (Floating Point
Unit = Fließkomma-Prozessor). So gibt es also immer wieder spezielle 040er-
Versionen von Programmen, damit noch mehr Performance aus dem Rechner
mit einem solchen Prozessor zu holen ist. Vorallem bei Bildbearbeitung oder
Raytracing ist es von Vorteil, auf die speziellen 040er und dann später
060er-Version zu setzen, wenngleich auch die Version für "nur-68000" verwendet
werden kann, wenn die Geschwindigkeit sich nicht auf einem Höchstniveau
befinden soll. Alles in allem, lassen sich bestehende Softwarepakete relativ
leicht auf die neuen Prozessoren anpassen und mit Sonderfunktionen aus-
statten, die die Besonderheiten eines jeden der Prozessoren bestens zu nutzen
verstehen, ohne daß aber auf "niedrigeren" Prozessorgenerationen nicht mehr
gearbeitet werden könnte. Dies alles Dank der Befehlskompatibilität der
verschiedenen Motorola-CPUs!

Bei der 060er-Variante gibt es jedoch einige Änderungen von der Betriebs-
systemseite her, damit diese auch mit dem 060er richtig gewinnbringend umgehen
kann. Alleine der Bereich des Ramzugriffs über Burstmodi oder Cache-Module
wird normalerweise nicht von OS3.0 (3.1) unterstützt. U.a. diese Dinge werden
durch Patches geändert. Dazu wird das Betriebssystem später in zwei sogenannten
Flash-Eproms geladen und bezüglich der Exec-Library gepatched. Nur so ist
der reibungslose Ablauf mit einem so leistungsstarken Prozessor wie dem
68060 machbar. Wieweit dieses Patchen der Kompatibilität entgegenwirkt, kann
erst gesagt werden, wenn der 060er lieferbar ist. Alles in allem dürften
sicherlich alle großen und wichtigen Programme und Programmpakete lauffähig
sein, da hier immer im Hinblick auf Leistungssteigerungen programmiert
wurde. Also sicherlich damit auch im Hinblick auf Prozessor-Generationen.
Das Patchen des OS ist sicherlich alleine angesichts der ungewissen Zukunft
der Amiga-Technologie der einzig richtige Weg, eine Weiterentwicklung voran-
zutreiben. Denn zum damalige, schon Jahre zurückliegenden Zeitpunkt, als
das OS2.0 bzw. 3.0 entwickelt wurde, dachte noch niemand an die Möglichkeit,
einmal mit einem 060er-Prozessor in ungeahnte Dimensionen vorstoßen zu
können. Und das für nicht viel mehr Geld als für einen passablen 040er
noch vor anderthalb Jahren zu zahlen gewesen wäre.
#Seitenende
#C31
Auslieferung
#C21

Die Cyberstorm kam in einem ziemlich großen Karton sehr sorgsam verpack an.
Im Außenkarton befand sich der eigentliche Verpackungskarton der Turbokarte
und der verschiedenen Module. Daß es sich fast um die Erstmuster handelt,
sieht man an der Tatsache, daß der Originalkarton noch unkaschiert und
unbeschriftet oder bedruckt ist. Dennoch machen die Platinen selbst den
wirklich vollkommen ausgereiften Eindruck einer Großserie. Auf engstem Raum
sind erstaunlich wenige ICs und einige hoch integrierte Schaltkreise auf einer
Multilayer-Platine verteilt. Diese ist nur etwa 3 cm an der Schmalseite
größer, als die original 030er-Platine eines A4000, und nur wenig größer, als
die eines A4000 mit 040er-Prozessor.

