Aufregend ist die bunte Auswahl an ganz ungewoehnlichen Nachkommen des
wilden Lattich, die neuerdings angeboten werden: ein leichter Einstig in die
unverfaelschte, gesunde Kueche.
In den meisten Haushalten kommt seit jeher Salat in rohem Zustand auf den
Tisch. Kein Wunder, er ist mild im Geschmack und seine zarten Blaetter
beanspruchen den Kiefer nicht zu sehr.
Seine groesste Tugend: Er ist extrem kalorienarm (15-20 Kcal pro 100g) und
schon alleine deshalb als Schlankmacher beliebt.
Doch damit nicht genug: Er versorgt uns ausserdem mit Vitaminen B1, B2, C
und A sowie verschiedenen Mineralstoffen, wie Kalzium, Kalium, Natrium und
Phosphor.
Problematisch ist der recht hohe Nitratgehalt von Salaten. Betroffen ist vor
allem die Treibhausware, da die Blaetter mangels Lich die Schadstoffe nicht
abbauen koennen. Im Winter sollten Sie daher den vielen koestlichen
Wintersalaten von Feldsalat bis Radicchio den Vorzug geben. Der Nitratgehalt
verteilt sich jedoch nicht gleichmaessig im Salatkopf, er nimmt von innen
nach aussen ab. Wenn sie Strunk und Rippen entfernen, haben Sie bereits den
Gehalt erheblich reduziert. Die gruenen Aussenblaetter sind also entgegen
den bei uns verbreiteten Vorurteilen besonders wertvoll.
NUR NICHT WAESSERN!
Waschen Sie die Salatblaetter zuegig in stehendem Wasser. Zerpfluecken Sie
sie erst im Nachhinein. Das schon die Vitamine. Einlegen in Salzwasser
dagegen kitzel nicht nur die Laeuse sondern auch den Naehrwert heraus! Nach
dem Waschen die Blaetter zupfen und in einer Salatschleuder
"trockenschleudern". So wird die gute Sauce nicht unnoetig verwaessert, die
Blaetter werden aber gleichzeitig geschont. Bereiten Sie Salat erst kurz vor
dem Essen zu und heben Sie die Sauce bei Tisch darunter, denn sonst faellt
er schnell zusammen.
FELDSALAT:
ist der vitaminreichste Vertreter der Salatfamilie und erinnrt mit seinem
herb-intensiven Aroma noch an die wilden Vorfahren. "Rapunzel" wird er auch
genannt: nicht ohne Grund. Denn er zaehlt zu den Baldriangewaechsen und
seine Blaetter enthalten Baldrianoel. Es hat also einen durchaus realen
Grund, warum Rapunzels Mutter im Maerchen Verlanen nach dem Kraeutlein trug.
Beim Putzen nur die Wurzeln entfernen. Feldsalat ergaenzt sich gut mit
gehobelten Pilzen und Nuessen, auch mit zarten Fruechten. Als Dressing
leichte Saeure-Oel-Marinaden bevorzugen.
KOPFSALAT:
ist immer noch Inbegriff von Salat schlechthin. Seine Blaetter umschliessen
fest das Herz, sein Geschmack ist neutral. Das gerade gereicht ihm zum
Vorteil: Er laesst sich unbegrenzt mit anderen Zutaten kombinieren, schmeckt
mit Sahne- und Joghurtsauce oder Vinaigrette. Unsere phantasielose Alltags-
kueche hat ihn leider zur Belanglosigkeit degradiert - das muss nicht so
bleiben. In kompakter Rohkost wirken eine lockeen Blaetter Wunder.
LOLLO ROSSO:
besticht durch aufregenden Namen, beziarres Aeusseres und einen lieblichen
Geschmack. Er ist ein Vrwandter der krausen Endivie. Saison hat er von April
bis Oktober. Seine zarte Kraeuselung sollte nicht durch maechtige
Salatsaucen erschlagen werden. Sie wird hervorgehoben durch leichte
Essig-Oel-Dressings, allenfalls eine leichte Joghurtsauce. Wie alle Endivien
liegt ihm auch eine suess-saure Geschmackrichtung, zusammen mit Fruechten
oder Nuessen gibt er sich besonders dekorativ.
