From: "Wolf Dietrich" <wd@gf.phase5.de>
Newsgroups: de.comp.sys.amiga.misc
Subject: Re: Adieu,schoene PPC-Welt   -  an Wolf
Date: Mon, 08 Sep 1997 19:16:12 +0200
Organization: phase 5 digital products
Lines: 96
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Joern Plewka wrote:
 
> Die Verzögerung seit nunmehr fast 2 Jahren ist traurig und
> unprofessionell (ich meine nichtmal die Technologie).

Um einfach noch einmal die Geschichte von PowerUp kurz aufzuzeichnen:

Der Entschluss, auf den PowerPC umzusteigen, wurde von uns Anfang
Oktober '95 gefasst, als es von Seiten Motorola kurzfristig in Frage
gestellt wurde, ob die 68060 ueberhaupt noch einmal in die Volume
Produktion gehen wuerde. Wir haben dann das Projekt auf der Computer95
angekuendigt, und einen absoluten Alpha-Protoyp (aus dem Layout frisch
ins Labor) in einer Virtrine vorgestellt. Der Terminplan sah damals vor,
im zweiten Halbjahr 1996 PPC-Karten zu liefern.

Nachdem wir im ersten Halbjahr 96 rund vier Monate in begonnenen
Kooperationsverhandlungen mit AT verloren, kam mit dem Escom/AT-Konkurs
eine vollkommen veraenderte Situation, in der initial nicht absehbar
war, wie der Markt reagieren wuerde. Danach wurde erst einmal ueberlegt,
wie es weitergehen soll, und nachdem sich - nach wiederum knapp 4
Monaten und unnuetzen Gespraechen mit verschiedenen
Moechtegern-Amiga-Kaeufern - keine schnelle Loesung des AT- (und damit
OS)-Problems zeigte, haben wir das Konzept der Dual-Processor-Boards
ausgearbeitet und begonnen, die Protoypen des neuen Konzepts zu
entwickeln. Diese wurden vor der Computer 96 an erste Entwickler
ausgeliefert, und auf der Computer 96 mit ersten kleinen
Demo-Applikationen praesentiert. Zeitplan fuer die Auslieferung:
1.Quartal 1997. 

Ab hier haben wir eine Verspaetung, die auf verschiedenen Gruenden
basiert, die teilweise auch oeffentlich erlautert wurden. Darunter
fallen unter anderem auch personelle Veraenderungen im
Entwicklungsbereich sowie die Umstellung des gesamten Designs auf
VHDL-Synthese. Wie dem auch sei, eine Verspaetung von rund fuenf Monaten
gegenueber der Planung fuer die jetzige Produktgeneration haben wir uns
zuzuschreiben. Allerdings sind in dieser Zeit auch noch einige deutliche
designtechnische Verbesserungen der PowerUp-Boards und der Software
realisiert worden.

Auch wir finden die Verzoegerung traurig, denn wir haetten gerne schon
viel frueher ausgeliefert. Was den Vorwurd der Unprofessionalitaet
betrifft, so denke ich, dass Sie nicht in der Position sind, eine solche
Beurteilung zu treffen - hierzu muessten Sie selbst erst einmal
professionell - im Sinne des Wortes, also vor allem auch kommerziell -
arbeiten.


> Damit ist die Prozessorausstattung der Amigas noch weiter
> deformiert worden. Alles wartet auf PowerPC und die 060er
> interessieren niemanden mehr. 

Das ist falsch. Wir haben durch 1996 und das erste Halbjahr 1997 grosses
Interesse an den 060er-Karten gesehen, und auch heute werden diese
Karten noch bestellt. 


> Es ist schlicht eine Sauerei Quikpack und dieser MACH-Karte,
> (die unter mehreren Namen läuft) die Kunden wegzunehmen.

??? Soll man diesen Satz ernst nehmen? 

 
> Mit solchem Marketing kann man auch einen Markt
> auseinandernehmen. Man hat es vor 2 Jahren geschafft fast allen
> verbliebenen Entwicklungsfirmen des Amiga Angst zu machen.
> Hätte man damals gewußt wieviel Luft sich hinter PowerUP verborgen
> hat, wären sicherlich auch andere Firmen das Risiko eingegangen
> eine Karte oder eine andere Lösung zu entwickeln.
 
Was Sie als "viel Luft" bezeichnen, war eine Zeit intensiver
Entwicklung, Verwerfung, Neukonzeption und noch aufwendigerer
Neuentwicklung nach den angepassten Spezifikationen, sowie Aufbau der
Unterstuetzung der neuen Technologie durch andere Unternehmen und einer
Marktakzeptanz fuer die neuen Produkte. Ich denke, es ist muessig zu
spekulieren, wie andere Unternehmen diese Situation gemeistert haetten.
Fakt ist, dass es sonst niemand angegangen ist. Sollte es
Entwicklerfirmen gegeben haben, die Projekte aus Angst vor uns nicht
begonnen haben, so waere das deren Problem, denn dann waeren diese wohl
nicht faehig, sich der Herausforderung der Realisierung eigener Visionen
auch unter Konkurrenzdruck zu stellen - ein Teil des sogenannten
unternehmerischen Risikos. 


> Mathias Ortmamn hat recht, wenn er sagt, daß der Amiga
> "kaputtgewartet" wird...

Wenn das so sein sollte, so liegt dies aber an den Firmen oder
Entwicklern, die die Flinte ins Korn werfen und/oder abwarten, anstatt
sich neue Ziele zu setzen.

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  Wolf Dietrich, General Manager  phase 5 digital products  
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