Aus Platzgründen ist derzeit der Einbau der Cyberstorm in einem A3000 oder
A4000T nicht möglich. Es sollen aber bei entsprechender Nachfrage Versionen
für diese beiden Rechnermodelle nachfolgen. Wobei ich mir vorstellen kann,
daß dies für den 3000er wahrscheinlicher zu sein scheint, als für den bisher
kaum lieferbaren und verkauften A4000-Tower. In einem A4000 eingebaut, gibt
es zudem bei vollem Ausbau des Cybersystems ebenfalls etwas Probleme mit
dem Raum. Das angekündigte - derzeit aber noch nicht lieferbare - I/O-Modul
mit integriertem SCSI-2-Interface ragt nämlich so weit nach hinten ins
bisher noch freie Gehäuse, daß es einerseits den Ausbau einer eventuell
vorhandenen zweiten Harddisk erzwingt, oder diesen Einbau überhaupt
verhindert. Ich verwende den Towerumbau der Firma Micronics, bei dem es
einigermaßen problemlos vor sich geht, das System zu integrieren, wie wir
später noch sehen werden...

In der Verpackung befindet sich neben der Hauptplatine, die im folgenden
Carriermodul genannt werden wird, da sie die Trägerplatine für alle
Erweiterungen darstellt, noch das CPU-Modul und das Ram-Modul. Daneben vier
Kunststoff-Abstandshalter und das Handbuch.

Hier erfolgt eine Anmerkung zu etwaigen Kritikpunkten. Diese beziehen sich
auf momentan reine Äußerlichkeiten, die auf den frühen Auslieferungstermin
zurückzuführen sind, und der Hardware an sich nicht anzulasten sind. Dennoch
bleiben diese Kritikpunkte bestehen, da es sich bei einer Gesamtkostenlage
von 2000 bis 3000 Mark schon wunderlich darstellt, daß gewisse "Kleinigkeiten"
mehr oder minder "uninteressant" zu sein scheinen in den Augen des
Herstellers. Und dies geht immer zu Lasten des Anwenders.

Dies bezieht sich in erster Linie auf das Handbuch, das als solches ob der
drei fotokopierten und dann gefalteten  DIN-A3-Zettel als solches nicht
zu bezeichnen ist. Zwar ist es als "Prelimary"-Handbuch tituliert. Aber
dennoch sollten gewisse Inhalte schon drin sein, die einem das Leben, sprich
den Einbau der Karte erleichtern sollten. Dies tun sie aber nicht. Einerseits
wurden auf einer noch eilends beigelegten zusätzlichen Fotokopie einige
wichtige Dinge zusätzlich nachgeschoben. Nicht auszudenken, würde das Beiblatt
nicht mitgeschickt. Die Karte ließe sich so mit dem "Prelimary"-Handbuch
nicht installieren!

Und dann die Abstandshalter: Da hat man ein Stück Hardware für 2000 Mark
vor sich liegen, und die Sache des Einbaus droht an vier miekrigen Plastik-
Stäbchen zu scheitern. Denn zwei davon sind um etwa 3 mm zu lange geraten,
worauf auch der Beipackzettel hinweist. Man würde (allerdings auf
Anforderung!) die richtigen nach eigenem Erhalt nachliefern. Die beiden
anderen Halter sind verwendbar, um das Rammodul vom Carrierboard aus zu
fixieren. Die Halter für das Carrierboard selbst können vom bisherigen
030er/040er weiterverwendet werden. Und das, obwohl das Handbuch nur die des
040er- CPU-Boards autorisiert! Egal - Hauptsache es paßt! Die beiden zu langen
Abstandshalter sorgen dafür, daß das CPU-Modul um einige Millimeter an
der rechten Kante weiter entfernt vom Carrier ist, als an seiner linken.
Doch dazu noch später näheres.

