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Yucatán, die Halbinsel im Golf Manches könnte zu dem Schluß verleiten, daß der Reisende, so er Yucatán betritt, Mexiko verlassen hat. Die Bewohner der Halbinsel haben ein ausgeprägtes Sonderbewußtsein, sehen sich weniger als Mexikaner denn als Yucatecos und fühlen sich mehr der Karibikküste als dem Golf zugehörig. Yucatán, einst eine nicht zu Mexiko gehörende Kolonie, brauchte sehr lange, bis es sich bereit erklärte, Mexico City als Ort der politischen Entscheidungen anzuerkennen. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts kam es jedoch zu einem Aufstand der Maya gegen die Kolonialherren; erst angesichts der drohenden Niederlage wandte sich die spanisch sprechende Bevölkerung um militärische Hilfe an die Zentralregierung – der Preis hierfür war die Aufgabe der Souveränität. Die Hauptstadt Yucatáns war (und ist) Mérida. Gegründet wurde sie im Jahre 1542 auf und mit den Trümmern eines von den Spaniern zerstörten Maya-Dorfes. Ringsum die neue Stadt sahen die Eroberer alte Tempel der Indianer, was Assoziationen hervorrief: Daheim in der spanischen Provinz Estremadura lag die mit römischen Ruinen durchsetzte Stadt Mérida, die so zur Namenspatin für die Neugründung wurde. Die Böden Yucatáns erwiesen sich als tauglich für den Sisal-Anbau; der Export dieser Faser verschaffte Mérida erheblichen Wohlstand, der sich noch heute im Weichbild der 600.000-Einwohner- Stadt kenntlich macht. Mérida hat kolonialen Charme, die Stadt wird wegen der weißen Farbe sowohl ihrer Gebäude als auch der traditionellen Tracht ihrer Einwohner “Ciudad Blanca“ genannt. Heutzutage ist sie – trotz Sommerschwüle und Smog – ein lohnendes Reiseziel, nicht zuletzt als Ausgangspunkt für eine archäologische Tour ins Reich der Maya. |
Die Anlage Méridas ist planvoll: Die Straßen bilden ein Schachbrett und sind numeriert. Der
Reisende kann durchaus auf die Mitnahme eines Kompasses verzichten; alle Calles mit
ungerader Nummer verlaufen von West nach Ost, alle geraden von Nord nach Süd. Die Kathedrale der Stadt, östlich der Plaza Major gelegen, ist von ihrer Architektur her nicht unbedingt aufregend, birgt in ihrem Inneren jedoch zwei interessante Kunstwerke. Über einem Tor ist die Kapitulation des Maya-Herrschers Titul Xiú dargestellt; links des Hauptaltars, in der Kapelle des “Christus der Brandblasen“, findet sich eine indianische Schnitzerei die seit langem zum Ziel von Wallfahrten geworden ist. Der Mythos sagt, daß sie aus dem Holz eines Baumes hergestellt sei, der sich selbst entzündet und anschließend drei Tage gebrannt hat, ohne sich zu verzehren. Am Südende der Plaza Major befindet sich die Casa de Montejo, zur Mitte des 16.Jahrhundert als Residenz vom gleichnamigen Konquistador erbaut. Schon das Äußere beeindruckt durch seine architektonischen Details; das prachtvoll verzierte Portal allein lohnt das Verweilen und Fotografieren. Im Erdgeschoß befindet sich nun eine Bank, andere Räume jedoch sind, mit – mehr oder weniger – authentischem Mobilar ausgestattet, zu besichtigen. Wenn man die östlich an der Kathedrale vorbeiführende Calle 58 nach Norden geht, gelangt man zum Archäologischen Museum - für alle an der Kunst der Maya Interessierten ein Muß. Südöstlich der Plaza Major liegt der Mercado Municipal – auf diesem Markt erfährt der staunende Besucher, was sich alles Schönes aus Sisal herstellen läßt, nebenbei hat er noch Gelegenheit, sich eine landestypische Hängematte oder ein Trachtenstück als Souvenir mitzunehmen. Etwa 50 Kilometer südlich von Mérida liegt die Ruinenstadt Mayapán. Gegründet um 1.000, beherrschte sie für lange Zeit den Norden |
