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Tests und Erfahrungsberichte

1. Softwaretest (Update): WWW-Browser Voyager 3.2 (von Christian Aichinger)

»Einleitung:

Was das Team von Vapor beim letzten Release von Voyager schon versprochen hatte, wurde am 9.4.2000 erfüllt. Die Version 3.1 von Voyager erblickte das Licht der Welt. Da dieses Release alles andere als fehlerfrei war, lag 1 Woche später schon die fehlerbereinigte Version 3.2 auf dem Server von Vapor.

Gut 4 Monate hat die Entwicklung für das neue Release in Anspruch genommen. Ob sich die Arbeit vom Vapor-Team gelohnt hat, möchte ich hier kurz schildern. Ich beziehe mich größtenteils auf meinen letzten Voyager- Bericht, der in der Amiga aktuell 03/2000 nachzulesen ist, und möchte vorallem die neuen Fähigkeiten und Probleme dieses Webbrowsers unter die Lupe nehmen. Da zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes noch keine aktualisierte Anleitung erschienen ist, in der die neuen Funktionen erklärt werden, übernehme ich für die Richtigkeit dieses Berichts natürlich keine Garantie. Voyager wird im weiteren Test teilweise als "V" abgekürzt. Wenn in diesem Bericht die Rede von der Software "Apdf" ist, wird damit normalerweise die neue Version 2.2 von Emmanuel Lesueur gemeint. Das benutzte Testsystem ist ein Amiga1200 mit Blizzard1230/IV, FPU, 64MB Fast- RAM, mehreren GByte Festplatten-Speicher und Standard-Grafik (AGA). Neben den Hacks FBlit3.56, MCP1.33 und noch einigen anderen wurde die Betriebssystem-Version 3.5 verwendet. Die Grundvorraussetzungen an Hardware, Software und User (!) haben sich seit der letzen Version von Voyager nicht geändert, deshalb gehe ich gleich weiter zur...

Installation:

Für diejenigen, die schon die Version 3.1 von V installiert haben, reicht es, das Archiv v3_update_31_32 zu laden und zu installieren. Dieses muß dann allerdings "manuell" geschehen. Dazu wird die Datei "V" in das Voyager-Verzeichnis und die Datei mui/SpeedBar.mcc in das Verzeichnis MUI:Libs/MUI kopiert. Alle anderen sollten die Archive v3_32, vflash_1.2 und das Archiv pophotkey_1715, das einen Fehler im Voreinsteller-Fenster von V behebt, vom Vapor-Server runterladen. Die Archive liegen teilweise als LHA- o. LZX-Datei vor. Entwickler, die an dem überarbeiteten Plugin-API (Application Port Interface) von V interessiert sind, sollten sich zusätzlich das Archiv voyager-sdk besorgen. Diese Datei enthält neben einem Beispiel-Plugin "Zapster" noch den dazugehörigen Quellcode und alle anderen benötigten Entwicklerunterlagen.

Wer das PDF-Plugin installieren möchte, sollte sich die Apdf-Distribution aus dem Server-Unterverzeichnis "VPDF" oder von der Website von Emmanuel Lesueur besorgen. Dazu gehören die Archive Apdf_common.lha, Apdf_fonts.lha und das, für die CPU des Amigas passende, Apdf-Binary-Archiv. Zur Installation von Apdf sollte der Testbericht von Uwe Pannecke gelesen werden. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß während der Installation von APdf auch das PDF-Pluggin für Voyager installiert werden kann.

Nachdem alle Archive geladen und entpackt wurden, kann die eigentliche Installation gestartet werden. Diese erfolgt mit dem Amiga-Installer und ohne weitere Probleme. Auf ältere Versionen und ein eventuell vorhandenes Keyfile von Voyager wird dabei Rücksicht genommen. Ältere Piktogramme werden leider überschrieben.

Das Archiv vflash_1.2 enthält ein V-Plugin zur Darstellung von Flashanimationen. Es wird mit verschiedenen 68k-CPU optimierten Versionen ausgeliefert. Im Archiv befindet sich auch eine Version für PPC-Karten. Allerdings wird nur die PowerUp-Lösung unterstützt. Ob sich diese Version mit der PowerUp-Emulation für WarpUp betreiben läßt, konnte mangels PPC- Karte leider nicht überprüft werden.