Die Bebilderung des "Handbuchs" ist ebenfalls zu kritisieren. Das es sich
um grob gerasterte Fotos handelt, die wie gesagt auch noch fotokopiert
wurden, ist zwar eine Rechnerplatine zu erkennen, aber der genaue Einbau
der Cyberstorm nicht. Eigentlich lag's schon an den Fotos, wie sie im
Rechner gemacht wurden. Nicht sehr aufschlußreich.
#Seitenende
#C31
Einbau
#C21

Doch zum Glück kann man fast intuitiv und mit ein wenig Logik erraten, wie
die drei Einzelteile der Cyberstorm-Erstauslieferung zusammenpassen sollen.
Da die Einsteckkontakte mit kleinen Graten versehen sind, kann man sie
nicht verkehrt herum einstecken. Beispielsweise weist jedoch das Handbuch
nicht darauf hin, in welche der beiden Steckleisten das CPU-Modul zu stecken
ist. Nur die Logik sagt einem, daß es sich um die rechte handeln muß, da
sonst die linke verdeckt wird, die ja später einmal das I/O-Modul aufnimmt.
Eine Spitzfindigkeit, diesen Hinweis zu fordern? Bei einem derartigen Um-
und Einbau ist man naturgemäß etwas nervös und zumal beide Steckleisten genau
gleich groß sind, kann es hier schnell zu Fehlern kommen. Ich möchte nicht
wissen, was man "schießt" wenn man im linken der beiden Slots landet...

Alles in allem geht der Einbau recht flott von statten. Hat man den Beipack-
Zettel nicht übersehen, wird man auch nach Entfernen des bisherigen CPU-
Moduls nicht vergessen, einen bestimmten Hauptplatinen-Jumper zu
kontrollieren. Hier schildert die unglückliche Formulierung des Handbuchs
weder, in welcher Version sich bei einem 030er bzw. 040er-Board der Jumper
befinden muß, noch was er überhaupt zu bedeuten hat. Wörtlich:

#C10
"Vor Einbau der Cyberstorm-Trägerplatine müssen die zwei Clock-Jumper, die
auf dem Mainboard unter der CPU-Platinen mit INT und EXT beschriftet sind
(siehe Abbildung), auf die richtige Position gesetzt werden. Für den
Betrieb des Cyberstorm müssen diese auf die Position INT gesetzt werden
(siehe Abb.1). Je nachdem, ob sie das Cyberstorm in einem Amiga 4000/030
oder einem Amiga 4000/040 einbauen, sind diese Jumper nocht auf die
Position EXT oder bereits auf die Postition INT gesetzt. Ein Betrieb des
Cyberstorms in der Position EXT ist nicht möglich."
#C21

Nach dieser Formulierung müßte eigentlich der Jumper bei meinem 030er auf
der Position EXT stehen und somit umgesteckt werden. In Wahrheit befand
er sich aber auf INT, wie wenn man einen 040er hätte. Als was nun? Ich
ließ es also bei dem Zustand des Jumpers, wunderte mich aber, wie er denn
nun beim 030er sein sollte. Bisher funktionierte ja alles unter 030. Egal.

Das Carriermodul wird nun also aus der Verpackung genommen und nach dem
Entfernen des alten 030er-CPU-Moduls aus dem 4000er in dessen Steckplatz
gesetzt. Erstaunlich leicht läßt sich das auf die Kontaktschiene setzen.
Es ging sogar mit leichterem Kraftaufwand, als das alte Modul. Ob dies nun
wegen möglicher Kontaktprobleme negativer oder wegen der einfacheren
Handhabung positiver zu beurteilen ist, sei jedem selbst überlassen. Beim
Einsetzen muß man darauf achten, daß die beiden bisherigen Abstandshalter
wieder auf dem Carriermodul einrasten. Da dessen Vorbohrungen etwas größer
geraten sind, tun sie das nicht sonderlich fest. Allenfalls ein leichtes
Ausdehnen mit einem Schraubenzieher bringt etwas mehr "Griffigkeit".
Aber dennoch sitzt das neue Carrierboard sehr stabil.