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Yucatáns, zunächst im Dreierverbund mit Chichén Itzá und Uxmal, in den letzten 200 Jahren ihres
Bestehens alleine. Um 1450 fiel Mayapán unter dem Ansturm benachbarter Stämme – mit dem Verlust
des Machtzentrums endeten auch die glorreichen Tage der Maya. Einerseits ist das, was die Archäologen
seit 1950 ans Tageslicht gehoben haben, beeindruckend: Man fand mehr als 3.500 Gebäude verteilt über knapp
sieben Quadratkilometer, zu ihrer Glanzzeit lebten rund 12.000 Menschen innerhalb der mächtigen
Mauern Mayapáns. Andererseits ist die versunkene Stadt von der Schönheit ihrer Architektur den meisten ihrer näheren und ferneren Nachbarinnen deutlich unterlegen. Was dennoch den Besuch Mayapáns lohnt, ist die romantische Aura des Vergangenen, der über den einsamen, von Touristen selten besuchten, vom Buschwald fast schon wieder überwachsenen Ruinen liegt. Dzibilchaltún, 15 Kilometer nördlich von Meridá gelegen, ist eine Ausgrabungsstätte besonderer Art - immerhin bietet sie ein archäologisches Objekt, in dem man baden kann, für hitzegestreßte Kultururlauber ein wahres Labsal. Die Ursprünge der Mayastadt reichen sehr weit zurück; Spatenforscher vermuten eine Gründung um 1500 v. Chr., gesichert ist eine Besiedlung zur Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends. Zerstört wurde Dzibilchaltún, der “Ort der flachen Zeichensteine“, durch die spanischen Eroberer. Zu ihrer Blütezeit erstreckte sich die Stadt über rund 50 Quadratkilometer, zählte mehr als 8.000 Gebäude und beherbergte gut 40.000 Menschen. In Verzückung sind die Archäologen angesichts des Templo de las Siete Muñecas (Tempel der sieben Puppen) gelangt – in erster Linie deshalb, weil er, anders als alle anderen Maya-Tempel, quadratisch ist und Fenster hat. Ob der Besucher diese Verzückung teilt, bleibt ihm selbst überlassen – gar so faszinierend mutet das Gebäude eigentlich nicht an. Jedoch gibt es eine Stätte, die sowohl |
Altertumsforscher als auch Reisende erfreut: Die Cenote Xlacah (“Alte Stadt“). Unter diesem
Namen kennt man das fast 30 Meter durchmessende und rund 45 Meter tiefe Wasserloch,
das einst die Stadt mit Trinkbarem versorgte und nebenher eine kultische Opferstätte war.
Mehr als 30.000 Artefakte konnten bisher von taucherbebrillten Archäologen ans Tageslicht
gehoben werden. Der Reisende nehme dies mit der gebotenen Ehrfurcht zur Kenntnis,
entledige sich daraufhin seiner Oberbekleidung und wage den Sprung ins erfrischende Naß.
Wieder abgetrocknet, kann er noch der Kapelle, welche die Spanier am Ende des 16.
Jahrhunderts auf und mit den Trümmern der eroberten Stadt erbauten, einen Besuch
abstatten, bevor er sich schließlich dem kleinen Museum nähert, in dem er unter anderem
die sieben Puppen des Tempels bewundern kann. Diese weisen allerlei sichtbare körperliche
Gebrechen auf, es ist zu vermuten, daß sie im Mittelpunkt eines Heilkultes standen. Izamal (45.000 Einwohner, knapp 30 Kilometer östlich von Meridá) war zu Maya-Zeiten ein vielbesuchtes Wallfahrtszentrum, gleich zwölf Kultpyramiden hatte die Stadt aufzuweisen. Die christlichen Eroberer verhielten sich gegenüber den “heidnischen“ Heiligtümern so, wie sich christliche Eroberer immer und überall gegenüber “heidnischen“ Heiligtümern verhielten: Was zerstört werden konnte, wurde zerstört, was zur christlichen Kirche umgebaut werden konnte, wurde zur christlichen Kirche umgebaut. Das beeindruckende Franziskanerkloster Convento de San Antonio de Padua mit seinem riesigen Atrium hat sich sein Baumaterial und sein Fundament von der Popul-Chac-Pyramide entlehnt, die Anlage ist eine Besichtigung wert. Zehn andere Pyramiden sind mittlerweile zu wenig beeindruckenden Geröllhaufen verkommen, einzig die dem Kinich-Kakmó geweihte bietet noch einen Abglanz einstiger Herrlichkeit und einen faszinierenden Ausblick auf die Stadt. Chichén Itzá, gut 100 Kilometer östlich von Meridá an der Straße nach Cancún gelegen, ist die wichtigste Ausgrabungsstätte Yucatáns und nicht nur das: Chichén Itzá ist der Welt so wichtig, daß es die Unesco |
