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INTERVIEW MIT WOLF DIETRICH, GESCHÄFTSFÜHRER VON PHASE 5 -------------------------------------------------------- Michael Thaler (E-Mail: michi@highvolt.gun.de) hat das folgende Interview mit Wolf Dietrich, dem Geschäftsführer von phase 5 digital products, geführt und es mit freundlicher Genehmigung AMIGA aktuell für eine Veröffentlichung zur Verfügung gestellt: M.T. (Michael Thaler): Erzählen Sie uns erst einmal etwas über Phase5. Wie ist die Firma entstanden? Wieviele Mitarbeiter hat sie im Moment? Auf was sind Sie besonders stolz? Und wie sehen Sie die Zukunft von Phase5? W.D. (Wolf Dietrich): phase 5 digital products wurde erst 1992 gegründet. Gerald Carda und ich sind allerdings Amiga-Aktive der ersten Stunde, ebenso wie viele unserer Mitarbeiter. Gerald Carda war unter anderem mitbegründender Redakteur der ersten deutschen Amiga-Zeitschrift, der KICKSTART; ich kam als freier Autor bei der dritten Ausgabe dazu, wo wir uns auch kennenlernten. Nach verschiedenen Tätigkeiten im Amiga-Bereich gründeten wir 1991 die Advanced Systems&Software, die US-Produkte in Deutschland vertreiben sollte. Als wir im Laufe des Jahres 1991 eigene Produktideen - für das erste Blizzard 500 Turbo Memory Board - entwickelten, beschlossen wir, die Entwicklung ab 1992 unter phase 5 digital products auszugliedern. Ab 1994 ist phase 5 dann als Hersteller und Vertrieb in den Vordergrund getreten. Das Unternehmen beschäftigt z.Z. 15 Mitarbeiter vor Ort und mehrere externe Software-Entwickler, dies allerdings nach dem Weggang von drei Mitarbeitern, die in der nahen Zukunft ersetzt werden. Darüber hinaus ist eine kurzfristige Erweiterung der ASIC-Entwicklungsabteilung vorgesehen und bereits in Arbeit. Darüber hinaus beschäftigt unser Ende 1996 gegründetes Fertigungsunternehmen weitere 5 Mitarbeiter und einige Teilzeitkräfte. Worauf sind wir besonders stolz? Dies ist eine schwere Frage. Wir sind sicher stolz darauf, daß über 100.000 Anwender phase 5-Produkte verwenden. Wir sind auch stolz auf die verschiedensten Innovationen, die wir realisiert haben. Wir freuen uns über jeden einzelnen Kunden, der eins unserer Produkte zu seiner Zufriedenheit einsetzt - und dazu erhalten wir auch sehr viel positive Resonanz. Wir sind bestrebt, phase 5 digital products als technologieführendes Unternehmen auszubauen. Wir investieren die Unternehmenserträge nahezu vollständig zurück in Forschung und Entwicklung. Es ist unser Ziel, das Unternehmen im Bereich Chip- und System-Design als innovative High-Tech-Firma zu etablieren. Dabei sehen wir - was die technische Seite betrifft - den gesamten Prozess von der Idee bis zur Realisierung (d.h. der Fertigung) eines Produkts als Einheit; insofern besteht High-Tech für uns auch z.B. aus modernsten Fertigungstechnologien, die wir hier an unserem Oberurseler Standort aufbauen und durchführen. M.T.: Bevor wir zum Amiga kommen: Sie haben mit den Maccelerate!-Karten auch Mac-Hardware entwickelt. Haben sich diese Karten gut verkauft? Werden Sie auch in Zukunft Mac-Produkte produzieren? W.D.: Wir haben die Maccelerate!-Karten mittlerweile recht gut am Markt etabliert, obwohl im Verhältnis zur Verbreitung der Systeme wesentlich weniger Mac-Kunden ihre Rechner mit Turbo-Karten aufrüsten, dies ist dort (noch) nicht so gängig. Ja, wir werden auch in Zukunft Mac-Produkte anbieten, wobei wir allerdings Produkte planen, die mit deutlich geringerem Aufwand entwickelt werden können; d.h., solche Produkte sind lediglich zusätzliche Umsatzträger, aber keine technologischen Schlüsselprodukte. Wir können dabei allerdings auch Synergien für den Amiga-Markt nutzen: Dadurch, daß wir bereits mehrere tausend PowerPC604e-Karten für den Mac gebaut haben, haben wir a) bessere Volumenpreise auch für die PowerUp-Karten, b) weitreichende Design- und Fertigungserfahrung mit den modernen BGA-Prozessoren, und c) zum Produktionsstart der