DOpus Magellan / Neukauf


von
Andreas Schlick

Haben Sie sich nicht schonmal geärgert, daß die Workbench, trotz des Multitaskings des Amigas, allein durch einen Kopiervorgang völlig zum Stillstand kommt?

Oder, daß Sie für komfortables Dateimanagement immer noch ein anderes Programm starten mußten, wie z.B. DosControl, DOpus4 oder DiskMaster?

Dann ist vielleicht DOpus5 vielleicht das Richtige für Sie.

Für die, die DOpus5 noch nicht kennen, werde ich erstmal versuchen, zu beschreiben, wie die neue Philosophie von DOpus5.x aussieht. Als Referenz beziehe ich mich auf DOpus4 bzw. ähnliche Dateimanager (z.B. DosControl).

Es ist jedoch kaum möglich das gesamte Spektrum von Einsatzmöglichkeiten aufzuzählen, für die DOpus5 sich eignet, zumindest, wenn man sich die Zeit nimmt, sich mit dem Konzept vertraut zu machen.

DOpus4 basierte auf einem Zwei-Lister-Aufbau und einer sich darunter befindlichen Knopfbank. In den Listern konnten verschiedene Verzeichnisse/ Files etc. angezeigt und markiert und mit der frei definierbaren Knopfbank dann Operationen ausgeführt werden.

DOpus4 bot dabei fast das Maximum an Konfigurierbarkeit an. Von den Knöpfen über die Menüs, bis hin zu der Pixelbreite der Scrollgadget war alles einzustellen. Dabei blieben jedoch die zwei Lister immer erhalten.

Mit DOpus5 wird nun eine andere Philosophie verfolgt. DOpus5 kann nun zwar, wie bisher, als eigenständiges Programm (mit zwei Listern) laufen und sich dabei fast so wie DOpus4 verhalten, aber seine Leistungsfähigkeit wird kaum ausgereizt.

DOpus5.x soll eigentlich die Workbench ersetzen, d.h. der LoadWB-Befehl der Workbench wird durch einen neuen ersetzt, so daß DOpus5 dann sich als normaler Workbench-Screen öffnet. Es ist jedoch auch weiterhin möglich DOpus getrennt auf einem eigenen Screen laufen zu lassen. Beim WB-Ersatz wird der alte LoadWB-Befehl auch nicht gelöscht, sondern nur umbenannt. Dieser wird dann unterstützt, indem man beim Booten die Shift-Taste gedrückt hält und dann statt DOpus5 automatisch die alte Workbench geladen wird.

DOpus5 kann jetzt beliebig viele Lister öffnen (ok, wenn der RAM voll ist, natürlich nicht mehr :) Der Aufbau ist erstmal der Workbench ähnlich, man hat also einen Hintergrund-Screen/Fenster, auf dem sich die Festplatten-, Diskettenicons etc. befinden.

Aber beim Öffnen eines Laufwerks wird ein Dateilister geöffnet, der sich in einem von drei verschiedenen Modi befindet und zwar Text, Piktogramm oder PiktogrammPlus. Das Umschalten zwischen den Modi geschieht einfach per Hotkey (das Umschalten in den PiktogrammPlus Modus geschieht bei deutscher Tastaturbelegung leider nicht, aufgrund eines Bugs) oder per Menü.

Im einfachen Piktogramm-Modus sieht der Lister (fast) wie ein normales Workbenchfenster aus.

Der Textmodus bietet noch weitere Funktionen. In diesem Modus wird die Verzeichnisstruktur, wie bei DOpus4, als Text dargestellt, aber es lassen sich die dargestellten Informationen direkt im Lister verändern. Zum Bei- spiel kann man im Dateilister auf eine Datei klicken, bis ein Cursor erscheint, mit dem man dann den Filenamen per Tastatur direkt editieren kann, ohne dazu eine spezielle Funktion aufrufen zu müssen. Das gleiche gilt auch für die Schutzbits, Datum oder Kommentar.

Beim Text- und PiktogrammPlus-Modus wird das Fenster noch um eine konfi- gurierbare Iconleiste erweitert, die schnellen Zugriff auf wichtige Datei- operationen bietet, wie z.B. Umbennen, Kopieren, Löschen, Anzeigen etc.

Diese Buttonleiste ist auch konfigurierbar, was Funktion und die Icons betrifft, so daß jeder sich seine eigene Umgebung zusammenstellen kann. Jedoch ist die Kompatibilität des Piktogramm (Plus) Modus zur Workbench nicht völlig gegeben. Bei der Workbench kann man durch Anwählen eines Programms und folgendem Multiselect per Shift-Taste weitere Projekte/ Dateien anwählen und beim endgültigen Doppelklick wird dann das Programm gestartet und die anderen Dateien werden gleich mitgeöffnet. Dies funktioniert unter DOpus leider nicht mehr.