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zum Kulturerbe der Menschheit erklärt hat. Ursprünglich hatte die
im 5. Jahrhundert gegründete Stadt vor allem kultische Bedeutung, erst im 11. Jahrhundert
gelang es ihr, sich zur politischen Hegemonialmacht aufzuschwingen. Jedoch fand diese
Herrlichkeit ein frühes Ende, zur Mitte des 13. Jahrhunderts war Chichén Itzá schon
Ruinenstadt, der Kult aber blieb. Seit gut 150 Jahren haben sich Archäologen verschiedener Herkunft und Ausrichtung der mächtigen Ruinen angenommen, jedoch bleibt noch viel zu tun: Drei Viertel der großen Stadt harren noch der Entdeckung und Restaurierung. Chichén Itzá ist überreich an Sehenswürdigkeiten, man tut gut daran, sie nicht unter Zeitdruck “abzuhaken“, sondern sich gerade dem vielsagenden Detail in Muße hinzugeben – hier kann einen durchaus der alte indianische Geist anwehen. Zentrum der Anlage ist die mächtige Pyramide des Kukulkán, auch “El Castillo“ genannt. Zunächst wirkt der 30 Meter hohe Bau durch seine schlichte Schönheit, darüberhinaus ist er jedoch steingewordene Religion: Die 365 Stufen etwa zählen das Sonnenjahr, in den neun Terrassen sind die neun Himmel gewiesen, in den vier Seiten die Himmelsrichtungen. Die faszinierendste Entdeckung jedoch machte vor gut 25 Jahren ein findiger Archäologe: Zweimal im Jahr, exakt zu den Tag-Nachtgleichen fallen die Schatten der neun Terrassen so auf die Nordwestmauer der Treppe, daß sich der Eindruck einer von der Tempelspitze herabkriechenden Schlange ergibt. Mittlerweile überträgt das mexikanische Fernsehen am 21.3. und 21.9. live; an allen anderen Abenden des Jahres wird das Schauspiel vor Ort mittels starker Lampen künstlich inszeniert. Etwas nordwestlich der Pyramide liegt, umgeben von Tempeln, der Ballspielplatz, der besterhaltene seiner Art in Mittelamerika. Gleichfalls eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges ist der Templo de los Guerreros (Kriegertempel) östlich der Pyramide. Wiewohl die Dächer der Tempelhallen mittlerweile eingestürzt sind, bieten die sechzig mit Flachreliefs |
verzierten Pfeiler der Phantasie noch genügend Stoff.
Dargestellt sind Krieger und Würdenträger. Von der Pyramide aus führt eine Prozessionsstraße
vorbei am Grab des Chac-Mool zum Cenote de los Sacrificios. Dieser 60 Meter
durchmessende und über 80 Meter tiefe Brunnensee hatte seinen profanen Zweck darin, die
Stadt mit Wasser zu versorgen. Da den Indianern das Wasser jedoch eine göttliche Gabe war, war der Cenote auch Kultstätte. Die meisten der mittlerweile geborgenen, aus den edelsten Materialien gefertigten Opfergegenstände sind in US-amerikanische Museen gelangt; die gefundenen Menschenskelette sind übrigens fast ausschließlich solche von Männern. Wenn Ihnen also ein Führer romantische Märchen von wunderzauberschönen Jungfrauen erzählt, so tut er dies wohl des klingenden Trinkgelds wegen. Es ist nicht ganz leicht zu sagen, wo der Ursprung Cancúns liegt. Zwei Möglichkeiten bieten sich an: Entweder nimmt man das kleine, kaum 100 Seelen zählende Fischerdorf, das Cancún vor 1970 war – oder aber den Arbeitsspeicher eines frühen Computers. In letzteren nämlich warfen die mexikanischen Tourismusexperten vor 30 Jahren die Daten des Landes und die Bedürfnisse der