Hallo Leute!


Das bin ich „Die Dummen haben immer Glueck“
Aus der Betrachtung der Sprichwortsammlung einer aelteren Nocover ist mir obiges Sprichwort in Erinnerung geblieben. Oft habe ich darueber nachgedacht, wieso gerade die Dummen immer Glueck haben sollten oder warum gerade die duemmsten Bauern immer die dicksten Kartoffeln haben sollten. Koennte da etwas dran sein? Da taucht zunaechst die Ueberlegung auf, wer solches entscheidet. Gibt es ein Schicksal, das Glueck oder Unglueck fuer uns bereithaelt und wenn ja, warum sollte das Schicksal gerade die Dummen so reich beschenken und mich im Unglueck stehenlassen? Dann waere ja alles erklaert und mein Ungluecklichsein haette seine Ursache einfach im Schicksal, was immer das sein mag. Aber das kann ich doch so nicht stehenlassen. Das waere zu einfach und Glueck erlange ich durch diese Erkenntnis auch nicht.
Betrachte ich nun die Geschichte vom Hans im Glueck, so bemerke ich, dass unser Hans ja eigentlich bei jedem Tausch betrogen wird und am Ende ist der auch noch gluecklich. Das kann mich nur eines lehren: Glueck kommt nicht von aussen und ist auch nicht von Leistungen oder Erfolgen abhaengig. Da fallen mir Momente meines Lebens ein. Wie oft hatte ich geglaubt, dass das Glueck auf mich wartet, wenn ich nur noch dieses oder jenes erreichen wuerde, eine neue Ausbildung, ein neues Haus oder Auto, eine bestimmte Reise oder eine bestimmte Summe Geldes. Da halfen auch Berichte ueber Lottokoenige nichts, die alles verloren hatten oder gar mit all ihrem Geld so ungluecklich waren, dass sie wieder arbeitengehen wollten. Ich wuerde das bestimmt besser machen, da war ich mir ganz sicher.
Wer ist das nun, der sich da so sicher ist? Es ist der Intellekt, die Ratio. Der Mensch hat zwei Hirnhaelften und eigentlich sollten beide ein Ganzes bilden. Das wuerde bedeuten, dass wir nicht nur rational denken und handeln, sondern auch das Nicht-Logische zulassen. Aber haben wir nicht gelernt, dass ich bin weil ich denke? Haben wir nicht gelernt, dass Leistung das einzige ist, was im Leben zaehlt und dass Gefuehle Schwaeche seien? Damit ist die Entscheidung schon gefallen. Es bedarf gar nicht eines Schicksals, um mich gluecklich oder ungluecklich zu machen. Ich habe mich fuer das Habenwollen, fuer das Rationale, fuer die Liebe, die Bedingungen stellt, fuer das Kaempfen um meine Ziele, fuer das Streiten um meine Standpunkte, fuer das Erzwingen, fuer das Ernsthafte, kurz fuer den Lebenskampf entschieden, so wie man es uns ja auch gelehrt hat.
Wenn ich nun einen Blick auf die andere Hirnhaelfte werfe, dann stelle ich fest, dass hier das Emotionale wohnt, das Passive, das Verbindende, das Spielerische, die Phantasie, das Spontane, die Lebensfreude, das Miteinander aber auch das Chaos, das ich so fuerchte.
Hast Du schon einmal erlebt, dass in Augenblicken groesster Freude und des Jubelns der Verstand schweigt? Offensichtlich haben diese beiden Hirnhaelften Schwierigkeiten zusammenzuarbeiten und es ist der Verstand, der daran Interesse hat. Er will seine Ziele erreichen und sich nicht der Gefuehlsduselei hingeben. Dabei uebersehen wir aber, dass man Glueck, Freude, Genuss und wahre Liebe nicht denken, sondern nur fuehlen kann und hier beginnen unsere Schwierigkeiten. Der kluge Verstandesmensch will alles erzwingen und hat damit ja auch Erfolge, aber Glueck kann er dabei nicht erwarten. Was tut der Rationale, wenn sich Gefuehle zeigen? Er unterdrueckt sie oder er fuehrt Argumente ins Feld, die hinreichend erklaeren, dass Gefuehle nicht gut sind. (Trotzdem bohrt manches Gefuehl unentwegt in uns weiter und nagt an unserer Substanz, da koennen logische Erklaerungen auch nicht weiterhelfen.) So gehen wir an einem Bettler vorbei und fuehlen einen leichten Impuls, etwas zu geben. Da meldet sich sofort der Verstand und erklaert uns, dass wir in einem Sozialstaat leben, wo fuer jeden gesorgt wird und ausserdem kann dieser Mensch ja arbeiten, wie wir das ja auch tun. Trotz allem verfolgt uns oft das Gefuehl, wir haetten doch etwas geben sollen und hier hilft uns Hans im Glueck weiter. Er gibt und freut sich darueber, dass er reich genug ist, etwas weggeben zu koennen und damit erfaehrt er ein Gefuehl des Gluecks, das er selber erzeugt hat. Der „Dumme“also, der nicht nur fuer sich selber kaempft, der erlebt ploetzlich das Glueck und freut sich, dass er anderen helfen konnte. Er folgt den Impulsen der nicht- logischen Hirnhaelfte und wird dafuer reichlich belohnt. Wuerden wir alle etwas von Hans im Glueck lernen, unsere Welt saehe nicht so aus, wie sie es tut. Es gaebe lachende, glueckliche Menschen, die einander verstehen und die faehig waeren abzuwaegen, ob ihre Eigeninteressen noch dem Gemeinwohl dienen. Wir muessen nur so „dumm“ sein und auf unsere Gefuehle achten.

Euer Gerd


Gerd Schöttler E-Mail: goischoettler@terra.es