Als nächstes wird nun das CPU-Modul aufgesetzt. Auf dem Carrierboard befinden
sich links zwei Steckleisten gleicher Größe im Abstand von etwa 5 mm.
Dazwischen befindet sich das eine Loch, in das der linke Abstandshalter
einrastet. Ein Glück in dem Fall, daß er es nicht sonderlich vehement tut.
Denn wenn man nochmals das Carriermodul entfernen möchte, bräuchte man
unbedingt eine sehr schmale Flachzange, um den Abstandhalter an seiner Spitze
zuzukneifen, damit er die Platine wieder freigibt. So genügt in meinem Fall
nur ein leichtes Zupfen. Die korrekten Abstandhalter werden dennoch
angefordert. Sicherheitshalber! Das CPU-Modul wird in die rechte der beiden
Steckleisten eingesetzt. Die ersten beiden Abstandshalter der vier
mitgelieferten kommen nun zwischen dieses CPU-Modul und den Carrier. Und
genau hier kommt nun das Dilemma der etwas zu lang geratenen Stäbchen zum
Vorschein. Das CPU-Modul ist rechts etwas weiter von der Carrierplatine
entfernt, als links. Also verläuft die Ebene des CPU-Moduls nicht parallel zum
Carrier. Da die CPU-Platine in der Steckleiste dennoch fest sitzt, ist es
allenfalls ein Schönheitsfehler.

Das Ram-Modul muß konfiguriert werden, je nachdem, welche Rams verwendet
werden. Hier kann man beliebige PS2-Sims ab 4 MB/70ns verwenden und mischen.
Nur darauf zu achten ist, daß die erste Rambank (Bank 0, unterste Leiste)
mit dem größten Modul bestückt ist. Man kann auch Rams der Hauptplatine des
A4000 verwenden, solange sie einerseits mindestens 4 MB haben, und
andererseits auch 70ns bringen, was aber heute Standard ist. Die alten
1 MB-Sims müssen wohl oder übel entsorgt werden, da die kaum noch einer
brauchen kann.

Ist der Speicher auf dem Rammodul bestückt, was nicht viel schwerer abläuft,
wie auf dem Hauptboard, muß noch mittels Jumper das Ram direkt auf dem
Modul angemeldet werden. Der Beipackzettel beinhaltet die möglichen
Konfigurationsmuster, die bis zu einem Ausbau von 128 MB reichen, wenn man
in den vier vorhandenen Steckplätzen jeweils ein Modul a 32 MB verwendet.

Ist die Konfiguration erfolgt, wird das CPU-Modul auf der rechten Seite des
Carriermoduls auf die Steckleiste gesetzt. Auch dieses Modul rastet sehr
leicht und problemlos ein. Es ragt nun in 90 Grad vom Carriermodul weg in
Richtung darunter liegender Zorro-Busplatine. Und das in etwa einem Abstand
von gerade mal 4 mm. Aber dies ist nicht anders zu realisieren gewesen.

Um einen unglücklichen Kontakt mit der unmittelbar unter dem Rammodul
liegenden Daughterboard-Platine des A4000 zu verhindern, wird ein Stück
Pappkarton mitgeliefert. Dieser muß an markierten Linien gefaltet werden und
kann dann über den Rahmen gehängt werden, der die Daughterboard-Platine mit
den Zorro-Slots stabilisiert. Damit ist eine Berührung der Rückseite des
Rammoduls sicher vermieden. In meinem 4000er fehlt diese Metallverstrebung
seit des Umbaus in das schon erwähnte Towergehäuse, so daß die Pappe etwas
verloren herumliegt und am besten mit einem Stück Klebeband fixiert werden
sollte.
Bevor man nun den Umbau mit dem Zuschrauben des Gehäuses beenden kann, muß man
noch die Stromversorgung für den CPU-Ventilator herstellen. Dazu hat dieser
ein Kabel mit einem PC-üblichen Stromversorgungsstecker am anderen Ende,
den man leicht mit einem freien Stromkabel des Netzteils verbinden kann.
Sicherheitshalber lief ein kurzer "Burn-In", der bereits ohne jegliche
Probleme ablief. Der Amiga fuhr hoch, wie eh und je. Gott sei Dank!

