"Im Netz der Vorurteile"


Gedanken zum WWW
von
Gregor Franz

Internet-Boom... Cyber-Sex... Online-Kriminalität... Web-Surfen... usw.

Schlagwörter, Modewörter und teilweise sinnentleerte Neuschöpfungen unseres Sprachschatzes, oftmals von Leuten ohne viel Durchblick geschaffen oder gebraucht, sollen uns bzw. die Allgemeinheit, darauf bringen, daß entweder das Internet (vordergründig meist nur auf das WorldWideWeb reduziert) uns vollkommene Freiheit verschafft und den Sprung in das nächste Jahrtausend bedeutet oder, als extremer Gegensatz, vollkommene Überwachung und das totale Verbrechen ermöglicht.

Dann fallen einem Fernseh- oder Zeitungsberichte (insbesondere `themenfremde` Publikationen) ein bzw. auf, in denen u.a. von der Verbreitung pornographischer, radikaler, verbrecherischer oder volksverhetzender Inhalte die Rede ist.

Das entgegengesetzte Extrem verspricht die eierlegende Wollmilchsau und meint, das Internet würde den größten Umbruch in der Zivilisation, seit Erfindung des Rades, bewirken.

Was ist dran?

Keine einfach zu beantwortende Frage. Ich werde mich auch nicht verleiten lassen, sie wirklich beantworten zu wollen, sondern nur ein paar Eindrücke schildern.

Es gibt Risiken. Von Cookies/Java/Javascript u.ä. ist die Rede, die es möglich machen sollen, heimische Festplatten zu durchforschen oder dort zu schalten und zu walten, wie es ihnen gefällt. Teilweise ist das ganz sicher noch Zukunftsmusik.

Tatsächlich nutzt `das Verbrechen` das Internet. Genau wie alle anderen Institutionen und Lebensbereiche. Und genau, wie es schon immer alle Möglichkeiten, die sich bieten, genutzt hat und nutzen wird.

Ist das wirklich so verwunderlich? Ganz klar, daß rechtlich gesehen noch vieles im Argen liegt, daß da etwas getan werden muß. Deswegen wird aber doch nicht gleich aus jedem Nutzer ein Verbrecher, selbst wenn er durch Zufall auf solch einen Bereich stoßen sollte.

Genauso wenig, wie man nicht automatisch zum Extremisten wird, weil einem eine solche Zeitschrift in die Finger kommt.

Das bedeutet, daß insbesondere die jeweiligen `Kreise` diese Angebote in Anspruch nehmen, die rechtliche Grauzone des Internet (in vielen Ländern) für ihre Zwecke ausnutzen.

Zur anderen Seite der Medaille: Kaufen wir, die wir Zugriff zum Internet haben, jetzt wirklich alles hier im `virtuellen Kaufhaus` ein? Nein?

Blättern wir etwa doch häufiger in aller Ruhe im dicken, papiernen (aber kostenlosen) Quelle-Katalog, als teuer online in deren WWW-Angebot?

Und das normale Versandgeschäft hat sicherlich noch die beste Möglichkeit Kunden auch im Internet zu gewinnen. Aber die CD kann man im Geschäft probehören, einen Blick in das Buch werfen, Sachen anprobieren, Lebensmittel begutachten - bevor man kauft!

Selbst wenn das `virtuelle Geld` sicher ist, so hat `die Wirklichkeit` von Geschäften mit menschlicher Beratung dem Internet noch einiges voraus.

Fast alle bekannten und alle möglichen nicht so bekannten Firmen stürmen das Internet, um, wie es heißt, den Zug nicht zu verpassen oder das Bein in der Tür zu haben, wenn der Zug denn so richtig abgehen sollte und das Netz ein profitables Pflaster wird.

Denn das ist es noch nicht. Viele Provider machen Miese, die meisten kommerziellen Angebote im Internet werfen keine großen Gewinne ab, ja von den Suchmaschinen z.B., die eigentlich Werbung am sinnvollsten Vermarkten können, soll bis jetzt gerademal Yahoo! knapp im grünen Bereich liegen.

Eines spürt man dagegen kaum in den lobpreisenden Berichten oder den Verunglimpfungen der Medien. Das, trotz einer gewaltigen Zunahme mit steigender Tendenz, und einer Überlastung des Netzes, nur ein sehr geringer Teil der Bevölkerung im Internet rumtingelt. Selbst in den Industrienationen.

Für mich ist das Netz immer noch in der Hauptsache das, wofür es geschaffen wurde. Ein gewaltiger Pool von Informationen. Das ist auch sein größter Nutzen.

Hier kann man auch Gleichgesinnte treffen, ob Nutzer desselben Computers, Betriebssystems oder ob Fans derselben Musikgruppe oder etwas anderem.

...und man kann auf der Suche nach ihnen und den gewünschten Informationen auf einer Vielzahl von obskuren Seiten landen, die einem das Blaue vom Himmel weg versprechen und dann nur einen Haufen Werbung beinhalten, laue, alte oder unbewiesene Infos anbieten, oder der Selbstdarstellung dienen.

Denn Suchmaschinen überprüfen halt (meistens) nur nach Stichwörtern und nicht auf den Inhalt von Seiten. Trotzdem sind die Suchmaschinen die festen Adressen im Web. Sie versuchen Ordnung in das Chaos zu bringen, einen vor dem unorganisierten Fall ins bodenlose Internet zu bewahren.

So habe ich schon einige `Sessions` erlebt, die ich begonnen habe, in der festen Absicht, nach einer bestimmten Sache Ausschau zu halten, ja intensiv danach zu suchen und man sich dann, nach stundenlanger Hangelei durch unzählige, teilweise obskure Seiten, genauso schlau wie zuvor wiederfindet.

Das waren einige meiner Ansichten und Eindrücke, da, wie ich festgestellt habe, einige Leser nicht mit dem Internet vertraut sind und noch keine eigenen Erfahrungen sammeln konnten.

Das sollte kein Plädoyer für oder gar gegen das Internet, respektive WorldWideWeb sein, sondern zeigen, daß es noch kein Forum für übersteigerte Hoffnungen oder übertriebene Ängste ist.

Die Zukunft hält noch einiges an Entwicklungsmöglichkeiten bereit, aber bis das Internet oder ähnliche Netze eines Tages mit der Realität konkurrieren können, wie in einigen Science Fiction (oder Horror?)- Visionen, wird noch einige Zeit ins Land gehen, wenn es denn je dazu kommen sollte.

Im Moment ist es (das WWW) einfach ein guter Platz, um frische Informationen zu bekommen, die man teilweise in anderer Form sonst gar nicht, nur schwer oder später erhalten kann.

Man muß nur wissen, wo sie zu finden sind! Ein paar Anhaltspunkte dazu, versuche ich weiterhin in der Rubrik "Spiderman`s Web-Adventure" zu geben.


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