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Der C65 (Arbeitstitel C64DX) sollte Ende 1991, Anfang 1992 den originalen C64 ersetzen. Auch hier dieselbe Situation wie beim A500/600. Der C64 verkaufte sich zur geplanten Einführung des C65 noch gute 150.000 mal pro Quartal. Sei es in den Osten, Asien oder wohin auch immer. Der Absatz in Europa (Deutschland) ließ zwar nach, allerdings war es nicht so beunruhigend, als dass man nun hätte panikartig reagieren müssen. Helmut Josts Aussagen dazu waren immer "was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" und "der tote Fisch stinkt am Kopf zuerst". Sozusagen die Universalantwort zu jedem Problem.....ich vergaß, es gibt ja keine Probleme, sondern nur Lösungen.
Die Vorstellung der Geschäftsleitung war zu diesem Zeitpunkt irgendwie "ungeordnet". Auf der einen Seite wollte man mit einem C64 und einem Spiel wie Terminator (man beachte, das Paket sollte Weihnachten 1991 auf den Markt kommen) den Nintendo-Konsolen Konkurenz machen (alle Achtung), auf der anderen Seite suchte man einen technisch fortschrittlicheren C64- Nachfolger, der preislich unterhalb eines A500/600 liegen sollte, die Leistungen eines C64 aber übertreffen sollte. Doc Peter Kittel hatte Helmut Jost (unfreiwillig) auf einen Trip gebracht, der uns seitdem immer verfolgte. Ein Spiel wie Terminator, untergebracht auf einem Modul, ist natürlich von den Datenmengen größer als der Arbeitsspeicher des C64. Man bedient sich daher des "Bankswitching"-Verfahrens, um Speicherblöcke von x- KB durch die Gegend zu schieben, um nicht die kompletten Daten im Speicher halten zu müssen (ging ja wie geschrieben auch gar nicht). Seitdem war Helmut Josts ultimative Lösung zu jedem Speicherproblem das Bankswitching- Verfahren, sei es bei einem A600, einem CDTV oder was auch immer. Hätten wir bloß nicht versucht, ihm etwas zu erklären. ":-))"
Anfangs war es zuerst nur ein internes Gerücht, man arbeite in Westchester an einem C64-Nachfolger (immerhin war gerade der Kampf um den A4000 im Gange - kommt vorher nochmal eine ECS-Maschine oder nicht?) und es schien uns absurd, für 1991/92 noch an so was zu denken. Leider weit gefehlt.
Ein komplettes Entwicklerteam, best. aus 8 Personen (!), angeführt von Fred Bowen (er ist auch in Dave Haynies Video zu sehen) wurde für dieses System abgestellt.
Die Leistungen des C65 waren durchaus beeindruckend, und hätte es nicht schon einen C64 und einen A500 gegeben, wäre dieses Gerät möglicherweise auch ein Erfolg geworden. Nur gab es diese Geräte schon, und die Zeit sprach gegen den C65.
Wir hatten 10 Exemplare des C65 zu Testzwecken in Deutschland, die wir nach den Tests (leider) wieder abgeben mussten (einen zum Sammeln hätte ich schon gerne behalten, zumal die Teile "Top Secret" wie sie angeblich waren, nachher für fast umsonst vertickt wurden), inkl. den Schaltplänen, einem Quick-Reference Guide und einer Demo-Diskette (die ich auch noch haben sollte, aber nicht finde...grummel).
Der C65 hatte zwei SID-Chips (für Stereo-Sound), tolle grafische Fähigkeiten (sie standen denen eines Amiga 500 kaum nach), nur großartig kompatibel war er nicht. Wir haben in Frankfurt rund 200 Titel getestet und die Kompatibilität lag maximal bei 40-50%. Zuwenig, wenn man bedenkt, daß der C65 den C64 nicht ergänzen, sondern ersetzen sollte. Der C65 hatte ein internes 3,5" Laufwerk, das dem externen Floppy-Laufwerk 1581 entsprach, nur gab es zu dem damaligen Zeitpunkt schon keine Chips mehr, um 1581- Floppies herstellen zu lassen, da die entsprechende Fabrik eben keine mehr produzierte.
Es gab zwar einen externen Floppy-Anschluß für ein 1541-Laufwerk, nur wollte man ja das 3,5"-Format zum Standard machen, und das geht natürlich schlecht, wenn man gleich wieder bei 5,25" landet, nur weil sich keine Floppies mehr produzieren ließen. Nein, eine Amiga-Floppy lief auch nicht, nicht nur wegen des 800KB-Formats nicht.....
Geht man davon aus, daß der C65 standardmäßig zumindest intern über 3,5"- Format verfügte, musste ja auch erstmal Software in diesem Format vorliegen, d.h. entweder vorhandene Titel konvertieren und/oder neue in diesem Format produzieren. Das hätten selbst große Softwarefirmen nicht mitgemacht.
Die zwei SIDs waren zwar auch ganz nett, entlockten alter C64-Software aber entweder nur ein Krächzen oder gar nichts. Der C65-Modus war interessant, mangels Material aber kaum zu testen, und der C64-Modus eben nicht so gut, wie er hätte sein müssen.
Fred Bowen wurde von Commodore Deutschland für eine Woche eingeladen, um uns den C65 "schmackhaft" zu machen. Doc Peter Kittel und meiner einer durften uns ihm annehmen.
Ehrlich gesagt, tat er uns wirklich leid, und wir haben versucht, ihn nicht zu hart anzupacken. Letztendlich haben wir ihm unsere Bedenken zum C65 klargemacht, und wie die Situation des C64 hier in Deutschland (Europa) aussieht, im Gegensatz zu USA, etc.
Wir haben ihm natürlich auch die Problematik (Absatz 1 + 2) verdeutlicht, und er gab uns letztendlich in allen Punkten recht. Auf meine Frage an ihn, wo er die Vorzüge des Geräts sehen würde, antwortete er nur, daß er das auch nicht wüsste. Er habe die Anweisung von "Oben" erhalten, ein Gerät mit diesen Spezifikationen zu entwickeln und das habe er getan, und er gab uns recht, wenn wir der Ansicht seien, das Gerät würde uns mehr schaden, als helfen.
Fred Bowen reiste dann nach dieser Woche wieder ab und Doc Peter Kittel und ich entwarfen ein "Argumentationspapier" in dem wir mehr als eindringlich darauf hinwiesen, daß der C65 uns das Genick endgültig brechen würde, und dass wir das so nicht hinnehmen könnten, sollte der C65 Gestalt annehmen.
In dem besagten Vertriebsmeeting, in dem uns mitgeteilt wurde, daß der PCMCIA-Port des A600 nicht von Commodore unterstützt werden würde, sagte Helmut Jost dann, daß der C65 nicht kommen würde und daß sich darüber sicherlich Doc Peter und ich am meisten freuen würden. Das haben wir dann auch lautstark mit Applaus honoriert. Der Vertrieb wusste eh nicht so recht, was der C65 denn nun hätte sein sollen und war über unsere Reaktion leicht verwundert.
Das war uns allerdings völlig wurscht. Eines der wenigen Dinge, bei denen man das gute Gefühl hatte, etwas bewirkt zu haben, auch wenn es "nur" die Abwendung einer Katastrophe war.«
Fortsetzung folgt...