Gringo-Touristen. Daraufhin spuckte der Rechner als idealen Ort für die neue holiday boomtown eben jenes obengenannte verschlafene Fischernest aus. Dieser Tage bietet Cancún dem Besucher einiges: Eine perfekte touristische Infrastruktur, interessante Anschauungsmöglichkeiten in Sachen postmoderner Großarchitektur, Unterhaltung rund um die Uhr und traumhafte weißsandige Strände. Wer jedoch mexikanische Ursprünglichkeit, Ruhe oder günstige Preise sucht, wird den Trubel Cancúns bald hinter sich lassen. Das Leben der Retortenstadt tummelt sich auf einer per Damm mit dem Festland verbundenen Insel; wenn Sie Glück haben, werden Sie inmitten der vielen rosafarbenen Hotels sogar das kleine archäologische Museum entdecken. Die wenige Kilometer vor Cancún liegende Isla Mujeres steht momentan auf der Kippe: Bleibt sie das, was sie lange war, nämlich ein bezauberndes, mit traumhaften Stränden ausgestattetes karibisches |
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Inselchen – oder teilt sie in Sachen “action“ und Überteuerung das Schicksal Cancúns? Im Moment
sind beide Prinzipien auf dem acht Kilometer langen
Eiland vertreten. Der Besucher kann sich an einigen Maya-Ruinen freuen und, sofern er
tauchausgerüstet ist, eine faszinierende Unterwasserwelt genießen: Sowohl die Korallenriffe
als auch so manches versunkene Schiff können entdeckt werden. Weniger anzuraten ist es
jedoch, zu überprüfen, ob die Haie in den “Höhlen der schlafenden Haie“ wirklich schlafen.
Zwar geht man davon aus, daß der niedrige Sauerstoffgehalt des Wassers die Tiere müde
mache, jedoch, wer weiß... Der rund 500 Quadratkilometer großen, südlich von Cancún gelegenen Insel Cozumel fehlt wenig zum karibischen Traum. Fast alles stimmt – wäre da nicht das kleine Badeproblem: Wo die Küste steil abfällt, fällt sie steil ab; wo sie feine Sandstrände hat, herrscht häufig eine gar zu heftige Brandung. Für alle Tauchfreunde jedoch ist Cozumel spätestens seit Jacques Cousteaus berühmten Unterwasserexpeditionen ein Begriff. Schon zu Maya-Zeiten war die Insel vielbesucht, sie diente als kultisches Zentrum. Die archäologischen Stätten sind zwar bisher kaum erschlossen, immerhin läßt sich so noch die Romantik der von dichtem Buschwald überwachsenen Ruinen genießen. Interessant und verhältnismäßig gut zugänglich ist der bei San Gervasio gelegene Ix-chel- Tempel; Sie erreichen ihn, indem Sie die an dem an der Westküste gelegenen Hauptort San Miguel de Cozumel beginnende Carretera Transversal in Richtung Inselinneres nehmen und dann links abbiegen. Wenn man von Cancún die Küstenstraße in südlicher Richtung fährt, erreicht man nach ungefähr 120 Kilometern die kurz vor Tulum gelegene Lagune Xel-há. Wenn Sie diesen Abstecher während der Hauptsaison unternehmen, kann es allerdings vorkommen, daß Sie die Lagune vor lauter Reisebussen nicht sehen. Xelhá ist ein äußerst beliebtes Ausflugsziel, es locken sowohl die exotische Flora und Fauna als auch die zum Teil nur |
auf dem Wasserwege zu erreichenden Kultstätten der Maya. Interessierte können sich
Taucherausrüstungen entleihen, allerdings ist diese Vergnügung – ebenso wie Speis und