Von den Knopfbänken oder sogenannten Startmenüs können ebenso beliebig viele erstellt werden. Die Konfigurierbarkeit der Startmenüs und der normalen Knopfbänke ist, genau wie bei DOpus4, sehr umfassend und bietet viele Möglichkeiten.

Desweiteren gibt es noch PopUp-Menüs, die sich abhängig vom Filetype noch speziell erweitern lassen. Die Filetypen werden (ähnlich zu DOpus4) in einem eigenen Konfigfenster eingestellt. Die Erkennung kann über spezielle Bytecodierungen der Datei selbst erfolgen oder einfach durch ein Patternmuster über den Dateinamen. Als weitere Kriterien sind auch der Dateikommentar, die Schutzbits oder das Erstellungsdatum etc. möglich. Die diversen Auswahlkriterien lassen sich dann noch als einfach Logik-Elemente per "und" bzw. "oder" verknüpfen.

Während es bei DOpus4 definitiv war, wie Dateioperationen, die ein Quell- und ein Zielverzeichnis benötigen, ablaufen (da z.B. für das Kopieren der eine Lister automatisch das Quellverzeichnis ist und der andere das Ziel), ist das bei DOpus5 nicht mehr gegeben, da ja nun mehrere Dateilister gleichzeitig geöffnet werden können. Da die Zuordnung nicht mehr eindeutig sein muß, haben die Dateilister im PiktogrammPlus- und Text-Modus noch eine Einstellung, ob sie als Quell- oder Zielverzeichnis verwendet werden sollen, bzw. deaktiviert sind.

Um nun einen bestimmten Dateilister über z.B. ein ARexx-Script ansprechen zu können, hat jeder Dateilister einen speziellen, eigenen ListerHandler. Dabei fiel mir allerdings negativ auf, daß es nur möglich ist, den ListerHandler des Quell- oder Ziellister zu bekommen. Es besteht keine Möglichkeit den aktiven Dateilister zu manipulieren (wenn es nicht gerade der Quell/Ziellister ist).

Nachdem ich mehr schlecht als recht versucht habe, das Prinzip von DOpus5 zu erklären, gehe ich nun noch auf ein paar spezielle Punkte ein:

Piktogrammpositionierungssystem

Mit dem neuen Positionierungssystem können Bereiche auf dem Hintergrundfenster definiert werden, in dem dann nur bestimmte Icons automatisch abgelegt werden. Dadurch kommt endlich Ordung auf den Screen. :)

Man definiert dabei einen Bereich und stellt dann ein, welche Art von Icon dort abgelegt werden soll. Unterschieden wird nach AppIcons, Disk, Lister/ Knöpfe, Gruppen und ausgelagerten Icons. Danach werden dann z.B. alle neuen DiskIcons nur an den Rand abgelegt, während die AppIcons und Lister/Knöpfe sich in eine andere Ecke drängeln. Das System wird dann noch durch eine Prioritätseinstellung verfeinert.

Konfiguration

DOpus Magellan läßt sich auch sehr stark an die Wünsche der User anpassen. Leider wurden dabei im Vergleich zu DOpus4 auch Abstriche gemacht.

So läßt sich das WB-Menü, genau wie auch die meisten Popup-Menüs, zwar um weitere Punkte erweitern, aber das vorgegebene Standardmenü läßt sich nicht verändern.

Es lassen sich jedoch beliebig viele Filetypen erstellen, die DOpus dann erkennt und je nach Aktion verschieden darauf reagiert. Desweiteren lassen sich beliebig viele Dateilister und Knopfbänke öffnen etc. etc.

Es muß jedoch größte Vorsicht bei der Verwendung des mitgelieferten (Musik-)Module-Filetypes angeraten werden! Dieser Filetype benutzt die ebenfalls mitgelieferte "inovamusic.library".

Durch diesen Filetype kam es auf meinem Rechner zu häufigen Abstürzen, da einige Programme als "Module" erkannt wurden und abgespielt werden sollten. Beim Schließen des Player-Fenster von DOpus kam es dann zum Crash.

Jedoch lassen sich leider nicht alle Optionen mehr oder weniger komfortabel per GUI einstellen. So gibt es z.B. noch eine ganze Reihe von Environment- Variablen, die bestimmte Eigenschaften definieren. Meiner Meinung nach leider auch nicht immer mit einer korrekten Beschreibung.

Es wäre zwar meines Erachtens möglich, für die Env-Variablen eine Knopfbank mitzuliefern, aber darauf wurde verzichtet.

NewIcons-Unterstützung

Die NewIcons-Unterstützung wird in dem Updatebericht beschrieben.

FTP-Modul

Seit Version 5.5 wird DOpus mit einem FTP-Modul ausgeliefert, das es ermöglicht, mit den normalen Dateilistern auch FTP-Server zu benutzen. Dafür muß aber natürlich ein TCP/IP Stack laufen, der online ist.

