Interview


mit
Stefan Burström

Stefan Burström ist der Programmierer des im Moment im Amiga- Bereich erfolgreichsten Web-Browsers (lt. diversen Zugriffsstatistiken) IBrowse.

Andreas Schlick führte mit ihm im IRC folgemdes Interview auf Englisch und übersetzte es ins Deutsche.

Desweiteren wurde uns freundlicherweise ein Bild von Stefan und Rüdiger überlassen. Das Copyright des Bildes liegt bei Thomas Svenson/Amiga Info 1996.

AmZ: AmZeiger (Andreas Schlick)
SB : Stefan Burström


AmZ: Hallo, Stefan. Du bist der Hauptprogrammierer von IBrowse, aber Du programmierst nicht alleine daran, oder? Also, wer arbeitet noch an IBrowse und wer ist Omnipresence?
SB: Hallo. Nett von Dir dieses Interview zu arrangieren.
Erstmal wurde Omnipresence Intl. vor zwei Jahren von den Hauptprogrammierern von AMosaic gegründet. Es gehört damit Michael Witbrock, Michael Fisher, Mike Meyer, Rüdiger Sopp und mir, Stefan Burstroem. Momentan bin ich es, der die Hauptarbeit an IBrowse macht, da Rüdiger mit seinem Examen beschäftigt ist. Und dann haben wir noch eine Reihe von Programmieren, die Teilarbeit machen, wie die FTP- und Gophermodule.
AmZ: Hast Du schon immer an IBrowse gearbeitet oder hattest Du vorher schon andere Projekte (außer AMosaic)?
SB: Ich habe bisher keine anderen kommerziellen Programme geschrieben, falls Du das meinst. Ich schreibe seit Jahren Demos, hauptsächlich für den C=64. Und dann habe ich noch einige aufs Programmieren bezogene Projekte der Schule (zuerst in der Highschool und später in der Universität) beendet.
AmZ: Wann kam der Wechsel zum Amiga?
SB: Ich habe ebenfalls einige Entwicklungstools für den C64 gemacht, die ich ein paar Leuten gegeben habe, aber keines war "offiziell" veröffentlicht. Ich bekam meinen ersten Amiga vor 7 Jahren. Aber ich benutzte ihn für C64-Entwicklung bis vor 2 Jahren.. eh, mach` 2,5 Jahre draus.
AmZ: So, Du programmiertest auf deinem Amiga und kopiertest es auf den C64? Warum hast Du weitergemacht für den C64 zu entwickeln?
SB: Ich weiß nicht, warum ich wieder zum C64 zurück ging, aber ich vermute, es ist eine größere Herausforderung für den C64 Demos zu machen, als für den Amiga.
AmZ: Die Zukunft des Amiga ist momentan sehr unsicher. Siehst Du eine Zukunft für den Amiga?
SB: Ich kann für ihn keine Zukunft als eine Hauptplattform sehen.
Aber er wird immer als eine Alternative sein für Leute, die nicht dem Hauptstrom folgen wollen. Ich sehe den Amiga als eine Alternative zu Windows oder Mac für die Leute, die einen Computer statt einem Werkzeug haben wollen.
AmZ: Es gibt einige geplante Nachfolgerkonzepte. Wirst Du IBrowse für eines davon umsetzen, wie z.B. p.OS oder die A\Box?
SB: p.OS ist interessant, aber ich weiß nicht, wann sie einen integrierten TCP/IP-Stack dafür haben werden. Solange werden wir nur die Technologie abschätzen, wir machen keine Hauptarbeit dafür.

Bezogen auf die A\Box, ist es mehr eine Frage, welches OS darauf laufen wird, daher kann ich nicht antworten, da es bisher nicht entschieden/bekannt ist, welches Betriebsystem es fährt.
AmZ: Aber Du bist an anderen OS interessiert? Wenn Du die Wahl hättest zwischen dem originalen AmigaOS, p.OS, dem geplanten A\OS, dem geplanten OS von Carl Sassenrath, AROS, Windows (3.x / 95 / NT) und einem Unix-ähnlichem OS (Unix, Linux, NetBSD etc.), welches würdest Du lieber unterstützen (basierend auf deinen momentanen Empfindungen und Wissen) und welches magst Du wirklich?
SB: Ich vermute, ich würde die ersten drei nehmen: AmigaOS, p.OS und A\Box-OS.
AmZ: Was planst Du für die Zukunft von IBrowse? Wird es JavaScript, Java unterstützen und/oder eine API bekommen?
SB: Ja, es wird JavaScript unterstützen und ja, es wird eine Plugin-API geben.
AmZ: Aber es wird nicht Java-fähig werden?
SB: Es wird auch Java unterstützen, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.
AmZ: Denkst Du, Du kannst mit der Entwicklung von NetScape mithalten? Sie haben wahrscheinlich ein größeres Entwicklungsteam als ihr.
SB: Nein, wir können nicht mit NetScape konkurrieren.