Trank im Naturpark – nicht gerade billig. In Tulum erwartet den Besucher eine Mayastätte, die ihresgleichen nicht hat. Zwar können sich die erhaltenen Bauten in Sachen Größe und Schönheit nicht mit denen anderer Städte messen – was Tulum jedoch zur Sehenswürdigkeit ersten Ranges erhebt, ist seine bezaubernde Lage: Die Ruinen liegen malerisch, vom karibischen Meer und exotischem Wald umgeben auf einem Küstenfelsen, allein dieses Panorama lohnt den Ausflug. Die Maya stehen nicht gerade im Ruf, eine Seefahrernation gewesen zu sein, deshalb nimmt die Anlage einer ummauerten Meeresfeste etwas wunder. Es ist jedoch zu vermuten, daß Tulum weniger strategischen denn kultischen Zwecken diente. Das Hauptgebäude, Castillo genannt, weist eine Steinfigur auf, die den “niederfahrenden Gott“ zeigt, dessen Bilder sich übrigens auch an und in vielen anderen Gebäuden der Ruinenstätte finden. Auf dem vor dem Castillo liegenden Altarstein wurden vermutlich Menschen geopfert. Wesentlich interessanter noch als das Castillo ist der etwas westlich landeinwärts von ihm gelegene Templo de los Frescos (Tempel der Fresken). Dieses Gebäude, das auf die Mitte des 15. Jahrhunderts zurückgeht, ist im Inneren mit Stuckreliefs und Fresken geschmückt, es ergibt sich so ein äußerst phantasieanregendes Bild des indianischen “Olymp“. Es muß ein faszinierendes Erlebnis für den Archäologen sein, wenn er mitten im Dschungel plötzlich auf die mächtigen Reste einer längst untergegangenen und mittlerweile von tropischen Pflanzen überwachsenen Stadt stößt. Den Ruhm, die alte Mayastadt Cobá entdeckt zu haben, heimste 1891 der Österreicher Theobert Maler ein. Glücklicherweise haben seitdem hier nicht - wie in so mancher anderen Mayastadt – die Restauratoren “ganze Arbeit“ geleistet: Cobá bietet noch bis zum heutigen Tag viel von dem Buschwaldruinencharme, den es zur Zeit seiner Entdeckung gehabt haben mag. |
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Etwa 50 Kilometer nordwestlich von Tulum, an der Straße nach Cedral, liegen die Reste
dieser großen, mächtigen und alten Maya-Stadt. Der Niedergang Cobás setzte bereits lange
vor Ankunft der Spanier ein, sodaß es dem schon halb versunkenen Ort erspart blieb, von
den Europäern erobert zu werden. Noch ist nur ein geringer Teil der über 70
Quadratkilometer großen Stadt ausgegraben, zudem liegen die Gebäudegruppen zum Teil
erheblich voneinander entfernt – der Reisende sollte sich bei seinem archäologischen
Forschungsgang also durchaus Zeit lassen. Unter den vielen, oft in ihrer Bedeutung noch
nicht hinlänglich interpretierten Gebäuden ragen, schon allein wegen ihrer Größe, die
Pyramiden der Grupo Cobá und der Grupo Nohochmul hervor. Gleichfalls interessant, aber
für Nicht-Mayaologen schwer verständlich sind die Kalendersteine der Grupo Macanxoc.
Wenn man von Tulum aus die Überlandstraße 307 weiter in südlicher Richtung fährt, gelangt
man bald zur Grenze nach Belize. Letzter Stop auf mexikanischer Seite ist die 130.000-
Einwohner-Stadt Chetumal. Zur Zeit der Maya lag hier ein wichtiger Handelshafen, doch auch dieser Tage ist Chetumal noch ein kommerzielles Zentrum: Ein Freihafen sorgt für günstige Preise, sodaß sich an Wochenenden Heerscharen aus dem teuren Belize in die Einkaufszonen der Stadt bewegen. 70 Kilometer östlich von Chetumal liegen, umgeben von tropischem Wald, die Maya-Ruinen von Kohunlich. Ihre Hauptsehenswürdigkeit ist die Pirámide de los Mascarones (Pyramide der Masken). Seinen Namen bekam der Tempel durch die ursprünglich acht, zur Seiten der Haupttreppe aufgestellten und rund drei Meter hohen eindrucksvollen Masken, die jedoch mittlerweile zum Großteil skrupellosen Kunsträubern zur Beute wurden. Etwa 100 Kilometer südlich von Mérida, erreichbar auf den Überlandstraßen 261 und 184, ballen sich die alten Mayastätten. Uxmal heißt zu deutsch “die dreimal Erbaute“ – doch die |
modernen Archäologen sind, wie überall, auch hier schlauer: Man hat mittlerweile gleich fünf
