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"Durchhalten" heißt die Parole
Nicht nur ich, sondern auch andere Redaktionsmitglieder müssen leider zur Kenntnis nehmen, dass die allermeisten Leser momentan keine Motivation besitzen, sich an AMIGA aktuell zu beteiligen. Trotz immer noch leicht ansteigender Abonnentenzahlen - momenten sind es allein etwa 900 Leser, die sich das Magazin jeden Monat per E-Mail zuschicken lassen -, was angesichts der Amiga-Lage sicher nicht gegen AMIGA aktuell spricht, geht die Anzahl der Beiträge leider zurück. Das betrifft sowohl redaktionelle Artikel, wie etwa Testberichte, als auch Aktionen, wie etwa das Gewinnspiel und die FD- Hitparade sowie das ganz normale Feedback.
Auch Aufrufe verhallen in der Regel (beinahe) ungehört, als Beispiel sei hier nur mein Vorschlag zur Schaffung einer AMIGA-aktuell-Mailingliste genannt, auf den bisher nur zwei Leser reagiert haben (beide übrigens positiv).
Zwar gibt es eine Reihe zuverlässiger und fleißiger Mitarbeiter, die Monat für Monat Artikel abliefern, wofür ich Ihnen an dieser Stelle meinen herzlichsten Dank aussprechen möchte (die betreffenden Personen werden wissen, dass sie gemeint sind), doch insbesondere Helfer, die unregelmäßig Beiträge beisteuern, fehlen momentan fast völlig.
Die derzeit schlechte Beteiligung mag daran liegen, dass ein nicht geringer Teil der Leser mit dem heutigen Amiga bereits "abgeschlossen" hat und mit Ungeduld auf dessen Nachfolger warten. Denn wie ich aus Zuschriften weiß, wächst der Anteil derjenigen Leser, die gar nicht mehr über einen (Hardware-)Amiga verfügen, relativ schnell. Und auch, dass immer mehr Leser ihre Online-Aktivitäten mittlerweile mit einem anderen Computersystem durchführen, mag als ein Indiz dafür gewertet werden können, dass der jetzige Amiga von vielen oft nur noch als Zweitcomputer gesehen wird. Ich spüre es ganz deutlich: Beim heutigen Amiga-Markt geht es allmählich wirklich ans Eingemachte. Wenn - und das ist nur eines von vielen Beispielen - selbst unser Paradepferd, das Aminet, aufgrund teilweise wochenlang ausfallender bzw. sogar völlig außer Betrieb genommener Server immer mehr in Mitleidenschaft gezogen wird, ist das ein sehr ernstes Zeichen.
Nein, keine Sorge, ich komme hier nicht mit hohlen Phrasen wie etwa "Der Amiga ist tot" o.Ä., aber die Größe des Marktes nähert sich mit großen Schritten dem Atari-Niveau an, sprich: Die heute aktiven Amiga-Nutzer sind die treuesten Anhänger, die man sich bei einem Computersystem vorstellen kann. Nur reicht das für dessen Überleben nicht aus, neue Anwender müssen her - womit wir wieder bei den Zukunftsaussichten wären.
Da zumindest ich fest davon ausgehe, dass das neue Amiga-Betriebssystem nicht nur relativ bald erscheint, sondern auch von großen Teilen der Amiga- Anwender und vielen anderen Computernutzern entweder begeistert aufgenommen oder zumindest als ihr neues OS akzeptiert werden wird, sehe ich die oben geschilderte Problematik, von der im Übrigen nicht nur AMIGA aktuell, sondern die allermeisten Amiga-Medien (im weitesten Sinne) betroffen sind, als zeitweiliges Handicap an. (Nichtsdestotrotz werde ich in der nächsten Ausgabe eine kleine Umfrage durchführen, an der sich jeder Leser beteiligen sollte.)
Betrachten wir die Lage doch einmal realistisch: Wann zuletzt standen die Chancen für einen neuen Amiga besser? Sowohl die internen, als auch die externen Faktoren betreffend, besteht Grund zum Optimismus:
Sicherlich lassen sich hier noch weitere Argumente anführen, was ich mit diesen Beispielen aber nur zum Ausdruck bringen will, ist: Ein neues Betriebssystem hat momentan gute Chancen, sich auf dem Markt zu etablieren, d.h. ausreichende Anteile zu erobern, um langfristig überleben zu können. Jetzt ist es an AMIGA, das Beste daraus zu machen. Aber nicht nur an AMIGA: Nach Erscheinen des Entwicklergeräts sind alle Programmierer gefordert, dem neuen System mit zum Erfolg zu verhelfen. Denn je mehr Umsetzungen hochwertiger Amiga-Software es für den neuen Rechner geben wird, desto wahrscheinlicher ist dessen Erfolg. Ein E-Mail-Programm in der Qualität von YAM beispielsweise sollte von Anfang an verfügbar sein - und wieso dann nicht gleich das Original nehmen? Es kommt also in den nächsten Monaten maßgeblich darauf an, dass auch die private Softwareentwicklung auf Touren kommt. Dies würde sich im Endeffekt als wichtiger strategischer Vorteil gegenüber anderen neuen Betriebssystemen, die nicht über soviel Unterstützung verfügen, erweisen.
Bis nächsten Monat,
euer
Carsten Schröder