Sicherlich wendet sich so eine Turbokarte, was den Einbau und die Nutzung
anbelangt, gewiß nicht an den blutigen Laien. So kann man wohl verschmerzen,
daß diese Lüfter-Verbindung mit keinem Wort in der Anleitung erwähnt wird.
Dennoch: Denkt man nicht dran, weil man es übersieht, und auch vom Handbuch
nicht darauf hingewiesen wird, oder spart sich diese, weil kein Stromanschluß
mehr frei ist, kommt es sicherlich zu einer Überhitzung. Aber wie gesagt:
Es ist ja das "Premilary"-Handbuch. Das echte soll nachgeliefert werden.
Aber ich erhielt es auch nach 6 Wochen noch nicht. Wohl wird man das
Erscheinen des 060ers abwarten wollen, um dann auch alle Besonderheiten dieser
CPU aufführen zu können. Die Hoffnung bleibt.

Ebenso auf die künftigen Erweiterungen. Für den 060er wird es auch ein Cache-
Modul geben, das an einem weiteren Kontakt direkt auf dem CPU-Modul aufgesetzt
wird. Dann wird sicherlich dem korrekten Abstandhalterpaar größere Bedeutung
zukommen, damit es die CPU-Karte nicht aus ihrem Steckplatz hebelt, wenn
ein weiteres Modul die rechte Seite beschwert. Und dieses Cache-Modul ist
wohl auch der Grund, weswegen man das Rammodul in Richtung Zorro-Busplatine
hinausragen ließ, und nicht Richtung CPU-Modul orientierte.

Desweiteren ist als allernächstes ein I/O-Modul geplant. Wie man nun lesen
konnte, denkt Advanced Systems & Software daran, es in zwei Ausführungen
anzubieten. Einmal als Komplettlösung, wobei ein SCSI-2-Interface, ein sehr
schneller serieller Port, sowie eine Ethernet-kompatible Schnittstelle
integriert sein sollen. Da letztere sicherlich nicht jeder brauchen wird,
denkt man offenbar auch an eine Lösung ohne dieser nach, die dann den Preis
des I/O-Moduls von 800 auf 400 Mark halbieren soll. Ob Ethernet später
dann noch nachrüstbar sein wird, wurde nicht erwähnt. Hat man vor, seine
Workstation in ein Netz zum Beispiel mit PCs einzubinden, ist sicherlich
der ersten Modulvariante der Vorzug zu geben. Außerdem rein aus
wirtschaftlicher Sicht, da ein Ethernet-Modul mit sogar geringerer
Leistungsfähigkeit am Amiga zur Zeit nicht unter 400 bis 500 Mark zu haben
ist!

Das SCSI-2-Interface soll zum bereits bewährten Zorro-III-Controller Fastlane
kompatibel sein, und auch dessen Chipsatz in neuester Version verwenden. Damit
wäre einerseits ein sehr leistungsstarkes Interface für alle möglichen Units
auf SCSI- und SCSI-2-Basis vorhanden (Mischbetrieb möglich), und außerdem
einer der kostbaren, weil mit 4 Stück sehr raren Zorro-III-Plätze im Standard-
A4000 gespart! Von Busplatinen-Erweiterungen, wie sie in den neuesten
Versionen des Mikronics-Towers für den A4000 angeboten werden, ist nur dann
nicht abzuraten, wenn man die Slots größtenteils - gehässig gesagt - freiläßt.
Denn wie auch in der PC-Welt wird mit jedem weiteren Slot und eingesteckter
Karte die Signalqualität immer mehr verschliffen. Das heißt, es sind durchaus
bei zu vielen Karten Probleme im Datatransfer denkbar, weil die Treiberchips
diese Menge an Steckplätzen einfach nicht mehr ordentlich versorgen können.
Nicht ohne Grund hat man in PCI-Systemen zwei, maximal 3 Slots für den
schnellen Bus. Und Zorro-III ist ja in manchem mit dem PCI-Bus der PC-Welt
vergleichbar. Durch das Sparen eines SCSI-Interfaces in einem der Steckplätze
hat man auch noch alle Möglichkeiten offen. Denn so bliebe Platz für eine
Grafikkarte, und noch drei weitere Zusatzkartenm, wie Audio-Karte oder
Digitizer, ohne daß man Signalprobleme erwarten müßte.