Bebauungsphasen festgestellt. Die erste geht auf das 6. Jahrhundert zurück, jedoch war die Gegend schon zu Beginn des 1. vorchristlichen Jahrtausends bewohnt. Eine der Hauptsehenswürdigkeiten dieser alten Stadt ist die steilwandige, 35 Meter hoch aufragende Pirámide del Adivino (Pyramide des Wahrsagers). Nach der Legende soll sie in nur einer Nacht von einem Zwerg und seiner Hexengroßmutter erbaut worden sein; die akademisch geschulten Archäologen sprechen hingegen von einer rund 300-jährigen Bauzeit, die erst im 10. Jahrhundert ihren Abschluß fand – entscheiden Sie selbst, welche Version Ihnen besser gefällt. Die einst hier angebrachte weltberühmte “Königin von Uxmal“ werden Sie jedoch vergeblich suchen, sie befindet sich heute im Museum von Mexico City. Nordwestlich von der Pyramide liegt das Cuadrángulo de las Monjas – ein “Viereck“ ist es ohne Zweifel, mit “Nonnen“ jedoch hat es, dem Namen zum Trotze, überhaupt nichts zu tun – die Spanier sahen sich bei der Taufe wahrscheinlich an einen Klosterhof erinnert. Der Tempel, dessen Flügel übrigens aus sehr unterschiedlichen Zeiten stammen, trägt eine sogar für mexikanische Verhältnisse fast einzigartige Bauornamentik. Überreich an Themen und Formen bieten die Reliefarbeiten einen faszinierend-fremdartigen Einblick in die kultische Welt der Indianer. Es finden sich Kreuz- wie Mäander-Ornamente; Götter, Menschen, Tiere und Pflanzen sowie Kombinationen aus all diesem. Südlich der Wahrsager- Pyramide liegen der Ballspielplatz und der Palacio del Gobernador – auch hier ging den Spaniern bei der Namensgebung die Phantasie durch: Ein Palast vielleicht, jedoch keinesfalls der eines Gouverneurs. Auch dieser Bau ist überreich an Verzierungen, ein ständig wiederkehrendes Thema ist die Göttliche Schlange. Neuerdings wird jedoch vermutet, daß der “Palast“ eine wesentliche Rolle im Venus-Kult spielte, worauf unter anderem die astronomische Ausrichtung des Eingangs weist. 20 Kilometer südöstlich von Uxmal liegen die Ruinen von Kabah. Hauptsehenswürdigkeit ist der Templo de las Máscaras (Tempel der |
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| Masken), auch Codzpoop genannt. Unter den reichhaltigen Verzierungen stechen besonders die über einem Sims angebrachte Maskenreihen hervor; dargestellt ist immer der Regengott, der sich durch eine spiralförmig eingerollte Nase ausweist - leider sind jedoch die meisten der göttlichen Rüssel abgebrochen. Was ein “falscher Bogen“ ist, läßt sich am Arco de Kabah studieren: Eine Konstruktion, die aus lauter waagerecht gefügten, einander leicht überragenden Bausteinen einen Bogen erzeugt. Einst diente der Arco den Prozessionszügen als Eingang. Die wenige Kilometer südlich von Kabah gelegene Mayastätte Sayil bietet sich in erster Linie für jene Reisenden an, die Wert auf Vollständigkeit legen. An Außergewöhnlichem hat sie wenig aufzuweisen, wiewohl der dreistöckige Palast, dessen leicht pyramidenartige Gestalt dadurch hervorgerufen wird, daß jede Etage etwas kleiner als ihr Unterbau ist, an seiner Westseite ein interessantes, durch die Maske des Regengottes dominiertes Fries trägt. Etwa 15 Kilometer östlich von Sayil liegt Labná, dessen Name zu deutsch soviel wie “zerstörte Häuser“ heißt – dies deutet darauf hin, daß die Stadt zur Spätphase der Mayakultur ihre Blüte schon hinter sich hatte. Die Hauptsehenswürdigkeit Labnás ist sein Triumphbogen (Arco), dessen pittoresk-unruhige Struktur ihn jedoch von seinen Namensvettern im römischen Europa deutlich unterscheidet. Auch hier ist das Gewölbe “falsch“; interessant sind die links und rechts des Durchgangs angebrachten stilisierten Maya-Hütten; die Rückseite weist noch Spuren von Bemalung auf. Vom Arco führt eine Zeremonialstraße in den nördlich gelegenen, durch die Mehrphasigkeit seiner Baugeschichte etwas uneinheitlich wirkenden Palacio. Das interessanteste Detail des Großbaues