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Do, 9.10.97:...und die Reaktion von phase 5«Neue vorläufige Stellungnahme zur Warpup-DiskussionDie unerfreulicherweise ausgebrochene heftige Diskussion über Warpup überschattet zur Zeit die erfreuliche Tatsache, daß mit Einführung der PowerUp-Produktlinie die wohl umfassendste Innovation der letzten Jahre im Amiga-Markt Realität geworden ist, und daß in Folge der umfangreichen Bemühungen, Investitionen und Kooperationen von phase 5 digital products und Softwareherstellern weltweit eine neue und leistungsstarke Generation von Anwendungen vor der Markteinführung steht. Wir haben zur Warpup-Diskussion viele unterstützende Zuschriften und Emails erhalten, aber auch Schreiben von Anwendern, die Besorgnis über die möglichen Folgen des Konflikt zwischen Haage&Partner und phase 5 äußerten. Darunter waren auch solche, die unsere sehr deutlich geäusserte Ablehnung als zu massiv oder emotional empfanden, wobei diese Auffassung durch die Darstellung von Haage&Partner gefördert wird, die uns "aggressive Attacken" vorwerfen. Es ist richtig, daß unser erstes Statement sehr direkt ausgefallen ist, da es sich dabei um die Kopie eines Postings in eine Internet-Newsgroup handelte, in der Haage&Partner-nahe Quellen die massiv gestartete Marketingkampagne von Haage&Partner unterstützten. Es war in dieser Form allerdings auch eine Reaktion auf die aggressive Marketingkampagne, mit der uns Haage&Partner im vollen Bewußtsein unserer ablehnenden Haltung völlig überrascht hat, was wir in Hinblick auf unsere bisherige Unterstützung als massiven Vertrauensbruch ansehen. Erfreulicherweise hat unsere deutliche Kritik zu einer umfangreichen Stellungnahme seitens Haage&Partner geführt, in der sie verbindliche Positionen beziehen und die wir als Basis zu einer umfassenden Diskussion über Realität, Fiktion und Suggestion in ihren Aussagen heranziehen werden. Wir betonen, daß die umfangreiche Darstellung von Haage&Partner in weiten Teilen nicht richtig ist, und werden am 14.10.97 auf unserer Website ebenso umfangreich - und auch auf technische Fragen eingehend - Stellung beziehen werden. Da uns Haage&Partner unter anderem vorwirft, weg vom Amiga-Standard zu entwickeln, absichtlich Inkompatibilität herbeizuführen, und auf "diktatorische" Weise Kontrolle ausüben zu wollen, werden wir in unserem Statement fundiert aufzeigen, daß
Interview: Kontra WarpZur heftigen öffentlichen Diskussion um Warpup haben wir Wolf Dietrich von phase 5 befragt.AMIGA-Magazin: Warum kritisieren Sie Warpup von H&P in sehr direkter und massiver Form? W. Dietrich: Warpup ist eine Software-Lösung, die das Starten der PowerUp System Software unterbindet. Als Folge davon können keine auf der PowerUp System Software basierenden Programme mehr aufgerufen werden.Dies betrifft die von phase 5 mitgelieferte Software, Erweiterungen von CyberGraphX (wie die schnelle PPC-CyberGL-3D-Library oder die PPC-MPEG-Library), und all die Programme der Hersteller, die PowerUp-konforme Software entwickeln.Wir können daher den Anwendern nur dringend von Warpup bzw. damit arbeitender Software abraten, und übernehmen keine Gewähr für die Funktionalität von PowerUp-Systemen, auf denen Warpup installiert wurde.
W. Dietrich: H&P vermittelt den Eindruck, daß Warpup zusätzliche Funktionalität zur Verfügung stellt, was für uns nicht ersichtlich ist. H&P fehlt grundsätzliche Einsicht in die Hardware-Funktionalität, was sich in ihrem Produkt wiederspiegelt.Die PowerUp System Software stellt einen PPC-Kernel mit umfangreichen Features zur Verfügung, wie z.B. einem Messagesystem, das den parallelen Betrieb mehrerer Prozessoren ermöglicht. H&P verwendet einen überholten Weg des Wechsels zwischen den Prozessoren innerhalb eines Programms. Hierbei treten Kontextwechsel auf, die viel Zeit kosten, und die Prozessoren arbeiten sequentiell anstatt parallel. Dieses Verfahren ist massiv langsamer als unser Prinzip, das den Kontextwechsel vermeidet und Multiprocessing verwendet. Durch die konzeptionell falsche Implementation von H&P wird wesentliche Leistung der PowerUp-Boards verschenkt, was wir nicht gutheissen können; auch die Möglichkeit des Multiprocessing wird vollkommen vernachlässigt.Desweiteren baut die Lösung von phase 5 generell auf zukunftsorientierten offenen Standards auf, die H&P nach unserer Auffassung nicht bietet.
