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Django braucht keinen Fernseher ....
Willkommen zum heutigen Zwischenruf. Meckern macht Spaß .... besonders wenn man's selbst nicht besser machen kann. Aus diesem Grunde meckere ich heute mal über ein sehr alltägliches Problem: Der verdorbene Fernsehabend .... und ich Beweise, daß ich etwas dagegen tun konnte.
Schuld war mal wieder die Volksmusik. Als verkappter Softrocker bin ich ja schon angetan, wenn Herbert "Gröhli" Gröhnemeier seine "Flugzeuge im Bauch" kreisen läßt. Xavier Naidoo mit "Sie sieht mich nicht" hätte mir auch noch einen tiefen seufzer entrückt. Aber mußten unbedingt die "Wildecker Herzbuben" Ihren festlichen Abend mit dem meinigen kreuzen!?
Da die Couch zu Beginn des Abendprogramms einer meiner bevorzugten Plätze im 30qm-Appartment ist und die Fernbedienung (aufgrund einer ausgeprägten Kurzsichtigkeit) in unerreichbarer (bzw. unsichtbarer) Entfernung ihr Dasein fristet muß ich das wohl oder übel ertragen ....
Der Frust sitzt aber tief und deshalb machen wir am Besten erst mal eine Flasche vom mittlerweile bekannten Frankenwein auf; vielleicht läßt es sich danach etwas leichter schmachten.
Aber nach dem zweiten Glas ist Schluß ... ich raffe mich auf und mach Nägel mit Köpfen: Glotze aus !! "Ihr habt es geschafft, ich kapituliere" denk' ich mir noch so beim ausschalten. Doch kein entrinnen ... mein Nachbar hat seine Stereoanlage an den Fernseher angeschlossen und quält mich erbarmungslos mit "Herzilein" in Dolby Souround.
Ich "greif" zur Flasche und will mir das dritte Glas einschenken. Plötzlich überkommt mich ein teuflischer Plan .... meinen Nachbarn konnte ich noch nie leiden. Und wozu braucht ein 68-jähriger Dolby Souround? Der hört ja oft noch nicht mal seinen Dreiklang-Gong der Türklingel.
Mein Blick schweift durch die kleine Wohnung. Wie ein Neandertaler suche ich nach einem virtuellen Knochen, mit welchem ich meine Territorial- Ansprüche gegenüber meinem Nachbar und seiner "Herzbuben-Armee" geltend machen kann. Mein Blick bleibt an einem kleinen elektronischen Gerät, welches starke Ähnlichkeiten mit einem Brotkasten hat kleben.
Mein A 1200 - Desktop mit Blizzard PPC-Board und einigen anderen Spielereien strahlt mich heroisch an. Meine Freundin, meine letzte Rettung ... noch nie erschien mir Ihr beiges Kleid so hübsch.
Netzteil, Monitor und Modem an ... ein sanftes aber teuflisches Surren durchströmt den Raum und signalisiert mir, dass meine Armee zum Gegenangriff bläst.
Eilig ziehe ich mir aus dem Aminet ein mir bereits bekanntes, absolut ätzendes MP3-File. Viel Trash, viel Hardcore-Techno ... aber ein Held muß eben auch leiden können. Und provozieren hat man mich noch nie dürfen.
Mittlerweile bin ich beim vierten und letzten Glas angekommen ... die Flasche ist leer. Mein Nachbar ist zwischenzeitlich auf Patrick Lindner umgestiegen ... damit macht er den größten fehler seines Lebens. Er fordert mich heraus. Das macht der Schlawiner bestimmt mit Absicht!!
AmigaAMP ist zwischenzeitlich geladen, meine Stereoanlage (auch Dolby Surround) ist angestöpselt. Schweißgebadet und mit zitternder rechter Hand versuche ich den Mauspfeil auf das Play-Zeichen von AMP auszurichten .... der Zeigefinger drückt die linke Maustaste zum Abschuß und .... verdammt daneben. Stefanie Härtels Stimme fliegt mittlerweile im Kamikaze-Sturzflug durchs Zimmer. Ich blicke gescheucht auf mein Glas, mit schmerverzerrtem Blick greife ich zu ... ich leere es mit einem Zug und greife wieder zur Maus. Diesmal muß es klappen.
Klick und ..... aus meiner Stereo-Anlage brüllt ein ohrenbetäubender Lärm. Ich perfektioniere die Bässe .... bumm bummm bumm . Welch erlösender Engelsklang.
Nach 5 Minuten ist der Spuk vorbei. Der Song ist aus und ..... ich lausche: Stille. Wie nach einem Atomschlag; richtig gespenstisch. Meine Muskeln entkrampfen sich, mein Gesicht erhellt sich. Sollte ich gesiegt haben? Es scheint wirklich so.
Am nächsten Morgen, ich hatte süße Träume und einen erholsamen Schlaf, treffe ich Opi auf der Treppe. Er schaut mich an und flüstert mir ins Ohr: "Sagen Sie mal Herr Driesner, haben Sie gestern Abend auch dieses eigenartige Geräusch gehört?" Ich schaue ihn erstaunt an ... sollte er etwa keinen Verdacht schöpfen? Oder testet er nur meien Nerven? "Nein Herr X. Welches Geräusch?".
"Sie haben wirklich nichts gehört?". "Nein. Wirklich nicht!!" beteuerte ich und setzte einen skeptischen Blick auf. Opi X - peinlich berührt - entgegnete "Dann stimmt wohl mit meinem neuen Wohnzimmer-Radio etwas nicht." (dieser scheinheilige Hund) "Ich kann's mir nicht anders erklären. Ach dieses neumodische Zeugs. Teuer und bringt doch nichts, stimmt's?" Ich blickte ihn etwas nachsichtig an, lächelte verständnisvoll und sprach nach einer kleinen Pause "Auf Wiedersehen Herr X, ich muß noch in den Keller und eine Flasche Wein'chen holen für heute Abend". Ich drehte mich um und ging die Treppen hinunter.
Ja, ja, Opi hat schon recht; dieses neumodische Zeugs bringt nichts. Der Beweis: Lieber einen sieben Jahre alten Rechner als eine zwei Wochen alte Stereo-Anlage.
Lebt lang und erfolgreich
Ralf Driesner <global.dries@gmx.de>