Tests und Erfahrungsberichte
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1. Kleine Helfer für den Amiga-Alltag (von Christian Aichinger)

Herzlich Willkommen zu den Kleinen Helfern im September! Schade, jetzt ist 
der Sommer schon fast wieder vorbei, den ich mir in Sachen "Amiga" etwas 
heißer vorgestellt hatte. Nun denn, vielleicht fällt der Herbst ja etwas 
freundlicher aus. Viel Spaß beim Lesen der Reviews zu UnARJ V2.41 und 
Sysmon V1.20!

UnARJ 2.41 (V1.04):

UnARJ ist ein kleines Shell-Programm, mit dem Archive des PC-Programms 
"ARJ" unter AmigaOS entpackt werden können. ARJ wiederum ist ein sehr 
effizientes und flinkes Archiver-Programm für MS-DOS-Rechner, das, falls es 
in einer DOS-Box unter Win9x/ME gestartet wurde, sogar Dateien mit "langen 
Dateinamen" unverstümmelt archivieren kann.

Nun, warum erzähle ich das alles? Aufgrund der Tatsache, dass ARJ sowohl 
lange Dateinamen berücksichtigt als auch bei privater Nutzung keinerlei 
Lizenzgebühren fällig werden, bietet es sich regelrecht an, dieses 
Archiver-Programm für das Backup seiner WinUAE-Installation zu verwenden, 
um dieses beispielsweise auf einem "richtigen" Amiga oder unter Amithlon 
wieder herzustellen.

UnARJ 2.41 (1.04) basiert auf der UNARJ-Software von Robert K. Jung, welche 
erstmals von Andreas R. Kleinert für AmigaOS portiert wurde.
Leider hatte dieser erste Amiga-Port ein Problem mit der Wiederherstellung 
von Verzeichnisstrukturen, da Unterverzeichnisse nicht automatisch erstellt 
wurden. Die von Ronny Schulz überarbeitete Version 1.04 kann nun, neben der 
korrekten Wiederherstellung von Verzeichnisstrukturen, auch ein übergebenes 
Zielverzeichnis auswerten und Dateien als auch Verzeichnisse mittels 
Wildcards selektiv entpacken.

Die Bedienung von UnARJ ist äußerst simpel, da es mit Hilfe von lediglich 
vier verschiedenen Parametern gesteuert wird. Mit diesen vier Parametern 
können Archive überprüft und aufgelistet oder Dateien inklusive bzw. 
exklusive Verzeichnisstruktur wieder hergestellt werden. Die kurze 
englische Anleitung geht auf alle Parameter ausführlich ein.

Für die Installation genügt es, das ausführbare Shell-Programm in das C-
Verzeichnis der Systempartition zu kopieren. UnARJ wird in Versionen für 
68000- und für 68020/030-Amigas geliefert, so dass der Anwender sich 
zwischen einem der beiden Kompilate entscheiden sollte.

Ein etwas ungewöhnliches, dennoch unproblematisches, Phänomen ist mir bei 
der Dearchivierung mit UnARJ aufgefallen. Werden Windows-Dateien, die 
Umlaute bzw. Sonderzeichen in ihren Dateinamen enthalten (z.B. 
"Änderungen.txt"), unter AmigaOS dearchiviert, werden Programmausgaben von 
UnARJ völlig unleserlich dargestellt. UnARJ arbeitet nichtsdestotrotz 
völlig fehlerfrei weiter. Nur die Files mit Umlauten im Dateinamen müssen 
nach der Dearchivierung z.B. mit Hilfe der Workbench oder eines 
Dateimanagers wieder umbenannt werden.

Übrigens gibt es unter http://arj.sourceforge.net/ eine OpenSource-Version 
von ARJ. Vielleicht findet sich ja ein Programmierer, der diesen Archiver 
auf AmigaOS portiert.