ist eine an der Südostecke angebrachte Regengottmaske, deren schlangenartiger Mund einen Menschenkopf ausspeit. Östlich des Bogens befindet sich noch die 13 Meter hohe Ruine eines Pyramidentempels, die nunmehr auf den etwas profanen Namen El Mirador – Aussichtsturm – hört. | Eine faszinierende Kombination aus Naturschönheit und archäologischer Sehenswürdigkeit bietet die 20 Kilometer nordöstlich von Labná nahe Oxcutzcab gelegene Tropfsteinhöhle, an deren Eingang ein steinerner, übergroßer Mayakrieger mit Lanze wacht. Das Innere birgt Fresken sowie einen archaisch anmutenden “steinernen Kopf“. Es gibt Städte, deren Namen nicht allzu einladend klingen: Ein “Ort der Schlange und Zecke“ zum Beispiel könnte sich nicht beklagen, wenn die Touristen ausblieben. Glücklicherweise jedoch ist der ungute Ortsname nicht ganz leicht zu erschließen, man müßte das mexikanische Campeche zunächst auf die alten Maya-Wörter Ah Kim Pech zurückführen, erst wenn man diese dann zurückübersetzt, entsteht die oben genannte Anti-Werbung. An der Stelle der heutigen Stadt unterhielten die Maya einen kleinen Handelshafen, an dem 1517 der spanische Conquistador Hernández de Córdoba landete. Bald gründeten die Europäer auf dem eroberten Terrain eine Nachfolgesiedlung, die binnen kurzem zum wichtigsten Hafen der Halbinsel Yucatán wurde. Hafen hieß Handel, Handel hieß Reichtum, Reichtum verhieß Beute: Im 17. und 18. Jahrhundert war die wohlhabende spanische Kolonialstadt Campeche das Objekt vieler Piratenüberfälle. Doch die rührigen und findigen Bewohner wußten sich zu wehren – etwa dadurch, daß sie ihre Stadt umwehrten: Heute fasziniert den Besucher vor allem das trutzige Antlitz des historischen Kerns, dessen rund acht Meter hohe und mit acht Bastionen versehene Stadtmauer beredtes Zeugnis davon ablegt, welchen Gefahren die Kaufmannsschaft in der “guten alten Zeit“ ausgesetzt war. Am besten legen Sie Ihren Spaziergang durch das stimmungsvolle Campeche in die Abendstunden; tagsüber ist die Stadt schwül und stickig. Von allen Bastionen sind die Baluarte de San Carlos im Nordwesten der Stadt (im Innern eine Ausstellung zum Festungswesen) sowie die Baluarte del la Soledad (etwas östlich davon, im Innern eine Ausstellung zur regionalen Geschichte) die interessantesten. Allerdings liegt ohne Frage die Wirkung Campeches weniger in besonders herausragenden baulichen Kostbarkeiten, sondern vielmehr in seiner harmonischen Wirkung als Ensemble, das bis |
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| heute vom Geist der alten Kolonialzeit kündet. Etwa 60 Straßenkilometer südöstlich von Campeche liegt die Maya-Stätte Edzná – zu deutsch das “Haus der Gesichter“. Namensgebend war ein kleiner Tempel im Südwesten der Anlage (Templo de los Mascarones), in dessen Innern sich Stuckdarstellungen des Sonnengottes finden. Die Besiedlung Edznás geht wahrscheinlich auf die Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends zurück. Der beeindruckendste Tempel Edznás ist das “Gebäude der fünf Stockwerke“ (Pirámide de los Cinco Pisos). Die unteren vier | Etagen wurden wahrscheinlich von Priestern bewohnt, während der eigentliche Kultdienst im obersten Stockwerk stattfand. Unter New Age-Jüngern und Anhängern neo-indianischer Religionen genießen die “fünf Stockwerke“ im wahrsten Sinne des Wortes “Kultstatus“: Nirgendwo, so heißt es, werden einem solch tiefe Offenbarungen zuteil wie hier. Etwas profaner Ausgerichtete jedoch führen diese “Erleuchtungen“ darauf zurück, daß die Meditations-Freunde das steile, häufig in knallender Sonne und drückender Schwüle liegende Treppenwerk zur Tempelspitze wohl etwas zu hastig genommen haben. |