Das FTP-Modul wurde völlig überarbeitet. So lassen sich die FTP-Addressen nun über ein ein Addressbuch mit GUI verwalten.

Leider bietet das FTP-Modul kein ADT (Aminet Download Tool), so daß man beim Aminet-FTP-Server selber nach neuen Uploads suchen muß. :(

Für Standard-Anwendungen, wie Anonymous-FTP oder zum einfachen Uploaden, ist das FTP-Modul sicher geeignet. Für spezielle Anwendungen, die z.B. die Eingabe von RAW-Commands erfordert, ist das FTP-Modul nicht geeignet.

Die Eingabe des FTP-Servers ist bei dem FTP-Modul gut gelöst. So kann man einen Server entweder gleich über das Addressbuch eingeben und die Verbindung starten oder man gibt in einem Dateilister als Verzeichnis die Addresse des FTP-Servers ein, in der Form `FTP://ftp.foo.bar'. Ein einfacher Connect-Befehl, der ein kleines Fenster zum Eingeben der Adresse öffnet, ist ebenfalls vorhanden.

Inwieweit das FTP-Modul wirklich benutzt wird, hängt aber endgültig vom Geschmak des Users ab. Es wird vermutlich den meisten das Benutzen eines speziellen FTP-Tools, wie z.B. AmFTP oder AmiFTP, näher liegen, als das FTP-Modul von DOpus.

Lha/Lzx/-Unterstützung

Auch DOpus 5.6 Magellan unterstützt die Archiver nicht direkt. Es wird zwar ein Script-Paket mitgeliefert, das dafür sorgt, daß man auch Lha/Lzx- Archive wie normale Verzeichnisse benutzen kann und es läuft soweit auch recht gut. Es sind jedoch nicht alle der Standard-DOpus-Funktionen implementiert.

Es lassen sich damit z.B. keine Dateien in oder aus Archiven verschieben oder Umbenennen oder mit CopyAs kopieren. Diese Funktionen lassen sich zwar meist auch per Hand machen, so ist das Verschieben ja eigentlich nur Kopieren und Löschen, aber es wäre doch wünschenswert auch solche Annehmlichkeiten unterstützt zu wissen.

Dokumentation

Auch das neue DOpus wird wieder ohne ein gedrucktes Handbuch ausgeliefert. Die Anleitung befindet sich auf der CD im AmigaGuide-, PowerGuide und Wordworth-Format.

Aber selbst, wenn man von dem Fehlen des Handbuches absieht, ist es alles andere als gut. Die Anleitung hat sich grundlegend seit Version5.5 nicht geändert, so daß das Kapitel "Einleitung" den Abschnitt "Ergänzungen für Opus Magellan" enthält, das als eigenes File dabei liegt.
Dazu kommt dann noch die "Liesmich.55" von DOpus5.5 und "Liesmich.Magellan".

Um also einen vollständigen Überblick über DOpus Magellan zu bekommen, muß man die Anleitung von DOpus5.5 lesen, dann die Last-Minute-Änderung der V5.5, dann die Ergänzung zu Magellan und dann zu guter Letzt auch nochmal die Last-Minute Änderung der Magellan Version. :-(

Desweiteren existiert auch nicht zu jedem Fenster eine OnlineHilfe, so daß das Suchen der Erklärung zu einer Funktion zu einer rechten Qual ausarten kann.

Fazit:

DOpus Magellan ist eine sehr gute Software geworden. Vielleicht werden die meisten von dem neuen Konzept etwas verwirrt sein, aber wenn man sich erstmal damit vertraut gemacht hat, will man es nicht mehr missen. So beinhaltet auch DOpus5.62/65 noch ein paar kleinere Mängel, die jedoch meist nicht so auffallen.

Wer über den Kauf von DOpus Magellan nachdenkt, braucht zwar als Minimum OS2.0, eine Festplatte, CD-ROM-LW und 2 MB RAM, aber mit einer solchen Konfiguration wird die Arbeit mit DOpus kaum eine Freude werden. Vor allem eine schnelle CPU und mehr RAM sollten für bequemes Arbeiten vorhanden sein.

Falls es möglich ist, sollte man sich vorher bei einem Freund oder Bekannten das Prinzip von DOpus5 erstmal zeigen und erklären lassen, damit man nachher nicht dasteht und nicht weiter weiß.

Mich persönlich hat DOpus5.x überzeugt und ich will nicht mehr ohne arbeiten, allerdings empfinde ich die von Schatztruhe gelieferte Support/ Updatepolitik etwas mager.

Features:

Einschränkungen/Bugs:


Produkt:DOpus MagellanHersteller:Jonathan Potter/GPSoft
Art:Dateimanager (WB-Ersatz)Version:5.61/62
Preis:ca. 99 DM zzgl. Versandk.Bez.Quelle:Schatztruhe GmbH
Leistungsfähigkeit:1
Benutzerfreundlich:2
Dokumentation:4
Preis-/Leistung:2
Gesamt:2


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