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»PPT die 2te
Auf dem Weg vom Absturzkönig zum Meister der Bildermanipulation
Das modulare Bildbearbeitungs-Programm PPT von Janne Jalkanen
Als PPT im Spätsommer 1998 erstmalig einem Test in der AmigaAktuell unterzogen wurde, blieb am Ende ob der endlosen Abstürze das niederschmetterndes Urteil: "Wer Russisches Roulette liebt, wird auch die Bildbearbeitung mit PPT lieben. ... Im jetzigen Zustand vertraue ich PPT meine Bilder nicht an." [1] In der Zwischenzeit hat die Amiga-Gemeinde gemeinsam mit ihrem Kult-Objekt das Jahr 2000 in Angriff genommen, Amiga wieder einmal einen neuen Eigner und PPT eine intensive Programmpflege erhalten. Anlaß genug, den gereiften Bildermanipulator erneut auf seine Einsatztauglichkeit abzuklopfen. PPT findet Ihr im Aminet [2] und in aktuellster Version auf der Homepage des Programmautors [3]. Für diesen Test mußte die neueste Version 6.18 "Descartes-2" herhalten.
Installation und Systemvoraussetzungen
Die Installation läuft nach wie vor problemlos und einfach mit Hilfe des AmigaOS-Installers in kurzer Zeit ab und befördert alle notwendigen Daten an die notwendigen Positionen.
Ebenso gibt sich PPT in den Systemansprüchen nach wie vor recht bescheiden. Bereits ab AmigaOS 2.0 und einem Megabyte RAM sowie einigen Megabytes freien Festplattenplatz für die Nutzung virtuellen Speichers läßt sich grundsätzlich arbeiten. Ein angenehmes Arbeiten stellt sich unter OS 3.0 (V39+), einem AGA- oder grafikkartenbewährten Amiga ab einer 68020 CPU und möglichst vielen Megabytes FAST-RAM ein.
Da sich die Programmoberfläche auf die (mitgelieferte) bgui.library stützt, ist MUI nicht erforderlich.
Programmnutzung
Das Programm läßt sich prinzipiell auch ohne Studium der umfangreichen englischen Anleitung im AmigaGuide-Format weitgehend intuitiv bedienen. Will man alle Möglichkeiten des Programms ausschöpfen, finden sich in der mit gelieferten Programmdokumentation, die neben der Beschreibung elementarer Programmfunktionen zusätzliche Guide-Files zum ARexx-Port, den Lade- und Effekt-Modulen sowie ein kurzes Tutorial enthält, viele Anregungen und Tipps.
PPT begrüßt den Amiganer während des Startvorgangs mit einem stimmungsvollen Intro.
Zu Nutzungsbeginn sollten über den Menüpunkt "Preferences" elementare Grundfunktionen wie Bildschirmanzeige und Festplattenplatz für den virtuellen Speicher eingestellt werden. Standardmäßig ist dieser virtuelle Speicher auf T: festgelegt.
Besitzt der Amiga sehr viel Fast-RAM, kann das auch so bleiben, andernfalls sollte wohl besser eine schnelle Festplatte(npartition) großzügiger Dimension gewählt werden. Die Unterstützung virtuellen Speichers läßt auch große Bilddateien und theoretisch unbegrenztes UNDO (real nur abhängig vom Festplattenplatz für den virtuellen Speicher) zu. Eine deutliche Arbeitserleichterung und Rückversicherung für verkorkste Bildmanipulationen.
Bei der Erkundung des Menu-Eintrags "Preferences" fallen mehrere Neuerungen ins Auge. So kann unter "GUI" eine farbige Vorschauanzeige für bestimmte Effekte in variabler Größe gewählt und unter "Toolbar" eine den individuellen Bedürfnissen entsprechende Werkzeugleiste zusammengestellt und mit gewünschten Funktionen belegt werden.
Zusätzlich ist das Einblenden von Tipps zur Nutzung PPT's als Abschluß des Programmstarts de- oder aktivierbar. PPT öffnet seinen Bildschirm wahlweise unter 8-, 16- oder 24 Bit-Farbtiefe, und ist unabhängig von der gewählten Bildschirmfarbtiefe ist in der Lage, Bilder bis 24 Bit (8 Bit Graustufen) mit einem optionalen Alpha-Kanal bei internem Multitasking zu verarbeiten.
Viele Bildformate können mit den beiliegenden Modulen geladen werden, so im BMP-, IFF ILBNM-, Targa-, JFIF/JPEG-, GIF-, PNG_ PNM/PGM/PPM/PBM-, PsionPIC-, YUVN- und TIFF-Format. Sollte dies nicht ausreichen, kann jedes andere durch vorhandene Datatypes unterstützte Format geladen werden. So wurden problemlos EPS-, PCX-Dateien verarbeitet, und die im ersten Test beanstandeten und damals fast unbenutzbaren weil absturzfreudigen JPEG- und GIF-Loader arbeiten nun so wie man es von ihnen erwartet.