Autor: Robert K. Jung, Andreas R. Kleinert, Ronny Schulz
Aminet: util/arc/UnARJ241_104.lha
Programmversion: 2.41 (1.04)
Homepage: 
Lizenz: Freeware


Sysmon V1.20:

Was ein Systemmonitor ist, muss ich wohl nicht näher erläutern - gibt es 
doch solche Programme für Amiga-Rechner in nicht zu knapper Zahl.
Ein besonderer Systemmonitor ist jedoch Sysmon. Dieser basiert nicht etwa 
auf einem einzigen Programm, wie das z.B. bei ARTM oder Scout der Fall ist, 
sondern auf einer Library und einigen zusätzlichen Shell-Programmen. Das 
Besondere daran ist, dass Programmierer, die ihre Software debuggen 
möchten, die Funktionen von Sysmon innerhalb ihrer Programme einsetzen 
können - sozusagen direkt am Tatort, was natürlich wesentlich präzisere 
Möglichkeiten eröffnet, als das bei externen Programmen der Fall ist.

So können mittels Sysmon beispielsweise die von Unterprogrammen benötigten 
CPU-Ressourcen gemessen werden ("CPU Usage Timing"). Weiterhin stellt 
Sysmon Funktionen zur Protokollierung von Systemnachrichten ("System 
message logging"), Funktionen zur systemweiten Kommunikation zwischen 
Programmen ("send/receive systemwide broadcast messages"), eine neue Alert-
Funktion (im Stil der bekannten Guru-Meditation), erweiterte Task-
Funktionen und noch einige Dinge mehr zur Verfügung. Die "sysmon.library" 
wird mit kompletter Dokumentation (AutoDocs), Include-Dateien, Funktions-
Definition (sysmon_lib.fd) und dem vollständigen Source geliefert.

Das Installations-Prozedere ist, nicht unüblich für solche Art von 
Programmen, relativ umständlich. Da kein Installer-Skript in der 
Distribution enthalten ist, müssen alle Dateien per "Hand", d.h. mit Hilfe 
der Shell bzw. eines Dateimanagers, in die entsprechenden 
Systemverzeichnisse kopiert werden. Die englische AmigaGuide-Anleitung geht 
allerdings auf Konfiguration als auch Installation ausführlich ein, so dass 
die Einrichtung von Sysmon kein wirklich schweres Problem darstellt.

Neben der eigentlichen Library können auch einige beiliegende Shell-
Programme zur Fehleranalyse Anwendung finden. So kann man mit Hilfe des 
Programms "Timer" die Ausführungsdauer von Programmen relativ genau messen. 
"Freeze" und "Unfreeze" dienen zum Anhalten bzw. Fortführen von Tasks. 
"ShowSys" listet alle laufenden Tasks inklusive ihrer Speicheradressen, 
Prioritäten, Laufzeiten und einigen weiteren Angaben auf. Alle Kommandos 
werden natürlich ausführlich dokumentiert. Besondere Beachtung verdient das 
Programm "Sysmon", welches einen kompletten Shell-basierten Systemmonitor, 
der sich den Funktionen der Sysmon.library bedient, darstellt. 

Das Sysmon-Paket läuft auf allen Amigas ab OS 2.04. Verfügt der im Rechner 
eingesetzte Prozessor über eine MMU, sollte die mmu.library von Thomas 
Richter installiert werden. Sysmon unterstützt des weiteren die 
Identify.library, um im Rechner eingebaute Erweiterungen zu erkennen. Auf 
Amigas mit PowerPC-Prozessor könnte es zu Problemen kommen, da Etienne 
Vogt, der Entwickler von Sysmon, keine PowerPC-Karte zur Verfügung hat und 
deshalb Sysmon auf einem derartigen System nicht überprüfen konnte.

Autor: Etienne Vogt
Aminet: util/moni/Sysmon120.lha
Programmversion: 1.20
Homepage: http://mesopk.obspm.fr/vogt/amigasoft.html 
Lizenz: Freeware


Das war's für diesen Monat. Wer Fehler findet, Vorschläge hat oder Kritik
loswerden möchte, schickt mir eine Mail.

Christian Aichinger <aichi@gmx.de>