PowerUps-Boards direkt ausreichende Lager-Mengen an 604e-Prozessoren verfügbar. M.T.: Was ist der Grund für die Verzögerung bei der Auslieferung der PowerUp-Karten? W.D.: Nun, es gab leider viele Verzögerungsgründe. Zu Beginn des Jahres hatten wir personelle Umstellungen in der Entwicklungsabteilung, wobei auch das PowerUp-Konzept noch einmal überarbeitet wurde. Die Entwicklung wurde auf VHDL unter Synopsys und unter Verwendung vollständiger digitaler Simulationsmodelle umgestellt. Dies hat uns einige zusätzliche Zeit gekostet. Später, Ende Mai und durch den Juni hindurch hatten wir mit den verschiedensten kleineren Design-Widrigkeiten zu kämpfen; die Simulationen haben ab und an noch Fehler gezeigt, und die komplette Spannungsversorgung mußte aufgrund Abweichungen der PPC-Prozessoren zu den Spezifikationen neu designt werden. Infolge dieser und anderer kleinerer Änderungen veränderte sich die Teileliste, worauf wir in Beschaffungsprobleme mit einigen der neuen Komponenten gerieten. Zur Zeit (31.07.97) unterziehen wir die endgültigen Prototypen im Labor noch einmal umfangreichen Tests, und werden in wenigen Tagen in die Produktion gehen. Da diese Woche auch die letzten fehlenden Teile eintreffen sollen, dürften sich die ersten Anwender bereits in Kürze an der Leistung der neuen CyberstormPPC begeistern können. Parallel zur Hardware-Entwicklung haben wir übrigens auch intensiv an Software-Lösungen gearbeitet, die die Leistung der PowerUps erhöhen und die Erstellung von Software weiter vereinfachen. Ein wesentlicher Bestandteil hierzu ist das neue Mesage-System, über das Tasks auf 68k und PPC sehr schnell kommunizieren können. Insgesamt steckt in dem Projekt jede Menge Arbeit, das darf man uns glauben. M.T.: Um die A\BOX ist es in letzter Zeit ziemlich ruhig geworden. Wird an der A\BOX noch entwickelt? Wie weit ist das Projekt vorangeschritten? Gibt es vielleicht sogar schon erste Testmuster von Caipirinha? W.D.: Aber natürlich wird an der A\BOX noch entwickelt. Dieses Projekt ist für uns das absolute Schlüsselprojekt für die Zukunft des Unternehmens. Es geht dabei neben den konkreten Produktzielen und der Vision auch um die grundsätzliche Orientierung von phase 5. Wir wollen innovative HW-Produkte entwickeln, und dies wird in der Zukunft nur noch auf Silizium-Ebene möglich sein. Wir haben weite Teile des Caipirinha-Designs realisiert und in Teilen simuliert, haben allerdings gegenüber unserer Planung durch die aktuellen PowerUp-Verzögerungen und die z.Z. etwas eingeschränkten Ressourcen etwa drei Monate gegenüber unserem Zeitplan verloren. Unter dem Eindruck, daß ab Mitte 1998 verschiedene neuere Technologien aktuell werden - darunter eine neue PowerPC-Generation, die kommende SDRAM-II-Generation und deutlich leistungsfähigere ASIC-Prozesse - haben wir uns daher entschieden, die Design-Spezifikationen von Caipirinha noch einmal vollständig zu aktualisieren. Damit erreichen wir, daß das Produkt bei Erscheinen technologisch ausreichend fortschrittlich sein wird, daß es als Basisprodukt eine Lebensdauer von 2-3 Jahren haben kann - und seine Anwender für einen mindestens ebenso langen Zeitraum vollkommen zufriedenstellen wird. Um dieses Ziel zu erreichen, werden wir die Investitionen in und Ressourcen für das Projekt in der Zukunft noch wesentlich verstärken. Es geht hier um die Realisierung von Zukunftstechnologien. Testmuster von Caipirinha wird es auch erst 1998 geben. In den nächsten sechs Monaten wird der Chip weiterhin "nur" in der Form von VHDL-Entwürfen und -Synthesen und digitaler Simulationen existieren. Dies ist aber normal; bei Einmalkosten von mehreren hunderttausend Mark für eine Handvoll Prototypen macht man logischerweise erst dann Testmuster, wenn der Schaltungsentwurf 100% steht. M.T.: Phase5 ist von AI als ein möglicher Partner für eine Zusammenarbeit explizit erwähnt worden. Gibt es hierzu schon konkrete Pläne? W.D.: Wir stehen in recht engem