BATAVIA:
ist quasi ein Kompromiss zwischen Kopf- und Eisbergsalat: den neutralen
Geschmack und die Form hat ere vom Kopfsalat, Struktur und Stehvermoegen der
Blaetter vom Eisbergsalat. Seine Faerbung bewegt sich zwischen
gelb-gruen-rot, je nach Zuechtung. Seiner Herkunft entsprechend kann er sehr
unterschiedlich aussehen. Er faellt nicht so schnell zusammen, eignet sich
also auch fuer etwas schwerere Saucen mit Creme fraiche oder Sahne.
EISBERGSALAT:
sieht eigentlich eher wie ein Kohlkopf als wie ein Salat aus. Die Blaetter
liegen fest aufeinander. Er sollte im ganzen gewaschen werden; zwischen die
Blaetter dringt keine Erde ein. In den USA ist er der Salat schlechthin und
von dort hat er sich auch bei uns eingebuergert. Sein besonderer Reiz ist
der fast krokante Biss. Die Blaetter sind ausserordentlich fest, und er
faellt kaum zusammen. Zum Essen sollte man ihn in mundgerechte Stuecke
pfluecken, denn mit der Gabel allein it ein grosses Blatt nicht zu
bewaeltigen. Dementsprechend koennen Sie ihn mit festen Dressings anmachen-
wie in Amerika. Uebrigens: Gut gekuehlt schmeckt er am besten.
ROMANA-SALAT:
ist der bei uns fast in Vergessenheit geratene Bindesalat. Diese Art
Kopfsalat schoss lang auf und wurde frueher an den Spitzen zusammengebunden,
damit das Herz bleich und zart blieb. Heute ist dies nicht mehr noetig, die
Zuechtung machte es ueberfluessig. Der Romana schmeckt herzhafter als der
Kopfsalat, hat aber eine aehnlich zarte Struktur. Er passt zu oelhaltigen
wie zu sahnigen Saucen.
FRISÉE- und ENDIVIEN-SALAT:
Beide sind quasi Geschwister, stammen sie doch von der Zichorie ab. Die
Endivie ist weitverbreitet. Sie hat einen etwas bitteren Geschmack, ihre
Blaetter sind leicht gezackt, die Struktur ziemlich derb. Anders der krause
Frisée: er ist zarter, geradezu knusprig und findet in der feinen Kueche
Verwendung. Allerdings ist der Frisée weniger ergiebig als die Endivie.
RADICCHIO:
gehoert ebenfalls zu den bitteren Zichorien, auch wenn er voellig anders
aussieht. Die Blaettere schmiegen sich eng um den kleinen, kompakten Kopf,
die Raender sind glatt, das Blatt hat festen, knackigen Biss. Er faellt
nicht zusammen und wird deshalb in seiner Heimat Italien auch als Gemuese
geduenstet. Am auffallendsten ist seine Farbe, sie belebt jeden gemischten
Salat und setzt sich auch gegen kraeftige Zutaten durch.
EICHBLATT-SALAT:
Ist keineswegs verwandt mit dem grossen Baum. Den Namen vrdankt er vielmehr
seinen Blaettern, die in Form und Toenung an die Blaetter der Eiche
erinnern. Verwandt ist er mit der Endivie, doch hat er nicht ihren typisch
bitteren Geschmack. Er ist der zarteste Vertreter seiner Gattung und hat ein
nussig-mildes Aroma. Deshalb sollte er nur von leichten Dressings begleitet
und mit feinen Zutaten gemischt werden. Machen Sie ihn erst kurz vor dem
Essen an -er faellt schnell zusammen. Saison hat er von September bis April.
CHICOREE:
ist die klassische Zichorie, der nach Bildung der kompletten Pflanze alle
Teile oberhalb der Wurzel abgeschnitten werden. Unter Lichtentzug treibt die
Wurzel eine Ersatzpflanze. Diese Triebe kommen nicht mit dem Tageslicht in
Beruehrung. So erklaert sich auch die laengliche Form und die blass-gelbe
Faerbung des Chicoree. Er hat eine feste Struktur und kann auch geduenstet
werden. Den Chicoreee immer zuegig zubereiten, sonst faerben sich die
Schnittstellen braun.
Bei besonders bitteren Exemplaren den Strunk von unten keilfoermig
herausschneiden.
QUELLE:erfasst: v. Renate Schnapka
|