Interview mit dem Programmierer von Synergy


  
 Synergy ist eins der besten Demos die so in letzter Zeit erschienen sind!


 Interview:

 FT:  Mit Synergy zeigt Ihr mal allen Amiga Fans was der Amiga noch 
     mit dem 030er Prozessor alles schaffen kann, wie kam es 
     eigentlich dazu das Demo zu machen?

        Nun ja, wir wollten halt auch mal ein Demo machen.
        Die SILIconvention stand vor der Tür und da haben wir uns
        eben rangesetzt.

 FT:   Könntet Ihr den Fun Time Lesern vielleicht mal kurz eine 
     entstehungsgeschichte von solchen Demos schildern?

        Es fängt alles damit an, daß man sich überlegt, was man mit
        den vorhandenen Assembler-Routinen alles machen könnte.
        Dabei verfällt man recht schnell in Träumereien, von denen
        man sich dann aber leider wieder trennen muß, um zu ermitteln,
        was man wirklich realisieren kann.

        Nebenbei kriegt man recht schnell eine grobe Vorstellung des
        fertigen Designs, also von der Musik, den Grafiken und des 
        ungefähren Ablaufs. In dieser Phase sind idealerweise schon
        der Grafiker und der Musiker mit dabei. Wir erstellen hier
        ein Storyboard, zum Einen, um mal alles festzuhalten, vor allem
        aber auch deshalb, weil der Musiker ja auch wissen muß, wie
        er die Musik timen soll. Es hätte z.B. wenig Sinn die besten
        Effekte mit langsamer Musik zu untermalen und dann bei einem
        ruhigem Bild harten Techno zu spielen.

        Nun folgen erste Previews der einzelnen Effekte, schon mit
        möglichen Grafiken und manchmal auch schon mit Musik. Vieles
        was hierbei herauskommt wird wieder verworfen, anderes, was in der
        Demo dann zu sehen ist, entsteht oft auch durch Zufall. Bei Synergy
        war das zum Beispiel der Effekt, wo das Gesicht hinter den Glas-
        Ketten bewegt wird.  

        Die Abschluß-Phase wird dann meist ziemlich brenzlig. Man will
        die Demo ja möglichst auf einer Demo-Party veröffentlichen und 
        meistens hat man sich mit der Programmierung zu viel Zeit
        gelassen, so daß man dann auf der Party sitzt und immer wieder
        neue Bugs auftauchen. Irgendwie schafft man es dann aber meist 
        doch noch die Demo buchstäblich in letzter Minute abzugeben.

        Absoluter Höhepunkt für einen selbst ist dann die Aufführung
        auf dem Big-Screen vor hunderten, manchmal tausenden Scenern,
        und man betet, daß die Demo jetzt nicht vor versammelter 
        Mannschaft abstürzt.

        Leider habe ich die Aufführung unserer 40k-Intro auf der 
        "The Party 6" in Dänemark versschlafen. Deadline war morgens um
        4 Uhr, Aufführung um 8 oder 9 Uhr morgens. Da ich ca. 24 Stunden
        nicht geschlafen hatte, konnte ich unmöglich nach nur 4-5 Stunden 
        Schlaf von alleine aufwachen, und meine Freunde hatten mich in 
        der Schlafhalle nicht gefunden. Das Leben ist halt gemein.

 FT:   Wieso glaubt Ihr gibt es soviele gute Demos die alles aus dem 
     Amiga rausholen können, aber so wenig Spiele mit diesen 
     Effekten?

        Es ist viel einfacher einen Effekt als ein ganzes Spiel zu
        programmieren. Der Aufwand würde sich auch gar nicht lohnen,
        denn man kann damit auf dem Amiga kein Geld mehr machen.

 FT:   Ich bin mir sicher das die Szene sehr wohl in der Lage ist 
     gute Spiele für den Amiga zu programmieren, wieso passiert
     das Eurer Meinung nach nicht, immerhin könnte man sich damit noch 
     nebenbei was dazu verdienen?

        Ein Spiel verschlingt eine Menge Zeit, und da kann man dann
        nicht mehr von "nebenbei" sprechen. Man müßte es also schon
        kommerziell machen, und selbst das lohnt sich (leider) nicht mehr.
        Nichts würde ich lieber machen als Spiele gegen Bezahlung zu
        programmieren, aber wenn sich dann überlegt, was man damit 
        verdienen könnte, sieht man schnell, das man besser anders sein
        Geld verdient. Der Amiga ist halt für Scener nur ein schönes
        Hobby. Einige Spiele kommen ja immer noch raus, aber z.B.
        "Trapped", immerhin Spiel des Monats in einer Ausgabe des Amiga-
        Magazins, hat sich meines Wissens zufolge nur 400-500 mal
        verkauft. Für einen Top-Titel ist das echt bitter und für
        den Programmierer eindeutig zu wenig (obwohl ja jetzt Trapped 2
        rauskommt :).

 FT:   Habt Ihr eine Erklärung dafür wieso in vielen Demos oft die selben 
     Effekte erscheinen die schon woanders drinn waren, liegt das daran 
     das der Code gerippt wird oder leiht man sich einfach von einem 
     anderem Coder die Routine?

        Ich glaube es liegt daran, daß man zeigen will, daß man den
        Effekt auch programmieren kann. Meistens sind die Effekte dann
        auch selber programmiert, denn es spricht sich sehr schnell rum,
        wenn jemand eine Routine rippt, und  rippen wird in der Scene 
        nicht gerade besonders hoch geschätzt.