Ein ganz neuer Aspekt ist zudem das fehlende Bus-Mastering per DMA, das alle
Zorro-III- und die meisten Zorro-II-Interfaces betreiben. Die Taktzyklen, um
den SCSI-Transfer über den Bus durchzuführen sind bei einer Anbindung direkt
an den Processor nicht mehr notwendig und lassen damit einerseits zu, die
Performance zu steigern. Andererseits sorgen sie auch für mehr Stabilität
im Datatransfer. Denn sehr zeitkritische Karten wie Samplerkarten auf der
Basis von FIFO-Puffern (Maestro Professional) oder auch Motion-JPEG-Karten
wie die VLabMotion werden dann durch einen SCSI-BusMaster über DMA nicht
mehr in eine Art "Warteschleife" geschickt und arbeiten damit effizienter und
eben auch stabiler im Data-Transfer. Eine gute Sache also am Rande...

Zwar konnte das nicht in der Praxis getestet werden, und wird spätestens
im zweiten Testbericht zur 060er-Karte nachgeholt werden. Das I/O-Modul
wird einem eine etwas abenteuerliche Verbindung zur Außenwelt des Rechners
bieten. Einmal hat es durch seine Dimension und seinen Sitz von 90 Grad
senkrecht zum Carriermodul, links neben dem CPU-Modul, eine vollkommen
andere Orientierung, wie die restlichen Karten. War auch nicht anders
machbar, wenn man von dem Platzangebot in einem Original-A4000 ausgeht.
Damit muß man den hinteren, versteckten Montageplatz einer zweiten Harddisk
vergessen. In einem Towerumbau, wie meinem der Fa. Micronics, ist dies nicht
so kritisch, da die Festplatten wie in einem PC in den dafür vorgesehenen
Frontkäfig gesetzt werden. Dafür hat man etwas mit dem Netzteil zu kämpfen,
welches überhaupt "gerade noch" den kompletten Einbau der Cyberstorm
ermöglicht. Um ein Haar würde es so nahe an den Carrierplatz heranragen, daß
nichtmal dieses aufgesteckt werden kann. Aber Glück gehabt. Und somit dürfte es
auch für das I/O-Modul gerade mal so reichen. Allenfalls müssen die Kabel,
die aus dem Netzeil ragen, etwas "hingebogen" werden. Die Praxis wird dies
noch genauer zeigen. Die erwähnte Verbindung zur "Außenwelt" erfolgt mit
einer Kabelverbindung durch den freien Buchsendurchbruch im 4000er. In meiner
Towerlösung ist diese Buchse nicht vorhanden, so daß sich sicherlich eine
andere Möglichkeit ergeben wird. Am Ende dieses Kabels, das vom I/O-Modul
kommt wird sich eine kleine Box befinden. Und in dieser die entsprechenden
Buchsen für 25pin D-Sub für SCSI extern, die BNC-Buchse für Ethernet und die
serielle D-Sub-Buchse.
#Seitenende
#C31
Kompatibilität
#C21

Die ersten Versuche waren äußerst zufriedenstellend. Zuerst fiel einem das
schnellere Booten des Rechners auf. Trotz (noch-) 16bit-SCSI-Interface
in meinem 4000er und AT-Bus-Bootplatte, sind alle Plattenzugriffe ebenso
beschleunigt wie der Diskettenzugriff oder der Bildschirmaufbau. Zwar kann
natürlich das Chip-Ram nicht beschleunigt werden. Aber da der Prozessor die
Custom-Chips schneller "versorgen" kann, kommt hier automatisch die
schnellere Rechengeschwindigkeit des 40Mhz-040ers zum tragen. Selbst gegenüber
eines 040/25 steigert sich das Tempo nicht nur wegen der höheren Taktung,
sondern auch wegen des schnelleren Ramzugriffs. Deshalb empfiehlt sich alleine
schon deswegen das Umstecken des Motherboard-Rams auf das Ram-Modul der
Cyberstorm. Denn nur dort wird der sogenannte Burst-Mode (ein schnellerer
Ramzugriff) möglich. Auf der Mutterplatine ist das bisher nicht ermöglicht
worden. Verwendung höher getakteter Rams, wie zum Beispiel 60ns-Typen, was in
anderen Rechnern oder Turbokarten Gewinne bringt, hat in der Cyberstorm
nicht viel Wirkung, da vom Layout her die Rams vom Prozessortakt in ihrem
Datendurchsatz abgekoppelt werden.

