6. Interview mit Richard Fagher, Autor von »BabeAnoid«

1. Bitte stell dich unseren Lesern kurz vor...

Mein Name ist Richard "Dawnbringer" Fagher, ich bin 31 Jahre alt und lebe 
auf der Insel Donsö bei Göteborg, Schweden. Zur Zeit bin ich ohne 
Beschäftigung, aber gewöhnlich arbeite ich im Webdesign und an anderen 
computerbezogenen Projekten.

Ich benutze den Amiga seit 1991 und habe viele PD-Programme geschrieben:

* BabeAnoid            (game/action/babeanoid_demo.lha)
* DawnVideoPoker3.0    (game/think/DawnVideoPoker.lha)
* SpaceBall2000        (game/action/spaceball2000.lha)
* D-Flip               (game/think/D-Flip.lha)
* Simon2001            (game/think/Simon2001.lha)
* SeaHaven2000         (game/think/SeaHaven2000.lha)
* Fnurr2000            (game/action/Fnurr2000.lha)
* Tittris              (game/think/Tittris.lha)


2. Was waren die Beweggründe für deine Arbeiten?

Es ist Spaß! Ironischerweise schreibe ich häufig solche Spiele, die ich 
eigentlich gar nicht mag... aber das mache ich gewöhnlich, weil ich einige 
neue Routinen oder Programmiertechniken ausprobieren möchte - und der beste 
Weg, das zu tun, ist, ein kleines Spiel zu schreiben... und manchmal führe 
ich dieses einfach weiter, wie z.B. BabeAnoid. ;)


3. Gab es Schwierigkeiten dabei, dieses faszinierende Spiel zu schreiben?

Einige Kommandos von AMOS sind ziemlich langsam, aber glücklicherweise gibt 
es einige Erweiterungen mit zusätzlichen oder verbesserten Kommandos. Diese 
machen AMOS sehr viel mächtiger. Es ist kein Problem, mit AMOS ein 
großartiges Spiel zu entwickeln, wenn man mit Disziplin programmiert, die 
schnellen Lösungen lernt und die Amiga-eigenen Features nutzt (Sprites, 
Copper usw.).

Auch AmigaOS-bezogene Probleme sind eher weniger vorhanden, da AMOS fast 
alles mit eigenen Routinen erledigt. Wie auch immer, BabeAnoid nutzt einige 
Libraries, die Mathematik-Libraries im Besonderen. Man sollte 
sicherstellen, die neuesten und schnellsten Mathematik-Bibliotheken 
installiert zu haben, da diese einen großen Einfluss auf ein Mathematik-
intensives Programm wie BabeAnoid haben können.


4. Gibt es ausreichend Rückmeldungen aus der Amiga-Gemeinde?

Nein, im Grunde gar keine.


5. Was hältst du von den (mehr oder weniger) bald erscheinenden PPC-
basierenden Maschinen?

Ich weiß nicht genug darüber, um das zu kommentieren. Ich bin ein Hardcore-
Amiga-Classic-Fan.


6. Hast du ein paar Tipps für andere Spieleprogrammierer?

Der Platz reicht nicht aus, um hier irgendjemandem Programmierkniffe 
beizubringen... aber eine Sache, die sehr wichtig ist: Versucht, eure 
Programme auf so vielen verschiedenen Maschinen wie irgend möglich zu 
testen, bevor ihr sie veröffentlicht... selbst, wenn es nur ein Demo ist. 
Viel zu viele Spiele aus dem Aminet stürzen schlicht und einfach ab oder 
verweigern den Start, bedingt durch einen Fehler irgendeiner Art. Und nur 
sehr wenige Leute probieren so ein Programm zweimal aus!


7. Glaubst du, dass die Chance besteht, dass es in naher Zukunft mehr 
Spiele geben wird?

Traurigerweise denke ich, dass es in Zukunft immer weniger Spiele geben 
wird, zumindest für den Classic-Amiga, den ich selbst benutze und vorziehe.


8. Denkst du, dass du noch ein anderes brillantes Spiel wie BabeAnoid 
schreiben würdest, wenn genug Feedback aus der Amiga-Gemeinde käme?

Bevor AmigaOS nicht eines der weltweit führenden Betriebssysteme wird, 
würde ich ein so großes Programm wie BabeAnoid nicht wieder für Amiga 
schreiben (dabei ist BabeAnoid noch nicht einmal fertig, erinnerst du 
dich?)... wie auch immer, einige kleinere Spiele wären nicht unmöglich.

Zur Zeit arbeite ich noch an einem Weltraumspiel (bisher habe ich schon elf 
Jahre daran gesessen), hauptsächlich an den Theorien, aber wenn es jemals 
beendet wird, wird es eines der größten und komplexesten Spiele sein, die 
geschrieben wurden. Alle Spiele, die ich bisher für den Amiga programmiert 
habe, waren Training für diese Mission. ;)

Die traurige Wahrheit ist, so gern ich dieses Spiel für den Amiga schreiben 
würde, mir fehlt die Motivation dazu (ich kann nicht umsonst arbeiten). Ich 
werde es für das System mit den meisten Nutzern schreiben. Aber wenn Amiga 
dann immer noch existiert, und dann hoffentlich etwas größer als heute..., 
werde ich mein Bestes tun, um es für den Amiga zu konvertieren und zu 
veröffentlichen, falls möglich.


9. Ein paar Worte an alle Amiga-User?

Danke, dass ihr so lange in einer so schweren Zeit immer zu unserem 
geliebten Amiga gehalten habt! Und lasst uns hoffen, dass der Amiga eines 
Tages, auf irgendeinem Weg, ein starkes Comeback erleben wird - so dass wir 
wieder die Überlegenheit dieser intelligenten, kreativen und wunderschönen 
Computerumgebung erfahren können, die einst in der ganzen Welt führend war. 
Amiga rulez!

Das Interview mit Richard Fagher führte Wolfgang Hosemann <whose@gmx.de>