Für die Bildmanipulation stehen umfangreiche Effect-Module zur Verfügung, die gegenüber der in [1] getesteten Version noch erweitert wurden. Vielen Modulen wurde eine in Echtzeit den Effekt demonstrierende und zusätzlich in ihrer Größe wählbare Vorschauanzeige spendiert. So läßt sich sehr intuitiv mit den einzelnen Effekten arbeiten und die möglichen Auswirkungen gut abschätzen. Und die Resultate können sich durchaus sehen lassen. Unter den neuen Effekten ragt »Twirl« heraus, mit ihm kann ein Bild(ausschnitt) in einem Strudel versenkt werden. Mit »ColorCount« läßt sich die tatsächlich in einem Bild vorhandene Farbanzahl bestimmen. Im Menu-Punkt »Window/Select« verbirgt sich eine weitere interessante Neuerung: Die Auswirkungen bestimmter Manipulationen lassen sich in der aktuellen Programmversion neben der Eingrenzung auf einen rechteckigen Bereich des Bildes auf einen kreisförmigen oder sogar frei wählbaren Bildausschnitt beschränken. Dies ermöglicht im Gegensatz zu früheren Versionen eine wesentlich flexiblere Bearbeitung gewünschter Bildbereiche.
Auch die Scripte haben eine Überarbeitung und Erweiterung erfahren. So können mit einem "BatchProcess" genannten ARexx-Script verschiedene Effekte wie Helligkeits-, Gamma-Korrekturen, Text-Einträge und anderes mehr auf eine ganze Bilderfolge automatisiert ausgeführt werden. Und der ARexx-Port läßt hier weiten Spielraum für eigene Scripte.
Desweiteren kann mit Hilfe des Menüpunktes "Correct aspect" jederzeit das in Arbeit befindliche Bild in den richtigen Seitenproportionen dargestellt werden.
Die zum Teil in den vergangen Programmversionen absturzprovozierenden Effekte haben spürbar an Stabilität gewonnen. Überhaupt gehören die schier endlosen Abstürze der ersten Programmversionen erfreulicherweise scheinbar der Vergangenheit an. Wenn sich PPT eine Auszeit genehmigt, was nur noch selten auftritt, ließ sich das Betriebssystem während der Testphase kaum mehr zu einem gemeinsamen Absturz überreden. Generell liegt die Absturzhäufigkeit subjektiv empfunden nicht höher als die kommerzieller Software wie etwa ArtEffect oder Photogenics.
Endlich funktionieren auch die Module »Scale« und »Composite« zur Zufriedenheit, »Bitfield« provoziert keine Zwangspausen mehr. Auch die Vereinigung mehrerer Bilder auf sehr unterschiedliche Art und Weise ist mit dem Effekt "Composite" jetzt tatsächlich möglich und macht mit der Drag&Drop-Unterstützung Spaß.
Vor dem Speichern von Bildern wird der Nutzer nun auf die Gefahr des Über- schreibens bereits vorhandener Bilder gleichen Namens hingewiesen. Die Bilder können in den Formaten BMP, C-Code, ILBM, JPEG, PPM, PsionPIC und Targa auf die Speichermedien gebannt werden. Bei den zur Auswahl stehenden Speicherformaten sind oft zusätzliche Einflußnahmen auf die Speicherparameter möglich. So läßt sich für das JPEG-Format die Kompressionstärke, eine eventuelle Optimierung und die Speicherung als progressive JPEG-Datei wählen.
Zwei interessante zusätzliche Module stehen auf der PPT-Homepage im "PPT_security.lha"-Paket zur Verfügung. Das erste Modul, "embedfile.effect", erlaubt das unsichtbare Einbetten einer Datei, egal ob Bild oder Text, in ein vorhandenes Bild. Damit läßt sich zum Beispiel nach Angabe eines Passworts eine verstecke Information im Bild unterbringen. Mit dem Modul "extractfile.effect" kann nach Eingabe des Passworts die zuvor eingebette Datei extrahiert und damit wieder zugänglich gemacht werden. Denkbare Anwendung dieser Module könnte die Integration eines individuellen "Wasserzeichens" in eigene Bilder oder die versteckte Übermittlung vertraulicher Informationen sein. Auf mögliche rechtliche Probleme in einigen Ländern beim Einsatz dieser die Kryptographie tangierenden Module weist J. Jalkanen auf der Homepage ausdrücklich hin.
Obwohl PPT kostenlos zur Verfügung gestellt wird, und demzufolge natürlich kein Support-Anspruch besteht, ist Janne Jalkanen dennoch sehr an der Meinung der PPT-Benutzer interessiert und bemüht, bei Problemen umgehend zu helfen. Eine spezielle PPT-Mailingliste kann auf der PPT-Homepage [3] abonniert oder unter [4] kontaktiert werden.
Fazit
Es kommt schon beim ersten Test verhaltene Freude auf, die im Laufe des gesamte Testzeitraumes langsam aber sicher wächst. Die im Vergleich zur in der Amiga aktuell 9/98 getesteten Version 4.48 dramatisch verbesserte Programmstabilität in der vorliegenden V6.18 Descartes-2 läßt, obwohl Janne Jalkanen auch das aktuelle PPT immer noch als Beta-Version bezeichnet, ein ernsthaftes Arbeiten zu.
Mit der auch bei anderen Programmen angebrachten Vorsorge kann man ohne übermäßige Furcht, die nächste gewählte Aktion könnte die Bildkomposition ins Datennirvana befördern, an die Manipulation der heimischen Bilder gehen.
PPT ist mit der Version 6.18 "Descartes-2" endgültig den Kinderschuhen entwachsen und ein solides Stück Freeware-Software. Mit Janne Jalkanens Worten: Another one megabyte the dust.
[1] Amiga aktuell, Ausgabe 9/98, Bildbearbeitung PPT [2] Aminet unter /gfx/conv/PPT_dist.lha [3] http://www.hut.fi/~jalkanen/PPT.html [4] http://www.egroups.com/list/ppt-list/
Uwe Pannecke <Uwe.Pannecke@t-online.de>«