Kontakt mit AI, haben allerdings zur Zeit (Ende Juli 97) noch keine konkreten Pläne zur Zusammenarbeit. Wir haben für AI und Gateway 2000 im Mai eine Liste von Vorschlägen erarbeitet und überreicht, wie und auf welchen Gebieten wir eine sinnvolle Kooperation oder bestehende Technologien anbieten können, und müssen nun abwarten, ob sich AI/Gateway 2000 dafür interessieren. M.T.: Was hat sich für Sie geändert, seit Amiga Technologies von Gateway 2000 gekauft wurde? Planen Sie für das Betriebssystem immer noch eine Eigenentwicklung, oder setzen sie auf eine Zusammenarbeit mit AI und ein natives AmigaOS? W.D.: Wir werden unsere Eigenentwicklung weiter verfolgen. Wir sind der Auffassung, daß selbst ein natives AmigaOS in weiten Teilen neu entwickelt werden muß, und haben hierfür und für den Übergang zu einem solchen neuen OS klare Konzepte vorgeschlagen; wenn AI und Gateway 2000 diese Konzepte aufgreifen wollen, wäre sicher eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit möglich. Wenn man bei AI in der Zukunft ein anderes Konzept verfolgt, so werden wir dieses mit Interesse beobachten und sehen, ob diese Entwicklungen in der Zukunft eine zusätzliche Alternative darstellen können; unsere eigenen Konzepte und Projekte (hardware- und softwareseitig) werden wir in jedem Fall weiterverfolgen. M.T.: Welche neuen Features (Speicherschutz, Multiprocessing...) müssen Ihrer Ansicht nach unbedingt in einem neuen, nativen AmigaOS für die A\BOX enthalten sein? W.D.: Ein OS besteht im wesentlichen aus dem Kernel, der Middleware und dem User Interface. In all diesen Bereichen gibt es unterschiedliche Anforderungen an Entwicklung und Innovation. Ein neues OS-Kernel muß auf jeden Fall die folgenden wesentlichen Eigenschaften aufweisen: - Multiprozessorfähigkeit - Speicherschutz - Schnelles präemptives Multitasking - Multiuser-Fähigkeit - Hohe Sicherheit und Stabilität - Schnelle Antwortzeiten und niedrigen Ressourcenverbrauch (was natürlich relativ ist) - Virtual Memory - Loadable Devices und Shared Libraries bzw. vergleichbare Mechanismen Ich betone hierbei, daß ein neues OS diese Eigenschaften aufweisen MUSS, nicht nur SOLLTE. Auch das OS eines innovativen Rechners, der in der zweiten Hälfte 1998 verfügbar werden soll, muß sich an den Anforderungen für das nächste Jahrtausend orientieren. Wir sehen allerdings, daß hierfür bereits viel Arbeit getan worden ist, und wir das Rad nicht zum zweiten oder dritten Mal erfinden müssen. Das Wissen um die Anforderungen an ein modernes OS und die Wege zur Realisierung ist mittlerweile so groß, daß es sich bei dessen Realisierung um eine überschaubare Fleißarbeit handelt, bei der auch bereits in großem Umfang auf erprobte SW-Technologien zurückgegriffen werden kann. Dies gilt in weiten Teilen auch für die Middleware, bei der in großen Umfang auf bestehende SW-Technologie zurückgegriffen werden kann. Ein weiteres Thema ist das User Interface und die damit verbundenen Funktionalitäten. Neben einer modernen und optisch ansprechenden, aber auch intuitiven Bedieneroberfläche gibt es in diesem Bereich sicher eine Vielzahl an Möglichkeiten, Innovation zu erbringen, die sich an den Anforderungen kommender Applikationen orientieren. Wichtig ist vor allem auch, daß ein System offen und flexibel ist, und dadurch die Möglichkeiten der kreativen Anwendbarkeit nicht einschränkt. Auch hier hat sich der Amiga immer hervorgehoben. Wir beabsichtigen in jedem Fall, ein gleichermaßen offenes und kreatives System zu realisieren. M.T.: Planen Sie eine JAVA-Virtual-Machine für das nächste AmigaOS? Wie sehen Sie den Ansatz von JAVA, und die Möglichkeit, damit systemübergreifend Software nutzen zu können? W.D.: Damit beschäftigen wir uns zur Zeit nicht. Ich denke nicht, daß wir Hardware-Unterstützung für Java in die A\BOX integrieren werden (wenn dies benötigt würde, wäre es immer noch als günstiges Add-on machbar). Eine Software-Unterstützung ist in unseren