        Es gibt allerdings auch einige Sachen, die man von anderen
        Programmieren "legal" verwendet. Dazu gehören z.B. die
        Abspiel-Routinen für die Musik, Entpack-Routinen und die 
        sogenannte "Chunky to Planar"-Konvertierung, auch "c2p" genannt.
        All diese Sachen sind meist so komplex, daß man besser beraten
        ist, wenn man auf die vorhandenen Routinen zurückgreift.
        (Die TrackerPacker-Abspiel-Routine ist z.B. 1600 Zeilen lang,
        das sind 40 Bildschirmseiten voll Assembler-Code!)
        Würde man alles selber programmieren, würden noch weniger und
        qualitativ schlechtere Demos dabei rauskommen. Aber warum sollte
        jeder das Rad neu erfinden?>
        
 FT:   Wie wird Eurer Meinung nach die Entwicklung der Demos weiter gehen
     wenn die PowerPC Karten kommen?

        Es wird sich alles in Richtung komplexe 3D-Grafik verschieben.
        Ich hoffe, daß sich die großen Firmen wie Electronic Arts
        dann wieder trauen, auf dem Amiga etwas zu veröffentlichen,
        und hoffentlich gibt es dann auch KÄUFER dieser Software, 
        denn ansonsten sind diese Firmen ganz schnell wieder verschwunden.
        Auf jeden Fall bin ich aber auf die PPC-Version von Amiga-Quake
        gespannt. Die 68000er Version war einfach zu langsam,
        aber mit PPC und Grafik-Karte dürfte dieses Manko dann wohl
        behoben sein.

 FT:   Viele sind garnicht so richtig von dem Weg den Phase5 gehen will 
     Überzeugt, wie denkt Ihr darüber als Demogruppe?

        Ich finde es gut, das es weitergeht, und man muß Phase 5
        dankbar sein, daß sie die Entwicklung so entschlossen weiter-
        führen. Allerdings ist uns das alles viel zu teuer und wir
        werden uns keine PPC-Karten zulegen.

 FT:   Die Demos werden ja nur in Assembler Programmiert, wird es Eurer 
     Meinung nach das umstellen für den PowerPC so etwas wie wieder
     die Sprache neu zu erlernen?

        Man muß halt den Syntax neu lernen, den Rest kennt man ja schon.
        Es kann also nicht ganz so schlimm sein. Wie ich gehört habe, sind
        der 68000er Assembler und der PPC-Assembler ja auch recht ähnlich.

        Außerdem muß man bedenken, daß Assembler-Programmierung mit 
        zunehmender Rechenpower immer mehr an Bedeutung verlieren wird.
        Der Trend geht in Richtung C(++), mit Assembler-Routinen an 
        zeitkritischen Stellen des Programms.

 FT:   Wie sieht Ihr die Zukunft des Amigas, und wie sollte der neue 
     Amiga eurer Meinung nach aussehen?

        Für mich sieht es da ziemlich düster aus. Ich glaube nicht, daß
        der Amiga noch ein echte Chance hat. Die Freaks werden bleiben,
        aber nenne mal jemanden, der gerade einen EDV-Kurs auf der
        Volkshochschule besucht hat und sich jetzt einen Computer kaufen
        will, auch nur einen vernünftigen Grund, warum er statt einem PC
        lieber einen Amiga-PPC kaufen soll, der dann auch noch doppelt
        so teuer ist, und auf dem er nicht einmal ein Word-Dokument
        bearbeiten kann! 

        Toll, aber völlig utopisch wäre so etwas wie ein Sega Saturn
        im Amiga Gewand. Schön viele Custom-Chips, aus denen
        man immer wieder neue Sachen rausholen kann und nicht nur
        pure Prozessor-Leistung.

 FT:   Was habt Ihr als nächstes geplant, wird das wieder ein Demo 
     sein oder vielleicht auch mal ein Spiel?

        Wir machen gerade eine Musik-Disk mit Gitarrensounds und eine
        Slideshow. Die Gitarrensounds sind für den Amiga echt ziemlich
        krass, viel mit Akkustik-Gitarren und auch etwas Hard-Rock.

        Über die Slideshow kann man noch nicht viel berichten, sie steckt
        noch in der Planungs-Phase.

        Ihr solltet gegen Ende des Jahres mal im Aminet danach suchen.
        Am besten ihr verwendet das Aminet-Suchprogramm mit dem
        Pattern "s7-", dann kriegt ihr alles was von uns ist angezeigt und
        ihr müßt nur noch gucken ob "Changes" (die Musik-Disk) oder
        "Shades" (die Slideshow) schon dabei sind.

        Im Urlaub haben wir darüber nachgedacht, ob wir vielleicht
        mal ein Motorboot-Rennspiel programmieren sollen. Wäre schon toll,
        lohnt sich aber leider nicht. Wir haben auch nicht genug Zeit dafür:
        der Grafiker ist beim Bund, die Musiker sind im Abi und ich
        studiere. Wenn wir allerdings genug Fan-Post erhielten, würde sich
        unsere Einstellung vielleicht ändern....

 FT:   Wären Eurer Meinung nach Spiele wie Tomb Raider oder WipeOut auch 
     auf dem Amiga mit einem 030er oder 060er möglich?

        Nein.

        Mit PPC wäre das anders, aber die Major-Companies werden solche
        Titel wohl leider nicht mehr auf dem Amiga umsetzen.

 FT:   Gibt es was, das Ihr der Amiga Gemeinde schon lange sagen wolltet?

        Seit bitte so ehrlich, und kauft euch die Programme, die es verdienen
        gekauft zu werden. Ansonsten ist der Amiga entgültig tot und ihr
        habt einen teueren Computer, für den es keine Software mehr gibt.

        Leif Oppermann


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