Kleistogamie (Selbstbefruchtung in der geschlossenen Blüte):
Durch K. kommt es ohne Öffnen der Blüte
zur Bestäubung, Befruchtung und zu keimfähigen Samen. Bei den Kakteen ist diese Erscheinung
von den Fraileen bekannt. Dabei können jedoch neben diesen kleistogamen Blüten auch andere
auftreten, die sich voll öffnen (chasmogame Blüten). Diese Blüten setzen jedoch keinen Samen an,
wenn nicht durch künstliche Bestäubung entsprechend nachgeholfen wird. Die verbreitete Meinung,
daß sich Frailea- Blüten nur bei voller Sonne öffnen, während sie sonst ihren kleistogamen
Charakter offenbaren, ist nach Beobachtungen von SIMON nicht gerechtfertigt. Danach bringen sehr
kleine Pflanzen zahlreicher Arten (grahliana, schilinzkyana ) immer nur kleistogame Blüten. Erst
bei älteren Pflanzen mit vielen Seitensprossen entwickeln sich auch Knospen, die offen erblühen.
Sie können hier auch an kleinsten Kindeln entstehen. Bei Unterbrechung des guten Kulturzustandes,
etwa durch Umpflanzen oder durch Witterungseinflüsse, bilden ältere Pflanzen jedoch nur
kleistogame Blüten. Finden die Pflanzen gute Bedingungen vor, so können sich die Blüten an sonnenarmen
Tagen voll öffnen. Dabei kann festgestellt werden, daß die Entscheidung, ob K. vorliegt oder
voll öffnende Blüten entstehen, bereits während der Differenzierung der Blüte fällt, also nicht
von den Witterungsbe- dingungen am Tage des Erblühens abhängt.
Im Falle der K. verdicken sich die
Knospen an der Basis frühzeitig, während die anderen Knospen, die später voll aufblühen,
schlankeiförmig weiterwachsen.
Knospenbildung:
Bei vielen Kakteen ist die K. sehr von Temperatur und Belichtungsdauer abhängig.
Bei Mammillaria zeilmanniana z.B. sind dazu niedrige Temperaturen von 9 - 15ºC nötig, bei
20ºC reagiert die Art nur negativ und blüht nicht, oder nur schwach. 9 - 13ºC im Kurztag
veranlaßt wesentlich stärkeres Blühen als im Langtag. Bei einer Temperatur von 15 - 18ºC erfolgt
die Blühreaktion nur noch im Kurztag und braucht 70 Tage bis zur Blüte. Wenn nach niedrigen
Temperaturen höhere von ca. 20ºC gegeben werden, ist die Langtagsbelichtung günstiger als die
kurze. Optimal ist, wenn auf 9 - 13ºC im Kurztag anschließend ca. 20ºC im Langtag folgen,
danach brauchen die Pflanzen nur etwa 35 Tage von Beginn der Langtagsperiode bis zum Aufblühen.
8 - 12ºC sind besonders günstig. Bei geringer Lichtintensität ist eine Vorbehandlung länger
als 70 Tage nötig.
Kurztage: 8-12 Lichtstunden
Langtage: 13-16 Lichtstunden
Das Abwerfen der Knospen, oder ganzer Pflanzenteile, kann durch Platzwechsel und Veränderung
der Richtung zum Licht verursacht werden. Eine weitere Ursache kann erhöhte Lufttrockenheit
zu Beginn der winterlichen Heizperiode sein.
Es kommt auch vor, daß die Pflanzen selbst in den natürlichen heimatlichen Verhältnissen
allzu reichlich Knospen ansetzen, mehr als sie Blüten ausbilden könnten, und den Überschuß dann abwerfen.