Die Installation der Plugins sollte natürlich erst nach der Installation von Voyager erfolgen. Diese geschieht ebenfalls mit dem Amiga-Installer und absolut problemlos. Falls es Abstürze bei der Verwendung des Voreinsteller- Fenster von Voyager geben sollte, muß die Datei pophotkey.mcc noch in das Verzeichnis MUI:libs/MUI kopiert werden. Diese ist in dem Archiv pophotkey_1715.lha enthalten.

Und los geht's:

Die Piktogramme liegen immer noch im leicht angestaubten MagicWB-Format vor. Hoffentlich findet Vapor hier bald einen Künstler, der den ersten Eindruck dieser Software etwas aufpoliert, denn unter OS3.5 sieht dieses Design doch etwas merkwürdig aus.

Screenshot

Was mir weiterhin nicht gefallen hat, ist die fehlende aktualisierte Anleitung. So kann sich der Benutzer erstmal selbst auf "Entdeckungsreise" durch die Menüs und Fenster von Voyager machen und sich die meisten Neuerungen zusammenreimen. Die Mui-Bubble-Help ist dazu recht hilfreich, sie ersetzt aber auf keinen Fall eine Dokumentation.

Der Requester, der beim Start von Voyager auf die fällige Registrierung aufmerksam macht, wurde leicht modifiziert. So wird bei dieser Version vor jedem Start eine kleine Pause von 30 Sekunden gemacht. Nach 30 Tagen (?) wird diese "Nerv"-Pause jeden Tag um eine Sekunde erhöht. Nach der Entfernung meines Keyfiles zu Testzwecken, durfte ich dann erstmal 2 Minuten warten, bevor ich mit dem Browser ins Netz gehen konnte ;-). Während des Starts wird jetzt eine kleine Fortschrittsanzeige eingeblendet, die über den Status der Initialisierung und die zu ladenden Plugins informiert. Nach dem der Browser einsatzbereit ist, läßt sich rein optisch von Neuerung nicht viel erkennen. Die meisten Veränderungen sind interner Natur oder verstecken sich in den Menüs und dem Voreinsteller.

Screenshot

So wird beispielsweise der Patch "FBlit", der auf AGA-Amigas die Grafikausgabe etwas beschleunigt und den Chip-RAM-Bedarf der Workbench herabsetzt, direkt unterstützt. Das spiegelt sich vor allem in einem schnelleren Aufbau des Seiten-Layouts und der Grafiken, als auch in einem geringeren Chip-RAM-Bedarf auf AGA-Amigas wider. Weiterhin wurde die interne Plugin-Schnittstelle überarbeitet, die Tastatur-Kürzel funktionieren jetzt so wie sie es sollten und Turboprint 7 wird, falls installiert, beim Ausdrucken von Webseiten verwendet. Neben diesen Änderungen läßt sich Voyager jetzt auch endlich über jedes Fenster ikonifizieren. Dies war vorher auch nur über das erste geöffnete Browser- Fenster möglich.

Die wahrscheinlich bedeutentste Neuerung in Voyager ist der direkte Support für unterschiedliche Schriftsätze in Webseiten und der TTF-Support (True Type Font).

Screenshot

Falls jemand im Internet auf solch eine Website gestoßen ist, wird er vielleicht bemerkt haben, daß das Layout der Frames, Tabellen etc. etwas durcheinander geriet oder daß die Schrift nicht zu erkennen bzw. nicht vorhanden war. Jetzt hat der Voyager-Benutzer die Möglichkeit, dieses Durcheinander auszumerzen. Allerdings auch nur die Möglichkeit... denn passende Schriftsätze werden nicht mitgeliefert. Woher die wichtigsten Internet-Schriftsätze bezogen werden können habe ich am Ende dieses Dokuments aufgelistet. Matt Sealey hat zur Verwendung von TT-Fonts mit Voyager ein geniales Tutorial geschrieben, daß ich jedem Voyager-User ans Herz legen kann. Mit dieser Anleitung wird die optische Erscheinung und die Kompatibilität von Voyager wesentlich verbessert. So war es mir z.B. vor der korrekten Installation der Schriftsätze nicht möglich, auf der Seite von MetaCrawler (www.metacrawler.com) irgendeinen Text zu lesen.

Wenn TrueType-Fonts verwendet werden sollen, muß die ttf.library installiert sein. Diese ist im Aminet oder in den, am Ende aufgelisteten, Quellen zu finden.

Fehler in der Cache-Verwaltung von Voyager wurden ebenfalls behoben. So wird das Speicherlimit des Disk-Caches jetzt nicht mehr ignoriert und gnadenlos überschritten. Außerdem ist ein sogenannter "Cache-Pruner" hinzugekommen.

