Was ist ein Point?


  Seit kurzem bin ich selber Point geworden und habe mich  schon  mehr
  oder  weniger  mit  der Materie bekannt gemacht, deswegen möchte ich
  Euch meine Erfahrungen weitergeben. Zuerst werde ich Euch  erklären,
  was ein Point ist, und was das Ganze überhaupt soll.

  In der letzten Ausgabe habe ich über die vielen Netze und  Mailboxen
  geschrieben,  die  es  in  Deutschland  als Alternative zum Internet
  gibt. Ein Netz ist nichts anderes,  als  eine  Kette  von  Rechnern,
  welche  untereinander  kommunizieren  und  Nachrichten zu bestimmten
  Themen austauschen. Die  Nachrichten  werden  natürlich  von  vielen
  Usern  geschrieben,  die  dann  in den Netzen über Themen wie "Lohnt
  sich ein CD-ROM-Laufwerk  am  Amiga?"  diskutieren.  Natürlich  sind
  viele  der  Diskussionen  sinnlos  und  auch  blöd,  wie  das vorige
  Beispiel zeigt, doch dagegen kann man nichts machen.

  Normalerweise kann jeder  an  diesen  Diskussionen  teilnehmen,  der
  zumindest einen Antrag in einer Mailbox gestellt hat, doch diese Art
  ist erstens die teuerste und zweitens die  komplizierteste.  Es  ist
  nämlich  sehr  schwierig,  eine  Diskusion  zu  führen, wenn man die
  Fragen auch online beantworten muß, außerdem kostet das ja auch Geld
  und  wenn  jeder  die  Nachrichten online lesen würde, dann würde er
  spätestens mit der nächsten Telefonrechnung merken, wie teuer es ist.

  Vor sehr vielen Jahren haben  sich  das  auch  einige  Programmierer
  gedacht  und  überlegt, wie man eine andere Lösung finden könnte. So
  kam dann irgendwann einer  auf  die  Idee,  eine  1-Mann-Mailbox  zu
  programmieren.  Das  Ganze  sollte  so  funktionieren,  daß sich ein
  spezielles Programm,  genannt  Point-Programm,  die  Daten  aus  der
  Mailbox  über Leitung holt, um die Nachrichten dann zu Hause in Ruhe
  offline lesen und beantworten zu können.

  Der Erfinder war auch noch so genial, daß er daran gedacht  hat,  so
  zu  programmieren, daß man selber auswählen kann, welche News-Groups
  (auch Bretter genannt) man laden möchte  und  welche  lieber  nicht.
  Dazu  gibt es eine sog. Brettliste, aus der man sich die bevorzugten
  Themengebiete bestellt und diese Bestellung einmal  an  die  Mailbox
  weitergibt. Diese Bestellung kann jederzeit um News-Groups erweitert
  oder verringert werden.

  Das Point-Programm ruft also die Mailbox an, teilt ihr  mit,  welche
  Daten  abgerufen  werden  sollen und die Mailbox packt die Daten und
  schickt sie zum heimischen Rechner. Dann entpackt das Point-Programm
  die  Daten  und  sortiert  die  Nachrichten  in  die  entsprechenden
  News-Groups ein. Somit findet man die Nachrichten  auf  dem  eigenen
  Rechner  in  der selben Reihenfolge, wie sie auch in den News-Groups
  der Mailbox zu finden sind. Zuhause kann sie in Ruhe  offline  lesen
  und  beantworten. Je nach Datenaufkommen ist die Datenübertragung in
  höchstens drei bis fünf Minuten erledigt. Das  Datenaufkommen  hängt
  davon  ab,  wie  stark die Beteiligung an den einzelnen Diskussionen
  war und natürlich auch davon, wieviele verschiedene News-Groups  man
  mitlesen möchte und deshalb bestellt hat.

  Dazu muß man sich bei der Mailbox als  Point  anmelden.  Für  diesen
  Dienst  wird  die  Mailbox  meistens  eine Gebühr von etwa 5,- DM im
  Monat verlangen, was nicht gerade viel ist, wenn  man  bedenkt,  daß
  die  Mailbox  die  Daten  ebenfalls von verschiedenen Rechnern meist
  mehrmals täglich laden muß und dadurch hohe Telefonkosten entstehen.
  Es  lohnt  sich  auf  jeden  Fall, den so braucht man sich die Daten
  nicht umständlich überall zusammenzusuchen, da das  ja  die  Mailbox
  erledigt.  Außerdem  bekommt man durch die Anmeldung als Point meist
  auch eine eigene eMail-Adresse,  was  für  Leute,  die  noch  keinen
  Internet-Anschluß haben, sicher auch sehr interessant ist.

  Wenn man dann z.B. ein Problem mit seinem Rechner  hat,  stellt  man
  nur  eine  Frage  in  dem  Netz  und  bekommt  darauf oft mehr als 5
  Antworten, die dann meistens das Problem lösen.