W. Dietrich: Als Systemhersteller der PowerUp-Produkte ist es üblich und sinnvoll, daß wir eine einheitliche Lösung anbieten den HAL (Hardware Abstraction Layer) kontrollieren, der von der Hardware abstrahierte Software erlaubt und Kompatibilität gewährleistet. Was die AmigaOS-Frage betrifft: Wir empfehlen den Entwicklern modulare und strukturierte Programmierung, die die Software objektorientiert und in Hinsicht auf ein neues OS zukunftstauglich macht. Ein solches neues OS kann ein AmigaOS-Update sein, oder auch ein alternatives OS - die strukturierte Programmierung kommt dem Entwickler in jedem Fall zugute. Wenn Software-Entwickler jetzt für den neuen Prozessor entwickeln, dann sollte ihre Arbeit auch für kommende Betriebssysteme vorbereitet sein - alles andere wäre kurzsichtig. Im übrigen ist dies ein Thema, das wir mit Amiga Inc. diskutieren, mit denen wir in Kontakt stehen.
W. Dietrich: Die Tatsache, daß wir H&P lange unterstützt haben, beweist das Gegenteil. Fakt ist allerdings, daß H&P vom Beginn der PowerUp-Entwicklung an versucht hat, an der Entwicklung zu partizipieren, eigene Standards einzuführen und den Storm C-Compiler zum exklusiven Entwicklungstool zu machen. Wir haben dies abgelehnt, da wir offene und zukunftsorientierte Standards verfolgen. Wenn H&P behauptet, wir hätten nicht über ihre Alternativen diskutiert, so ist dies falsch; sie konnten lediglich keine leistungsfähige und zukunftsorientierte Software-Technologie anbieten.
W. Dietrich: Die Vorgehensweise von H&P lehnen wir strikt ab. Wir erachten es als nicht akzeptabel, daß mit umstrittenen und teilweise technisch unrichtigen Darstellungen eine Software in den Markt gedrängt und als Standard etabliert werden soll, die beim Anwender zu massiven Kompatibilitätsproblemen führt, und deren offensichtlicher Existenzzweck darin liegt, ihrem Hersteller Einfluß auf zukünftige Entwicklungen zu ermöglichen. Daß H&P als Hersteller von Entwicklungs-Tools, Anwendersoftware und Systemerweiterungen (JAVA) nun Kontrolle über mögliche OS-Entwicklungen der Zukunft erringen will, zeigt eine massiv monopolistische Strategie auf, die wir - wie auch andere Entwickler - als besorgniserregend betrachten. Eine von H&P propagierte "Hardware-Unabhängigkeit" setzt übrigens voraus, daß alle Hardware-Entwickler die H&P-Lösung übernehmen - einschließlich Amiga Inc., was eher unwahrscheinlich ist.
W. Dietrich: Wir werden alle notwendigen Schritte unternehmen, um unsere Entwickler und Anwender vor massiven Problemen durch eine von der H&P-Software erzeugte Inkompatibilität zu schützen. Ein erster Schritt ist damit getan, daß wir uns der praktisch uneingeschränkten Unterstützung der PowerUp-Entwickler versichert haben; Resultate in Form von PowerUp-Software werden auf der Kölner Messe "Computer 97" zu sehen sein. Wir werden H&P darüber hinaus keine Entwicklerunterstützung mehr gewähren. Da Warpup unseren HAL umgeht, wird es daher höchstwahrscheinlich inkompatibel zu zukünftigen PowerUp-Varianten sein, bei denen aus technischen Gründen das Hardware-Design unterschiedlich ist.
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Ausgabe 11/97 |