5. Oldie but Goldie: »Xenon II - MegaBlast« Oder: Wie bewiesen wurde, dass Bitmap-Grafik schnell sein kann Im Jahre 1988 war der Hunger nach actionreichen Spielen enorm, viele Softwarefirmen nahmen sich dieses Bedarfs an und überboten sich gegenseitig immer wieder mit neuen, teilweise spektakulären, Höchstleistungen in Sachen 2D-Grafik. Eine kleine, aber feine Softwareschmiede jedoch hatte sich zum Ziel gesetzt, die Konkurrenz auf die Plätze zu verweisen. Das Erstlingswerk, das noch unter der Regie anderer Programmierer entstand, konnte hier noch nicht überzeugen. Lahme Grafik und noch zäherer Spielfluss verhalfen Xenon I nicht zum erhofften Durchbruch. Es ging etwas Zeit ins Land, als sich bei der erwähnten Firma zwei Leute meldeten, die unter dem Namen "Bitmap Brothers" firmierten und nach eigener Aussage die technisch perfekteste 2D- Grafik schaffen konnten. Nach diversen Arbeitsproben wurde man sich schnell handelseinig, und die Arbeiten am schnellsten und perfektesten 2D- Ballerspiel der damaligen Zeit konnten beginnen. Dieses Spiel sollte zwar wieder den Namen des glücklosen Vorgängers tragen, aber vom Gameplay her mit diesem nichts mehr gemein haben. Ziel war es, möglichst viele Farben, möglichst viele bewegte Objekte und möglichst viel Scrolling in alle Richtungen auf den Bildschirm zu zaubern. Die Konkurrenz schlief allerdings auch nicht und hatte in der Zwischenzeit einige Meilensteine der 2D-Grafik vorgelegt, die einzuholen nicht so einfach werden würde. Davon unbeeindruckt machten sich die "Bitmap Brothers" ans Werk und lieferten in erstaunlich kurzer Zeit ein Spiel ab, das zu dieser Zeit seinesgleichen suchte. Technisch brillante Grafik, tadelloses Gameplay und vor allem Action bis zum Abwinken erschien damals auf den Bildschirmen der ersten offiziellen Tester. Auf vielen Messen war gebanntes Staunen zu beobachten, wenn die Demoversionen von Xenon vorgeführt wurden, und die Konkurrenz war sprachlos. Was hier geboten wurde, übertraf die Erwartungen in die vorhandene Technik bei weitem. Da wäre als erstes die Grafik zu nennen, die den Eindruck erweckte, aus wesentlich mehr als 32 Farben zu bestehen. Es waren natürlich nur 32 Farben, aber dank geschickter Wahl der Grundfarben und gewitztem Einsatz des Coppers hatte man die Möglichkeit, sehr sanfte Farbabstufungen für die meisten wichtigen Objekte zu verwenden. Die Grafik war wirklich bombastisch für die damalige Zeit, sehr detailreich und vor allem immer in Bewegung. Dazu trugen gerade die Massen an bewegten Objekten bei, die gleichzeitig auf dem Bildschirm zu sehen waren. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber es geht das Gerücht um, es wären zeitweise über 150 bewegte Objekte zu sehen. Viele dieser Objekte waren dazu noch brillant animiert und schufen die Illusion massenhafter Bewegung. Der Sound des Spiels war ebenfalls eine Ohrenweide. Musik und Soundeffekte überzeugten durch brillanten Klang und schufen eine unvergleichliche Atmosphäre. Während des eigentlichen Spiels lief eine hitverdächtige Komposition, und viele Spieler ließen das Spiel laufen, auch wenn sie keine Lust zum Spielen hatten, nur um dieser Musik zu lauschen. Die Effekte überzeugten durch reichlich Bass und klare Höhen, und Fachleute fragten sich immer wieder, wie man eine dermaßen große Datenmenge überhaupt mit den damals sehr bandbreitenbegrenzten Bussystemen bewältigen konnte. Dass es ging, war ja nun bewiesen, aber niemand wusste so richtig, wie. Die "Bitmap Brothers" hatten mit diesem Titel ein Werk geschaffen, das sie auf den Thron der Actionspiel-Macher hob. Auch später lieferten sie Spiele ab, die Meilensteine werden sollten. Leider ist dieses Spielegenre ein wenig in Vergessenheit geraten, nur wenige Spieler haben heute noch Lust, ein 2D-Scroll-Ballerspiel zu zocken. Die Meinung der wenigen übriggebliebenen Hardcore-Ballerer hat sich aber in einem Punkt immer noch nicht geändert: Xenon II Megablast ist ein Spiel, das auch heute noch durch seine bestechend schnelle und detailreiche Grafik und den bombastischen Sound überzeugen kann. Überzeugen kann man sich selbst natürlich am besten, indem man diesen Titel einfach mal auf einem der verfügbaren Emulatoren oder einem echten Amiga 500/2000/1000 spielt. Auf den moderneren Maschinen läuft es leider nur in sehr wenigen Fällen, denn auf Zukunftskompatibilität hat zu dieser Zeit kaum einer der Produzenten Wert gelegt. Aber es gibt ja die Emulatoren. :) Wolfgang Hosemann <whose@gmx.de> |