Der Schlüssel ist, nicht zu versuchen jedes einzelne Feature zu implementieren, wie es in NetScape ist. Es gibt Tonnen von Sachen, die nicht nützlich sind und wenn die Leute wirklich diese Sachen haben wollen, dann können sie sich einen PC und NetScape besorgen.

AmZ: Und wie stehst Du zu den anderen Amiga-Web-Browsern Voyager, AWeb und dem FinalWebCruiser? Sind sie eine harte Konkurrenz?
SB: Konkurrenz ist immer interessant. Die einzige Bedrohung ist soweit Voyager.
AmZ: Was hältst Du von der Diskussion über die Sicherheitslücken im Internet? Ist es wirklich so gefährlich, wie die Medien es manchmal suggerieren? Zum Beispiel die Cookies. Kann jemand wirklich damit einen Computer ausspionieren?
SB: Es gibt keine Möglichkeit, daß jemand Information über deinen Computer durch Cookies bekommt. Es gibt vielleicht Wege, aber diese basieren auf Fehlern in NSN und IE. Sicherheit hat für uns immer eine große Bedeutung. Zum Beispiel ist unser JavaScript sehr sicher und alles, was wir implementieren, ist gründlich geprüft, damit es keine Sicherheitslücken enthält.
AmZ: Ihr arbeitet also bereits an einer JavaScript Implementierung? Wie weit seid Ihr?
SB: Wir haben eine komplette JavaScript-Engine lauffähig. Alles was ich noch zu tun habe, ist die Callbacks zum Browser einzubauen.
AmZ: Was denkst Du, wird das Internet unsere Gesellschaft positiv oder negativ beeinflussen?
SB: Hey, ich bin ein Ingenieur... :-)

Ich denke nicht, daß sich im Moment viel ändern wird. In einigen Jahren, denke ich, werden die Leute das Internet in ihr Leben integriert haben, auf eine Art, daß es ihnen in ihr heutiges Leben paßt. Du weißt, die Mehrheit der Bevölkerung benutzt nicht das Internet bisher...

AmZ: Wie denkst Du über einige der Gesetzesentwürfe zur Überwachung des Internets? Oder um kryptografische Software zu verbieten, wie z.B. Zimmermanns PGP?
SB:

Ich denke nicht, daß es möglich ist, das Internet zu überwachen. Ich hoffe, daß die Leute einsehen, daß das Verbot von Software etc. es nur schwieriger für normale Leute macht. Kriminelle werden sich nicht darum kümmern, ob es illegal ist, Verschlüsselungssoftware zu benutzen.

Aber was ich wichtig finde, ist, daß Wege gefunden werden, um die Drogen, Kinderpornographie und Raubkopien, die durch das Internet fließen, zu überwachen. Nur durch das Beobachten, wie es sich verbreitet, wird es möglich sein, dagegen zu handeln und nicht durch ein Verbot im Internet.

Am Ende kann schließlich alles im Internet jeden Endpunkt irgendwo erreichen und dort sitzt ein Mensch. Dieser ist es, mit dem wir uns beschäftigen müssen und nicht mit der Technik, die er oder sie benutzt.

AmZ: Hast Du irgendwelche Ideen, wie ein Staat verhindern kann, daß Drogen, Kinderpornographie etc. durch das Internet vertrieben werden? Der Täter lebt meist in einem anderen Land mit anderen Gesetzen.
SB:

Durch die Annahme der Gesetze der anderen Staaten und es gibt immer eine Person, die den Kram erhält, in einem Staat wo es verboten ist. Dann kann man sie oder ihn festnehmen...

Man verklagt ja auch nicht die US-Post, weil man Drogen in normalen Briefumschlägen verschickt, nicht wahr? ;)

AmZ: Laß uns noch über Dich reden. Was tust Du außer Programmieren?
SB:

Ich schlafe und esse, hm, habe ich für etwas anderes Zeit?... ;-)

Okay, momentan arbeite ich etwas für eine schwedische Firma, die Axis heißt und ich studiere, um Ingenieur für physikalische Technik und Computer-Design zu werden.

Ich mag Sport. Ich spiele Volleyball und Beach-Volleyball häufig und manchmal auch Tennis.

AmZ: Willst Du weiterhin für eine längere Zeit programmieren oder was planst Du für deine Zukunft?
SB: Ich würde gerne an einigen Hardware-Entwicklungs-Projekten arbeiten, vielleicht eine neue optische CPU konstruieren :-)

Ich denke nicht, daß ich noch lange so wie bisher programmieren werde, vielleicht fünf Jahre, vielleicht mehr oder weniger. Es hängt davon ab, wie viel Spaß es macht.

AmZ: Vielen Dank, daß Du die Zeit für das Interview hattest. Und einen schönen Tag noch.
SB: Ebenfalls danke!


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