Mit dem Cache-Pruner kann der Disk-Cache soweit reduziert werden, daß sich im Cache verbliebene Webseiten noch weitestgehend mit allen Objekten ansehen lassen. Unter Version 3.0.52 lautete die Devise bezüglich der Cache-Löschung noch "Alles oder Nichts" (vorausgesetzt sie hätte funktioniert...).

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Falls es nach der Installation von V Probleme mit bestimmten Webseiten geben sollte, kann es u. U. hilfreich sein, den Diskcache komplett und nicht mit dem Cache-Pruner zu löschen.

Wie vielen leidgeprüften Amiga-Internetsurfern schon öfter aufgefallen ist, sorgen einige Webdesigner dafür, das "ihre" Werke nur mit einem "richtigen" Browser betrachtet werden können. V hat für diesen Zweck eine sogenannte "Spoofing"-Funktion. Diese sorgt dafür das V für solche Seiten als Netscape Navigator oder Internet Explorer getarnt wird. Diese Funktion erhielt ebenfalls ein Update. So lassen sich jetzt 3 verschiedene Browser vortäuschen, die sogar verändert werden können. Wenn der Benutzer will kann er so immer mit der aktuellsten Version von Internet Explorer oder mit der (noch nicht vorhandenen...) Version 9.5 von Netscape Navigator unterwegs sein. Die Webdesigner werden staunen ;-).

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Ob dann diese Webseiten, die normalerweise nicht ohne Grund auf die anderen Browser beharren, auch tatsächlich dargestellt werden können, ist natürlich eine andere Frage.

An der Kompatibilität von JavaScript (JS) wurde ebenfalls gearbeitet. Obwohl ich bis jetzt noch nicht sehr viel über den Grad der Kompatibilitätsteigerung sagen kann, ist mir aufgefallen, daß jetzt "endlich" auf JS basierende Werbebanner eingeblendet werden oder z.B. die Hilfe-Funktion von GMX (www.gmx.net) verwendbar ist. Natürlich ist damit das "JavaScript-Problem" auf dem Amiga noch längst nicht gelöst.

Ein besonderes Bonbon ist sicherlich das neue Plugin VPDF. Dieses sorgt für die Darstellung von PDF-Dokumenten (Portable Document Format) innerhalb einer Webseite. Dieses Plugin stützt sich zum größten Teil auf dem Quellcode von Apdf2.2, verhält sich dementsprechend auch vergleichbar. Für weitere Informationen zu Apdf2.2 lies bitte den, in dieser Ausgabe von Amiga aktuell vorhandenen, Testbericht von Uwe Pannecke. VPDF kann für die Darstellung der Texte dieselben PostScript-Schriften verwenden, die auch Apdf2.2 benutzt. So muß nicht unnötig Festplattenspeicher verschwendet werden und die Darstellungsqualität ist sehr gut. Optionen wie Vergrößerung, Textglättung etc. können über ein Popup-Menü schnell verändert werden. Die Navigation innerhalb einer PDF-Datei erfolgt wie in Apdf, nur dass sich die Benutzeroberfläche, in der von Voyager integriert.

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Die Geschwindigkeit von VPDF auf einem 68030 Prozessor läßt, im Vergleich zum AcrobatReader auf einer Mac-Emulation, noch etwas zu wünschen übrig, ist im Vergleich zu älteren Ports von xpdf, und in Hinblick auf die verwendeten Postscript-Zeichensätze, aber durchaus gut. Die Programm-Module für die Decodierung der PDF-Dateien sind übrigens dieselben, die auch Apdf verwendet. Das heißt weiterhin, daß bei Vorhandensein einer PowerUp-Karte selbstverständlich auch das PowerUp-Modul verwendet werden kann, womit die Frage der Bearbeitungsgeschwindigkeit geklärt wäre ;-). Bei verschlüsselten PDF-Dateien wird ebenfalls das Modul "ApdfDecrypt_xxx.module" (xxx steht für 68k o. PPC) unterstützt, so daß auch diese kein weiteres Problem darstellen. Die Voreinstellungen für VPDF werden bequem über den Plugin- Voreinsteller gehandhabt. Falls es zu Problemen bei der Anzeige von PDF- Dateien kommt, sollte in den Plugin-Einstellungen für VPDF das richtige Modul ausgewählt werden (auf der Testkonfiguration war das die Datei "Apdf_68030fpu.modul").

