4. Review: Grafikadventure »Aqua« - deutsche Version

Vor kurzem erschien die deutsche Fassung von Aqua, einem "Myst"-ähnlichen 
Grafikadventure, das in der englischen Fassung bereits länger erhältlich 
ist.

Die neue Version hat gegenüber der englischen nicht nur den Vorteil, 
komplett in Deutsch gehalten zu sein, sondern enthält auch etliche Bugfixes 
und eine Anleitung im HTML-Format. Zusätzlich zum eigentlichen Spiel findet 
man auf der CD noch Demo-Versionen von BubbleBOBs sowie von SoftCinema und 
Frogger, beides Video-Abspiel-Programme.

Von den Anforderungen her, die an die Hardware gestellt werden, ist Aqua 
äußerst moderat. Ein 68020-Prozessor, AGA, AmigaOS 3.x und 8 MByte Fast-RAM 
sowie ein CD-ROM-Laufwerk reichen aus und stellen heutzutage wohl auch den 
Standard dar.

Die Installation des Spiels ist sehr unproblematisch, allerdings wartet 
eine kleine Besonderheit auf den spielwilligen User. Entgegen üblicher 
Standards bei Installationen müssen die Bildschirmmodi für Spiel- und 
Video-Bildschirm VOR dem Start des Spiels durch Klick auf das Programm 
"Screenmode" ausgewählt werden. Diese Methode ist im Fall von Aqua aber 
auch sinnvoll, da es komplett von CD-ROM läuft. Eine 
Festplatteninstallation ist zwar möglich und verbessert die Performance, 
ist aber nicht unbedingt notwendig. Auf schnellen Amigas sollte auch beim 
Spielen von CD-ROM genügend Performance vorhanden sein.

Der Start von Aqua offenbart, dass hier nicht der gleiche technische 
Aufwand getrieben werden konnte wie beim großen Vorbild "Myst". Die Grafik 
ist insgesamt deutlich "hausbackener". Der Videovorspann ist sehr kurz 
gehalten  und erklärt die Geschichte von Aqua extrem knapp und sparsam. Für 
das Verständnis von Aqua ist der Vorspann allerdings auch von 
untergeordneter Bedeutung, die wirklich interessanten Dinge kommen erst im 
Verlauf des Spiels ans Licht. Zu der Grafik ist noch zu sagen, dass sie 
trotz verhaltener Qualität sehr übersichtlich gestaltet wurde und in den 
bewegten Teilen sehr schnell reagiert.

Kommen wir zur Geschichte von Aqua. Im Atlantik sinkt eine Bohrinsel beim 
schlimmsten Sturm, den man in diesen Breiten je gesehen hat. Fachleute sind 
sich aber einig, dass der Sturm nicht die alleinige Ursache für das Sinken 
der Bohrinsel sein kann. Der Spieler schlüpft nun in die Rolle eines 
Abenteurers, der sich den Lebensunterhalt mit der Bergung diverser Schätze 
vom Meeresboden verdient, und der von dem Unglück gehört hat. Er hofft, im 
Bereich der gesunkenen Bohrinsel auf Dinge von Wert zu stoßen. Daher mietet 
er sich von einem glücklosen Ozean-Forscher ein U-Boot mit 
Bergungsausrüstung und macht sich auf den Weg in die Tiefe.

Das Spiel beginnt auf einem Steg, an dem das U-Boot auslaufbereit liegt. 
Hier bekommt man auch einen ersten Eindruck von der intuitiven Steuerung, 
wie man sie schon von "Myst" kennt. Die Form des Mauszeigers gibt zu 
erkennen in welche Richtung man sich bewegen kann. Am Anfang kann man sich 
(sinnvollerweise) allerdings nur wenige Schritte vom U-Boot wegbewegen, 
also sollte man besser direkt in das U-Boot einsteigen. Nach Druck auf den 
Knopf, der mit "Engine" beschriftet ist, wird das Boot zu Wasser gelassen 
und nimmt einen vorbestimmten Kurs auf.

Hier kommen wir nun zu einer Sache, die dem ungeübten Spieler die Freude 
ein wenig trüben kann. Die meisten Tester sind zwar der Meinung, dass das 
erste Rätsel in sich logisch aufgebaut ist, aber ich kann das nicht 
bestätigen. Für den unvoreingenommenen Spieler dreht sich das Spiel bereits 
hier auf der Stelle, weil es an Hinweisen mangelt, was denn nun zu tun ist. 
Nur durch Ausprobieren und Kombinieren aller Möglichkeiten wird man eher 
zufällig auf den Weg stoßen, der weiter führt. Ein paar deutlichere 
Hinweise hätten hier mit Sicherheit gut getan. Um ein wenig zu helfen, ein 
kleiner Tipp: Entscheidend für das Weiterkommen sind hier sowohl die Liste 
mit den Frequenzen der Walgesänge als auch der Rekorder mit den Aufnahmen 
dreier Walgesänge.

Die Rätsel, die den Spieler im weiteren Verlauf des Spiels erwarten, sind 
aber deutlich besser zu lösen, und es mangelt auch nicht an Hinweisen, was 
als nächstes zu tun ist. Eine ordentliche Portion Nachdenken ist aber 
trotzdem (oder Gott sei dank, sonst wäre es ja langweilig) vonnöten.

Die anderen Zutaten des Spiels sind sehr solide und entsprechen dem, was 
man von einem Spiels dieses Genres erwartet. Der Spieler hat die 
Möglichkeit, Gegenstände aufzunehmen und diese in einer Liste zu verwalten, 
die Gegenstände zu benutzen, abzulegen und so weiter. Es ist zu jeder Zeit 
im Spiel möglich, den aktuellen Spielstand abzuspeichern. Leider stehen dem 
Spieler nur drei Speicherplätze zur Verfügung, und diese sind auch nur mit 
Nummern versehen. Hier wäre es besser gewesen, ähnlich dem Vorbild, die 
Spielstände mit aussagekräftigen Namen zu versehen. Ein paar Speicherplätze 
mehr wären auch sinnvoll gewesen, da die drei Plätze schnell belegt sind 
und mitunter zur Lösung eines Rätsels Informationen aus viel früheren 
Episoden benötigt werden.

Das Fazit für Aqua fällt aber insgesamt positiv aus. Es ist ein 
grundsolides Adventure, das sowohl technisch als auch spielerisch 
überzeugen kann. Es läuft auf allen bekannten Plattformen, solange eine 
Grafikkarte eingebaut ist, sowie auf AGA-Maschinen. Die Bugfixes der 
deutschen Version haben offensichtlich auch kleinere Fehler behoben, die in 
der englischen Fassung gestört haben, auch wenn diese keine unmittelbare 
Auswirkung auf die Stabilität des Systems hatten. Die Grafik ist zwar nicht 
umwerfend, aber technisch ordentlich gemacht und sorgt auch für gute 
Atmosphäre. Das Gameplay weiß, bis auf den Patzer am Anfang, zu überzeugen 
und macht Lust auf mehr. Ich bin sicher, dass Aqua bei den Adventure-Fans 
großen Gefallen finden wird.

Wolfgang Hosemann <whose@gmx.de>