Augen eine Applikation, und dafür sind Third Parties zuständig. Grundsätzlich ist JAVA sicherlich nicht uninteressant, ich meine aber, daß es derzeit etwas übertrieben hochgejubelt wird. In den Netz-Anwendungen sehe ich auch einige Problematiken, für die Lösungen geboten werden müssen. Ich persönlich finde es befremdlich, wenn z.B. mein Browser beim Surfen im Netz auf Anweisung fremder Web-Seiten Java-Applets lädt und startet, die irgend etwas auf meinem Rechner tun, ohne daß ich darauf Einfluß habe - oder eventuell ohne daß ich es bemerke. M.T.: Planen Sie in Zusammenhang mit JAVA eventuell eine Zusammenarbeit mit Haage&Partner? W.D.: Wenn Haage&Partner in der Zukunft interessiert ist, für das kommende A\BOX OS und den Rechner selbst zu entwickeln, gerne. Aber das wird erst noch aktuell. M.T.: Laut Motorola-Datenbank hat Phase5 eine MacOS-Lizenz. Ist eine Umsetzung von MacOS für PowerUp bzw. die A\BOX geplant? W.D.: Jetzt bin ich etwas überrascht. Wir haben niemals eine Mac-OS-Lizenz beantragt oder erworben. Zeitweilig war im Gespräch, daß Motorola eventuell selbst solche Lizenzen - ggfs. auch mit verkauften PowerPC- Prozessoren - vergeben könnte; diese Angelegenheit wurde aber nicht weiter verfolgt. Sollten wir automatisch und umsonst eine Mac-OS-Lizenz erhalten haben, wäre dies wirklich verwunderlich. Ich denke, hier handelt es sich eher um einen Datenbank-Irrtum. Wir werden sicherlich die Lauffähigkeit von MacOS unter der A\BOX fördern. Da wir uns aber mit dem A\BOX-Design nicht den Einschränkungen der CHRP-Richtlinie oder möglichen APPLE-Richtlinien unterwerfen werden, wird dies nicht über Anpassung an diese Specs und Lizensierung des MacOS erfolgen. Wir erwarten eher, daß es leistungsfähige Emulatoren geben wird, wie es heute schon auf dem Amiga der Fall ist - ohne daß der Amiga eine den CHRP- oder Apple-Spezifikationen entsprechende HW-Architektur ist. M.T.: Es wurde angekündigt, auch Linux und NetBSD für die A\BOX zu entwickeln. Werden diese Betriebssysteme noch entwickelt? Und wann werden sie erhältlich sein? Werden sie eventuell auch für PowerUp erhältlich sein? W.D.: Ob eine NetBSD-Unterstützung für PowerUp in Arbeit ist, kann ich zur Zeit gar nicht sagen. Linux-Portierungen sind auf jeden Fall in Arbeit, hier haben wir einigen Entwicklern Unterstützung durch PowerUp Developer Boards geleistet. Wir gehen davon aus, daß zumindest eine Linux-Umsetzung für PowerUp kurzfristig verfügbar wird. Damit wird diese dann automatisch auch für die A\BOX verfügbar sein; allerdings wird das A\BOX OS ja auch auf einem X-Kernel aufbauen, so daß auf der A\BOX eine engere Integration möglich sein wird. M.T.: Es ist angekündigt worden, einen Spin-Off der Caipirinha-Technik auf der CybervisionPPC zu verwenden. Jetzt kommt doch der Permedia-Chip zum Einsatz. Welchen Grund hat das? W.D.: Das Produkt auf Basis des Permedia2-Chips ist ein kommerzielles Produkt, das wir schneller liefern können als den Caipirinha-Spin-Off. Letzteres werden wir sicher später auch noch realisieren, aber bewußt als Produkt für Entwickler, die bereits im Vorfeld für die A\BOX entwickeln wollen. Mit der Permedia2-Grafikkarte können wir eine der extrem hohen Leistung der PowerUp-Boards adäquate Grafiklösung anbieten, dies ist wichtig für die Nutzbarkeit des Produktes. Ein Großteil der kommerziellen Anwender hat von dieser Karte, die auch ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis aufweist, einen größeren Nutzen in der praktischen Anwendung. M.T.: Village-Tronic hat mit Picasso96 ein Konkurrenzprodukt zu CyberGraphX geschaffen. