Amiga Aktuell |
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AbschließendNicht umsonst habe ich in der AMIGA-aktuell-Umfrage im letzten Monat von Euch wissen wollen, wie Ihr die bisherige Arbeit von AMIGA International beurteilt, und ob Ihr glaubt, daß die Verbreitung des AMIGAs in Zukunft wieder zunehmen wird.Ohne hier bereits die Auswertung der Ergebnisse vorwegzunehmen, kann ich sagen, daß mich die große Streuung bei der ersten Frage doch etwas überrascht hat: Es waren alle Noten zwischen einem klaren "sehr gut" und einem "mangelhaft" vertreten. Lediglich die Note 6 habe ich auf Euren Fragebögen (noch) nicht entdecken können. Beschäftigen wir uns jedoch zunächst mit der zweiten Frage, der Verbreitung des AMIGAs in der Zukunft, und stellen wir uns dazu eine zweite: Sollte die Verbreitung des AMIGAs in der Zukunft nicht wieder ansteigen, sondern stagnieren (wohlgemerkt nicht sinken), ist dann das Ende unseres Computersystem absehbar? Eine richtige Antwort kann niemand mit Sicherheit geben, aber wie wäre es mit einer Hypothese anhand eines vergleichbaren Computersystems? Als Vergleichsobjekt zum AMIGA dürften die Rechner des britischen Herstellers Acorn in Betracht kommen: Wie früher einmal der AMIGA, waren und sind auch Acorns Computer zukunftsweisend. Schon Ende der achtziger Jahre begann das Unternehmen, die RISC-Prozessor-Technologie in seinen Rechnern zu verwenden - knapp zehn Jahre vor dem AMIGA. Trotzdem tendiert die Verbreitung der Acorn-Rechner außerhalb der britischen Inseln gegen Null. Dennoch erscheinen auch heute noch regelmäßig neue Rechner (und das ohne die Existenz einer Lizensierungspolitik bei Acorn!), ebenso gibt es einen (wenn auch relativ kleinen) Softwaremarkt. Damit wird deutlich, daß auch ein sehr wenig verbreitetes Computersystem langfristig Überlebenschancen hat, unter der Voraussetzung, daß sowohl die Hard- als auch die Software regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht wird. Und das ist es, was Commodore bis 1992 beinahe völlig versäumt hat. Denn welche Vorteile - mit Ausnahme des Verkaufspreises - besitzt ein A 600 aus dem Jahr 1992 im Vergleich zu einem A 1000 von 1985? Den nur sehr unwesentlich weiterentwickelten OCS-Chipsatz, der ECS genannt wurde? Den geringfügig vergrößerten Arbeitsspeicher? Die serienmäßige IDE- Schnittstelle beim A 600? Das an die Zeit angepaßte Design? Oder etwa die Betriebssystem-Version 2.1, die gegenüber 1.x zwar einige Verbesserungen aufwies, aber über die veraltete Hardware auch nicht hinwegtäuschen konnte? Ist das Ausmaß der Verbesserungen in einem Zeitraum von sieben Jahren nicht etwas dürftig? Eine Schlüsselfrage ist, ob der Markt eines bestimmten Computersystems "gesund" ist oder nicht. Es macht einen riesigen Unterschied, ob die Nutzer eines bestimmten Systems mit ihren Rechnern sehr zufrieden sind, oder zu einem großen Teil drauf und dran sind, auf ein anderes umzusteigen. 100.000 User und 100.000 User sind hier nicht zwangsläufig das gleiche. Der AMIGA-Markt läßt sich derzeit leider nicht als "gesund" bezeichnen: Langsam, aber stetig, verlassen User unser System, ein Ausgleich erfolgt so gut wie nicht. Hauptgründe sind in erster Linie die im Vergleich zu anderen Systemen in der Regel geringere Leistungsfähigkeit, und ein immer kleiner werdender kommerzieller Softwaremarkt. (Wir haben großes Glück, daß wir immer noch über einen qualitativ hochwertigen PD-Pool verfügen, sonst wären die Abwanderungstendenzen sehr viel stärker.) KEIN Hauptgrund ist meiner Meinung nach das Preis-Leistungsverhältnis: Viele Anwender sind bereit, beim Rechnerkauf 500 oder 1000 DM mehr auszugeben, wenn sie dafür einen AMIGA bekommen, der dem Standard-PC leistungsmäßig ebenbürtig oder sogar überlegen ist. Zwingend notwendig ist also eine Steigerung der Leistungsfähigkeit bei neuen AMIGAs. Hardwareseitig erleben wir derzeit eine äußerst schwere Geburt - das Baby "PowerUp" kommt quasi mit Hilfe eines Kaiserschnitts zur Welt. Es ist jedoch unstrittig, daß sich PowerUp durchsetzen wird - ein ähnliches Konkurrenzprojekt ist nicht in Sicht. Softwareseitig sieht das etwas anders aus: Hier scheint der Stein der Weisen noch nicht gefunden zu sein. Es gibt eine Reihe von Entwickler, v.a. im PD-Bereich, die mit ihren Programmen versuchen, das AMIGA OS - mehr oder weniger systemkonform - zu verbessern, sei es durch ein Multifunktionstool oder gar durch einen Workbenchersatz. Bloß: Das 68K-AMIGA OS bleibt dasselbe - mitsamt seiner Schwächen. Notwendig ist also ein grundlegend verbessertes AMIGA OS. Und das kann auf gar keinen Fall ein AMIGA OS 3.1 mit MUI, MCP usw. als mitgelieferte Extras bedeuten. Hier ist das kürzlich gegründete AMIGA, Inc. aufgefordert, mit der Arbeit zu beginnen, je früher desto besser. Damit wären wir bei der Frage nach der Beurteilung der bisherigen Arbeit von AMIGA International. Ich weiß sehr gut, daß sich einige User vom AMIGA-Erwerb durch Gateway 2000 mehr versprochen haben, als das, was in den letzten Monaten geschehen und für die Zukunft angekündigt ist. Allerdings sollte sich auch jeder die Situation von Gateway 2000 und den beiden AMIGA-Tochterfirmen verdeutlichen:
Trotzdem: Wir haben großes Glück, daß die AMIGA-Rechte überhaupt von einem so starken Unternehmen erworben worden sind. Ich glaube, mit einiger Sicherheit behaupten zu können, daß es uns in den letzten Monaten schlechter ergangen wäre, wenn Viscorp die geforderte Summe zum Kauf der AMIGA-Rechte zusammenbekommen hätte. Vielleicht hätte der AMIGA- Tochterfirma dann sogar ein weiterer Konkurs bevorgestanden - und zumindest dies ist bei der finanziellen Lage von Gateway 2000 derzeit völlig undenkbar - glücklicherweise.
Euer Carsten Schröder |
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