Die Ramtaktung erfolgt mit 25 MHz Motherboard-Takt, so daß man kaum Kompatibi-
litätsprobleme befürchten muß. Vorallem bei DMA-Zugriff, der dann immer zu
Problemen führt, wenn man mit sogenannten "lokalen Speicherdesigns" arbeitet.
Also wenn der Takt erhöht wird, aber ein DMA-Design einer Karte nicht mit
diesem klarkommt. Sehr viel Effizienz läßt sich alleine per Burstmode
erreichen. Und das Cache-Modul wird ein übriges tun, die Performance weiter
zu steigern.

Somit konnten keinerlei Probleme mit Zusatzhardware festgestellt werden.
Sowohl die Grafikkarte Retina Z3, als auch ein VLab-Digitizer, oder Harddisk-
Interfaces wie das Zorro-II-Interface von GVP mitsamt 16bit-Ramerweiterung
verrichteten anstandslos, aber wesentlich flotter ihre Arbeit. Lediglich
DPaint IV meldete beim Laden eines größeren Bildformates unerwartet einen
Ram-Fragmentierungsfehler. Dies liegt aber wohl weniger an der Turbokarte,
als an DPaint selbst, das ja bekanntermaßen lediglich Chipram verwendet...
Weitere Tests werden hoffentlich Aufklärung bringen.

Bis auf das original Commodore "IconMaster" lief jede Systemsoftware, die
zuvor unter 030er-Betrieb verwendet wurde. Alle größeren Applikationen
wurden inzwischen auch mit der FPU-Unterstützung getestet und arbeiten
ohne Probleme. Lha- oder DMS-Packvorgänge laufen rasend schnell ab. Vor allem,
wenn man den Pack- oder Entpackvorgang über's Ram abwickelt. Auch die
Workbench-Emulation der Retina bekommt selbst ohne Blitter-Aktivierung
merklich mehr Speed, das EGS-Grafiksystem wird noch flotter. Und auch
Bildverarbeitungen wie ADPro rasen auf einmal bei Funktionen, wo man getrost
schnell mal eine Coke aus dem Kühlschrank holen konnte, wenn man ein JPEG-
Bild laden, oder eine Riesenbitmap skalieren wollte. Alles in allem: Sieht
gut aus und funktioniert. Was will man mehr?!

Sicherlich sollte man auch sich nicht allzu große Hoffnungen machen, daß
die an sich so beliebten und gerne gesammelten Demos weiterhin problemlos
laufen. Was sich schon beim Umstieg von 68000 auf 020 oder 030 andeutete,
wird hier eine Fortsetzung erleben: Außer spezielle 040er-Demos werden so
manche hardwarenahen Programme dieser Gattung nicht mehr laufen. Hier ist es
entweder an der Zeit für den echten Demo-Freak, sich einen Zweitrechner
anzuschaffen, oder darauf zu verzichten. Schließlich muß man sich darüber im
Klaren sein, daß eine Turbokarte dieser Güte für andere Dinge als "Demos
ablaufen lassen" konstruiert wurde. Wenngleich es natürlich eine
abenteuerliche und demnach auch reizvolle Vorstellung wäre, sich Demos auf der
Basis eines echten 040er- oder gar 060er-Codes auszumalen...