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Was wird sich als Standard etablieren? W.D.: Ich denke, daß sich CyberGraphX sehr gut als Standard etabliert hat. Wir sehen Picasso96 nicht wirklich als "Konkurrenz", da wir CyberGraphX nicht länger als kommerzielles Produkt anbieten. Ich denke, daß der Leistungsumfang und die Produktpflege in der Zukunft entscheiden wird, und dabei sehe ich ganz klare Vorteile für CyberGraphX. Dies liegt natürlich auch darin begründet, daß wir in verschiedenen Schlüsseltechnologien engagiert sind (Prozessorkarten, Grafikkarten, sowie die Entwicklung der A\BOX-Hardware und -Software) und dadurch auch viele neue Technologien gut einbringen können. M.T.: Sie haben mit PowerUp, der CybervisionPPC und der A\BOX in nächster Zeit eine ganze Menge vor. Planen Sie neben diesen Produkten noch andere? W.D.: Nein, außer kleineren Projekten für den Apple, die mit geringem Aufwand bzw. teilweise als Spin-Off der Amiga-Entwicklungen realisiert werden können, haben wir keine weiteren Produktpläne. Die PowerUp- Produktlinie mit all ihren Variationen hat zur Zeit unsere volle Aufmerksamkeit, danach wird als Schlüsselprojekt die A\BOX-Entwicklung intensiviert und vorangetrieben. M.T.: Apple, ein Mitbegründer von CHRP hat angekündigt, keine PowerPC-Plattform-Rechner zu entwickeln. Wie sehen Sie die Zukunft dieses Standards? Warum sind Sie mit der A\BOX von Anfang an einen eigenen Weg gegangen? W.D.: CHRP ist ein Standard-Design, das komplett auf Standard-Komponenten aufbaut. Im Endeffekt sind es Standard-PCs mit einem PowerPC statt einem Pentium als Prozessor. So etwas zu bauen, ist keine große Kunst; Referenzdesigns und alle notwendigen Komponenten sind verfügbar. Es ist aber ein Design, das von Apple und der PowerPC-Allianz gepusht wurde, um PowerPC-Rechner mit Wintel-Rechnern konkurrenzfähig zu machen - über den Preis. Man muß sich darüber im klaren sein, daß die wesentliche Eigenschaft des CHRP-Konzepts der (vermeintlich) günstige Herstellungspreis auf Basis der Standard-Komponenten ist, und nicht etwa ein besonders leistungsstarkes und innovatives Design. Das Problem dabei ist allerdings, daß sich dieser Preisvorteil nur realisieren läßt, wenn man als Hersteller mehrere hunderttausend Systeme im Jahr fabriziert und verkauft - und das auf Kosten der Leistung. Wir wollten keine Kompromisse bei der Leistung und beim Systemkonzept der A\BOX machen, und haben daher die Entwicklung eines eigenen Custom-Chips geplant und mittlerweise begonnen. Bereits frühzeitig während der Planung hat sich dabei gezeigt, daß z.B. bei einer Jahresproduktion zwischen 25.000 und 50.000 Systemen mit der Custom-Technologie wesentlich höhere Leistung zu niedrigerem Preis möglich wird als mit Standard-Technologie. M.T.: Wieso entwickeln Sie noch immer für den Amiga-Markt? Welchen Weg wird der Amiga-Markt Ihrer Meinung nach gehen? W.D.: Weil wir das Konzept des Amiga allen anderen Systemen vorziehen. Zugegeben, wir sehen, daß es technisch in die Jahre gekommen ist, und daß es in Hardware wie in Software erheblich modernisiert werden muß. Welchen Weg der Amiga selbst geht, hängt derzeit wieder von Amiga International ab. Hier ist offen, ob und wann neue Amigas kommen und wie diese aussehen. Der Amiga-Markt hängt nach meiner Meinung stark von der Innovation der bestehenden Firmen und dem Angebot ab. Wir sind der Auffassung, daß der Markt solange aktiv bleibt, wie dem Amiga-User neue und interessante Produkte angeboten werden. Und dafür werden wir in jedem Falle mit unseren aktuellen Aufrüstungsprodukten und mittelfristig unseren A\BOX-Systemen Sorge tragen. M.T.: Was wollen Sie den Amiga-Usern noch ganz persönlich mitteilen? W.D.: Ich freue mich persönlich, daß es noch immer so viele aktive Amiga-Anwender gibt, weil dies zeigt, daß es eine große Zahl kreativer User gibt, die das System, das Konzept und die Möglichkeiten, die man damit hat, zu schätzen wissen. Danken möchte ich all den Anwendern, die uns mit großer positiver Resonanz und vielen tausend emails, Briefen und Faxen zu unserem A\BOX-Projekt in unserer Vision und unseren Zielen bestätigt haben. Wir können versprechen, daß wir alles tun werden, um den hohen Erwartungen in unsere Projekte gerecht zu werden. | |
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