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Am 17. Januar fand in Frankfurt/Main eine Informationsveranstaltung mit AMIGA-Präsident Bill McEwen und Petro Tyschtschenko statt, an dem zahlreiche Amiga-Entwickler, -Händler und -Journalisten teilnahmen. Für AMIGA aktuell dabei war unser Mitarbeiter Gernod Schomberg. Hier sein ausführlicher Bericht:
Informationsmeeting mit Bill McEwen und Petro Tyschtschenko am 17.Januar 2000 im ESPRIX HOTEL, Rhein-Main-Flughafen, Frankfurt.
Diese Veranstaltung, die nach Bill McEwens Worten bewusst als erste nach Gründung der neuen Amiga Incorporated nach Deutschland gelegt worden war, sollte Entwickler, Händler und Presse über die Pläne und Strategien unterrichten, mit denen die Zukunft unseres Rechners gesichert werden soll. Die Teilnehmerzahl lag bei etwa 30 (geschätzt, ich hatte leider vergessen zu zählen), die aus allen Teilen Deutschland angereist waren. Kurz nach 15 Uhr wurde das Treffen von Petro Tyschtschenko eröffnet.
Es gab noch keine schriftlichen Unterlagen, lediglich das so genannte NDA (Confidentality and Non-Disclosure Agreement) musste von allen Teilnehmern unterschrieben werden und verpflichtet jeden, nichts über konkrete Dinge zu berichten, die irgend einen Bezug auf die Geschäftspolitik von Amiga haben. Damit ist leider alles gemeint, was für uns von großem Interesse ist, die Hard- und Software-Ausstattung künftiger Amiga-Rechner, aber auch über die finanziellen Bedingungen der neuen Gesellschaft und Partner, mit denen man verhandelt, ist Schweigen geboten.
Bill McEwen sprach frei über seine Ansichten und Ideen und sprang in launiger Art zwischen den Themen hin und her (... und sein "Yankee drawl" machte es für manchen Teilnehmer und auch für den Berichter nicht ganz leicht, ihm immer zu folgen).
Zunächst und später noch mehrfach bedauerte Bill, dass die unglückliche Vorgehensweise von Gateway die Entwicklung um drei Jahre zurück geworfen hat. Während zunächst die Leitung von Gateway die Entwicklung von Amiga unterstützte, wurde nach einem Wechsel in der Führungsetage der Kurs vollkommen umgekehrt.
Es wurde immer wieder deutlich, dass für Bill die Idee des Amiga eine Vision darstellt, der zu folgen er alle Amiga-Freunde aufrief. Wenn das was er über die neuen Möglichkeiten sagte, wahr wird, dann haben wir wirklich etwas Großartiges zu erwarten. Natürlich wird es wie üblich nicht jedem gefallen, aber damit muss man leben. Amiga Inc. betreibt damit aber durchaus eine vernünftige Geschäftspolitik.
Was mir besonders wichtig erschien, war die ausgesprochene Unterstützung für Entwickler und Programmierer, die ganz besonders betont wurde. Geräte und Softwarepakete sollen für sie schnellstens bereitgestellt werden. Ein Zeitpunkt im Februar ist dafür ins Auge gefasst.
Wir, die Endanwender, sollen schon in diesem Jahr, möglicherweise im Spätsommer, den Neuen Amiga kaufen können. Auch auf das Weihnachtsgeschäft wolle man sich konzentrieren. Genaue Daten und Leistungsmerkmale werden bekanntgegeben, sobald sie vorliegen. Der Eindruck besteht aber, dass Amiga Inc. die Hardware nicht selbst fertigen wird. Für die Software, besonders für das Betriebssystem, scheint die Zusammenarbeit mit dem neuen Partner TAO vorprogrammiert zu sein.
Der "klassische" Amiga (Bill verwendete auf Zuruf aus der Zuhörergruppe später nur noch den Ausdruck "current" = "derzeitig") soll nach Möglichkeit unterstützt werden, Weiterentwicklungen des OS sind nicht ausgeschlossen.
Zum Schluss forderte Bill alle Entwickler auf, mit Amiga Inc. zu sprechen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, damit es nicht zu Fehlentwicklungen kommt. Er bat allgemein darum, mit ihm engen Kontakt zu halten. In diesem Zusammenhang betonte er auch, dass der AAC (Amiga Advisory Council) wieder angesprochen und aktiv in die Entwicklung eingeschaltet werden soll.
Amiga Incorporated will sich nicht an den üblichen Messen und Shows beteiligen, sondern eigene Events veranstalten. Wichtig sei es, einen Markt zu begründen und Amiga als Marke bekannt zu machen. Scherzhaft bemerkte Bill, dass sogar schon CNN von Amigas Vorhaben Wind bekommen hatte und er dort ein Interview gab, das vor allem in seiner Familie helle Freude hervorrief!
Mehrfach und auch noch zum Schluss betonte Bill seine Begeisterung für die Amiga-Community und dankte ihr, dass sie die Hoffnung nicht aufgegeben hatte. Es sei erstaunlich, wie in diesen letzten drei Jahren von Enthusiasten immer noch Neues an Soft- und Hardware geschaffen wurde. Er bedankte sich bei allen und bat nocheinmal, mit ihm in Verbindung zu bleiben. Seine eMail-Adresse sei bekannt und auch seine Telefonnummer. Wenn immer er in seinem Büro sei, nehme er persönlich den Hörer ab.
Gegen 17.30 war der offizielle Teil zu Ende, man traf sich noch zu Gesprächen in der Bar. Diesen Teil des Abends ließ der Berichter aus, leider, wie er nachträglich sagen muss, denn da wurde von Petro Tyschtschenko noch eine vorher nicht angekündigte Pressebesprechung abgehalten.
Gernod Schomberg <g.schomberg@t-online.de>