Sobald die 060er-Variante auf den Markt erscheint, geht dieser Testbericht
in die zweite Runde und an's Eingemachte. Denn dann wird sich die Spreu der
zu systemnahen Programme vom Weizen der echten Profi-Applikationen trennen
müssen. Und übrig bleibt ein absolut professionelles HighEnd-System, das
einen Pentium-PC sicherlich nicht zu fürchten bräuchte. Und das allenfalls
durch RISC-Technologie übertroffen werden könnte. Aber keinesfalls in der
umfassenden Software-Unterstützung, die einem RISC-Rechner noch immer nicht
in adäquater Weise zuteil wurde. Ein nicht zu unterschätzendes Argument für
Motorolas 68xxx-Reihe!

Sobald die 060er-Version zum Test vorliegt, wird auch eine "Blacklist" der
unter 040 und dann unter 060 nicht lauffähigen Programme erstellt werden.
#Seitenende
#C31
Ergänzungen zum 040-Test
#C21

Nach einigen Wochen Testlauf konnten einige Inkompatibilitäten festgestellt
werden, die aber im Großen und Ganzen erwartet wurden. In erster Linie
betrifft dies Szene-Demos und vermutlich Spiele. Somit gilt das oben erwähnte
Zweitgerät als notwendig, wenn man keinen Einschränkungen unterliegen möchte.
Es sollte jedoch noch einmal darauf hingewiesen werden, daß eine derart
komplexe und die Performance steigernde Hardware wie die Cyberstorm in den
wenigsten Fällen angeschafft wird, um Demos oder Spiele zu beschleunigen.
Alles klar?!

Schwierigkeiten bereitete nach Einbau der Cyberstorm 040 das CrossDos-System.
Zwar ließen sich Disketten von PCs einwandfrei nach Einlegen lesen und auch
beschreiben. Aber nach Entfernen der Disk aus dem Laufwerk, um sie beispiels-
weise gegen eine mit Amigaformat zu ersetzen, hängt sich der Rechner reprodu-
zierbar auf. Ob es nun an der besonderen Konfiguration mit Retina BLT-Z3 und
Vlab Y/C liegt, oder an anderen Gegebenheiten, konnte noch nicht geklärt
werden. Es wurde zudem festgestellt, daß sich der gleiche Effekte einstellt,
wenn man ein Tape des DAT-Streamers wechseln möchte. Nach korrektem Auswurf
des Bandes geht ebenfalls nichts mehr. Bei normalen AmigaDOS-Disketten oder
CD-Roms passiert nichts.

Zu verschmerzen war ferner, daß das Programm "ProTracker" nicht mehr lief.

Mehr durch Zufall wurden die eben beschriebenen Probleme beseitigt. In der
zuvor erstellten Konfiguration befand sich auf der Cyberstorm ein 16 MB-Simm,
aber auch auf dem Motherboard 4 Simms mit je 4 MB. Ich entschloß mich, diese
Simms auf die Cyberstorm umzustecken. Die Steckplätze des Motherboards (bis
auf das 2 MB-Simm für das Chip-Ram) können normalerweise leer bleiben. Ich
steckte trotzdem (zur Sicherheit ?!) die ursprünglich gelieferten 2 Simms
mit je 1 MB, die zur Standard-Ausrüstung eines A4000 gehören, auf das Mother-
board. Das Cyberstorm-Rammodul nahm nun 3 Simms mit je 4 MB auf, sodaß nun
ein Burstmode-fähiges Ram von insgesamt 28 MB der Cyberstorm zur Verfügung
steht. Bereits durch diese Maßnahme kann man eine weitere Geschwindigkeits-
steigerung erzielen.

Nach Umbau funktionierte CrossDos und auch der Tape-Wechsel beim Streamer
wieder einwandfrei. Und "ProTracker" lief zu allem Überfluß auch wieder.

Weitere Tests werden folgen.




#C10
Erfahrungsbericht 1.1                                          Update 5.12.94
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Richard Diezmann, Postfach 110 210, 93015 Regensburg -Tel.0941/49542 ab 19 Uhr