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Das VPDF-Plugin ist, im Gegensatz zu Voyager, in verschiedenen Sprachen lokalisiert. Dabei handelt es sich um dieselben Sprachen, die auch von Apdf unterstützt werden.

Ebenfalls überarbeitet wurde das VFLASH-Plugin. Dieses ist jetzt endlich dem Beta-Stadium entwachsen. Es unterstützt nun auch die Tonausgabe und einige Animationen, die mit älteren Versionen nicht abspielbar waren. Weiterhin wurde die Abspielgeschwindigkeit verbessert und viele Fehler entfernt. Wird eine Webseite besucht, in der Flashanimationen verwendet werden, lädt das Plugin zuerst die gesamte Animation in den Speicher (bzw. Diskcache) und spielt sie von dort ab.

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Für das Betrachten von Flashanimationen sollte mindestens ein 040-Prozessor und eine Grafikkarte eingesetzt werden, denn unter AGA und 030er ist der Ton und die Bildfrequenz selbst bei geringer Farbanzahl und kleinem Bildformat, sehr stockend.

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Im Voyager-Plugin-Voreinsteller lassen sich verschiedene Einstellungen zur Tonausgabe regeln. So kann zum Beispiel das "audio.device" oder der "AUDIO:"-Treiber von AHI verwendet werden. Diese Einstellungen sollten aber auf keinen Fall während des Abspielens einer Flashanimation geändert werden, denn auf der Testkonfiguration führte dies zum sofortigen Totalabsturz. Und mit "Totalabsturz" sind wir bei der...

Stabilität:

War ich von der Stabilität von V3.1 sehr entäuscht, kann das Update auf 3.2 schon eher überzeugen. Die Absturzgefahr wurde erfreulicherweise im Vergleich zu Vorgängerversionen verringert. So war es mir nicht mehr möglich, V aufgrund der Verlagerung von TearOff-Objekten, zum Absturz zu bewegen. Wo es vorher noch Probleme mit einigen Websites gab (Website geladen und Crash...) verhält sich Voyager jetzt nicht mehr so wackelig. Trotzdem sind Abstürze nicht verschwunden. Mir scheint, daß vor allem die Plugin-Unterstützung noch einige Probleme bereitet. Was mich dabei am meisten ärgert, ist, dass Voyager einen "entschärften" Absturz (also eine Warnung des Betriebssystem, dass der Task angehalten wurde) nicht zu kennen scheint. Wenn V abstürzt, dann meist richtig. So sollten wichtige Daten vor dem Start von V grundsätzlich gesichert werden.

Fazit:

Voyager ist ein flinker und sehr komfortabler Webbrowser der teilweise Features beherrscht, die sogar in der Wintel-Welt nicht zu finden sind. Die hinzugekommenen Verbesserungen sind alle sehr nützlich und erhöhen die Kompatibilität. Es mag sein, daß die Instabilität auch nur auf dem benutzten Testsystem zu beobachten war, doch dafür gibt es ja die Demo. So kann jeder selbst überprüfen, ob V auf dem eigenen Rechner weniger Abstürze produziert.

Ob es aber in der Wahl der PPC-Umgebung klug ist, auf PowerUp zu setzen, wage ich zu bezweifeln. Die alternative Lösung von Haage & Partner scheint mir der bessere Weg für zukünftige Programm-Versionen. Und die fehlende Dokumenation, die Vapor hoffentlich bald nachliefert, wird vor allem bei den neuen Funktionen stark vermißt.

Quellen:

Voyager und dazugehörige Plugins:
http://www.v3.vapor.com
ttf.library:
http://home.sprynet.com/sprynet/ragriffi/ttflib.htm
FBlit:
Im Aminet ist nur eine ältere Version zu finden, neuere Versionen gibt es
unter:
http://www.tpec.u-net.com/
TrueType-Webfonts und ein hervorragendes Tutorial von Matt Sealey:
http://www.neko.u-net.com/computing/webfonts/
Eine Sammlung mit Links, zu Seiten mit Flashanimationen:
http://v3.vapor.com/index.php?plugin=VFlash
PDF-Dateien:
http://www.adobe.com
http://www.pdfzone.com
http://v3.vapor.com/index.php?plugin=VFlash
und noch viele mehr...

Abschließende Worte:

Über sinnvolle und berechtigte Kritik, Vorschläge und Sonstiges über diesen Text würde ich mich natürlich sehr freuen.

Christian Aichinger <aichi@gmx.de

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