  Für die Anmeldung als Point ist meistens ein Gespräch mit dem Sysop,
  also  dem Mailboxbetreiber nötig, denn es werden bestimmte Daten und
  Passwörter benötigt, die man nur auf diese Weise erfahren kann.  Für
  den  Amiga  existieren  mehrere  Point-Programme, von denen aber das
  beste Microdot heißt.  Das  Programm  kann  man  30  Tage  kostenlos
  nutzen,  danach  sollte  man  sich entweder registrieren lassen oder
  aber damit aufhören.

  Hier noch paar wichtige Hinweise, die  Ihr  auch  wirklich  befolgen
  solltet,  denn es gibt in den  Netzen genug   Bekloppte,  die  immer
  auf Konfrontation aus sind oder meinen den Chef markieren zu müssen.
  Die  Tatsache,  daß  die  schon  eine längere Zeit in dem Netz sind,
  erlaubt es ihnen nicht,  gleich  über  alles  zu  entscheiden,  also
  ignoriert  sie  am  besten.  Ich hatte mit solchen Personen genug zu
  tun, und zuerst ging es eigentlich nur um meinen Footer, das ist  so
  eine  Art  Signatur  oder  auch  Information, die man an jede eigene
  Nachricht anhängt. Es gibt welche, die sich sehr ärgern, wenn so ein
  Footer  9  Zeilen  groß ist. Ich war noch neu, also wußte ich nicht,
  daß man sich über sowas so aufregt. Ich habe  den  Footer  geändert,
  natürlich  den anderen zu liebe und nicht denen, die sich darüber so
  aufregen.

  Es gibt da halt bestimmte Regeln, die man erst  einmal  kennenlernen
  muß.  Ich empfehle daher zunächst jedem, die Nachrichten erstmal 2 -
  3  Wochen  nur  zu  lesen  und  sich  so  einen  Eindruck  über  die
  Gepflogenheiten  der einzelnen News-Groups zu verschaffen. Man merkt
  dann sehr schnell, bei wem es sich um kompetente  Diskussionspartner
  handelt bzw. wer nur auf Konfrontation aus ist. Außerdem bekommt man
  einen Überblick, welche Fragen in den entsprechenden Foren gestellt,
  bzw. beantwortet werden.

  Wichtig ist auch, daß man sich  absolut  an  das  vorgegebene  Thema
  hält. Es ist unsinnig in der News-Group AMIGA/hardware über Software
  zu diskutieren.  Ebenso  verpönt  sind  Leute,  die  unbeantwortbare
  Fragen  stellen, z.B.: "Ich habe einen Amiga, welche Turbokarte soll
  ich kaufen?" Natürlich kommen dann  Antworten  wie:  "Ich  habe  ein
  Auto,  welche  Reifen  soll ich mir kaufen?" Also achtet darauf, daß
  ihr alle zur Beantwortung nötigen Details in die Frage einbaut.

  Grundsätzlich ist natürlich auch wichtig, immer höflich zu  bleiben.
  Ich  habe  oft  den Eindruck, daß manche Leute ihren ganzen Frust in
  den Newsgroups ablassen, da sie dort ja meist nicht mit Konsequenzen
  ihres  Tuns  zu  rechnen  haben.  Das  ist  mit Sicherheit nicht der
  richtige Weg und führt leider häufig dazu, daß der  Ton  in  manchen
  News-Groups   äußerst  rabiat  wird.  Ich  persönlich  schreibe  die
  Nachrichten immer so, als würde ich dem Menschen gegenübersitzen.

  Ein leidiges Thema ist auch das sogenannte Quoten.  Es  ist  üblich,
  bestimmte   Textzeilen   aus   der   ursprünglichen   Mail  bei  der
  Beantwortung zu übernehmen, also zu  qouten,  damit  der  Leser  der
  Antwort den Zusammenhang verstehen kann. Die geqoutete Zeile beginnt
  immer mit einem >, damit das Pointprogramm  die  Zeile  andersfarbig
  hervorheben  kann.  Zu beachten dabei ist, daß man nur soviel quoten
  sollte, damit der Zusammenhang erkennbar bleibt.  Es  ist  unsinnig,
  eine  2  KB  große Mail zu qouten, um dann nur drunter zu schreiben,
  daß  man  das  genauso  sieht.  Dadurch   werden   unnötige   Kosten
  verursacht,  weil  diese  Mail ja x-mal verschickt werden muß und es
  sogar noch Leute gibt, die  abhängig  von  der  geladenen  KB-Anzahl
  bezahlen  müssen.  Außerdem  belasten solche Mails die Resourcen auf
  allen Rechnern. Grundsätzlich gilt beim Quoten: Sowenig wie möglich,
  soviel wie nötig.

  Wie ich heute weiß, sollte  der  Footer  keinesfalls  länger  als  5
  Zeilen sein. Er sollte möglichst kurz und prägnant sein.

  Das sind so Dinge, auf die man achten muß.  Ich  hoffe,  Euch  einen
  kleinen Einblick in die Welt der Points gegeben zu haben.


  Geschrieben von Sebastian Brylka, bearbeitet und erweitert 
  von Petra Struck


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